Ich kenne den Bundesschulsprecher nur aus den Medien. Er sagt der Frau Ministerin offen ins Gesicht, was Sache ist. Er organisiert einen kleinen Streik per SMS, er betont im Interview: "Vier gewinnt."
Eine Zeitung sucht die Fehler in diesem SMS und findet sechs in vierzehn Zeilen. Na und? Letztlich stehen 60.000 SchülerInnen auf der Straße und verlangen lautstark ihre Ferien zurück.
So definiere ich "Effizienz": Geringer Aufwand - viel Erfolg.
Er nennt es "Vier gewinnt": Er pfeift auf gute Noten, er vergeudet seine Zeit nicht mit überflüssiger Arbeit, er will bloß durchkommen. Eine Einstellung, die ich gut verstehen aber nicht goutieren kann. Wir reden doch immer von SchülerInnen, die aus eigenem Interesse motiviert mitarbeiten und nicht auf die Noten schielen ...
In der Abschlussklasse erwähne ich in diesem Zusammenhang das Pareto-Prinzip: "Es besagt, dass sich viele Aufgaben mit einem Mitteleinsatz von ca. 20 % so erledigen lassen, dass 80 % aller Probleme gelöst werden."
Pareto-Prinzip? Den Schülern gestatten wir es augenzwinkernd, den Lehrern werfen wir es giftig vor. Aber auch Lehrer waren einmal Schüler, lernen von den Schülern, fordern Effizienz - kennen das Motto: "Pareto gewinnt."
P.S.: Der Berater heute im Möbelhaus, Pareto. Der Installateur beim Kostenvoranschlag, Pareto. Der Taxler gestern bei der Heimfahrt, Pareto. Die Kellnerin im Stammcafé, detto.
Eine Zeitung sucht die Fehler in diesem SMS und findet sechs in vierzehn Zeilen. Na und? Letztlich stehen 60.000 SchülerInnen auf der Straße und verlangen lautstark ihre Ferien zurück.
So definiere ich "Effizienz": Geringer Aufwand - viel Erfolg.
Er nennt es "Vier gewinnt": Er pfeift auf gute Noten, er vergeudet seine Zeit nicht mit überflüssiger Arbeit, er will bloß durchkommen. Eine Einstellung, die ich gut verstehen aber nicht goutieren kann. Wir reden doch immer von SchülerInnen, die aus eigenem Interesse motiviert mitarbeiten und nicht auf die Noten schielen ...
In der Abschlussklasse erwähne ich in diesem Zusammenhang das Pareto-Prinzip: "Es besagt, dass sich viele Aufgaben mit einem Mitteleinsatz von ca. 20 % so erledigen lassen, dass 80 % aller Probleme gelöst werden."
Pareto-Prinzip? Den Schülern gestatten wir es augenzwinkernd, den Lehrern werfen wir es giftig vor. Aber auch Lehrer waren einmal Schüler, lernen von den Schülern, fordern Effizienz - kennen das Motto: "Pareto gewinnt."
P.S.: Der Berater heute im Möbelhaus, Pareto. Der Installateur beim Kostenvoranschlag, Pareto. Der Taxler gestern bei der Heimfahrt, Pareto. Die Kellnerin im Stammcafé, detto.
teacher - am Dienstag, 5. Mai 2009, 17:23
Diesen Titel konnte ich mir nicht entgehen lassen, das werden Sie verstehen.
Am letzter Tag der Abschlussklasse heizen unsere SchülerInnen auf dem Schulhof die Griller an. (Laienhaft, mit Papier und Holz, mit Föhn und Chemie. Aber ich will nicht den Oberlehrer raushängen lassen.)
In der Klasse warten die SchülerInnen ein letztes Mal auf meinen Auftritt - alleine lassen wir auch die 18-jährigen (Großjährigen!) nicht ans Feuer, die Aufsichtspflicht endet erst mit 1.Mai. Ich schaue in den Raum und erschrecke: Ein schwarzer Hund wieselt aufgeregt durch die Reihen. Ich mag Hunde, aber nicht im Klassenzimmer, wo sie vom Lärm und der fremden Umgebung unberechenbar nervös werden.
"Wer ist denn das?"
"Berlioz."
(OK, Berlioz darf bleiben, ich will nicht den Oberlehrer raushängen lassen.)
Ich drehe mich um und erschrecke ein zweites Mal: Ein weiterer Hund, ein Kalb von einem Golden Retriever, schaut unter der zweiten Bank hervor.
"Das glaub ich jetzt nicht!"
"Das Lustige kommt erst. Wissen Sie, wie sie heißt? ... Mozart!"
"Dann sind wir wohl ein Musikgymnasium."
Wir gehen die Stufen zum Hof hinunter und Mozart giert nach Streicheleinheiten. Die fröhliche Besitzerin kommentiert das so:
"Mozart ist eine richtige Schlampe ... sie bleibt bei jedem, der sie lieb anlächelt."
(Ein unglaublich poetischer Titel, finde ich, wenn man nicht den Oberlehrer raushängen lässt.)
Am letzter Tag der Abschlussklasse heizen unsere SchülerInnen auf dem Schulhof die Griller an. (Laienhaft, mit Papier und Holz, mit Föhn und Chemie. Aber ich will nicht den Oberlehrer raushängen lassen.)
In der Klasse warten die SchülerInnen ein letztes Mal auf meinen Auftritt - alleine lassen wir auch die 18-jährigen (Großjährigen!) nicht ans Feuer, die Aufsichtspflicht endet erst mit 1.Mai. Ich schaue in den Raum und erschrecke: Ein schwarzer Hund wieselt aufgeregt durch die Reihen. Ich mag Hunde, aber nicht im Klassenzimmer, wo sie vom Lärm und der fremden Umgebung unberechenbar nervös werden.
"Wer ist denn das?"
"Berlioz."
(OK, Berlioz darf bleiben, ich will nicht den Oberlehrer raushängen lassen.)
Ich drehe mich um und erschrecke ein zweites Mal: Ein weiterer Hund, ein Kalb von einem Golden Retriever, schaut unter der zweiten Bank hervor.
"Das glaub ich jetzt nicht!"
"Das Lustige kommt erst. Wissen Sie, wie sie heißt? ... Mozart!"
"Dann sind wir wohl ein Musikgymnasium."
Wir gehen die Stufen zum Hof hinunter und Mozart giert nach Streicheleinheiten. Die fröhliche Besitzerin kommentiert das so:
"Mozart ist eine richtige Schlampe ... sie bleibt bei jedem, der sie lieb anlächelt."
(Ein unglaublich poetischer Titel, finde ich, wenn man nicht den Oberlehrer raushängen lässt.)
teacher - am Freitag, 1. Mai 2009, 20:29
"Ordination Dr. Mayer, Grüß Gott."
"Bundesgymnasium Freistadt, Mag. Huber, kann ich mit dem Herrn Doktor persönlich sprechen?"
"Worum geht es?"
"Um seinen Sohn, ich rufe aus der Schule an. Es ist wichtig."
Die Vorzimmerdame stellt durch.
"Mayer, Grüß Gott."
"Huber, Guten Tag. Ich rufe wegen Ihrem Sohn an."
"Ja. Wo liegt das Problem?"
"Sie wissen ja, ich bin seit 3 Jahren sein Geschichtelehrer ..."
"Ja, ich weiß Bescheid."
"... und stellen Sie sich vor: Matthias kennt Vercingetorix nicht!"
Herr Doktor ist leicht verwundert und stark erleichtert. DESWEGEN hat ihn der Geschichtelehrer in der Ordination angerufen. Es hätte schlimmer kommen können.
Frau Gruber bekommt eine Vorladung: "Bitte um Vorsprache beim Sprechtag."
Sprechtag, das heißt, Frau Gruber muss sich einen halben Tag frei nehmen. Sie pilgert in die Schule und stellt sich in eine lange Reihe von wartenden Müttern und ein, zwei Vätern.
Eine knappe Stunde später im Klassenzimmer:
"Guten Tag, Gruber mein Name. Ich bin die Mutter von Gerhard, 7 C."
"Ja. Wissen Sie, warum ich Sie vorgeladen habe?"
"Naja, Gerhard sagt, weil er einmal das Buch vergessen hat."
"Genau. So können wir nicht arbeiten!"
"Ahhh ... und DESWEGEN muss ich hier herkommen?"
Vielleicht sollten wir Telefon, E-Mails oder sowas erfinden.
P.S.: Beide Kollegen führen tadellose Klassen, hoch organisiert, vorzügliche Leistungen, keine Beschwerden. Klassenvorstände, die bei den kleinsten Kleinigkeiten eingreifen, ersticken Probleme im Keim. Lächerlichkeit wirkt?
"Bundesgymnasium Freistadt, Mag. Huber, kann ich mit dem Herrn Doktor persönlich sprechen?"
"Worum geht es?"
"Um seinen Sohn, ich rufe aus der Schule an. Es ist wichtig."
Die Vorzimmerdame stellt durch.
"Mayer, Grüß Gott."
"Huber, Guten Tag. Ich rufe wegen Ihrem Sohn an."
"Ja. Wo liegt das Problem?"
"Sie wissen ja, ich bin seit 3 Jahren sein Geschichtelehrer ..."
"Ja, ich weiß Bescheid."
"... und stellen Sie sich vor: Matthias kennt Vercingetorix nicht!"
Herr Doktor ist leicht verwundert und stark erleichtert. DESWEGEN hat ihn der Geschichtelehrer in der Ordination angerufen. Es hätte schlimmer kommen können.
Frau Gruber bekommt eine Vorladung: "Bitte um Vorsprache beim Sprechtag."
Sprechtag, das heißt, Frau Gruber muss sich einen halben Tag frei nehmen. Sie pilgert in die Schule und stellt sich in eine lange Reihe von wartenden Müttern und ein, zwei Vätern.
Eine knappe Stunde später im Klassenzimmer:
"Guten Tag, Gruber mein Name. Ich bin die Mutter von Gerhard, 7 C."
"Ja. Wissen Sie, warum ich Sie vorgeladen habe?"
"Naja, Gerhard sagt, weil er einmal das Buch vergessen hat."
"Genau. So können wir nicht arbeiten!"
"Ahhh ... und DESWEGEN muss ich hier herkommen?"
Vielleicht sollten wir Telefon, E-Mails oder sowas erfinden.
P.S.: Beide Kollegen führen tadellose Klassen, hoch organisiert, vorzügliche Leistungen, keine Beschwerden. Klassenvorstände, die bei den kleinsten Kleinigkeiten eingreifen, ersticken Probleme im Keim. Lächerlichkeit wirkt?
teacher - am Mittwoch, 29. April 2009, 10:11
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin beeindruckt.
Der Lehrerfreund hat über 70 Lehrerblogs zusammengestellt und die zehn besten herausgefiltert. Ein Mörderaufwand, den man anerkennen und wie eine Goldmine nutzen sollte. Also klicke ich mich von einem Blog zum anderen und sehe brillante Ergebnisse:
Wirklich nützliche Inhalte.
Wirklich schöne Layouts.
Wirklich gute Ideen.
Auch mein bescheidener Netzauftritt wurde nominiert. Sofort überkommt mich das Gefühl, in dieser digitalen Profi-Liga nicht mithalten zu können. Ich schreibe bloß meine Gedanken auf, ich blogge meinen Frust ab, ich lade zum Diskutieren ein.
Dieses/r Blog ist nicht mein Blog, es ist unserer. Es lebt von den Lesern und Schreibern, von den Menschen, die mitreden. Das ist Web 2.0, es verbindet über Grenzen und Zeiten hinweg, schafft neue Kommunikationsmöglichkeiten. Ich liebe dieses Fenster in die Öffentlichkeit und ich mag es, wenn jemand einsteigt. Ich möchte die Schule (und deren Krise) durchschaubar (und verständlich) machen und allen Interessierten eine faire Chance geben, mitzureden. Vielleicht ist dieser/s Blog hier keine Goldmine für schulische Entfaltung, aber ein offener Steinbruch an Gelegenheiten. Nutzen wir beides.
Der Lehrerfreund hat über 70 Lehrerblogs zusammengestellt und die zehn besten herausgefiltert. Ein Mörderaufwand, den man anerkennen und wie eine Goldmine nutzen sollte. Also klicke ich mich von einem Blog zum anderen und sehe brillante Ergebnisse:
Wirklich nützliche Inhalte.
Wirklich schöne Layouts.
Wirklich gute Ideen.
Auch mein bescheidener Netzauftritt wurde nominiert. Sofort überkommt mich das Gefühl, in dieser digitalen Profi-Liga nicht mithalten zu können. Ich schreibe bloß meine Gedanken auf, ich blogge meinen Frust ab, ich lade zum Diskutieren ein.
Dieses/r Blog ist nicht mein Blog, es ist unserer. Es lebt von den Lesern und Schreibern, von den Menschen, die mitreden. Das ist Web 2.0, es verbindet über Grenzen und Zeiten hinweg, schafft neue Kommunikationsmöglichkeiten. Ich liebe dieses Fenster in die Öffentlichkeit und ich mag es, wenn jemand einsteigt. Ich möchte die Schule (und deren Krise) durchschaubar (und verständlich) machen und allen Interessierten eine faire Chance geben, mitzureden. Vielleicht ist dieser/s Blog hier keine Goldmine für schulische Entfaltung, aber ein offener Steinbruch an Gelegenheiten. Nutzen wir beides.
teacher - am Sonntag, 26. April 2009, 19:35
Zwei LehrerInnen kommen aus Marokko zurück. Zwei Wochen waren sie mit 25 SchülerInnen zwischen Marrakesch und Agadir unterwegs: Geographie, Biologie und Französisch in der Praxis. Sie haben Monate vorbereitet, eine Woche ihrer Ferien dafür geopfert und sogar den Flug selbst bezahlt.
"Schön blöd", hören sie von verschiedenen Seiten.
"Riskant. Wenn da was passiert!"
"14 Tage Verantwortung rund um die Uhr, das zehrt."
Letzte Woche fand die Präsentation des Exkursionsberichtes statt: Viel Applaus im Festsaal, die Jugendlichen (16-17 Jahre), präsentieren Fotos, Texte und Erinnerungen. Gute Stimmung, stolze Eltern, beeindruckte Gäste.
"Ich war erschreckt, was wir da korrigieren mussten", erzählt mir eine externe Mitarbeiterin, "die Schülerberichte waren kaum zu gebrauchen. So viele Rechtschreibfehler, unzusammenhängende Sätze, unscharfe Bilder..."
Die Realität vieler Projekte: Damit wir die Ergebnisse herzeigen können, ohne uns dafür zu genieren, schreiben wir den Großteil letztlich selbst. Schülerprojekte sind Lehrerprojekte mit Kindererschwernis. Das verschweigen alle Pädagogen rücksichtsvoll, beschämt und dezent. Auch verlogen.
Dabei kennt das jeder, der selbst mit Kindern bastelt, bäckt oder werkt. Die Ergebnisse werden so gut wie die Arbeit der Betreuer. Die Kinder freuen sich, werden gelobt und ernten die Lorbeeren. Die Lehrer tragen die Verantwortung, machen den Großteil der Arbeit und verschenken ihre Erfolge, sie müssen nur für Fehler und Kritik gerade stehen.
Das ist die Motivationstragik des Lehrberufes: Den Erfolg kassieren die Kinder, den Misserfolg die Betreuer. Den schönen Exkursionsbericht haben die SchülerInnen gemacht, die schlechten PISA-Ergebnisse verschulden die Lehrer. Könnte es nicht umgekehrt sein?
Burnout. Depression. Frust. Demotivation. Ein Erklärungsansatz und eine Falle, aus der wir herausmüssen.
"Schön blöd", hören sie von verschiedenen Seiten.
"Riskant. Wenn da was passiert!"
"14 Tage Verantwortung rund um die Uhr, das zehrt."
Letzte Woche fand die Präsentation des Exkursionsberichtes statt: Viel Applaus im Festsaal, die Jugendlichen (16-17 Jahre), präsentieren Fotos, Texte und Erinnerungen. Gute Stimmung, stolze Eltern, beeindruckte Gäste.
"Ich war erschreckt, was wir da korrigieren mussten", erzählt mir eine externe Mitarbeiterin, "die Schülerberichte waren kaum zu gebrauchen. So viele Rechtschreibfehler, unzusammenhängende Sätze, unscharfe Bilder..."
Die Realität vieler Projekte: Damit wir die Ergebnisse herzeigen können, ohne uns dafür zu genieren, schreiben wir den Großteil letztlich selbst. Schülerprojekte sind Lehrerprojekte mit Kindererschwernis. Das verschweigen alle Pädagogen rücksichtsvoll, beschämt und dezent. Auch verlogen.
Dabei kennt das jeder, der selbst mit Kindern bastelt, bäckt oder werkt. Die Ergebnisse werden so gut wie die Arbeit der Betreuer. Die Kinder freuen sich, werden gelobt und ernten die Lorbeeren. Die Lehrer tragen die Verantwortung, machen den Großteil der Arbeit und verschenken ihre Erfolge, sie müssen nur für Fehler und Kritik gerade stehen.
Das ist die Motivationstragik des Lehrberufes: Den Erfolg kassieren die Kinder, den Misserfolg die Betreuer. Den schönen Exkursionsbericht haben die SchülerInnen gemacht, die schlechten PISA-Ergebnisse verschulden die Lehrer. Könnte es nicht umgekehrt sein?
Burnout. Depression. Frust. Demotivation. Ein Erklärungsansatz und eine Falle, aus der wir herausmüssen.
teacher - am Sonntag, 19. April 2009, 12:48
Die Ausschreibung ist zu Ende gegangen, jetzt werden die Kostenvoranschläge nachverhandelt. Der Chef einer Installationsfirma spricht beim Unternehmer persönlich vor, schließlich will er in der Krise auf diesen Großauftrag nicht verzichten.
"Ihr Offert passt ja im Großen und Ganzen, aber bei den Arbeitskosten müssen wir noch runter."
"Da haben wir absolut keinen Spielraum mehr ... die Spezialisten haben ihren Preis!"
"Wir denken so an 8 - 10 % Nachlass, dann könnten sie mithalten."
"Wir haben so knapp kalkuliert, da bleiben nöchstens 3 % Skonto für Anzahlungen über."
"Ach, lassen Sie die Mitarbeiter am Freitag länger auf der Baustelle - zwei Stunden gehen sogar bei den Lehrern!"
Kein Witz, so ist das gelaufen.
"Ihr Offert passt ja im Großen und Ganzen, aber bei den Arbeitskosten müssen wir noch runter."
"Da haben wir absolut keinen Spielraum mehr ... die Spezialisten haben ihren Preis!"
"Wir denken so an 8 - 10 % Nachlass, dann könnten sie mithalten."
"Wir haben so knapp kalkuliert, da bleiben nöchstens 3 % Skonto für Anzahlungen über."
"Ach, lassen Sie die Mitarbeiter am Freitag länger auf der Baustelle - zwei Stunden gehen sogar bei den Lehrern!"
Kein Witz, so ist das gelaufen.
teacher - am Donnerstag, 16. April 2009, 15:51
"... nachdem sie unfähig sind, meine Tochter ordentlich zu motivieren."
Eine offensichtlich sehr motivierte Mutter läßt einer Deutschkollegin über das Mitteilungsheft ihrer Tochter ausrichten, dass sie "unfähig" ist und fixiert gleich einen Termin, um die "Unfähige" in einem klärenden Gespräch aufzumischen.
Hochachtungsvoll ...
" ... muss ich schon sagen, dass Sie nicht nur ein schlechter Lehrer, sondern auch ein schlechter Mensch sind", kreischt eine andere Mutter ins Telefon, nachdem der Englischlehrer es gewagt hat, um eine Vorsprache zu bitten, weil die Leistungen des Sohnes in der Fremdsprache stark abgefallen, die Störungen im Unterricht hingegen indirekt proportional dazu angestiegen sind. "Und, damit das klar ist, ich bin die einzige, die mit meinem Sohn schreien darf", fügt sie hinzu, "sonst beschwere ich mich beim Landesschulrat!"
Grußloses Ende
In diesen Tagen spürt man, wie sehr die Öffentlichkeit gegen die Schule bzw. ihre (an)greifbaren Vertreter aufgebracht ist. Gerade die schwierigsten Eltern fühlen sich von primitiven Boulevardberichten bestätigt, dass Lehrer(innen) ein unfähiges, faules, aufsässiges Pack sind, denen man ordentlich die Meinung sagen muss.
Nette Stimmung, momentan. So geladen gehen wir auch in die Klassen ... und - Gott sei Dank(!) - in die Ferien.
Schöne Ostern.
Eine offensichtlich sehr motivierte Mutter läßt einer Deutschkollegin über das Mitteilungsheft ihrer Tochter ausrichten, dass sie "unfähig" ist und fixiert gleich einen Termin, um die "Unfähige" in einem klärenden Gespräch aufzumischen.
Hochachtungsvoll ...
" ... muss ich schon sagen, dass Sie nicht nur ein schlechter Lehrer, sondern auch ein schlechter Mensch sind", kreischt eine andere Mutter ins Telefon, nachdem der Englischlehrer es gewagt hat, um eine Vorsprache zu bitten, weil die Leistungen des Sohnes in der Fremdsprache stark abgefallen, die Störungen im Unterricht hingegen indirekt proportional dazu angestiegen sind. "Und, damit das klar ist, ich bin die einzige, die mit meinem Sohn schreien darf", fügt sie hinzu, "sonst beschwere ich mich beim Landesschulrat!"
Grußloses Ende
In diesen Tagen spürt man, wie sehr die Öffentlichkeit gegen die Schule bzw. ihre (an)greifbaren Vertreter aufgebracht ist. Gerade die schwierigsten Eltern fühlen sich von primitiven Boulevardberichten bestätigt, dass Lehrer(innen) ein unfähiges, faules, aufsässiges Pack sind, denen man ordentlich die Meinung sagen muss.
Nette Stimmung, momentan. So geladen gehen wir auch in die Klassen ... und - Gott sei Dank(!) - in die Ferien.
Schöne Ostern.
teacher - am Donnerstag, 2. April 2009, 18:09
"Inhalte oder Methoden unterrichten", das war der Anlass.
"Unsere Schüler sollten doch lernen, wie man einen Lebenslauf schreibt!", meint eine Englisch-Kollegin kämpferisch.
"Im Gegenteil, sie dürfen nicht", gebe ich Kontra.
Gerald, ein ehemaliger Schüler will sich für ein Auslandspraktikum bewerben und fragt über Facebook an, wo er dafür Tipps und Vorlagen im Netz finden kann. Für mich ein Handgriff, vier Links wandern durchs Netz: know-where and social software.
"Schau", erkläre ich der überraschten Kollegin, "wenn Gerald jetzt ein fremdsprachiges Bewerbungsschreiben selbständig verfasst, dann wird er garantiert Fehler machen. Er wird im alten Schulbuchstil irgend einen 08/15-Brief schreiben und gegen professionell gestaltete und gelayoutete Konkurrenten verlieren."
Die Kollegin hört zweifelnd zu.
"Deshalb sucht er im Netz die passenden Vorlagen, setzt seine Daten ein ... er wird ein perfektes Ergebnis abschicken und die Stelle bekommen."
"Dafür muss er aber gut ausgebildet sein ..."
"Ja. Was zählt, ist aber nicht das Schreiben, also der Inhalt, sondern das Suchen, das Auswählen, das Anpassen. Das sind Methoden - statt Inhalte."
Es gefällt uns nicht, dass "copy & paste" die Sieger kürt. Es ist das wahre Problem des traditionellen Unterrichts: Das Internet weiß alles schneller, besser und billiger - wozu noch lernen? Das geht so langsam, ist so mittelmäßig und unglaublich aufwändig. Also wozu?
"Unsere Schüler sollten doch lernen, wie man einen Lebenslauf schreibt!", meint eine Englisch-Kollegin kämpferisch.
"Im Gegenteil, sie dürfen nicht", gebe ich Kontra.
Gerald, ein ehemaliger Schüler will sich für ein Auslandspraktikum bewerben und fragt über Facebook an, wo er dafür Tipps und Vorlagen im Netz finden kann. Für mich ein Handgriff, vier Links wandern durchs Netz: know-where and social software.
"Schau", erkläre ich der überraschten Kollegin, "wenn Gerald jetzt ein fremdsprachiges Bewerbungsschreiben selbständig verfasst, dann wird er garantiert Fehler machen. Er wird im alten Schulbuchstil irgend einen 08/15-Brief schreiben und gegen professionell gestaltete und gelayoutete Konkurrenten verlieren."
Die Kollegin hört zweifelnd zu.
"Deshalb sucht er im Netz die passenden Vorlagen, setzt seine Daten ein ... er wird ein perfektes Ergebnis abschicken und die Stelle bekommen."
"Dafür muss er aber gut ausgebildet sein ..."
"Ja. Was zählt, ist aber nicht das Schreiben, also der Inhalt, sondern das Suchen, das Auswählen, das Anpassen. Das sind Methoden - statt Inhalte."
Es gefällt uns nicht, dass "copy & paste" die Sieger kürt. Es ist das wahre Problem des traditionellen Unterrichts: Das Internet weiß alles schneller, besser und billiger - wozu noch lernen? Das geht so langsam, ist so mittelmäßig und unglaublich aufwändig. Also wozu?
teacher - am Montag, 30. März 2009, 10:07
Mit der Diskussion über die Arbeitszeitverlängerung für Lehrer interessieren sich die Medien für unsere Arbeitsverhältnisse. Also kommen Journalisten, Fotografen und Kameraleute in die Klassen ... und suchen Bestätigung für ihre Annahmen.
Das Filmteam marschiert über den Gang und will die Schulatmosphäre festhalten. Die lustigen Kids schießen mit Staniolpapierln auf sie, sie schreien und wieseln herum und ... sind einfach Kids. Das gedrehte Material ist unbrauchbar, die Szene wird am Nachmittag nachgestellt, mit einer Lehrperson, die in Ruhe in die Klasse geht.
Das Filmteam macht Interviews mit SchülerInnen. Diese berichten aus ihrem Alltag, freuen sich über ihren Beitrag ... und werden rausgeschnitten. Ihre Meldungen passen nichts ins Vorurteil, sie erzählen von Spaß mit ihren Freunden, von netten Lehrerinnen und einer coolen Zeit. Wo bleibt da das "Feindbild Lehrer", verdammt! Mistkübel.
Das Filmteam zoomt ins überquellende Lehrerzimmer. Bücher und Hefte türmen sich auf viel zu engen Holztischen, die Gänge sind verstopft, die Hektik alles andere als telegen. Wieder muss am Nachmittag nachgedreht werden, weil die blöde Realität fürs Fernsehen nicht taugt.
Am Abend schauen wir uns die Sendung an: Alles gestellt, alles verstellt, alles aufbereitet. Wir sehen nicht das Leben einer Schule, sondern das bestätigte Vorurteil von Journalisten über eine Schule, die geändert gehört.
Meinungsmache statt Recherche. Entertainment statt Information.
Das Filmteam marschiert über den Gang und will die Schulatmosphäre festhalten. Die lustigen Kids schießen mit Staniolpapierln auf sie, sie schreien und wieseln herum und ... sind einfach Kids. Das gedrehte Material ist unbrauchbar, die Szene wird am Nachmittag nachgestellt, mit einer Lehrperson, die in Ruhe in die Klasse geht.
Das Filmteam macht Interviews mit SchülerInnen. Diese berichten aus ihrem Alltag, freuen sich über ihren Beitrag ... und werden rausgeschnitten. Ihre Meldungen passen nichts ins Vorurteil, sie erzählen von Spaß mit ihren Freunden, von netten Lehrerinnen und einer coolen Zeit. Wo bleibt da das "Feindbild Lehrer", verdammt! Mistkübel.
Das Filmteam zoomt ins überquellende Lehrerzimmer. Bücher und Hefte türmen sich auf viel zu engen Holztischen, die Gänge sind verstopft, die Hektik alles andere als telegen. Wieder muss am Nachmittag nachgedreht werden, weil die blöde Realität fürs Fernsehen nicht taugt.
Am Abend schauen wir uns die Sendung an: Alles gestellt, alles verstellt, alles aufbereitet. Wir sehen nicht das Leben einer Schule, sondern das bestätigte Vorurteil von Journalisten über eine Schule, die geändert gehört.
Meinungsmache statt Recherche. Entertainment statt Information.
teacher - am Dienstag, 24. März 2009, 20:46
Auf dem Lehrertisch liegt einsam und verlassen ein Handy.
Ich halte es in die Klasse und frage: "Wem gehört das?"
Sooo bekommt man Aufmerksamkeit unter den Zwölfjährigen! Sie kramen nervös in ihren Taschen und zeigen erleichtert ihre technische Überlegenheit: "Je cooler, desto I-Phone" (fasse ich meinen ersten Eindruck zusammen). Die Schlaueren brauchen diesen Protz nicht wirklich.
"Sie haben kein Handy?", erregt sich eines der Mädchen, als würde ich an einer unheilbarer Stoffwechselkrankheit leiden.
"Im Normalfall brauche ich keines. Es liegt seit 14 Tagen am Computer, der Akku ist leer ... und überhaupt: Ich mag nicht an der langen Leine hängen."
"Dann sind Sie ein MOF!", schließt das Mädchen.
"Ein was?"
"Ein MOF - Mensch ohne Freunde."
"Nee. Bloß ein MOH ... Mensch ohne Handy."
Ich halte es in die Klasse und frage: "Wem gehört das?"
Sooo bekommt man Aufmerksamkeit unter den Zwölfjährigen! Sie kramen nervös in ihren Taschen und zeigen erleichtert ihre technische Überlegenheit: "Je cooler, desto I-Phone" (fasse ich meinen ersten Eindruck zusammen). Die Schlaueren brauchen diesen Protz nicht wirklich.
"Sie haben kein Handy?", erregt sich eines der Mädchen, als würde ich an einer unheilbarer Stoffwechselkrankheit leiden.
"Im Normalfall brauche ich keines. Es liegt seit 14 Tagen am Computer, der Akku ist leer ... und überhaupt: Ich mag nicht an der langen Leine hängen."
"Dann sind Sie ein MOF!", schließt das Mädchen.
"Ein was?"
"Ein MOF - Mensch ohne Freunde."
"Nee. Bloß ein MOH ... Mensch ohne Handy."
teacher - am Freitag, 20. März 2009, 12:57