"Ich will so werden wie mein Ruf."
Eine Kollegin hat den Spruch locker witzig über den Schreibtisch geworfen. Seither geht er mir nicht mehr aus dem Sinn:
"Ich will so werden wie mein Ruf."
Wenn Lehrer beginnen so zu denken und den Spruch allmählich auch umsetzen, dann verspreche ich euch einen nie gesehenen Niedergang des Bildungssystems.
Gute Nacht.
Eine Kollegin hat den Spruch locker witzig über den Schreibtisch geworfen. Seither geht er mir nicht mehr aus dem Sinn:
"Ich will so werden wie mein Ruf."
Wenn Lehrer beginnen so zu denken und den Spruch allmählich auch umsetzen, dann verspreche ich euch einen nie gesehenen Niedergang des Bildungssystems.
Gute Nacht.
teacher - am Mittwoch, 18. März 2009, 20:15
Ich schaue in ihre Augen und denke: "Ein Wahnsinn."
Diese Frau ist so fertig wie ihre Klasse. Die Ringe um ihre Augen tragen das gleiche Schwarz wie die Seelen einiger Kinder.
"Ich möchte ja nicht um Geschenke betteln, aber kannst Du zwei Augen zudrücken", fragt sie die Physikkollegin, die den letzten Test richtig hart benotete.
"Die Kathi kommt in der Früh nicht aus dem Bett heraus. Nach der Scheidung musste sie zum Papa ziehen, seitdem ist es aus mit ihr. Tiefste Depressionen."
"Die Aisha verbringt mehr Zeit am Gericht als in der Schule, weil sie für ihre Mutter dolmetschen muss. Der Papa ist verschwunden, sie kämpfen um die Alimente."
"Die Sarah kümmert sich um zwei kleine Geschwister, Ihre Mutter versinkt im Alkohol."
Die Frau Klassenvorstand mit den dunklen Augenringen ist nicht zu stoppen. Sie kennt alle desolaten Biographien der Klasse und bittet um Nachsicht für ihre SchülerInnen. Eigentlich müsste ich ihr sagen: "Mensch, du musst dich distanzieren lernen, sonst machst du dich komplett fertig." Aber dann haben die Kinder niemanden mehr.
In der nächsten Pause läuft mir ein anderes Mädchen aus der selben Klasse nach: "Können Sie mir ein Buch empfehlen, das gut ausgeht?"
"Wie meinst du das?"
"Überall Krise, Umweltverschmutzung, Katastrophen, Kriege ... ich möchte irgendwas Hoffnungsvolles."
Ich denke kurz nach und schüttle den Kopf:
"Aber wenn Du was findest, gib mir bitte Bescheid."
Diese Frau ist so fertig wie ihre Klasse. Die Ringe um ihre Augen tragen das gleiche Schwarz wie die Seelen einiger Kinder.
"Ich möchte ja nicht um Geschenke betteln, aber kannst Du zwei Augen zudrücken", fragt sie die Physikkollegin, die den letzten Test richtig hart benotete.
"Die Kathi kommt in der Früh nicht aus dem Bett heraus. Nach der Scheidung musste sie zum Papa ziehen, seitdem ist es aus mit ihr. Tiefste Depressionen."
"Die Aisha verbringt mehr Zeit am Gericht als in der Schule, weil sie für ihre Mutter dolmetschen muss. Der Papa ist verschwunden, sie kämpfen um die Alimente."
"Die Sarah kümmert sich um zwei kleine Geschwister, Ihre Mutter versinkt im Alkohol."
Die Frau Klassenvorstand mit den dunklen Augenringen ist nicht zu stoppen. Sie kennt alle desolaten Biographien der Klasse und bittet um Nachsicht für ihre SchülerInnen. Eigentlich müsste ich ihr sagen: "Mensch, du musst dich distanzieren lernen, sonst machst du dich komplett fertig." Aber dann haben die Kinder niemanden mehr.
In der nächsten Pause läuft mir ein anderes Mädchen aus der selben Klasse nach: "Können Sie mir ein Buch empfehlen, das gut ausgeht?"
"Wie meinst du das?"
"Überall Krise, Umweltverschmutzung, Katastrophen, Kriege ... ich möchte irgendwas Hoffnungsvolles."
Ich denke kurz nach und schüttle den Kopf:
"Aber wenn Du was findest, gib mir bitte Bescheid."
teacher - am Montag, 16. März 2009, 08:10
"Wir brauchen einen Dreier. Was werden Sie tun?"
Mit diesen Worten steht eine Mutter vor der Deutschlehrerin und erklärt ihre Lage: Ihr Sohn hat sich um eine Lehrstelle beworben, aber das Nicht genügend in der Muttersprache kann der Arbeitgeber nicht akzeptieren.
Die Kollegin versteht den Wunsch, muss aber den Tatsachen ins Auge schauen: "Da muss sich ihr Sohn richtig ins Zeug legen. Schauen Sie sich die Grammatikfehler an. Da heißt es üben, üben, üben. Zuerst sollte er alle versäumten Hausübungen abgeben, dann ..."
Das meinte die Mutter nicht. Sie fragt noch einmal: "Was werden SIE tun?"
"Ich? Ich übe, ich korrigiere, ich ..."
"Ja," zeigt sich die Mutter genervt, "das ist ihre Arbeit. Aber wir brauchen einen Dreier. Was tun sie dafür?"
Liebe Eltern, ihr braucht nur bestellen: Gute Noten für alle. Interessiert?
Wir machen das.
Mit diesen Worten steht eine Mutter vor der Deutschlehrerin und erklärt ihre Lage: Ihr Sohn hat sich um eine Lehrstelle beworben, aber das Nicht genügend in der Muttersprache kann der Arbeitgeber nicht akzeptieren.
Die Kollegin versteht den Wunsch, muss aber den Tatsachen ins Auge schauen: "Da muss sich ihr Sohn richtig ins Zeug legen. Schauen Sie sich die Grammatikfehler an. Da heißt es üben, üben, üben. Zuerst sollte er alle versäumten Hausübungen abgeben, dann ..."
Das meinte die Mutter nicht. Sie fragt noch einmal: "Was werden SIE tun?"
"Ich? Ich übe, ich korrigiere, ich ..."
"Ja," zeigt sich die Mutter genervt, "das ist ihre Arbeit. Aber wir brauchen einen Dreier. Was tun sie dafür?"
Liebe Eltern, ihr braucht nur bestellen: Gute Noten für alle. Interessiert?
Wir machen das.
teacher - am Donnerstag, 12. März 2009, 21:10
"Eigentlich könnte ich erleichtert sein", erzählt mir ein guter Freund und betrübter Kollege. "Wir haben letzte Woche eine Begräbniskonferenz gehabt: Die Computerklassen sind tot."
Sofort fühle ich mich mitschuldig. Ich habe ihn vor kurzem noch gefragt: "Weißt Du eigentlich, was Ihr euch damit antut?"
Es war alles geplant. Die Klassenräume ausgewählt, die Notebooks besichtigt, deren Wartung geklärt, das W-LAN getestet, die Versicherung ausgesucht. Die Vorgesetzten waren informiert, der Direktor stolz, der Landesschulrat gespannt. Dreißig Lehrer zwischen 40 und 55 Jahren waren vom Projekt überzeugt worden und bereit sich darauf einzulassen: Computerklassen für die Kleinen. Jeder Zehnjährige sollte für eine geringe Leasingrate sein Notebook auf der Schulbank stehen haben, nach dem bekannten Motto: OLPC- One Laptop per child. Jeder Lehrer wollte seinen Unterricht für diese Klassen auf den neuesten Stand bringen, Software testen und einsetzen. Kollaborative, kommunikative, webbasierte Lernszenarien ausprobieren. Viel Arbeit, viel Neues, viel Hoffnung. Niemand hat sich gewehrt, niemand über Zusatzarbeit gejammert, alle schauten optimistisch ins nächste Schuljahr.
Vergangenheit. Die beiden Organisatoren haben abgesagt: "Wenn Frau Minister meint, dass wir weniger vorbereiten sollen und mehr in der Klasse stehen, dann tun wir das."
Wahrscheinlich wird das böse Ende niemand bemerken. Die Kinder und Eltern waren noch nicht informiert, die Aufträge noch nicht unterschrieben, die Presse bekommt keinen Wind davon, die Schulbehörden werden sich in Schweigen hüllen.
Ich bin wirklich getroffen, weil eine ganze Gruppe engagierter Lehrer das Handtuch wirft. Die Frau Unterrichtsminister verkündet inzwischen dem Boulevard: "Wie ich die Schule rette."
So nicht.
Sofort fühle ich mich mitschuldig. Ich habe ihn vor kurzem noch gefragt: "Weißt Du eigentlich, was Ihr euch damit antut?"
Es war alles geplant. Die Klassenräume ausgewählt, die Notebooks besichtigt, deren Wartung geklärt, das W-LAN getestet, die Versicherung ausgesucht. Die Vorgesetzten waren informiert, der Direktor stolz, der Landesschulrat gespannt. Dreißig Lehrer zwischen 40 und 55 Jahren waren vom Projekt überzeugt worden und bereit sich darauf einzulassen: Computerklassen für die Kleinen. Jeder Zehnjährige sollte für eine geringe Leasingrate sein Notebook auf der Schulbank stehen haben, nach dem bekannten Motto: OLPC- One Laptop per child. Jeder Lehrer wollte seinen Unterricht für diese Klassen auf den neuesten Stand bringen, Software testen und einsetzen. Kollaborative, kommunikative, webbasierte Lernszenarien ausprobieren. Viel Arbeit, viel Neues, viel Hoffnung. Niemand hat sich gewehrt, niemand über Zusatzarbeit gejammert, alle schauten optimistisch ins nächste Schuljahr.
Vergangenheit. Die beiden Organisatoren haben abgesagt: "Wenn Frau Minister meint, dass wir weniger vorbereiten sollen und mehr in der Klasse stehen, dann tun wir das."
Wahrscheinlich wird das böse Ende niemand bemerken. Die Kinder und Eltern waren noch nicht informiert, die Aufträge noch nicht unterschrieben, die Presse bekommt keinen Wind davon, die Schulbehörden werden sich in Schweigen hüllen.
Ich bin wirklich getroffen, weil eine ganze Gruppe engagierter Lehrer das Handtuch wirft. Die Frau Unterrichtsminister verkündet inzwischen dem Boulevard: "Wie ich die Schule rette."
So nicht.
teacher - am Sonntag, 8. März 2009, 15:18
Ich frage meine Schüler, frage meine Bekannten und auch die Nachbarn. Ich höre mich um und die Stimmung ist eindeutig: "Nein, Lehrer möchte ich heutzutage nicht sein." Sie haben ihre Argumente, sie kennen unsere Kinder und auch die Zustände in den Schulen.
Dann drehen sie sich um und schreien mit der Masse mit: "Die sollen ruhig zwei Stunden mehr arbeiten, die haben eh soviel Ferien."
Ich höre den Kollegen zu und spüre diese Enttäuschung: "Die Leute können sich nicht vorstellen, wie anstrengend eine Stunde unter 30 Kindern ist. Zwei Stunden, drei Stunden, vier Stunden ... da kann die fünfte Stunde zur Qual werden."
So ist es: Nach drei Unterrichtsstunden brauche ich Luft, Platz, Raum ohne Lärm, ohne Fragen, ohne Druck. Vier Stunden en suite ist Schwerarbeit, die fünfte wird zum Grenzfall, die sechste zur Qual. Für alle Beteiligten.
Wer das nicht glauben will, soll es probieren: Sperren Sie sich mit 30 Kindern sechs Stunden lang in einen Raum (es darf auch das Schwimmbad oder ein Schulbus sein) und probieren Sie, ausgeglichen und sympathisch zu bleiben. Fühlen Sie sich ruhig für alle verantwortlich und gehen Sie individuell auf Wünsche und Probleme ein ....
Vielleicht werden Sie streiken, wenn dann jemand kommt und Ihnen zwei weitere Stunden zumuten will: "Um die Qualität des Unterrichts zu steigern." Jede Woche, ein Leben lang.
Dann drehen sie sich um und schreien mit der Masse mit: "Die sollen ruhig zwei Stunden mehr arbeiten, die haben eh soviel Ferien."
Ich höre den Kollegen zu und spüre diese Enttäuschung: "Die Leute können sich nicht vorstellen, wie anstrengend eine Stunde unter 30 Kindern ist. Zwei Stunden, drei Stunden, vier Stunden ... da kann die fünfte Stunde zur Qual werden."
So ist es: Nach drei Unterrichtsstunden brauche ich Luft, Platz, Raum ohne Lärm, ohne Fragen, ohne Druck. Vier Stunden en suite ist Schwerarbeit, die fünfte wird zum Grenzfall, die sechste zur Qual. Für alle Beteiligten.
Wer das nicht glauben will, soll es probieren: Sperren Sie sich mit 30 Kindern sechs Stunden lang in einen Raum (es darf auch das Schwimmbad oder ein Schulbus sein) und probieren Sie, ausgeglichen und sympathisch zu bleiben. Fühlen Sie sich ruhig für alle verantwortlich und gehen Sie individuell auf Wünsche und Probleme ein ....
Vielleicht werden Sie streiken, wenn dann jemand kommt und Ihnen zwei weitere Stunden zumuten will: "Um die Qualität des Unterrichts zu steigern." Jede Woche, ein Leben lang.
teacher - am Freitag, 6. März 2009, 08:17
Seit einigen Wochen stapeln sich neue Bücher auf meinem Schreibtisch. Nicht Handke oder Kehlmann, sondern neu erschienene Lehrbücher, die kurz vor den Konferenzterminen um Aufmerksamkeit buhlen: "Bestellt mich!"
Jetzt gibt es zwei Gruppen von Kollegen, die Neugierigen und die Vorsichtigen.
Ich bin ein Neugieriger, ich kann an keinem Lehrwerk vorbei. Ich blättere, ich schmöckere, ich staune. Vieles kommt mir bekannt vor, einiges wurde erneuert, weniges reisst mich vom Hocker. Der Trend gefällt mir: Unsere Bücher werden bunter, luftiger, moderner. Kompetenzen rücken in den Vordergrund, Lernstoff verliert an Bedeutung. Aktivitäten werden angeregt, passives Lesen hat ausgedient. Immer wieder finde ich neue Ideen, die mich zum Kopierer laufen lassen (Kopieren von Lehrbüchern ist verboten!). Mein Entschluss: "Will haben".
Bedeutet: Ich muss acht Kolleginnen überzeugen, dass sich eine Umstellung auszahlt.
Da kommen die Vorsichtigen ins Spiel:
"Was kostet das Buch?" (Immer mehr als das alte, d.h. zu viel)
"Gibt es Begleitmaterial?" (Meistens nur gegen Zusatzbezahlung, die niemand übernehmen will)
"Passt es in unseren Lehrplan?" (Ja, aber es wurde für Deutschland geschrieben)
"Kann ich meine alten Vorbereitungen weiter verwenden?" (Nein)
"Bereitet der letzte Band auf die NEUE Matura vor?" (Nein, keines der Bücher geht auf diese - unausgereifte - Novelle ein)
Tage später bekomme ich Rückmeldung: "Entscheide Du!"
OK - Ab nächstem Jahr arbeiten wir mit neuen Lehrbüchern.
Mein siebenter Wechsel, erzählt meine Hausbibliothek.
Vorsicht vor Neugier!
Jetzt gibt es zwei Gruppen von Kollegen, die Neugierigen und die Vorsichtigen.
Ich bin ein Neugieriger, ich kann an keinem Lehrwerk vorbei. Ich blättere, ich schmöckere, ich staune. Vieles kommt mir bekannt vor, einiges wurde erneuert, weniges reisst mich vom Hocker. Der Trend gefällt mir: Unsere Bücher werden bunter, luftiger, moderner. Kompetenzen rücken in den Vordergrund, Lernstoff verliert an Bedeutung. Aktivitäten werden angeregt, passives Lesen hat ausgedient. Immer wieder finde ich neue Ideen, die mich zum Kopierer laufen lassen (Kopieren von Lehrbüchern ist verboten!). Mein Entschluss: "Will haben".
Bedeutet: Ich muss acht Kolleginnen überzeugen, dass sich eine Umstellung auszahlt.
Da kommen die Vorsichtigen ins Spiel:
"Was kostet das Buch?" (Immer mehr als das alte, d.h. zu viel)
"Gibt es Begleitmaterial?" (Meistens nur gegen Zusatzbezahlung, die niemand übernehmen will)
"Passt es in unseren Lehrplan?" (Ja, aber es wurde für Deutschland geschrieben)
"Kann ich meine alten Vorbereitungen weiter verwenden?" (Nein)
"Bereitet der letzte Band auf die NEUE Matura vor?" (Nein, keines der Bücher geht auf diese - unausgereifte - Novelle ein)
Tage später bekomme ich Rückmeldung: "Entscheide Du!"
OK - Ab nächstem Jahr arbeiten wir mit neuen Lehrbüchern.
Mein siebenter Wechsel, erzählt meine Hausbibliothek.
Vorsicht vor Neugier!
teacher - am Mittwoch, 4. März 2009, 19:08
Unsere Frau Minister "lädt uns herzlich ein", ab nächstem Jahr zwei Stunden pro Woche länger zu arbeiten. Natürlich unbezahlt.
Als Solidaritätsbeitrag.
Klar, sie kommt aus dem Bankmanagement. Dort hat man in den letzten Jahren aberwitzige Milliarden verzockt, das soll jetzt der Staat mit seinen Mitarbeitern auslöfflen. Logisch.
Als Umstrukturierungsmaßnahme.
Wir sollen zwei Stunden mehr in den Klassen stehen, und einfach anderswo weniger arbeiten: Weniger Vorbereitung, weniger Korrektur, weniger Fortbildung. Das nennt Frau Minister Qualitätsverbesserung. Logisch.
Als Wunsch der Bevölkerung.
Ich verstehe gut, dass zwei Drittel der Befragten für diese Maßnahmen eintreten. Ein bisschen Neid schüren, ein bisschen Propaganda betreiben, ein ruiniertes Image ausnützen ... hat immer funktioniert. Logisch.
Und warum sparen wir nicht bei der Verwaltung? Bei der Frau Ministerin? In den Ämtern und Landesschulräten? Da fließt das halbe Bildungsbudget hinein - und zwar weitgehend sinnlos. Wäre die Bevölkerung damit nicht einverstanden?
Ein Stimmungsbild aus dem Lehrkörper:
"Wir bezahlen die Bankenkrise? Und die superteure Gesamtschule, die wir für völlig wertlos halten."
"Es geht ihr nur um Aufbewahrung, nicht um Qualität. Hauptsache wir stehen länger in der Klasse."
"Ehrlich, ich arbeite an der Grenze, mindestens 50 Stunden pro Woche. Eine zusätzliche Klasse, das werde ich nicht durchdrücken ..."
"Gehts den Lehrern schlecht - gehts den Leuten gut. Und den Kindern?"
"Schau, ich werde zwei Stunden länger in der Schule sein. OK, aber drei Stunden zuhause weniger arbeiten. Demotivation zahlt sich aus, das weiß jeder Wirtschaftspsychologe."
"Ich freue mich auf die nächste PISA-Studie. Das kann nur schief gehen."
"Ich bin bereit, zu sparen ... und länger zu arbeiten. Wenn das alle anderen auch tun!"
Als Solidaritätsbeitrag.
Klar, sie kommt aus dem Bankmanagement. Dort hat man in den letzten Jahren aberwitzige Milliarden verzockt, das soll jetzt der Staat mit seinen Mitarbeitern auslöfflen. Logisch.
Als Umstrukturierungsmaßnahme.
Wir sollen zwei Stunden mehr in den Klassen stehen, und einfach anderswo weniger arbeiten: Weniger Vorbereitung, weniger Korrektur, weniger Fortbildung. Das nennt Frau Minister Qualitätsverbesserung. Logisch.
Als Wunsch der Bevölkerung.
Ich verstehe gut, dass zwei Drittel der Befragten für diese Maßnahmen eintreten. Ein bisschen Neid schüren, ein bisschen Propaganda betreiben, ein ruiniertes Image ausnützen ... hat immer funktioniert. Logisch.
Und warum sparen wir nicht bei der Verwaltung? Bei der Frau Ministerin? In den Ämtern und Landesschulräten? Da fließt das halbe Bildungsbudget hinein - und zwar weitgehend sinnlos. Wäre die Bevölkerung damit nicht einverstanden?
Ein Stimmungsbild aus dem Lehrkörper:
"Wir bezahlen die Bankenkrise? Und die superteure Gesamtschule, die wir für völlig wertlos halten."
"Es geht ihr nur um Aufbewahrung, nicht um Qualität. Hauptsache wir stehen länger in der Klasse."
"Ehrlich, ich arbeite an der Grenze, mindestens 50 Stunden pro Woche. Eine zusätzliche Klasse, das werde ich nicht durchdrücken ..."
"Gehts den Lehrern schlecht - gehts den Leuten gut. Und den Kindern?"
"Schau, ich werde zwei Stunden länger in der Schule sein. OK, aber drei Stunden zuhause weniger arbeiten. Demotivation zahlt sich aus, das weiß jeder Wirtschaftspsychologe."
"Ich freue mich auf die nächste PISA-Studie. Das kann nur schief gehen."
"Ich bin bereit, zu sparen ... und länger zu arbeiten. Wenn das alle anderen auch tun!"
teacher - am Samstag, 28. Februar 2009, 13:25
Es kommt bitter kalt herein ... und alle Fenster sind zum Lüften weit aufgerissen. Trotzdem liegt ein öder Mief im Raum.
Die Vierzehnjährigen waren LUSTig, aber der Schuss ist ins Knie gegangen: Sie frieren im Gestank.
"Tragt das Zeug ins Geschäft zurück! Es ist sein Geld nicht wert", wettert die Klassenvorständin und verteilt Referate übers Wochenende. Eine Kollegin hatte in der hintersten Bank ein schwarzes Fläschchen mit geheimnisvollem Inhalt entdeckt: "Macht Frauen wild auf Sex"
Und die Frauen sind wirklich wild geworden. Vielleicht kommt der Sex erst am Abend, in der Schule weht vorerst ein kalter Wind durch die Gänge...
Die Vierzehnjährigen waren LUSTig, aber der Schuss ist ins Knie gegangen: Sie frieren im Gestank.
"Tragt das Zeug ins Geschäft zurück! Es ist sein Geld nicht wert", wettert die Klassenvorständin und verteilt Referate übers Wochenende. Eine Kollegin hatte in der hintersten Bank ein schwarzes Fläschchen mit geheimnisvollem Inhalt entdeckt: "Macht Frauen wild auf Sex"
Und die Frauen sind wirklich wild geworden. Vielleicht kommt der Sex erst am Abend, in der Schule weht vorerst ein kalter Wind durch die Gänge...
teacher - am Donnerstag, 26. Februar 2009, 21:53
Die 3 C ist eine lustige Partie, so unbeschwert, wie man nur mit 12 Jahren das Leben nehmen kann.
Der Biologielehrer teilt den letzten schriftlichen Test aus: 18 Nicht Genügend von 27 Schülern, eine Wiederholung ist notwendig.
Früher hätte der erfahrene Lehrer geschimpft, gedroht, verwarnt. Heute setzt er auf Motivation, Beruhigung ... und Wiederholung.
Die 3 C bleibt eine lustige Partie, hat Rat und Trost für den besorgten Lehrer:
"Ach, das ist halb so schlimm. Tun Sie sich nichts an, in Mathe sind wir noch schlechter. Das kann doch jedem passieren."
Genau: Die vielen negativen Ergebnisse, das passiert nicht den Schülern, das passiert den Lehrern. Zu schwere Fragen, zu viel Stoff, zu schlechte Vorbereitung. Die Kinder sehen das genau so, wie sie es täglich hören: Wenn sie schlechte Ergebnisse bringen, dann haben die Lehrer versagt. Punkt.
Wir bemühen uns klarzumachen, dass Lernende selbst Verantwortung übernehmen müssen ("Eigenverantwortliches Lernen"), aber der Zeitgeist sieht es anders.
Die 3C bleibt jedenfalls eine lustige Partie und freut sich auf den nächsten Test.
Der Biologielehrer teilt den letzten schriftlichen Test aus: 18 Nicht Genügend von 27 Schülern, eine Wiederholung ist notwendig.
Früher hätte der erfahrene Lehrer geschimpft, gedroht, verwarnt. Heute setzt er auf Motivation, Beruhigung ... und Wiederholung.
Die 3 C bleibt eine lustige Partie, hat Rat und Trost für den besorgten Lehrer:
"Ach, das ist halb so schlimm. Tun Sie sich nichts an, in Mathe sind wir noch schlechter. Das kann doch jedem passieren."
Genau: Die vielen negativen Ergebnisse, das passiert nicht den Schülern, das passiert den Lehrern. Zu schwere Fragen, zu viel Stoff, zu schlechte Vorbereitung. Die Kinder sehen das genau so, wie sie es täglich hören: Wenn sie schlechte Ergebnisse bringen, dann haben die Lehrer versagt. Punkt.
Wir bemühen uns klarzumachen, dass Lernende selbst Verantwortung übernehmen müssen ("Eigenverantwortliches Lernen"), aber der Zeitgeist sieht es anders.
Die 3C bleibt jedenfalls eine lustige Partie und freut sich auf den nächsten Test.
teacher - am Montag, 23. Februar 2009, 18:49
Ich mag das Wort und ich liebe den Inhalt: Akzeptanzmanagement.
Es ist eine einseitige, verschmähte Liebe.
Sollen einer Veränderung oder einem Projekt im wirtschaftlichen Umfeld Chancen auf Erfolg und Akzeptanz eingeräumt werden, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
1. Vision (Existenz eines gemeinsamen Leitbildes)
2. Kommunikation (zwischen den Akteuren)
3. Skills (Fähigkeiten mit den Neuerungen umzugehen)
4. Tools (Ausstattung mit den notwendigen Werkzeugen)
5. Anreize (Motivation zur Beteiligung)
6. Aktionsplan (zur Umsetzung der Neuerungen)
Sonst ist mit Verwirrung, Ablehnung, Angst, Frustration, Abwehr und Chaos zu rechnen.
Nehmen wir an, jemand möchte den gängigen Frontalunterricht mit modernen Unterrichtsformen ergänzen und E-Learning-Elemente integrieren. Dann jault die halbe Schule auf - Akzeptanz muss erst geschaffen werden, die obigen sechs Punkte abgearbeitet. Und siehe da, keine der Forderungen ist erfüllt:
1. Es gibt keine gemeisame Vision, wie effizienter Unterricht ausschauen soll, es gibt nur widersprüchliche Meinungen dazu.
2. Die Kommunikation zwischen den Lehrern beschränkt sich auf Pausenzeiten, die gerade zur Deckung physiologischer Grundbedürfnisse reichen. Die Kommunikation mit den übergeordneten Instanzen ist einseitig (Verordnungen, Beschwerden, Erlässe), mit den betroffenen SchülerInnen und Eltern völlig verfahren (sicher nicht offen und gegenseitig wertschätzend).
3. Unsere Skills stammen von Universitätsstudien, die zumindest leicht angegraut sind, wissenschaftlich ausgerichtet und für heutige Unterrichtsszenarien unbrauchbar.
4. Unsere Tools können mit der durchschnittlichen Ausstattung eines Kinderzimmers längst nicht mithalten und konzentrieren sich auf das "pädagogische Reinheitsgebot von 1914": Tafel, Kreide, Buch.
5. Es gibt keine Anreize, seinen Unterricht zu ändern. Keine. Ausser man verfügt über masochistische Züge.
6. Und Planungen, die über den Jahresstoff laut Lehrplan hinausgehen, passen so gar nicht in unser Bildungssystem.
Fragen Sie mich, warum in der Schule NIX WEITERGEHT.
Oder fragen Sie, wer im Schulsystem das Wort Akzeptanzmanagement schon gehört hat. Oder gar ernst genommen.
Es ist eine einseitige, verschmähte Liebe.
Sollen einer Veränderung oder einem Projekt im wirtschaftlichen Umfeld Chancen auf Erfolg und Akzeptanz eingeräumt werden, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
1. Vision (Existenz eines gemeinsamen Leitbildes)
2. Kommunikation (zwischen den Akteuren)
3. Skills (Fähigkeiten mit den Neuerungen umzugehen)
4. Tools (Ausstattung mit den notwendigen Werkzeugen)
5. Anreize (Motivation zur Beteiligung)
6. Aktionsplan (zur Umsetzung der Neuerungen)
Sonst ist mit Verwirrung, Ablehnung, Angst, Frustration, Abwehr und Chaos zu rechnen.
Nehmen wir an, jemand möchte den gängigen Frontalunterricht mit modernen Unterrichtsformen ergänzen und E-Learning-Elemente integrieren. Dann jault die halbe Schule auf - Akzeptanz muss erst geschaffen werden, die obigen sechs Punkte abgearbeitet. Und siehe da, keine der Forderungen ist erfüllt:
1. Es gibt keine gemeisame Vision, wie effizienter Unterricht ausschauen soll, es gibt nur widersprüchliche Meinungen dazu.
2. Die Kommunikation zwischen den Lehrern beschränkt sich auf Pausenzeiten, die gerade zur Deckung physiologischer Grundbedürfnisse reichen. Die Kommunikation mit den übergeordneten Instanzen ist einseitig (Verordnungen, Beschwerden, Erlässe), mit den betroffenen SchülerInnen und Eltern völlig verfahren (sicher nicht offen und gegenseitig wertschätzend).
3. Unsere Skills stammen von Universitätsstudien, die zumindest leicht angegraut sind, wissenschaftlich ausgerichtet und für heutige Unterrichtsszenarien unbrauchbar.
4. Unsere Tools können mit der durchschnittlichen Ausstattung eines Kinderzimmers längst nicht mithalten und konzentrieren sich auf das "pädagogische Reinheitsgebot von 1914": Tafel, Kreide, Buch.
5. Es gibt keine Anreize, seinen Unterricht zu ändern. Keine. Ausser man verfügt über masochistische Züge.
6. Und Planungen, die über den Jahresstoff laut Lehrplan hinausgehen, passen so gar nicht in unser Bildungssystem.
Fragen Sie mich, warum in der Schule NIX WEITERGEHT.
Oder fragen Sie, wer im Schulsystem das Wort Akzeptanzmanagement schon gehört hat. Oder gar ernst genommen.
teacher - am Mittwoch, 18. Februar 2009, 20:44