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cotopaxi

 
Heute werden mich die Geschäfte wieder hassen.

Wir bleiben an einem simplen Wort hängen: "Frau Huber ist umsatzbeteiligt."
"Was versteht man unter Umsatz?", hake ich ein.
Da raten die Dreizehnjährigen, haben aber keinen Schimmer einer Ahnung - ich gebe mir die Antwort selbst:
"Wenn am Abend die Filialleiterin beim H&M das Geld in den Kassen zusammenzählt, das ist der Tagesumsatz ... die Summe aller Einnahmen."
"Und wen beteiligt sie dann?", bringt jemand schlau den zweiten Teil des Wortes ein.
"Dich nicht ... :-)... aber die Verkäuferinnen ... vielleicht. Ich weiß nicht, ob das beim H&M der Fall ist. Möglich wär's schon."
"Warum sollte sie?"
"Gute Frage. Was glaubt ihr, warum sie das Geld praktisch herschenkt? Die beziehen ja alle einen Grundgehalt!"

Viele finden das auch ganz komisch, aber schließlich wird es klar:
"Das motiviert die Verkäufer. Die wollen mehr verkaufen, damit sie mehr verdienen."
"Deswegen fragt die beim MCDonalds immer, ob ich einen Shake dazu haben will?"

Es läutet und Eva schreit quer über die Bänke:
"Komm, Verena, ich muss noch zum DM."

Da mische ich mich noch einmal ein:
"Fragt die Verkäuferin, ob sie umsatzbeteiligt ist!"
"Gut, wenn wir ein Plus dafür bekommen!"
"Nur, wenn ihr herausfindet, wieviel Prozent sie bekommt!"
So läuft unser Business!

Die Lawine rollt - jetzt geht die halbe Klasse auf die Jagd. Und die Geschäfte rund um die Schule werden mich wieder hassen.
Keine Sorge: Das passiert nur ein Mal im Jahr. Aber in jeder dritten Klasse.

Also wenn euch jemand fragt ... bitte höflich bleiben. Meine Schuld.

"Wozu brauch'ma den?"

Welchen Tätigkeiten ein Landesschulinspektor für gewöhnlich nachgeht, das entzieht sich unserer Kenntnis. Wir sehen ihn im Durchschnitt zwei Mal pro Jahr, das reicht.

Letzte Woche taucht er - für uns Lehrer unangemeldet - auf. Keine Sensation, aber ungewöhnlich. Ich schaue auf meinen Stundenplan und weiß nicht, ob ich mich fürchten oder freuen soll.

Zu den zwei Regulärstunden habe ich noch eine dritte als Supplierung in der 8.Klasse ausgefasst. Die Vermutung liegt nahe, der Herr Inspektor wollte die letzte Gelegenheit nützen, die Abschlussklassen zu visitieren.

Rein in die Bude. Ja, es stapelt sich der Mist in den höheren Klassen. Sie kommen und gehen wie sie wollen und die geregelten Ordnerdienste sind Vergangenheit. Von 18 Leuten haben 8 in meine Stunde gefunden, meine Maturanten und solche, die von der letzten Stunde (Latein) übrig geblieben sind oder auf die nächste Stunde (Philosophie) warten.

"Können wir weiter spielen?", fragen mich jene, die bei mir nicht antreten.
"Ganz schlecht!"
Ich erkläre die Anwesenheit der Kontrollinstanz.
"Wurscht", sind sie mäßig beeindruckt.

Wir einigen uns darauf, dass sie individuell Vorbereitungen auf den Computern machen können. In Wirklichkeit surfen sie entspannt im Netz herum.
Meine unbegründete Nervosität verliert sich in pragmatischem Phlegma: "Soll er doch sehen, wie es bei uns zugeht!"

Schlimmer wird die übernächste Stunde. Ich soll für den Mathematikkollegen, der auf einer naturwissenschaftlichen Olympiade verweilt, einspringen. Diesen Schülern kann ich in Mathe nichts mehr beibringen: Wahrscheinlichkeitsrechnungen, CAD und andere Fremdworte werden wiederholt. Fünf Schüler rechnen irgendwelche Funktionen durch, die anderen sind nach Hause (oder ins nächste Kaffeehaus) gegangen. Was, wenn jetzt der Herr Landesschulinspektor auftaucht?

Für diesen Fall lege ich mir zünftige Antworten bereit.
- "Sorry, ich kann sie nicht mit dem Lasso einfangen!" Klingt zu aggressiv.
- "Ich habe alle ins Klassenbuch eingetragen." Bürokratisch!
- "Was würden Sie mir in so einem Fall empfehlen, Herr ...?" Hilflos.

Klar, die Noten stehen fest. Nicht nur das Schuljahr, die ganze Schule hat ein Ende gefunden. Nur die naive Obrigkeit hält an der Devise fest: "Unterricht bis zum letzten Tag."

Er kommt nicht, er hat andere Arbeit in der Direktion gefunden ... oder er erspart sich die Niederlage. Ist mir auch recht.

In der Schnellbahn singt ein Handy. Ein Mann in bester Morgenlaune, stramm, fit, um die dreißig, zückt ein glänzend schwarzes Telefon und meldet sich mit einem selbstbewussten: "Yoo!"

Ich hasse die handyfonierende Öffentlichkeit. Ich will in Ruhe die grauen Häuser und die grünen Wiesen vorbeiflitzen sehen, vor allem will ich Ruhe. Mir reicht der suboptimale Geruchsvorhang um mich herum, mir reicht das penetrante Quietschen der Eisenräder unter mir, die marode Atmosphäre öffentlicher Verkehrsmittel spendet wenig Lebensfreude. Ich brauche keine Einkaufstipps via Telefon, keine medizinischen Ratschläge entfernter Schwiegermütter und auch keine Flirtnachhilfe über pubertierende Miniröcke.

Ende der Erregung (Bitte um Nachsicht).

Der Mann hebt also ab und beginnt zu jammern. Bald weiß der ganze Waggon, der ungewöhnlich interessiert zuhört, was den Herrn Kollegen bedrückt.
Er kommt vom flachen Land, der Dialekt hat ihn bald verraten, und fährt ins nächst gelegene Schulzentrum zur Arbeit. Im Nu liegt sein erzählter Frust wie eine Nebeldecke über der frühen Fahrgemeinschaft.

Er kann nicht mehr, die Hauptschüler sind unerträglich geworden.
"Das druck I nimma durch."
Nein, zurück ins Dorf, das geht auch nicht, wie soll er das seiner Familie erklären. Die meint ihn ja in einer guten, unkündbaren Anstellung in der barocken Landeshauptstadt.

Mit mir steigen zwei Damen aus, die ihr Mitgefühl mit dem "feschen Mann" nicht zurückhalten können. Sie verstehen seine Verzweiflung mit der "heutigen Jugend".
"Man liest es ja täglich in den Zeitungen, Drogen, Gewalt ... siehst eh."
"Armer Mensch."

Mir kommen die Tränen. Wenn ich an die Gesamtschule denke, wird mich das selbe Schicksal ereilen.
Am liebsten würd' ich ihn engagieren, den smarten "Landlehrer". Zum permanenten Telefonieren in allen öffentlichen Verkehrsmitteln der näheren Umgebung. Über kurz oder lang hätten wir die halbe Welt auf unserer Seite.
Mitleid mit den Lehrern. Das täte schon gut.

Soweit mein Vorschlag zur Guerillawerbung in eigener Sache.

Unsere Mädels emanzipieren sich: Sie saufen wie die Burschen.

Fallen aber früher um.
Unterschätzen besoffene Freunde.
Wachen wieder auf.

Ein seltsamer Fall kommt mir zu Ohren:
Katharina kommt aus einem katholischen Elternhaus und kämpft um Akzeptanz in ihrer Klasse. Nicht gewohnt, vier Tequila über den Durst zu trinken, kippt sie beim samstäglichen Kampftrinken als erste um. Drei Burschen, die schon fest "vorgeglüht" haben (Die Flasche Wodka war um Euro 4,99 im Sonderangebot!), vergreifen sich an Katharina und filmen ihre Entjungferung.

Vergewaltigung? Nein, sie hat sich nicht gewehrt! Gelacht hat sie!
Anzeige? Nein, sie schämt sich zu Tode. Sie fürchtet die Öffentlichkeit.
Reue? Nein, die Videos werden in Foren zum Downloaden beworben.
Die Eltern? Gebrochen.
Das Mädchen? Zerstört.
Die Burschen? Eine besoffene Geschichte.
Die Lehrerinnen? Geifern nach Rache.
Die Lehrer? Warnen.
Der Direktor? Gott sei Dank ist das nicht in der Schule passiert!
Die Medien? Nur die nicht!
Das Gesetz? Was ausserhalb der Schule passiert, geht euch nichts an!

Ich? Schreibe seit Jahren für ein generelles Alkoholverbot bis zum 21. Lebensjahr.
Tut was! Das Richtige. Sofort.

Der Lehrberuf wird gerne als gesellschaftlicher Aufzug genützt. Viele meiner KollegInnen stammen aus einfachen Verhältnissen, haben am Bauernhof Unkraut gejätet, im Büro der Mutter Nachhilfe gegeben und beim Hausbau Mörtel gemischt. Sie kennen die harten und unrespektierten Tätigkeiten der unteren Mittelschicht und fliehen ins Studium: "Damit es mir einmal besser geht. Regelmäßiges Einkommen, sicherer Job, soziales Ansehen."

Bloß welches Studium? Molekularbiologen oder Steuerungstechniker lebten nicht in ihren Wohnhaussiedlungen, nur drei akademische Berufe sind in ihre kleine Welt vorgedrungen: Ein Doktor (der Medizin), ein Pfarrer (irgend einer Schattierung) und viele, viele Lehrer - Ihre Vorbilder: "Das wird mein Beruf!" Man wähle seine zwei Lieblingsfächer und ab nach Wien, Salzburg oder Innsbruck. Nach fünf Jahren schreibt man den Mag. phil. vor seinen Namen und präsentiert sich stolz seiner Umgebung: "Ich habe es geschafft!"

Bloß beeindruckt das die Kinder von heute nicht. Die haben mehr Respekt vor dem Besen des Schulwarts als vor dem akademischen Grad der Lehrer. Manche ihrer Eltern haben selbst studiert und alle fordern Leistung ein, statt Anerkennung zu zollen. Frust, weil der Aufzug stecken geblieben ist: "Wenn ich bloß Medizin oder Jus studiert hätte! Was die verdienen! Und sie müssen sich nicht mit allen Rotzlöffeln der Gosse herumschlagen."

Richtig schlimm wird es, wenn die Söhne und Töchter der beneideten Mediziner und Anwälte genüsslich ihre Standesdekadenz heraushängen lassen: "Ja, Frau Professor ... hätten Sie was Ordentliches studiert."
Und der Aufzug stürzt ins Bodenlose.

Ich halte Maturaaufsicht. Auf meinem Tisch liegt ein Haufen Handys (müssen abgegeben werden), ein Packen Papier (zum Nachholen) und der Angabezettel. Die Prüfungskandidaten arbeiten konzentriert, kramen in ihren Viktualien oder schauen verloren in die Luft. Diejenigen unter ihnen, die in den letzten Stunden nicht nur körperlich sondern auch geistig anwesend waren, lächeln über die gestellten Aufgaben.

Nach langen und ruhigen 50 Minuten warte ich auf die Ablöse. Ich möchte Pause machen, aber bald gongt es zur nächsten Stunde und niemand erscheint in der Tür. Ich beginne leicht zu transpirieren, ich habe eine externe Referentin eingeladen, die sicher schon auf mich wartet. Ich kann unmöglich die schriftliche Reifeprüfung unbeaufsichtigt lassen und ich muss schnellstens weg.

Nach langem bangen Warten stürzt die zugeteilte Kollegin A. herein und will ihre Verspätung erklären.

"Tut mir leid", unterbreche ich ihren Wortschwall, "ich muss ...."

In meiner unbesetzten Klasse ist mit der Nervosität auch der Lärmpegel gestiegen, Gott sei Dank hat die sehr verlässliche Truppe selbständig begonnen, die Tische wegzuschieben und einen Sesselkreis zu bilden. Ich weiß schon abzuschätzen, in welchen Klassen Projekte möglich sind!

Nun tritt Kollege D. auf; mit vorwurfsvoller Miene stellt er mir meine Expertin zur Seite.
"Wir haben schon befürchtet, dass du deinen Termin verschwitzt hast."
"Nein, nein, Entschuldigung, ich erkläre alles später ... "

Ich muss noch ins Lehrerzimmer laufen, um die notwendigen Unterlagen zu holen und bitte meinen Gast vorerst alleine in die Klasse zu gehen ... könnten ja warm werden.
Schwer bepackt stürme ich zwei Minuten später zurück - alle warten noch stehend auf mich.
"Setzen, bitte."
Während ich den Medienkasten aufsperre, den Fernseher aufdrehe und die DVD starte, spreche ich - Gesicht zur Tafel (schlechtes Benehmen und pädagogisches No-No!) - mit meinem Gast und stimme gleichzeitig die Schüler mit wiederholenden Phrasen auf das neue Lernziel ein. Männliches Multitasking, geht so-là-là.
Endlich läuft alles irgendwie und ich ziehe mich auf die Position des Moderators zurück. "Cool down, guy."

In der nächsten Fünfminutenpause kann ich meine Referentin gerade noch um Verzeihung bitten und mit ihr über mögliche Erweiterungen des Projektes spekulieren. Dann hetze ich in eine vorverlegte Ersatzstunde:
"Wo bleiben Sie so lange?", höre ich zum Empfang.

Erst nach dem Unterricht erfahre ich, wie aus einer Verspätung eine mittlere Kollision entstand: Kollegin A. hatte eine Schularbeit und ihre Kinder zogen die Arbeitszeit endlos in die nächste Stunde hinein, die liebe Kollegin A. drückte alle Augen zu. Sie kommt viel zu spät, um mich abzulösen, mein Gast fragt verzweifelt im Lehrerzimmer, was mit mir los sei. Der hilfsbereite Kollege D. nimmt sich meiner Referentin an und geht auf die Suche, vernachlässigt dabei seine eigenen Pflichten ...

Deswegen heißt die Chaostheorie genau so! "Wenn irgendwo in Kanada ein Schmetterling mit einem Flügel schlägt, geht in Vietnam ein Gewitter nieder."
Und ich stehe in der Traufe!

Unsere Maturathemen werden vom zuständigen Landesschulinspektor und dessen Gehilfen gesichtet.
Heuer sogar verbessert, äh ... kritisiert.
Kurze Mitteilung per Mail: "Aufgabe 2 kürzen, maximal 150 Worte."
WORD und DELETE machen das in 15 Minuten, neuer Ausdruck, neue Chance. Im vorigen Jahrhundert musste man die ganze Arbeit neu tippen. Halleluja, war das beliebt!

Bei der letzten Konferenz vor der Reifeprüfung teilt uns der Direktor lapidar mit:
"Die Aufgabenstellungen sind jetzt befriedigend. Zitat LSI."
Hoppala. Seit wann verteilt der Landesschulrat Zensuren. Wir waren Angenehmeres gewohnt: "Ich bedanke mich für die sorgfältige Zusammenstellung der Klausurthemen."
Heuer keine Rosen, sondern: "Befriedigend"!
Ohne Kommentar.
Wie sollen wir es besser machen, wenn wir keine konkreten Rückmeldungen bekommen? Wie ticken unsere Oberpädagogen?

Ergo flüchten wir in Vermutungen und Gerüchte.

"Ja, heuer machen sie sich wichtig. Damit der Eindruck, dass sie völlig überflüssig sind, nicht überhand nimmt. Schließlich will die hohe Politik sie ganz wegsparen."

"Nein, sie arbeiten seit Monaten an neuen Reifeprüfungsbestimmungen. Da wird bald einiges verändert werden. Aber wir halten uns natürlich an die geltenden Verordnungen - das schaut dann alt und vorgestrig aus!"

"Die haben Druck von oben bekommen. An vielen, vielen Schulen wurden die Themen drastisch verändert. Bei einer LSI-Konferenz wurde das so beschlossen."

Nur Gerüchte, aber keine Chance auf Verbesserung. Das erinnert mich an die Beliebigkeit der Notengebung nach mündlichen Prüfungen: "Befriedigend".
Da sieht auch niemand, was (in Gedanken) rot angestrichen wurde, was zu verbessern wäre, wo die Schwächen liegen.
Un-Befriedigend!

(zitiert nach kriminalpolizeilichen Tipps)

1. Setzen Sie sich niemals als Familie zusammen
2. Vermeiden Sie familiäre Traditionen, auf die sich ihre Kinder freuen könnten
3. Sprechen Sie über ihre Kinder, aber nicht mit Ihnen.
4. Bewahren Sie Ihre Kinder vor Müdigkeit, Kälte, Abenteuer, Kränkungen, Risiken, Experimenten, Herausforderungen, Fehlern, Schwierigkeiten ...
5. Trinken Sie und rauchen Sie während Sie vor Drogen warnen
6. Bringen Sie den Kindern Essen und Trinken zum Fernseher und Computer
7. Halten Sie Ihre Kinder vor geistigen Anregungen fern
8. Betonen Sie religiöse Rituale, äußere Erscheinungsmerkmale und die Buchstaben des Gesetzes
9. Geben Sie Ihren Kindern alles außer Zeit
10. Erwarten Sie von Ihren Kindern immer das Beste
11. Missachten Sie Regeln und Gesetze, wenn es keiner sieht (außer den Kindern)
12. Nehmen Sie Ihre Kinder immer in Schutz, besonders wenn sie Regeln missachtet haben
13. Halten Sie immer zu den Kindern, besonders gegen den anderen Elternteil
14. Lassen Sie sich scheiden - auf dem Rücken der Kinder
15. Überlassen Sie den Kindern keine Verantwortung
16. Entscheiden Sie alles für Ihre Kinder

Das will die Kriminalpolizei wissen. Wir Lehrer sollen uns testen, ob wir überhaupt noch verstehen, was die Jugend so spricht (nach Engelbert Horwath 2006).

1. XTC ist
(a) eine Abkürzung für Ecstasy
(b) die Abkürzung für eine Computerdatei
(c) das Kürzel für ein extra trendiges Auto

2. ROFL ist ...
(a) ein Talkmaster auf VIVA
(b) ein Kürzel beim Chatten (für Lachen)
(c) ein afroasiatischer Sprayerstil

3. WIKIPEDIA ist ...
(a) ein Oneline-Lexikon für Leute, die out sind
(c) ein Mitglied der germanischen Götterwelt
(d) ein Medikament gegen Fußpilz

4. Eine BONG ist ...
(a) eine Rapperin
(b) eine unangenehme Nebenwirkung von Drogen
(c) ein Gefäß zum Rauchen von Gras

5. OOMPH ist ...
(a) ein LSD-Trip
(b) ein Energydrink
(c) eine Musikband

6. ein GRAB ist ...
(a) ein Präservativ
(b) ein Schimpfwort unter Freunden
(c) ein Skatertrick

7. MULEN bedeutet ...
(a) im Internet Daten tauschen
(b) eine bestimmte Droge nehmen
(c) ein Schrei von Eseln

8. HIP HOP bedeutet ...
(a) Rap, Goldketten, Autos, Waffen
(b) Rap, Graffiti, Breakdance, DJing
(c) Rap, breite Hosen, Joints, Schallplatten

9. OIs sind ...
(a) unpolitische Skins
(b) Fehlermeldungen beim Programmieren
(c) Codewort für die "Eltern"

Wer alles gewusst hat, wird auch weiter keine Probleme haben:

Poppers? Phat 92 Tee? Nickpage? Applejacks? Knicklicht? Barrio 19? X-Games? MISCH? Undercut?

Richtige Antworten (1-9):
1- A, 2 - B, 3 - A, 4 - C, 5 - C, 6 - C, 7 - A, 8 - B, 9 - A

"Bei der Käfighaltung leben 16 Hühner auf einem Quadratmeter, bei der Bodenhaltung nur 9. Dann gibt es noch die Freilandhaltung und die Biologischen Freilandhühner."
Ich staune große Löcher in die warme Klassenluft. Der zehnjährige Marco gehört nicht zu den Fleißigsten, er sitzt für gewöhnlich seine Stunden unbeteiligt ab. Aber soeben hat er mit präzisem Detailwissen (das ich nicht nachprüfen werde) zugeschlagen.

"Woher weißt Du so viel?"
Ein Chor an Kindern antwortet: "Galileo!!!"
"Aha! Das schaue ich auch gerne. Aber diese Sendung habe ich verpasst!"

Wir sprachen von gesunder Ernährung - einem Megaseller aktueller Pädagogik - und landeten bei der Biolandwirtschaft. Und beim Fernsehkonsum.

Zusammenfassung: Die Kinder haben keine Ahnung, was die hübschen "Bio"-Aufkleber auf den Kartoffelsäcken bedeuten sollen, aber bei den gequälten Käfighühnern drückt sie das Mitleid.

Woher sie wohl das selektive (Nicht)Wissen haben?

Personalchefs schreiben vernichtende Urteile, ohne ein negatives Wort zu gebrauchen:

"Er bemühte sich mit großem Fleiß, die ihm übertragenen Aufgaben zur Zufriedenheit zu erfüllen."
Heißt im Klartext?
"Er hat total versagt."

Ich auch.
Ich habe den Zehnjährigen diesen "Geheimcode der Personalbosse" verraten. Dann üben lassen:
"Wenn ihr einem unbeliebten Lehrer ein schlechtes Zeugnis ausstellen wollt - aber ohne Schimpfworte, ohne negative Bemerkungen, wie schaut das aus?"

Auszug aus den Schülerarbeiten (nach Vorbildern, mit Fehlern):

Sie verstand es, die Aufgaben mit Erfolg zu delegieren.
Sie hatte die Gelegenheit, die übertragenen Aufgaben zu erledigen.
Er setzt sich für die Förderung der Schüler ein.
Er tragte durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Klassenklimas bei.
Sie konnte auch schwierige Situationen meistern.
Sie hat sich im Rahmen ihrer Fähigkeiten für uns eingesetzt.
Er turnt oft mit uns mit.
Sie war manchmal höhflich.
Er hat viele Schularbeiten gemacht.
Bei shr guten Schülern ist er immer nett.
Sie hat eine ausgibige Zielstrebigkeit.
Er hat sich bemüt, lustig zu sein.
Im Träumen war sie die beste.
Er tregt zu unserer fröhlichen Stimmung bei.
Sie beßas das wesentliche.
Sie hat sich auch entschuldigt.
Er hilfte uns in der Not.

Zum Abschluss durften sie das Zeugnis in Klartext formulieren.
Das war wohl ein Fehler.

Weitere Ergebnisse ("Klartext", ohne Vorbilder, mit Fehlern)

Sie war geistig im Jamica.
Er ist verrückt.
Sie hat Sexkontakte gesucht.
Sie war ser schlecht.
Sie trug immer einen Kondom bei sich.
Sie ist immer betrunken in die Arbeit gekommen.
Sie hatte immer sich ausgeredet.
Sie rauchte in der Pause ein Pakerl.
Sie war zu faul um die Hü zu kontrulieren.
Sie wurde mit der Zeit immer aufsessiger.
Sie hatte viele Private probleme die sie an den Kindern ausließ.
Sie ist verbissen und grießgrämig.
Sie hat unzufriedene Noten gegeben.
Er war unser schlechteste Mann.
Er ist ein starger Alkoholiker.
Sie hatte jeden Tag Sex.
Teilweiße so gar in der Schule.
Sie zeigte ihren Busen her.
Sie hat uns versagt.
Sie hattte eine 9 mm mit sich.
Sie kontakt zur Mafia.
Er war eine Katastrophe.
Er bemühte sich mit Vortschritten.
Er hat uns vergewaltigt.
Er hat uns foltern lassen.
Er wollte unser Gehirn als Mus verwenden.
Er wollte unser Blut als Ketchup benutzen.
Sie ist Raucherin.
Ich finde, das er auf jeden Schüler schreit.
Sie hat sich immer ins Höschen gemacht.
Sie ist eine volle Nite, die nie etwas zusammen bringt.
Er war unvreundlich und hat uns verachtet.
Um faule Ausreden nie verlegen.
Immer müssen wir seine Arbeiten für in erledigen.

Ein weites Feld für Psychologen tut sich auf.
Harmlose Kinder, 10 Jahre alt. Woher kommen diese Fantasien?

15:400 wäre auch für ein Basketballergebnis kein Ruhmesblatt. Aber für die Unterhaltung des Publikums ist gesorgt.

Erwachsene lachen im Durchschnitt 15 Mal am Tag, Kinder 400 Mal.
Lehrer sind sehr erwachsen, ein ausgesprochen humorloses Volk, und ständig mit der 400er-Laune der Jugend konfrontiert. Dabei müssen die Funken sprühen, was die Heiterkeit der einen auf Kosten der anderen erhöht => 14:401.

Ich frage mich nicht, warum Kinder so oft lachen. Ich finde das normal.
Also frage ich mich, warum Erwachsene es buchstäblich verlernt haben. Gut, denke ich mir, der Zahnarzt, die Bankangestellte und die Müllabfuhr werden bestenfalls höflich lächeln. Das Lachen mag den Blutdruck senken oder Hormone aufwallen, aber beim Verdienen stehen die ernsten Gesichter ganz oben. Die elegante Dame von Rang und der seriöse Herr von Namen gestatten sich kein lautes Schenkelklopfen, das gestehen sie bestenfalls den Hofnarren zu. Zum Lachen gehen sie nicht in den Keller, sondern ins Theater - da darf für viel Geld herzlich geprustet werden. Bei anerkannten Komödien mehr als bei zeitgeistigem Kabarett.

Der Ernst des Lebens, früher mit dem Eintritt in die Schule datiert, setzt offensichtlich mit dem Geldverdienen - sprich mit abhängiger Arbeit ein. Arbeit und Geld vertreiben die Heiterkeit, sie spielen wie Seriosität und Eleganz im Lehrbereich keine vorrangigen Rollen, also dürfte gelacht werden. Oder?

15:400? Wie geht die Schule mit dieser Lach-Diskrepanz um?
Auf Anhieb gesagt: Gar nicht. Wir machen nicht mit, wir machen uns nicht einmal Gedanken darüber. Wir planen Stunden, aber keine Freude, wir arbeiten hart an deren Verhinderung. Also erziehen wir fürs spätere Berufsleben, das kann uns doch keiner vorwerfen. (:-)

Wie oft haben wir Comics gelesen, Karikaturen interpretiert, Texte und Bilder studiert? Und wie oft hat die Klasse vor Lachen gebrüllt? 400:15? Biegen sich die Hörsäle vor Lachen?

Ich beneide die Kinder um ihren offen zur Schau getragenen Spaß, obwohl mir bewusst ist, wie verletztend ihr Witz wirken kann. Nicht selten höre ich auf die neugierig gestellte Frage "Was gibt es zu lachen?" ein abwimmelndes "Nichts, nichts" und ich muss damit rechnen, dass auch über mich gelacht wird. Über einen unfertigen Satz, über einen Toilettenfehler, über eine menschliche Schwäche.
Wer hier kein dickes Fell entwickelt, der fühlt sich ständig angegriffen, ausgelacht, gedemütigt. Dann entwickelt die geknickte Lehrperson eine verteidigende Strategie: "In meinen Stunden gibt es nichts zu lachen!"

Sagt die Direktorin, das ginge nun wirklich nicht!

"Kannst Du mir Deine hübsche Mama in die Sprechstunde schicken?"
Hat ein Lehrer salopp zu einer Schülerin gesagt.

Die Direktorin mahnt den Kollegen ab: "Das ist inakzeptabler Sexismus, politisch unkorrekt!"

Meine Reaktion: "Übertreiben wir nicht. Das Wort hübsch kann doch nicht sexistisch sein."

Wer hat jetzt Recht?

Drei Tage Fortbildung von Christi Himmelfahrt bis Samstag Abend.
Fast nur Lehrer im Auditorium, es geht ja um Bildungsmanagement.
Wir zahlen dafür und machen das in unserer Freizeit. Doofe Lehrer.

Die arrivierte Vortragende lässt schriftliche Unterlagen zirkulieren und stellt fest, dass für 32 Leute nur 16 Blätter kopiert wurden.

"Was machen wir da?"
Ratlosigkeit gesellt sich zu ihrem Ärger.

"... einfach weiter!"
Gut, wir machen weiter: Zusammenschauen, improvisieren.

"So, ich habe ein Mail ans Sekretariat geschrieben, die werden sich darum kümmern," wirft nach einigen Sekunden ein Kollege ein, der kurz online gegangen war.

"Ihr könnt auch in unsere Lernplattform schauen", schließt ein anderer Kollege an. Er hat die Unterlagen abfotografiert, die jpegs hochgeladen und alle Zuhörer mit Notebook mit dem nötigen Material versorgt.

Doofe Lehrer? Kann man sich als Vortragender nur wünschen.

Ein Vater bringt seine kleine Tochter zur Schule. Vorbildlich, aber mir wäre die Oma als Begleitung lieber.
Ökologisch korrekt benützt er das Fahrrad. Gratuliere, aber im Auto wären sie sicherer.

Der kleine Haken: Das kleine Mädel sitzt nicht auf dem Fahrrad, es steht darauf, nämlich auf dem Gepäckträger, und hält sich mit beiden Armen am Oberkörper seines lieben Papa fest.
Ein richtig cooler Daddy, sportlich gekleidet, braun gebrannt, vorgestern rasiert.

Der Teufel will es, eine ganze Klasse wartet vor dem Schulgebäude.
Fast würde sie in Applaus ausbrechen ob dieses begnadeten Schülertransportes.
Das Lustige, ich fasse es nicht, die Klasse fährt zum Verkehrsgarten. Dort wartet ein netter Uniformierter und übt das richtige Verhalten im Verkehr. Die Kinder fahren mit geborgten Fahrrädern einen Parcours ab, bleiben beim Zebrastreifen stehen, beachten die Verkehrsampel und geben brav Handzeichen beim Abbiegen. Niedlich anzusehen, diese kindgerecht abgesicherte Umwelt.

Vier Stunden Unterricht müssen entfallen, um den Kindern das korrekte Verhalten im städtischen Verkehr zu zeigen. Sie finden es lustig, wie ein Fahrrad mit Leuchten und Rückstrahlern bestückt wird, damit sie bei Nacht und Nebel zu sehen sind. Sie hüpfen über die Micky-Mouse-Fahrbahnen, um den Cola-Automaten zu plündern.
Dann fahren sie wieder heim, zurück in den rauen Alltag.

Dort wartet ein Vater mit seinem Mountainbike auf ein kleines Mädchen ... und vier Stunden "Schöne bunte Schulwelt" werden in wenigen Sekunden ausradiert.

P.S.: Weil die Sonne scheint und das Klima gefährdet ist, fahre ich auch mit dem Drahtesel zur Schule. Ohne Lampen, die sind mir geklaut worden. Auf dem Gehsteig, wo es nicht anders geht. Mit den Gedanken an verantwortungsbewusste Eltern.

An der Stirnseite des Lehrerzimmers tauchen zwei dunkelhäutige Männer mit Plastiksäcken auf. Sie packen bunte Rollen Seidenpapier aus und suchen unsere geschätzte Aufmerksamkeit.

Die Lehrer kramen in ihren Sachen, laufen vom Arbeitsplatz zu den Postfächern zu den Kopierern zu den Computern zu den Unterlagen, zur Kaffemaschine ... Die beiden Herren erhaschen höchstens mitleidige Blicke, als sie beginnen aus dem Buntpapier lustige Blumen zu zaubern. Es läutet und wir hasten in die Klassen.

Nach zehn Minuten - die Wiederholung der letzten Stunden neigt sich zu Ende - klopft es schüchtern an der Tür. Einer der Herren, dessen Hautfarbe seinem Anzug gleicht, tritt unterwürfig ein:
"May I ..." und drückt mir ein Dokument, das angeblich von der indischen Botschaft stammt, in die Hand. Schon steht er an meinem Tisch und macht sich mit bloßen Händen und einer rostigen Schere an die Arbeit. Er stammelt zehn englische Worte dazu und im Nu hängen bunte Girlanden und Blumen in der Klasse. In meinen Händen landet eine Lotosblüte, in meinen Augen sein flehender Blick.

Die Kinder klatschen und staunen, wie er mit einfachsten Mitteln schöne Dinge bastlen kann.

Bevor wir zum Überlegen kommen, wie wir den Papierkünstler höflich verabschieden können, hält er bereits eine gedruckte Anleitung ins Publikum und streckt drei Finger in die Luft.
Ich übersetze den Kindern: "Für drei Euro könnt ihr die Broschüre kaufen."

Uninteressant.
Langweilig.
Fad.

Ich raffe mich auf.
"Wisst ihr was? Wir spenden ihm für jede gebastelte Blume einen Euro. Wer will meine haben?"
Plötzlich steht ein Dutzend Kinder neben mir.
"Ahh, Sir, could you make some more flowers?"
Wir schauen ihm neidvoll auf seine flinken Finger, die alle 30 Sekunden eine neue Blüte in zahlende Kinderhände entlassen.

Schlussendlich bleiben mir noch 5 Minuten Unterricht.
"Was haltet ihr von dem Mann? Warum macht er so einen Job?"
Darüber könnten wir noch Stunden reden.


Seidenbilder

Harry, quicklebendige 10 Jahre alt, sitzt nicht zufällig alleine in der ersten Reihe. Sein Klassenvorstand setzt auf Konsequenz und bittet mich, jeden kleinsten Vorfall sofort zu melden. So gebrieft marschiere ich in die unbekannte Klasse.

Ich teile Gratiszeitungen aus - dafür pilgere ich vorher zum Bahnhof - und lasse nach Markennamen im Text suchen: "Coca-Cola, Microsoft oder Austrian Airlines, zum Beispiel."
Manche stürzen sich ins Gefecht, ein Mädel fragt aufmüpfig "Wozu?" und Harry beginnt zu summen, pfeifen, singen.

Das Ergebnis unserer Recherche bleicht mir jedes Mal die Haare.
Redaktionelle - also die viel beschworenen unabhängigen - Texte stehen häufig in direktem Zusammenhang zu bezahlten Inseraten.
Am besten belegen lässt sich diese Käuflichkeit der Journale/Journalisten im Reiseteil. Findet man einen Bericht über Kuba, dann im Anhang zu einem Karibik-Inserat. Völlig unabhängige Berichte über Reiseländer suche ich nur mehr im Internet! (Und Bloggern schenke ich das größte Vertrauen.)
Auch wenn sich Zeitungsfritzen in die Schule verirren, dann meist im Schlepptau einer sponsernden Firma, also wenn es Geld zu machen gibt.
Ergebnis: Graue Haare am Kopf und Kabeln im Hals. Grrrr...

Harry hat zu diesem Ergebnis wenig beigetragen. Er hat die Nackerte auf Seite 7 heftig kommentiert (Meine Reaktion: "Schluss jetzt, du sagst jetzt keine Wort mehr!"), mit Kugelschreiber deren Rundungen verstärkt und das Gratispapier auf seine Festigkeit getestet: "Sch..ßpapier!"

Nach dem Pausengong fragt mich Harry: "Können wir die Zeitung behalten?"
"Ja, die war ja gratis."
Jetzt ist er enttäuscht.
Er zieht sein eigenes Exemplar aus dem Tischfach - wohl ein Bahnfahrer! - legt es fein säuberlich zusammen und packt es unversehrt in seine Schultasche.
Ich denke mir: "Warum hat er mein Arbeitsmaterial zerstört?", mache mir Gedanken zum öffentlichen Eigentum, zum Vandalismus und überlege, was ich davon dem Klassenvorstand erzählen soll.

Aus pädagogischer Neugierde würde ich ihn gerne zu seinem Verhalten interviewen, aber ... ding-dong-gong - die nächsten 30 Kinder warten mit neuen Überraschungen.

"Gut erzogen" heißt "zum Verlierer gemacht".

Die Energieversorger kommen gerne in die Schule, teilen bei Sportfesten und anderen Events ihre schmucken Mode-Drinks aus. Unsere Schüler drängen zu den Zuckerbärli und leeren runter, was kräftig und abhängig macht. Nicki und Berni stehen etwas abseits und gehen leer aus. Sie haben sich - gut erzogen - in der Schlange hinten angestellt.
Szenenwechsel:
Eine Kollegin drängt sich vollbepackt durch die Gänge: Von der rechten Schulter baumelt eine schwere Tasche, in der Hand hält sie einen Stapel Hefte - die bereits ins Rutschen geraten - links trägt sie einen handlichen Kassettenrekorder. Um durch die Pendeltür zu kommen, presst sie elegant ihr Hinterteil dagegen. Diese Gelegenheit nützt ein keckes Kerlchen und spaziert durch den geöffneten Türspalt.

"Bist Du im Kuhstall aufgewachsen?" keift die Lehrerin verärgert dem unhöflichen Schüler hinterher und schüttelt den Kopf.

Es ist ihm gar nicht aufgefallen, was er angestellt hat und fühlt sich von der unverständlichen Aussage nicht betroffen.
Alles schief gelaufen!

Wollen Sie wissen, woher Ihr Name stammt? Was der werte Familienname bedeutet? Ob jemand mit dem gleichen Namen in die USA ausgewandert ist und vielleicht als reicher Erbonkel in Frage käme.

Kinder wollen das.
Eine Kollegin nutzte dieses Interesse und gab einen entsprechenden Forschungsauftrag: "Was bedeutet Dein Familienname?"

Wer die Untiefen des Internets kennt, ahnt bereits Böses. Gleich zwei Schüler tappen in die Falle.

"Ich habe ja meinen Namen eingeben müssen!"
Selbstverständlich.

Sie haben auch die Adresse eingegeben und per Doppelklick ein Abonnement erworben. Kostet 60 Euro. Eine teure Information, um Mayer von Müller zu unterscheiden.

Gut, eine Mutter hat nicht lange gefackelt und die Sachlage klar gestellt: "Mein Sohn ist 13 Jahre alt, er ist nicht voll geschäftsfähig, gar nicht dazu berechtigt, im Internet Verträge zu schließen." Kein Geld. Basta.

Die zweite Mutter hat eine heiklere Position zu vertreten: Ihr Sohn gab nämlich nicht seinen eigenen Namen ein, sondern den ihrigen.
"Warum machst Du das?", fragt die Lehrerin.
"Meine Mama hat mir verboten, meinen eigenen Namen und meine Adresse ins Internet zu schreiben."
"Aha."
"Deswegen habe ich den Namen von der Mama eingetragen."
"Sehr schlau!" (ironischer Unterton)

Also ging die Rechnung des abzockenden Internetanbieters an die Frau Mutter. Diese ärgert sich nicht so sehr über die Handlung ihres Sohnes, die Geldhaie oder die Gesetzeslücke als über den Arbeitsauftrag der Lehrerin.
"Die Verantwortung liegt ganz bei Ihnen! Das ist in Ihrer Stunde passiert, die 60 Euro zahlen Sie."

Wir haben eine Schuldige.
Und die Geschichte verbreitet sich wie ein Lauffeuer, besonders unter Lehrern, die immer schon gewusst haben, dass dieses neumodische Internetz nicht für den Unterricht taugt. Abdrehen!

P.S.:
www.pcgo.de nennt die Dinge beim Namen (Heft 7/07)
Vorsicht, Abzocke: www.genealogie.de
Sichere Alternative: www.genealogienetz.de

Manchmal verdrücke ich mich im Kaffeehaus ins dunkelste Eck - wenn eine Lehrperson den seligen Raum österreichischer Gemütlichkeit betritt.
"Einen Kakao, bitte."
Nein, ich kenne ihn nicht, ich wittere ihn. Meist genügt ein kurzer Blick und schon suche ich das Weite. Wenn er dann umständlich in der Menükarte herumstochert oder in seiner vorgestrigen Ledertasche herumstiert, dann muss ich gehen.
"Zahlen, bitte."

Zugegeben, ich meide sie, diese typischen Lehrer. Ich geniere mich für etliche von ihnen:

Sie waschen ihre Haare nicht, sie wurschteln sich in verschwitzte Trainingsanzüge, sie bewundern ihre eigenen Sprachfertigkeiten, sie erkennen ihre Scheuklappen nicht, sie leben im vorigen Jahrhundert, sie drehen ihre Handys nicht ab, sie vermuten Zauberkräfte in ihren heilenden Händen, sie kleben sinnlose Zettel auf Türrahmen, sie verwischen Kreidenstaub mit ihren Ärmeln, sie grüßen nicht und beschweren sich über unhöfliche Mitmenschen, sie lesen Kronenzeitung und Bücher aus den Hitlisten, sie verkitschen Schulhefte und verkennen Kreativität, sie schwelgen in unverständlichen Metaphern, sie bemitleiden ihre Kollegenschaft, sie lachen über eigene Witzchen, sie kriechen in die Direktion, sie spucken im Unterricht, sie tragen Pantoffel im Dienst, sie unterbrechen jeden Gesprächspartner, sie glauben ihren eigenen Lügen, sie schreiben mit fremden Bleistiften, sie verwenden Rot zur Strafe und erheben Grün zur Barmherzigkeit, sie lassen überall den Bildungsbürger heraushängen, sie schneiden die Haare ihrer Ehemänner, sie genießen Macht in herzlosen Momenten, sie zeigen Dias, sie essen Butterbrote in den Pausen, sie tragen warme Unterwäsche, sie verbreiten den Hausverstand der kleinen Mittelschicht, sie fordern Tugenden, sie verstellen meinen Parkplatz, sie singen bei Feiern und halten launige Reden, sie buchen Gruppenreisen, sie preisen Feminismus als Gleichberechtigung, sie fordern Engagement ohne es vorzuleben, sie kommen mit roten Pausbacken aus dem Wochenende, sie trinken Salbeitee aus Plastikflaschen, sie schleppen übervolle Ledertaschen, sie mögen Jutesäcke und Tofuschnitzel ... sie missachten ihren Berufsstand.

Der Tragödie letzter Schluss: Ich verachte mich, meinen Kollegen ihre menschlichen Schwächen vorwerfend.

Mitten in der Stunde klopft es leise an der Türe hinter mir. Da ich es überhört habe, machen mich die überraschten Schüler aufmerksam:
"Herr Professor! Da ist jemand in der Türe."

In Erwartung unangenehmer Störungen drehe ich mich missmutig nach hinten ... aber meine Stimme singt sofort ein freudiges "Haaaallo ..."

"Bitte lest den Text fertig und versucht ihn dann zu imitieren, und zwar indem ihr ihn an mich schreibt", erfinde ich schnell eine Beschäftigung für die Sechzehnjährigen.
Schon verschwinde ich vor die Türe, wo eine Studentin freundlich lächelt.
Jung, blond, hübsch.
Sie erzählt von ihrem Studium, ihren Sorgen, ihrem Anliegen. Ich freue mich über ihren unerwarteten Besuch. Er bringt Farbe und Abwechslung in den schulischen Alltag.

Zehn Minuten später stelle ich wieder meine Arbeitskraft in den Dienst des Staates. Die Schüler halten mir lustige Texte vors Gesicht, nur einer zeigt ernst auf mein Hemd:

"Sie haben da einen Knopf offen!"
"Wirklich?" senke ich meinen Kopf und überprüfe mit der rechten Hand die Adjustierung. Alles in Ordnung!

Zuerst lacht die halbe Klasse, dann die ganze, zuletzt auch ich.
"Aaaahh, er hat mich erwischt. Und ich bin voll reingefallen!"

Hübsches Mädchen - zehn Minuten - offenes Hemd! Gedanken eines Sechzehnjährigen, die mir schmeicheln.

 

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