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cotopaxi

 
Als ich vor mehr als zwanzig Jahren die ersten Schularbeitshefte zu korrigieren hatte, schaute mir eine erfahrene Betreuungslehrerin über die Schulter. Gut so.

Perfekt statt Imperfekt - schwerer Fehler.
Adjektiv statt Adverb - schwerer Fehler.
Falsche Verbform - schwerer Fehler.

Nach acht schweren Fehlern war der Ofen aus: Nicht genügend. Trotzdem konnte eine schöne Mehrheit der SchülerInnen gute und sehr gute Noten stolz nach Hause tragen.

Heute muss ich beim Verbessern mein Notebook starten, um von Excel - scheinbar objektiv - Punkt für Punkt eine Gesamtnote errechnen zu lassen. Die Sprachfehler haben sich dadurch nicht verändert, aber die Latte liegt ganz wo anders, Stockwerke tiefer, nämlich bei 50 %. Wenn ein Schüler mehr als die Hälfte der Punkte erreicht, ist er positiv zu beurteilen. So der politische Wille.

Mehr als die Hälfte der Vokabel gelernt, positiv.
Mehr als die Hälfte der Grammatikbeispiele gelöst, positiv.
Mehr als die Hälfte der Antworten gefunden, positiv.

In einer Fremdsprache wirkt sich das - besonders im Anfangsunterricht - dramatisch aus, weil zum Weiterlernen einfach ALLE Vokabel gebraucht werden, ALLE Verben konjugiert werden müssen, ALLE Grammatikregeln verstanden werden sollen.

Sonst baut man ein Haus auf einem halben Keller. Und den zweiten Stock auf einem halben ersten usw.: Hochhäuser entstehen anders.

Wenn ich diese Entwicklung aus größerer Distanz betrachte, stoße ich auf eine ungeklärte Frage: Wer ist an dieser Abschlussinflation interessiert? Schließlich produzieren wir immer mehr Abschlüsse, die immer weniger wert sind: Abschlussinflation statt Bildungswachstum ist wie Geld drucken statt Werte schaffen. Wer will das?
PeZwo meinte am 23. Jun, 15:43:
Ich verstehe was du meinst... aber ich sehe das nicht so dramatisch und begründe dies so:

Erstens: eine Schularbeit oder ein Test ist ja nur eine Momentaufnahme und sogar dies gibt nicht immer vollständig das momentane Wissen des Schülers wieder (wenn ich an meine Schularbeiten denke, da habe ich fast immer aus Nervosität Fehler um Fehler begangen, die mir sonst nie passiert sind).

Zweitens: die Wirtschaft ist in erster Linie an Schulabschlüssen interessiert... 2 Beispiele:
Mein Bruder hat Autoelektriker gelernt und nach der bestandenen Gesellenprüfung nicht eine Minute in diesem Job gearbeitet... er ist seit damals sehr erfolgreich im Gastgewerbe tätig.

Ich habe eine HTL-Matura in Elektrotechnik... aber ich arbeite seit der Matura ausschließlich in der kaufmännischen EDV.

Es hat noch nie jemanden gestört, dass wir ganz etwas anderes lernten als wir jetzt arbeiten. Wichtig war den Personalchefs immer nur die Tatsache, dass wir die Ausbildung abgeschlossen hatten. Ich glaube nicht, dass wir Einzelfälle sind... Ich kenne nicht wenige Leute, die heute auf einem völlig anderen Gebiet arbeiten als sie ausgebildet wurden.

Aus diesen Gründen sehe ich das nicht so dramatisch, obwohl ich deine Lehrersicht verstehe. 
teacher antwortete am 24. Jun, 11:04:
Mir als Lehrer könnte es eigentlich egal sein, welche Noten ich unter eine Arbeit schreibe. Wenn ich viele gute Noten (auch unter schwache Arbeiten) schreibe, geht es mir sogar besser als wenn ich schlechte Noten hinschreibe.
Der Druck und die Forderung nach wirklich guter Bildung müsste von anderer Seite kommen! Ich spüre nur den Wunsch nach vielen guten Noten! Abschlüsse statt Inhalte eben. 
Herr Rau (Gast) meinte am 23. Jun, 16:24:
Vielleicht will das keiner und es lässt sich nur nicht vermeiden, da es schwer ist, das Niveau gleich zu halten. Und weil eine Abschlussdeflation noch schlechter wäre, nimmt man die Inflation in Kauf. 
teacher antwortete am 24. Jun, 11:06:
Es passiert wie Inflation?
Wird es nicht absichtlich gemacht?
Ist es nicht politisch erwünscht? 
timanfaya meinte am 23. Jun, 16:49:
das mit der inflation ist auch ein wenig wahrnehmungsverzerrung. ja, das stimmt sehr wahrscheinlich im bereich deutsch. ich habe allerdings beim ehemaligen "idiotenfach" biologie (bienchen und blümchen) schon vor 20 jahren biochemisches gelernt, das noch 20 jahre vorher der uni vorbehalten war. und das gilt für viele fächer, und das gilt auch für die späteren berufe, insbesondere den technischen. während ein magisterstudiengang über die jahre reltiv statisch geblieben ist geht in den ingenieurstudiengängen so dermaßen die post ab, dass es einem manchmal den atem raubt.

gegen mich sind meine ehemaligen chefs schon seit meinem berufseinstieg fachliche analphabeten. wenn man die erfahrung aufgeholt hat weiss man schnell wo die bremse im laden sitzt. die haben sich an der uni nur ein viertel (wenn überhaupt) von dem reinpfeifen müssen, was heute in technischen bereichen so ansteht. allein der ganze begleitende computerkwatsch umfaßt heute wie selbstvertsändlich einen umfang, der früher für einen eigenen studiengang gereicht hätte.

ganz ehrlich: aufgrund dieser anforderungen bleibt deutsch da gerne mal auf der strecke. das merke ich an mir selbst, der geschriebene sachen inzwischen kaum noch korrektur liest.

frage am rande: schreiben österreich und deutschland nach unserer dollen reform eigentlich nach unterschiedlichen regeln? 
teacher antwortete am 24. Jun, 11:11:
Einen Vergleich auf UNI-Niveau wage ich nicht anzustellen - einen Niveau-Vergleich auf Sekundarstufe schon. Da korrigiere ich ja ständig Arbeiten.
Wir haben in Ö. eine Rechtschreibreform, die wir in den Schulen zu respektieren haben. In den Zeitungen, in Büchern etc. hat sie sich noch nicht völlig durchgesetzt ... wir nehmen sie nicht ganz ernst, wir akzeptieren einfach mehr als bisher. Motto: Die neue Rechtschreibung erlaubt mehr, das ist lieb. 
TwoEdgedWord (Gast) meinte am 23. Jun, 17:09:
Ich habe hier einen Lambacher Schweizer (Mathebuch, das es dem Namen nach auch heute noch gibt) für die Mittelstufe von 1950. Hab vor kurzem mal reingeschaut, geschluckt, mir Stift und Papier geholt und geschaut, wie schnell ich durch die Aufgaben durchkomme... Mit Unterricht nach so einem Buch könnte ich heute großflächig Mathe-LKs leeren (ohne h).
Aber angeblich lernen die jungen Leute heute ja auch andere wichtige Dinge in Mathe... ich frag mich halt nur manchmal welche (und jetzt bitte nicht wieder diese Kompetenzgrütze... bin ja mal auf die Vorträge von

//www.didaktik-biowissenschaften.de/flyer1.pdf

gespannt.) 
leuman (Gast) antwortete am 24. Jun, 00:14:
Den Eindruck habe ich auch gewonnen, als ich vor Jahren mal die Schulbücher meines Vaters durchgesehen habe. Der Mensch wächst eben mit den Anforderungen. Und wenn man nur die Hälfte verlangt, wird nur die Hälfte gemacht. Das trifft auf michh natürlich auch zu, so ökonomisch bin ich in meinem Handeln. 
teacher antwortete am 24. Jun, 10:58:
Da kommen dann Z.B. soft skills ins Spiel, die wirklich eine wichtige Rolle spielen.
Bleiben die Fragen: Warum testen PISA&Co. diese nicht ab?
Brauchten frühere Generationen diese nicht?
Was können die heutigen Absolventen wirklich mehr (z.B. am Computer)? Und wer misst das dann endlich? 
fedor (Gast) meinte am 24. Jun, 07:48:
Die Wirtschaft war ganz bestimmt nicht daran schuld,daß die Anforderungen seit 30 Jahren gesenkt -modifiziert-wurden.Aber seitdem erzählen uns halbausgebildete Sozialutopisten,wie man unterrichten soll.Und wenn man's nicht glauben will,dem legen sie viele spitze Steine unter. 
teacher antwortete am 24. Jun, 10:54:
Die Arbeitgeber müssten andere Ziele haben: gut ausgebildete Arbeitskräfte statt nichtssagender Abschlüsse. 
Jogurtbecher (Gast) meinte am 24. Jun, 08:49:
50%
Sind 50% nach definition nicht einfach nur eine 4?
Also im Prinzip bestanden (was positiv ist) aber mit einen Ergebnis welches einem zum denken bringen sollte. 
teacher antwortete am 24. Jun, 10:52:
Ja. 50% = 4.
und wer freiwillig mehr lernt, ist ein Strebschwein. 
timanfaya antwortete am 24. Jun, 11:18:
mein zeitältester freund aus alten schultagen hat mit 3,8 einen noch schlechteren abschluss als ich [3,0]. auf dem papier also ein "problemfall". dnach hat er bauingenieurwesen studiert, nicht lange dafür gebraucht und mit 1,6 abgeschlossen. heute ist er bereichsleiter in einem großen baukonzern, haus, firmenwagen - das ganze gedöns halt. und da ich ihn persönlich sehr schätze halte ich ihn auch für einen sehr guten chef. wir wohnen inzwischen nur noch 100m auseinander und wer uns in unserer freizeit sieht hält uns wahrscheinlich immer noch für einen problemfall.

ich habe mich im studium "nur" um eine note verbessert, bin heute selbständig, habe zahlreiche angestellte und halte mich auch für einen guten chef. zumindest hat bei mir noch nie jemand gekündigt.

es gab zeiten, da haben wir uns angesichts unserer schulnoten vielleicht mal sorgen um unsere zukunft gemacht. dann kam die zeit, in der effiktives arbeiten gefragt war. minimaler einsatz mit maximalem erfolg [das was an der schule nicht so wirklich funktioniert hat, zumindest auf der erfolgsseite. andererseits wollten wir auch nur den hochschulzugang.]. da sind studium und arbeitsleben völlig identisch. ich halte schulnoten inzwischen für nur bedingt aussagekräftig. und schulabschlüsse im prinzip auch. ich habe seit einem jahr einen lehrling mit einem hauptschulabschluss in einem abi-lehrberuf. wir hegen und pflegen ihn und er gehört in seiner klasse zu den besten. ich bin mir relativ sicher, dass er danach sein abi nachholt und auch noch studiert.

alles hat seine zeit. und ich finde die schulzeit völlig überbewertet. auch, wenn ich meinem sohn natürlich was anderes erzählen werde. 
teacher antwortete am 24. Jun, 11:23:
Überbewertet? Die Gesellschaft erwartet so unglaublich viel von der Schule! Wir schaffen oder ruinieren Lebenschancen - angeblich.

Und: Was hätten wir in der Schule tun müssen, um euch - später erfolgreichen - Typen zu Höchstleistungen anzuspornen. Da wäre doch bei euch noch viel Potenzial zu heben gewesen. 
Der_Eisenschmyd antwortete am 24. Jun, 11:31:
Hallo Teacher,
meiner Erfahrung nach wollen viele Schüler in der Schule gar keine Höchstleistungen erbringen, bzw. sie wollen erst recht nicht dazu angespornt werden.
Aus meiner Erfahrung heraus ist es eher so, das viele Schüler die Schule nur als so eine Art Übergangszeit sehen.
Ein Schüler z.B. fand die Realschule völlig langweilig, das Gymnasium macht er nur weil er das Abi fürs Studium braucht, aber alles eben nur mit minimalen Einsatz.
Eigentlich ist er mit seinem Kopf die ganze Schulzeit über schon beim Studium und DAS ist wirklich wichtig für ihn und DORT will er dann auch Höchstleistungen erbringen. 
teacher antwortete am 24. Jun, 11:56:
Diese Erfahrung muss ich auch machen (nicht durchgängig, aber doch). Ich erkläre dann, dass wir ein Trainingsplatz fürs richtige Leben sind - und dass man sich auch da verausgaben muss. 
kraM antwortete am 24. Jun, 13:37:
Ich find ja nicht, dass Schule so unwichtig ist. Sicher guckt später keiner mehr auf meine Realschulnoten, aber wir lernen ja auch idealerweise was in der Schule. Darum sollte es auch gehen, und nicht so auf die Noten fokussiert. Dass einer Erfolg haben kann, obwohl er schlechte Noten hatte, ist kein Beweis dafür, dass Schule jetzt unwichtig und nur eine belanglose Übergangszeit ist.

Ich bin schon ganz froh, dass ich in einem Land lebe, in dem ich in eine vernünftige Schule gehen konnte. 
timanfaya antwortete am 24. Jun, 13:44:
das einzige was faule aber effiziente studiumszugangsschülern auf trab bringt ist gnadenlose aber faire härte. ist ja nicht so, dass ich nicht auch mal einsen auf dem zeugnis gehabt hätte. aber nur, wen es nötig war. das war aber bei den lehrern* wo es nur barfuss oder lackschuh gab. wenn man das durchziehen würde bekämen allerdings 50% aller schüler den gewünschten abschluss nicht. das waren nämlich die, die sich für ein 2,7 abi echt schinden mußten während wir großmauligen feierarschgeigen 'ne 3 jährige party gefeiert haben.

*das waren dann die lehrer [über alle altersgruppen verteilt] mit namen wie dirty harry, lichgestalt, mr. souveränität, die hand gottes o.ä. - die wiederum sprüche a la "schüler x, ist ihnen kalt - kommen'se mal zur tafel, ich werde ihnen mal kurz einheizen!", "malen sie mal die rückseite eines zuges!" - "warum?" - "weil der gerade für sie abgefahren ist ..." , usw. . begrüßung im bio lk, erste stunde: "sie müssen sich die oberstufe wie einen fesselballon vorstellen. damit der aufsteigt, müssen wir ballast abwerfen. schüler x, fühlen sie sich eher als sandsack oder als passagier ...?" - und auf ging's in drei sehr unterhaltsame jahre zwischen schmerz und viel schmerz.

ich weiß, dass das heute den wechsel des kultusministers zu folge hätte. vor 20 jahren auf einem altsprachlichen gymnasium fanden die kuhlen jungs so lehrer übrigens klasse. und mit einigen habe ich heute noch persönlichen thekenkontakt.

p.s.: was das verausgaben angeht - keine gute fußballmanschft spielt besonders gut, wenn sie nicht wirklich gefordert wird.

p.p.s.: natürlich ist schule sehr wichtig, so meinte ich das nicht. mindestens die hälfte meines recht umfangreichen allgemeinwissens habe ich dort vermittelt bekommen. allein die aussagekraft von noten stelle ich sehr in frage, insbesondere, da ich durch lehrerwechsel auch gerne mal um drei bis vier stufen nach oben oder untern gerrutscht bin. 
teacher antwortete am 25. Jun, 09:44:
Die Pädagogik ist weit entfernt davon, Lehrer, wie sie hier (von timanfaya et al.) zitiert werden, positiv zu sehen: Lernen soll angst- und druckfrei, aus eignem Antrieb und selbstverantwortlich stattfinden ... wie realistisch das ist, kann man bei jedem Schülertreffen erfahren. 
timanfaya antwortete am 25. Jun, 10:35:
ich finde, man sollte das schulsystem (egal in welchem land) vielleicht mal dahingehend reformieren, dass man in den einzelnen abschlüssen verschiedene standards setzt. ich wäre freiwillig auf eine hardcore schule gegangen(bin ich ja letztendlich auch, aber sie war halt nicht hart genug), ich kannte ja meine schulische problemstellung. und es gibt natürlich auch feinfühligere seelen, die ganz anders angepackt werden müssen. ich empfinde diese gleichschaltung als völlig realitätsfern. nach der schule ist eh schluss mit lustig. egal ob beim wehrdienst, in einer lehre oder an der uni (das war mein weg): da heißt es erstmal schän die fresse halten und lage sondieren. insbesondere an der uni interessiert es absolut niemanden wie man da psychisch durchgereicht wird. entweder man packt das, oder man packt es nicht. ich habe so viele mitstudenten scheitern sehen, die allein dem druck nicht standhielten. und ich nehme mal an, das waren die, die sowas vorher noch nicht erlebt hatten. dieses schulische samthandschuhgehabe ist also durchaus zweischneidig, weil es sowas an der uni nie geben wird.

vielleicht sollte man freiwillige hardcore schulen als studiumsvorbereitungsschulen etablieren. damit sind die, die ohnehin nicht studieren wollen aus der schusslinie - und die anderen bekommen die vorbereitung, die sie brauchen.



*ich halte von dem ganzen gemiensamen skandinavien gedöns recht wenig, da das mit der realität in vielen deutschen großstädten aber mal garnichts zu tun hat. ich saniere seit jahren eine als problematisch geltende gesamtschule. und jedesmal wen ich dort bin frage ich mich, was da wohl aus mir geworden wäre ... *auweia*. und die schule ist vergleichsweise harmlos ... 
virtualmono antwortete am 26. Jun, 19:54:
das waren nämlich die, die sich für ein 2,7 abi echt schinden mußten während wir großmauligen feierarschgeigen 'ne 3 jährige party gefeiert haben.

Genau :-) Insgesamt war die Zeit in der Oberstufe einfach nur genial. 
romeomikezulu meinte am 24. Jun, 17:17:
WOLLEN tut das KEINER, aber
...Wenige wollen etwas dagegen tun.
Wir reden ja in Wirklichkeit gar nicht mehr über die "Aussagekraft von Schulnoten" (die wurde zu allen Zeiten angezweifelt).
Der Punkt ist aber mittlerweile ein ganz anderer:

Es geht darum, dass wesentliche Teile der Schulabgänger nicht mehr ausbildungsfähig ist. Man mag von Ex-Siemens-Chef H.V.Pierer denken, was man will, aber er ist sicher zu kompetenter Aussage befähigt, wenn er z.B. sagt, 30% der Bewerberazubis bei Siemens seien schlicht nicht ausbildungsfähig, aufgrund eklatanter Lücken in Deutsch und Mathe.

Die Politik macht es sich einfach, weil gute Ausbildung
a) wahnsinnig teuer ist und langfristige Personalbindungen mit sich bringt und
b) wahnsinnig lange dauert. Also zumindest länger, als man selber im Amt ist. Welcher Politiker investiert schon gerne in ein Feld, in dem ER für die Kosten geradestehen muss, und der Nach-Nachfolger darf dann ernten?
Dann lieber billig den Eltern nochmal was in bar zustecken, die merken sich das vielleicht bis zur nächsten Wahl, danach dürfen Andere ran. 
teacher antwortete am 25. Jun, 09:46:
Die Schule ist soweit gesunken, dass selbst (sekundäre) Analphabeten einen (Hauptschul-)Abschluss vorweisen können. 
zement (Gast) meinte am 24. Jun, 22:40:
Politisch gewollt? Was für eine Note unter eine Arbeit kommt? Hingekritzelt von der höchsteigenen Hand? Leiden wir ein ganz klein bissel an miesepetriger Spiessbürger-Paranoia? Hoffe doch sehr, der Herr Lehrer steht und stellt vor seinen Pappenheimern (s)einen andern Mann als die wehleidige Memme, die uns hier regelmässig ein dumpfsinnig-kleingeistiges Geflenne vor die Füsse kleckert ... Großspurig-nichtstuend ins Wuchtig-Allgemeine lamentieren statt an der konkreten Stellschraube, wo man höchstselber Tag für Tag sässe und wirkte und gefordert wäre, beherzt und mit Elan anzupacken – so in der Tat sieht vor meinem geistigen Auge der tatsächlich schwache Schüler aus, bei welchem man als Lehrkraft längerfristig die Tendenz hätte, die Flinte ins Korn werfen zu wollen; wobei dieser wohlfeile Einwurf in Tat und Wahrheit binnen kürzestem als rhetorische Floskel zu entlarven wäre – ist doch kein Eleve in der lebenspulsierenden Praxis tatsächlich von so kläglicher Statur ... 
romeomikezulu antwortete am 25. Jun, 09:04:
Gute Güte!
Welche Ausgabe des KulturSPIEGEL haben SIE sich denn gespritzt?? 
teacher antwortete am 25. Jun, 09:49:
Ja! Politisch gewollt: Bei 50% positive Note geben - das ist eine Anordnung, die ich durchzuführen haben. 
TwoEdgedWord (Gast) antwortete am 26. Jun, 19:38:
Autsch
//www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/2788478_Professor-fuer-Didaktik-Liegt-halb-richtig-bei-wem-225-ergibt.html

Money qoute:

Ich werde heute eine empirische Untersuchung vorstellen, nach der wir in der neunten Jahrgangsstufe eines nordrhein-westfälischen Gymnasiums eine Abitur-Leistungskursarbeit Biologie haben schreiben lassen - ohne jede inhaltliche Vorbereitung. Das Ergebnis war erschreckend, denn zwei Drittel Schüler hätten die Abiturarbeit bestanden, einer sogar mit einer Eins.
[...]
Fazit: Wenn zwei Drittel der Neuntklässler eine Abiturleistungskursklausur Biologie, deren Thema sie vorher überhaupt nicht kannten, mit der Note vier und besser schaffen, dann ist das zwar nach außen verkaufte Exzellenz - man feiert die drastische Erhöhung der Abiturientenzahlen als Erfolg -, in Wirklichkeit aber eine Nivellierung ins Nichts. 
BIA (Gast) antwortete am 26. Jun, 23:08:
Also,ich habe heuer das Grundkursabitur Geschichte Bayern korrigieren dürfen - und das ist ohne gründliches Lernen nicht zu schaffen. Ein paar Punkte kann man sich über intelligentes Lesen und Auswerten der vorgegebenen Quellen schon ergattern - aber nicht genug, um positiv auszusteigen. Ich nehme an, in den anderen Fächern war's nicht viel anders. Über NRW kann ich nicht urteilen, aber Bayern verschenkt seine Abis nicht. 
teacher antwortete am 28. Jun, 10:21:
In Österreich prüfen die Lehrer ihre eigenen Schüler/innen auch bei der Matura (Abi). Dort erlebe ich ständig, wie die Noten "verschenkt" werden, damit niemand schlecht dasteht. Eine verrückte Show!
Dem Prof. Klein (s. link) muss ich leider zustimmen: Viele schöne Abschlüsse werden produziert, weil sich Eltern und Politiker darüber freuen. Den SchülerInnen fällt gar nicht mehr auf, wie wenig Wissen sie wirklich erwerben, sie haben ja keinen Vergleich. 
Peter (Gast) meinte am 26. Jun, 21:17:
Ich habe vor kurzem mein Fachabitur nachgeholt, mit einem sehr guten Schnitt. Jetzt fragt mich jeder wie ich das hinbekommen habe. Ehrlich gesagt weiß ich es selber nicht so genau. Vom Gefühl her habe ich genauso viel gelernt wie an anderen Schulen. Die Unterschiede die ich ausmache und an denen es wahrscheinlich liegt:

- Ich habe das ganze freiwillig gemacht
- Meine Mitschüler und Mitschülerinnen waren genauso wie ich daran interessiert eine guten Abschluss zu machen
- Mobben unter Schülern war überhaupt kein Thema weil wir alle erwachsen waren bzw. sind
- Die Lehrer waren sehr gut und haben das Ganze soweit ich es verstanden habe freiwillig gemacht

Für mich ist seitdem klar, dass die Schulbildung nicht unbedingt am Anfang des Lebens stehen muss, sondern auch sehr viel später erworben werden kann. 
teacher antwortete am 28. Jun, 09:52:
So hätte ich es gerne: Weg mit der Schulpflicht! Sie gehört ersetzt (nach einer Grundausbildung bis zur Pubertät) durch eine Beschäftigungspflicht. Sinnvolle (Aus)Bildung kann erst dann stattfinden, wenn die Leute dazu bereit sind. Dann wird Schule wieder als Hilfe und Angebot gesehen statt als Unterdrückung - das würde mich wieder freudig arbeiten lassen. 
Peter (Gast) antwortete am 28. Jun, 18:06:
Das sowas ein Lehrer sagt ;) Aber ich verstehe den Punkt schon. Andererseits: Kann es sich die Gesellschaft leisten, dass ein gewisser Prozentsatz (ich möchte gar nicht wissen wie viele es wären) überhaupt keine Schule besucht hat? Das jetzige System mit einer gewissen Schulpflicht scheint mir doch sinnvoller als die komplette Freiwilligkeit. Wer mehr möchte soll mehr machen können, aber ein gewisser Level sollte auf jeden Fall vorhanden sein.

Aber ich habe auch leicht reden. Denn wie sagt man so schön: Der Idealismus wächst mit dem Abstand zum Problem. 
teacher antwortete am 28. Jun, 20:29:
Ich würde die Schulpflicht so lange ansetzen, bis ein Minimalstandard (lesen, grundrechnen, schreiben) erfüllt ist. Die einen erreichen das in 4 Jahren, die anderen brauchen vll 7 Jahre. Dann gibt es nur Beschäftigungspflicht: Schule, Arbeit, Sozialdienst ... was auch immer. Eines geht nicht: chillen. 
deprifrei-leben meinte am 26. Jun, 21:28:
Nach meiner Meinung wird auch in Deutschland zu wenig in Bildung investiert. Es gibt zuwenig Psychologen an Schulen und zu wenig Nachhilfeunterricht für schwächere Schüler. Wenn die Hilfsmassnahmen und Betreuungen optimaler wären, dann könnte man auch die Messlatte für den Leistungsanspruch erhöhen. 
teacher antwortete am 28. Jun, 09:53:
Dafür sind die Steuerzahler nicht bereit. Sie wollen nicht ihr schwer verdientes Geld in die Bildung "vergeuden". 
oessi3 (Gast) antwortete am 28. Jun, 22:04:
google translator ist dein Freund
und das ganze Vokabelwissen sinnlos. 
teacher antwortete am 29. Jun, 20:21:
Langfristig wird das sogar stimmen. Daher würde ich Fremdsprachen aus dem Lehrplan streichen - aber Deutsch und Englisch ordentlich, also wirklich ordentlich, unterrichten. 
 

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