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cotopaxi

 
Nach einem Video-Impuls gehen zwei Fragen an die Klasse:

1. Wie demokratisch und marktwirtschaftlich ist China heute?
2. Wie gefährlich ist Chinas Wirtschaft für unsere Arbeitsplätze morgen?

Die SchülerInnen (13-14 Jahre) haben gesehen, dass in der VR China das Internet überwacht wird ("Internetpolizei"), sie wissen, dass sich Google aus dem Markt zurückgezogen hat und sie hinterfragen, warum bestimmte Seiten zentral blockiert werden.

Ein Bursche fragt dann locker: "Warum sind eigentlich Pornos illegal?"
Die Reaktionen der Mitschüler zeigen, dass Experten am Wort sind.

"Ahhh, meinst Du bei uns oder in China?"
"Bei uns?", fragt er verwundert weiter.
Bei uns scheinen sie ihm legal zu sein.
"Hast Du schon einmal versucht, in einen Sex-Shop zu gehen? Hast Du schon einmal im Internet die Zugangssperren gesehen? Eigentlich ist Pornographie unter 18 Jahren verboten."

Das ist für viele neu, sie können es gar nicht glauben.

"Und warum?"
Aus der Hüfte schieße ich keine tollen Antworten.
"Also ... was denkt ihr?"
Keine Antwort aus der Klasse, das Thema ist heikel - das Alter auch. Ich habe Zeit zum Überlegen gewonnen.
"Ich meine ... "

Österreichische LehrerInnen haben die lehrplanmäßige Verpflichtung, das Thema Sexualität in allen Fächern anzusprechen. Ein Unterrichtsprinzip. Ehrlich gesagt, wir überlassen es lieber den Biologen und Religionskollegen. Aber jetzt muss ich wohl aufs dünne Glatteis.

"... viele von euch werden ja schon einmal herumgesurft sein, oder?"
Einige wenige outen sich durch zustimmendes Lachen. Pokerface bei den anderen.
"Daher wisst ihr ja, wie so Pornos aufgebaut sind. Das hat mit der natürlichen Sexualität der Menschen nichts zu tun. Da geht es ja um Ausbeutung von Frauen, sehr oft um Gewalt, um Missbrauch. Pornos sind reine Lügen, wenn ihr wollt."
"Und warum dürfen das Erwachsene sehen? Aber wir nicht?"
"Gute Frage ... Erwachsene haben ja meist schon Bekanntschaft mit richtiger Sexualität gemacht, mit Liebe und so weiter. Wenn aber Kinder mit 12 Jahren diese Filme sehen, dann bekommen sie völlig falsche Vorstellungen davon ... und das prägt ihr Gehirn, ihren Charakter. Das kann die Entwicklung stören."

Ich muss höllisch aufpassen. Ich weiß, dass die meisten der Zuhörer diese Bilder konsumieren - ohne wirklich gestört zu sein. Oder? Was weiß ich eigentlich über die Wirkung von Pornographie auf Kinder? Was wissen wir wirklich? Was kann ich, was muss ich den Minderjährigen zumuten? Wie formuliere ich es? Spontan?!

Keiner spricht. Sie hören mir verdammt gut zu. Ich spüre, dass noch niemand mit ihnen darüber gesprochen hat. Und dass ihnen das Thema unter den Nägeln brennt.

"Ich habe gestern auf RTL gesehen, dass so Perverse auch Kinder anmachen", setzt ein anderer Junge fort.
"Hast Du dir auch den Fachbegriff gemerkt?"
"Nein."
"Meinst Du grooming?"
"Was ist das?"
Ich beginne meine medienpädagogischen Bildungserfahrungen auszubreiten - Thema Cyber-grooming - und hänge eine klare Warnung an: Keine privaten Kontaktdaten auf facebook und Co.! Vorsicht! Passt auf euch auf!

Ich überlege wieder: Nützt der gehobene Zeigefinger ... oder nicht?

Die Stunde war eigentlich dem (chinesischen) Kommunismus gewidmet gewesen. Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich nicht gerechnet.

Neugierige und gewagte Nachfrage des ersten Burschen: "Was ist eigentlich, wenn ein Kind Kinderpornos schaut?"

Erwachsene reagieren schockiert auf diese Vorstellung, Jugendliche entspannt. Ich bin erwachsen.

"Hmm", erklärt mir ein Student später, "irgendwie logisch. Die Kinder interessieren sich natürlich für andere Kinder, die sind neugierig. Ausserdem sind die Jugendgesetze de facto aufgehoben, nicht nur im Internet. Du kannst alles haben, Alkohol, Rauchen, Pornos ... sie können weggehen, wann und wo sie wollen. Alles."

Interessant dazu: DAS
mae(h) (Gast) meinte am 11. Apr, 18:09:
Oha, mich schockiert die Vorstellung auch. :-O

Ganz abgesehen davon: Ich fliege bald nach China! :) Gleich nach dem Abi :) 
teacher antwortete am 12. Apr, 18:13:
Ich kenne nur kleine Teile von China, aber das, was ich gesehen habe, war faszinierend. Viel Erfolg! 
Andrea (Gast) meinte am 11. Apr, 19:58:
Wie Jugendliche mit Pornographie umgehen ...
... ist in ironischer Weise im Roman "Pornos machen traurig" zu lesen, den ich von einem Lehrer empfohlen bekommen habe - dürfte bisher jedoch nur ein Geheimtipp sein.

Andrea 
teacher antwortete am 12. Apr, 18:22:
Ich habe mal aus Neugier bei amazon in das Büchlein hineingelesen:
Komisch - wie der Titel, spricht mich nicht an.
//www.amazon.de/Pornos-machen-traurig-Peter-Redvoort/dp/3842349580#_ 
Lehrerfreund (Gast) meinte am 11. Apr, 23:36:
Geni(t)al
Das war aber mal eine exzellente Reaktion. Du erlaubst doch, dass ich auf Dem Lehrerfreund ein größeres Stück zitiere? 
teacher antwortete am 12. Apr, 11:05:
Ich weiß bis heute nicht, wie ausgebildete Sexualpädagogen auf solche Fragen reagieren.

Trotzdem kannst Du gerne zitieren, was Dir brauchbar erscheint.
lg teach 
Lehrerfreund (Gast) antwortete am 12. Apr, 11:52:
Prima, danke.

Der Sexualpädagoge kann's auch nicht besser erklären. Zumal 14-Jährige es Erwachsenen eher nicht abnehmen, dass irgendwas ihrer Entwicklung abträglich sein könnte. 
xconroy (Gast) antwortete am 12. Apr, 16:59:
Ich bin kein ausgebildeter Sexualpädagoge (und bezweifle, daß so ein Berufszweig überhaupt nötig ist... der zieht nur die falschen Leute an, und damit meine ich nicht in erster Linie wie auch immer geartete PerverslingInnen, sondern vor allem helikopternde KinderseelchenbeschützerInnen) aaaber ich habe den Vorteil, meine Arbeit "auf Augenhöhe" machen zu können, soll heißen: nicht vorrangig als (autoritäre) Funktion wahrgenommen zu werden (was bei einem Lehrer strukturbedingt kaum anders geht), sondern als, nun ja, Mitmensch.

Da kann ich es mir dann natürlich auch in weitaus größerem Rahmen leisten, meine persönliche Meinung kundzutun. Die im Großen und Ganzen die ist, daß Pornos für sich genommen genausowenig schaden wie "Killerspiele", oder Graffiti sprühen, oder "the dozens" (aka: sich mit "deine Mudda"-Sprüchen gegenseitig zu beleidigen). Das sind alles Sachen, die aus einer (pädagogischen) Außenperspektive naturgemäß als problematisch wahrgenommen werden (weil: Pädagogik ist "Verbesserung des Mängelwesens Kind", auch wenn man das ungerne so sehen möchte), die aber - wenn man es sich leisten kann, seine eigenen damaligen Erlebnisse und Wahrnehmungen nicht berufsbedingt zu verdrängen oder zu verwässern - einfach "dazugehören".

So sehe ich das, und so vermittle ich das. Die Kids wissen, daß ich für mich spreche und nicht als Repräsentant einer Schule/der Gesellschaft oder whatever - ein Lehrer würde sich mit sowas tief in die Kacke reiten, um es mal auf den Punkt zu bringen.

(übrigens, eigentlich sollte sich jeder Lehrer Schüler *wünschen*, die solche Fragen stellen wie die, ob Kinder KInderpornos gucken dürfen. Genau an die Punkte bohren, wo es den Leuten rutschig unter den Füßen wird - solche Menschen braucht die Welt, und das meine ich kein bißchen ironisch).

(übrigens zum 2.: scheint ja, als ob dieses Thema automatisch dazu führt, daß Schüler sich im Unterricht so verhalten, wie man es sich wünscht: ineressiert, ernsthaft, selbständig denkend. Irgendeine Idee, wie sich das in andere ansonsten eher trockene (hihi) Unterrichtsgebiete integrieren ließe? Muß ja nicht gleich so in die Richtung gehen "der Hans hat 20 Pornos, davon löscht seine Frau 15: berechne die Scheidungskosten" oder so ;-)) 
Kakanier (Gast) antwortete am 14. Apr, 00:37:
Das Thema lässt mich stets and die moderne Legende über den Japaner denken der glaube ein Freak zu sein weil kein Moiré seine Geschlechtsteile bedeckte...

Aber ernsthaft, Medienbildung bezüglich visueller Medien gehört in den Kunstunterricht. Im Sexualunterricht über Pornographie zu reden ist doch, als würde man im Religionsunterricht über Diätik sprechen. Tangentiell gehört es durchaus in das Feld, aber im großen und ganzen ist die Pornographie kein Problem der Sexualität sondern der bildenden Kunst. Aber die Reform des Kunstunterrichtes dürfte noch schwieriger sein als irgendeine Reform des Schulunterrichtes insgesamt. 
teacher antwortete am 14. Apr, 11:02:
Ich glaube, es braucht ein Fach Medienpädagogik - und ich würde es als das wichtigste im ganzen Fächerkanon bewerten. 
Deprifrei (Gast) meinte am 14. Apr, 01:31:
In China werden pornografische Seiten gelöscht oder gesperrt, genauso wie alles was über Menschenrechte zusammenhängt. Persönlich machen mich die meisten Pornos nicht an. Sie sind mir zu stupide aufgebaut. Ich wuchs in den 90er Jahren als Heranwachsender noch mit den Softpornos auf Sat1 auf. Da passierte mehr Kopfkino, als bei den heutigen Pornos. Die Phantasie wird zerstört und es geht nur noch um rein und raus. Sehr langweilig. 
teacher antwortete am 14. Apr, 11:03:
Die meisten Männer und Jugendlichen dürften das anders sehen, wenn man die Verbreitung anschaut. 
zement (Gast) meinte am 15. Apr, 01:08:
Niemand schaut Pornos. Deshalb wissen auch alle gebetsmühlartig, dass sie überhaupt nicht darauf stehen... Kommentar überflüssig. Nein im Ernst: Wir müssen Kinder von Pornos fernhalten, weil wir sie selber, dio Pornos, ohne berauschende Geilheit nicht aushalten können. Kinder haben mit Pornos und Sexualität nicht die geringsten Schwierigkeiten. Sondern wir, die Nichtkinder. Was Sex bedeutet, bzw. das Fehlen von Sex, die Alltagsregel, können Kinder nicht ahnen. Das wissen nur wir. Und wir würden eher sterben, als darüber zu reden. Weshalb die Vorstellung, Biologen, Theologen, Sexualpädagogen oder welche selbsternannten Fachkapazitätenkreise immer, deren zwangsläufig steril-unpersönlich-pseudowissenschaftlicher Umgang mit diesem Thema bezeichnenderweise grossteils in einer Sprache gehalten sein muss, die seit zweitausend Jahren niemand mehr spricht, könnten wie auch immer geartete „Aufklärung“ diesbezüglich betreiben, in mir hauptsächlich die Empfindung der unfreiwilligen Komik auslöst. 
teacher antwortete am 16. Apr, 11:39:
Eines stimmt sicher nicht: "Kinder haben keine Probleme mit Pornos." Meine Jugendlichen wissen nicht, wie sie mit solchen Vorbildern umgehen/leben sollen! Und wo/wie sie ihre aufgewühlten Emotionen abbauen sollen. 
bonanzaMARGOT meinte am 15. Apr, 16:29:
wenn regeln und gesetze so leicht zu umgehen sind, sollte man sie überdenken, bzw. deren verständnis fördern und die einhaltung überwachen.
was die abgabe von alkohol und anderen drogen an kinder und jugendliche angeht, haben wir uns offensichtlich schon daran gewöhnt, dass wir das problem nicht beherrschen. zu viele schwachpunkte gibt es auf seiten des marktes, der eltern, der schulen, der strafverfolgung und der gerichte.

pornografie ist nun durch das internet ebenso leicht für die jugendlichen verfügbar. dazu noch (relativ) gratis.
die altersbeschränkung "ab 18" ist inzwischen schwachsinnig und hat nicht mal apellfunktion. eher im gegenteil ...
ich halte das anschauen von pornografischen seiten für jugendliche nicht für schädlich. wie du es sagst, teacher, dort wird nicht die "wirkliche" sexualität abgebildet. ähnlich ist es mit den gewaltdarstellungen in den filmen, die meist auch nicht der realität entsprechen. die allermeisten jugendlichen kapieren dies. aber sie sind nunmal neugierig und ergötzen sich wie auch viele erwachsene an solchen übertriebenen und aufreizenden darstellungen.
wichtig war und ist, dass in elternhaus und schule über die medieninhalte kritisch gesprochen wird, - damit eine aufklärerische distanz zum "stoff" entsteht.
eins ist nunmal klar: kontrollierbar ist dieser konsum nicht.
die jungen menschen sollen nicht in "fallen" tappen, wo sie ausgebeutet und verarscht werden. viele angebote sind ja extra auf jugendliche "neueinsteiger" zugeschnitten.
also, aufklärung tut not!!

oder wir schaffen chinesische verhältnisse ... 
teacher antwortete am 16. Apr, 11:36:
So verschieden können Ansichten sein.

1. Ich bin überzeugt, dass meine Schüler (Burschen) von den Pornos sexuell geprägt werden (fürs Leben) - schräge Zukunft!

2. Ein paar schöne Aufklärungsworte oder -stunden verpuffen unter hunderten Stunden Gewaltpornos wie ein Tropfen auf einem Vulkan.

3. Eltern und Schule beschäftigen sich mit dem Thema praktisch gar nicht. PISA und Shopping sind wichtiger. 
bonanzaMARGOT antwortete am 16. Apr, 17:37:
Was soll an normaler Pornografie schädlich sein?
Mit 13 gerieten mir die Pornohefte meines älteren Bruders in die Hände. Erst fand ich's ekelhaft, dann spannend, und schließlich anregend.
Ich entdeckte in diesem Alter meine Sexualität, langsam und Schritt für Schritt. Die Pornos waren keine tote Sexualkunde.
Sie zeigten mir anschaulich und erregend, wie Sex aussieht - bis ins Detail. Sicher wurde ich dadurch nicht verdorben oder psychisch beschädigt.
Mit 15 hatte ich meine erste feste Freundin, und wir entdeckten gemeinsam das Liebesspiel. Bis zum ersten GV ließen wir uns fast ein Jahr Zeit. Alles war ganz bezaubernd.

Der Konsum von Pornografie und Gewalt wird erst dann schädlich, wenn die Darstellungen menschenverachtend sind.
Man kann meiner Meinung ganz gut zwischen guter und schlechter Pornografie unterscheiden, - ebenso wie es gute und schlechte Actionfilme gibt. 
BIA (Gast) antwortete am 18. Apr, 18:20:
Die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche ausschließlich an "gute Pornografie" (meiner Ansicht nach ein Widerspruch in sich, aber das ist wohl Geschmackssache) geraten, ist doch eher gering. Sie haben auch die Wahl zwischen Beethoven und Bushido, und die Mehrzahl bleibt definitiv NICHT bei Beethoven hängen. Dazu kommt noch, dass das Verbotene/re spannend ist, und je widerlicher, desto verbotener, desto spannender... 
bonanzaMARGOT antwortete am 18. Apr, 18:46:
Sehe ich nicht so.
Die Bandbreite des kulturellen Angebots ist riesig groß.
Jeder Mensch, ob jung oder alt, muss für sich entscheiden, was er an Musik, Filmen, Unterhaltung etc. konsumiert. Dabei ist das Zeitgemäße selbstverständlich interessanter für junge Menschen.
Die Erwachsenen tun immer so, als wären sie immer erwachsen gewesen. Sie verleugnen oft ihre eigene Jugend und Kindheit, oder schönen sie. Dies gipfelt dann in Sprüchen wie: "Die Dresche hat mir ganz gut getan."
Pornografie schadet niemandem. Jedes verdammte Auto schadet der Umwelt und den Menschen mehr. (Wie viele junge Menschen fahren sich auf unseren Straßen tot?!)
Wir sollten uns den wirklichen Problemen stellen und kein Affentheater mittels Alibigeschichten aufführen.
Diese Heuchelei, dass Gewalt in den Medien akzeptiert wird, während man Pornografie verurteilt, - zeigt nur die Doppelbödigkeit unserer Moral. (Dasselbe gilt für Alkohol im Vergleich zu den leichten Drogen wie Marihuana und Hasch.) 
BIA (Gast) antwortete am 18. Apr, 22:56:
Dass Pornographie niemandem schadet, halte ich weder für glaubwürdig noch für wissenschaftlich erwiesen. Per se ist Pornographie wahrscheinlich so harmlos oder so gefährlich wie Egoshooterspiele - für die gefestigten, von liebevollen Familien und guten, zugewandten erwachsenen Vorbildern umgebenen Jugendlichen kein Problem; für von den Eltern alleingelassenen, überforderten, auf eine dämlcihe Peergroup angewiesenen Jugendlichen viel problematischer. Übrigens würde ich es gerne sehen, wenn weder Gewalt noch Pornografie so leicht erhältlich und akzeptiert wären. Was man ständig vor Augen hat, prägt doch. 
bonanzaMARGOT antwortete am 19. Apr, 12:30:
was sollte an pornografie (vorausgesetzt es ist keine gewaltpornografie, besonders pervers oder menschenverachtend) schädlich sein??
ich kenne auch keine wissenschaftliche studie, welche irgendeine schädlichkeit der pornografie belegt. schädlich ist sie wahrscheinlich nur für die verklemmten moralapostel. dabei machen sie wenigstens beim kindermachen ihren eigenen porno.
und im zoo sieht sich dann die ganze familie den tierporno an, wobei die mutter den kleinen am affengehege die augen zuhebt.
also ne. was ist das für `ne bigotterie? 
bonanzaMARGOT antwortete am 19. Apr, 14:27:
apropos: am meisten werden kinder/junge menschen immer noch von der realität geprägt: von der gewalt im elternhaus und in der gesellschaft, von der gewaltsamen zerstörung der natur zu ihren füßen, von den konsumpalästen, von der vorgelebten inkonsequenz ..., von der heuchelei von kirche und anderen moralischen autoritäten ... 
Ladonia (Gast) meinte am 16. Apr, 12:22:
Helikopternde KinderseelchenbeschützerInnen
Als Mitarbeiterin einer Fachstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen habe ich es täglich mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die Missbrauchsopfer geworden sind, weil es keine Erwachsenen in ihrer Nähe gab, die ihnen zu Klarheit verholfen haben, was richtig und was falsch ist. Kinder, die Pornos sehen, sehen in erster Linie die Gewalt, nicht den Sex. Sie verinnerlichen, dass Frauen schlecht behandelt werden wollen, dass Männer Angst in Aggression verwandeln dürfen. Das hinterlässt nachweislich verheerende, weil traumatisierende Spuren, auch wenn es niemandem auf der Stirn geschrieben steht.

Nach § 176 StGB gilt das Zeigen von Pornos an Kinder/ Jugendliche als sexueller Missbrauch und ist eine Straftat, die mit bis zu 5 Jahren Knast bedroht ist. Warum wohl? Ich habe noch kein einziges Missbrauchsopfer getroffen, das der Pornokonsum unberührt gelassen hätte, im Gegenteil, viele kämpfen noch nach Jahren um ihre seelische Stabilität und sind unfähig, fürsorgliche und emotional tragende Beziehungen einzugehen, aber ich habe schon eine Menge insbesondere männlicher jugendlicher Pornokonsumenten gesehen, die alle Anzeichen einer inneren Verwahrlosung gezeigt haben.
Deshalb ist es unsere Aufgabe als Erwachsene, Kinder und Jugendliche zu schützen, auch wenn sie denken, sie können das schon selbst - denn sie wissen erst, was sie tun, wenn sie Jahre später ihre seelischen Tümmer beim Psychotherapeuten 
Ladonia (Gast) antwortete am 16. Apr, 12:26:
Ergänzung
...wenn sie Jahre später beim Psychotherapeuten ihre seelischen Trümmer bergen dürfen. Ob ihnen das gelingt, ist mehr als fraglich, denn Prägungen, die durch Gewalt (auch seeelische Gewalt) entstehen, sind schwerer zu löschen als alles andere. 
deprifrei-leben antwortete am 16. Apr, 15:15:
Ich denke das Problem ist, dass heute dank des Internets und auch durch Handys Porno-Videoclips massenweise verfügbar sind. Der Geist ist auch der Flasche und niemand wird diesen Geist wieder einfangen.
Damit kein seelischer Schaden und verzerrte Vorstellungen von Sexualität und das Verhältnis zwischen den Geschlechtern entsteht brauchen Kinder und Jugendliche erwachsene Gesprächspartner. Ich persönlich würde mit meinen Kind über solche Videos sprechen, dass ist die beste Therapie. Aber in vielen Familien wird sicher dieses Thema Pornos tabuisiert. So etwas zu verbieten erhöht ja eher den Reiz sich diesen Schmuddelkram anzuschauen. Auch Adam und Eva haben im Paradies die verbotenen Früchte kosten wollen. Warum wohl? 
Kakanier (Gast) antwortete am 18. Apr, 12:09:
Ich bin Totengräber...
...ich kann ihnen aus meiner Erfahrung bestätigen, dass die Menscheit am aussterben ist. Ich beobachte den Prozess tagtäglich.

Bzw, ja, niemand würde ernsthaft bezweifeln, dass Missbrauchsopfer den definitiv vorhandenen Missbrauch und die demonstrativen Machtgefälle in der üblichen und "normalen" Pornographie primär wahrnehmen und mit ihrer Lebensrealität verbinden. Alles andere wäre seltsam. Von sexueller Gewalt nicht betroffene sorgen sich mehr wegen der normierten Roboterkörper und dem maschinenhaften Verkehr, wenn ich mich recht entsinne. 
Einanderer meinte am 18. Apr, 23:10:
"Was ist eigentlich, wenn ein Kind Kinderpornos schaut?"
Diese Frage ist rethorisch, subtil und provokant, mithin auch hier ein Experte, also der erste Bursche am Werk. Denn "Kind" suggeriert, in diesem Zusammenhang, dass es KInder sind, die dort Pornografie für Kinder machen und DAS kann ja wohl nicht so schlimm sein (nach dem Motto "Doktorspiele"), so der Tenor dieser unsäglichen, dümmlichen Frage ... Nein, es sind eben nicht Kinder, die diese Pornos machen, es sind widerliche, kriminelle erwachsene Männer, die Kinder mißbrauchen und diese Kinder sind nur Objekte. Das versucht der junge "Experte" wohl zu verklausulieren, um Sie in die Falle zu locken... so versucht der junge Mann sich wohl selbst zu legitimieren ... traurig, traurig, traurig! 
teacher antwortete am 19. Apr, 09:41:
nur Spaß
Ich sehe hier auch eine Falle aufgehen: Natürlich gibt es - angeleitet von den Internetpornos - Jugendliche, die von sich und ihren Mitschülerinnen, pornographisches Material herstellen. Ist das weniger kriminell als das "erwachsene Pornomaterial"?

Entwaffnende Standardantwort: "Ist ja nur Spaß!" 
Einanderer antwortete am 19. Apr, 09:50:
NoPorn
Zu diesem Thema habe ich wie folgt, einen interessanten Hinweis auf eine diesbezügliche Veranstaltung, denn ich meine, in diesem Bereich läuft alles völlig schief:
//www2.gender.hu-berlin.de/ztg-blog/2011/04/berlin-fachtagung-iporn-youporn-noporn-jugendsexualitat-im-digitalen-zeitalter-am-19-05-2011-im-familienplanungszentrum-balance/

Im übrigen bin ich ein Vertreter der NoPorn-Kampagne. Das Ziel ist klar - die Pornografisierung des Alltags anprangern - gleiches sollte eigentlich auch für die Militarisierung gelten:
//www.emma.de/hefte/ausgaben-2007/septemberoktober-2007/the-new-feminist-grrrls-in-action-2007-5/ 
teacher antwortete am 19. Apr, 11:16:
Ich bin ja - als Mann - kein Freund von "Emma", aber bei dieser Kampagne wünsche ich ihr mehr Erfolg. Mich wundert, wie tatenlos die Gesellschaft hier zuschauen kann. 
Kakanier (Gast) antwortete am 19. Apr, 21:08:
Weniger FHM? Das ist definitiv unterstützenswert. 
 

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