97 % Erfolgsquote, das sollte gefeiert werden! 97 % unserer SchülerInnen haben die in den Lehrplänen definierten Ziele erreicht und sind in die nächste Schulstufe aufgestiegen. Vergleichen Sie diese Ziffer einmal mit den Drop-Out-Raten der Universitäten, mit den Wiederholungsraten von Fahrschulen oder mit den schleichenden Abgängen freiwilliger Bildungsinstitute. Wir schlagen sie alle, wir haben hervorragende Ergebnisse, selbst in Spitzenunternehmen der Privatwirtschaft würden 97 % Erfolgsquote zu Siegestaumel führen: Bei Kreditrückzahlungen? Bei Verkaufsabschlüssen? Bei Forschungsergebnissen?
Ehrlich gesagt, für diese Quote muss in einigen Fällen heftig geschummelt werden, müssen Augen zugedrückt werden, viele mildernde Umstände berücksichtigt. Dafür werden Prüfungen wiederholt, Eltern eingebunden, Nachhilfeinstitute beauftragt, Tipps und Ratschläge verschleudert, Extraschichten eingelegt, neue Chancen eingeräumt, Beschwerden geführt. Mit großem Erfolg: 97 %.
Trotzdem: 3 % schaffen es nicht. Sie erhalten auch nach der Wiederholungsprüfung keine "Berechtigung zum Aufsteigen".
Darüber freut sich niemand.
Das "Sitzenbleiben", wie Journalisten aus ihrer eigenen Vergangenheit dazu sagen (der Begriff ist längst aus dem Schulvokabular verschwunden) bringt wenig und kostet viel. Sitzenbleiben ist dumm.
Besonders unbeliebt müsste es bei den Lehrern sein, weil diese gescheiterten Schüler(Innen) als Repetenten in fremde, jüngere Klassen kommen und dort ein eingespieltes Klima verändern. Selten zum Positiven. Meist bringen sie als Ältere und Unmotivierte schlechte Angewohnheiten, viel Unruhe und Störpotenzial mit oder werden sogar als Bedrohung erlebt, wenn sie in größerer Zahl (ab drei) gruppendynamisch wirksam werden.
Daher: Vermeiden wir das Wiederholen, wo es geht. Suchen wir brauchbare Alternativen. Im Sinne der Schüler und der Lehrer.
Mein Vorschlag weicht ganz vom Ansinnen der Frau Minister ab, die "Sitzenbleiber" aufsteigen zu lassen und in speziellen Modulen nachzuschulen. Das verlängert ihr Leiden. Die meisten Repetenten fallen nicht wegen eines einzigen Faches durch (wie häufig fälschlicherweise behauptet wird) sondern wegen ganz anderer Probleme: Fehlende Motivation, falsche Schule, familiäre Probleme, großflächige Überforderung, Desinteresse, vielfältige Ablenkungen, Depressionen, soziale und emotionelle Defizite...
Was hilft?
Motivation. Neurorientierung. Externe Evaluierung. Individuelle Problemlösungen. Schulpsychologie. Berufsberatung. Sozialarbeit. Familientherapie.
Zusammengefasst: Nichtschulische Maßnahmen statt schulischer Maßnahmen. Raus aus dem System, Hilfe von außen.
Ehrlich gesagt, für diese Quote muss in einigen Fällen heftig geschummelt werden, müssen Augen zugedrückt werden, viele mildernde Umstände berücksichtigt. Dafür werden Prüfungen wiederholt, Eltern eingebunden, Nachhilfeinstitute beauftragt, Tipps und Ratschläge verschleudert, Extraschichten eingelegt, neue Chancen eingeräumt, Beschwerden geführt. Mit großem Erfolg: 97 %.
Trotzdem: 3 % schaffen es nicht. Sie erhalten auch nach der Wiederholungsprüfung keine "Berechtigung zum Aufsteigen".
Darüber freut sich niemand.
Das "Sitzenbleiben", wie Journalisten aus ihrer eigenen Vergangenheit dazu sagen (der Begriff ist längst aus dem Schulvokabular verschwunden) bringt wenig und kostet viel. Sitzenbleiben ist dumm.
Besonders unbeliebt müsste es bei den Lehrern sein, weil diese gescheiterten Schüler(Innen) als Repetenten in fremde, jüngere Klassen kommen und dort ein eingespieltes Klima verändern. Selten zum Positiven. Meist bringen sie als Ältere und Unmotivierte schlechte Angewohnheiten, viel Unruhe und Störpotenzial mit oder werden sogar als Bedrohung erlebt, wenn sie in größerer Zahl (ab drei) gruppendynamisch wirksam werden.
Daher: Vermeiden wir das Wiederholen, wo es geht. Suchen wir brauchbare Alternativen. Im Sinne der Schüler und der Lehrer.
Mein Vorschlag weicht ganz vom Ansinnen der Frau Minister ab, die "Sitzenbleiber" aufsteigen zu lassen und in speziellen Modulen nachzuschulen. Das verlängert ihr Leiden. Die meisten Repetenten fallen nicht wegen eines einzigen Faches durch (wie häufig fälschlicherweise behauptet wird) sondern wegen ganz anderer Probleme: Fehlende Motivation, falsche Schule, familiäre Probleme, großflächige Überforderung, Desinteresse, vielfältige Ablenkungen, Depressionen, soziale und emotionelle Defizite...
Was hilft?
Motivation. Neurorientierung. Externe Evaluierung. Individuelle Problemlösungen. Schulpsychologie. Berufsberatung. Sozialarbeit. Familientherapie.
Zusammengefasst: Nichtschulische Maßnahmen statt schulischer Maßnahmen. Raus aus dem System, Hilfe von außen.
teacher - am Mittwoch, 16. September 2009, 07:58
Eine liebe Blogkollegin (die ich hier nicht outen will, außer sie macht es selbst) schickt mir gerne brisante Nachrichten im pdf- und ppt-Format. Weiß der Kuckuck, wo sie dieses Zeug auftreibt, das Internet ist groß, ihres besonders.
Letztens wühle ich mich durch hundert witzige Seiten, die alle Vorzüge der Frauen über 40 darlegen. Ich freue mich, dass ich so eine selbstbewusste, stilsichere und erfahrene Frau auch an meiner Seite wähnen darf.
Ein viriler Bekannter hat das anders gesehen und sich für eine Jüngere scheiden lassen. Tausche 40 gegen 20.
"Weißt Du, die ist mit dem Internet aufgewachsen."
Er erklärt mir die erotische Seite des digital divide, er hat sich schlau gemacht.
"Die jungen Mädchen kennen die Pornos nicht, sie leben sie."
Schluck.
Ich dachte an das übliche Schema: Die jüngere ist hübscher und knackiger, die ältere kämpft gegen Falten, Dellen und Verfärbungen. Und mir fällt beim Blick in den Spiegel ein, dass ich da notgedrungen mitmache: "Altern ist die einzige Möglichkeit zu leben."
Das war nicht das Problem.
Er sagt es nicht offen, aber ich verstehe seine Anspielungen: Die Neue ist glatt von oben bis unten, sie trägt reizende Wäsche von früh bis spät. Von Montag bis Samstag oral zur Vorspeise, anal zur Nachspeise, die Toys liegen unter dem Bett.
Schluck.
"Ich musste nicht wochenlang um sie werben, sie wollte mich gleich am ersten Abend flachlegen. SIE!"
Er ist geschieden, von einer hübschen, selbstbewussten Frau. Seine Kinder besucht er am Wochenende, wenn der Terminplan es zulässt.
"Wir kommen unter Druck", kommt mir in den Sinn und ich beginne diesen Gedanken zu interpretieren. Spüre ich da ein bisschen Neid?
Letztens wühle ich mich durch hundert witzige Seiten, die alle Vorzüge der Frauen über 40 darlegen. Ich freue mich, dass ich so eine selbstbewusste, stilsichere und erfahrene Frau auch an meiner Seite wähnen darf.
Ein viriler Bekannter hat das anders gesehen und sich für eine Jüngere scheiden lassen. Tausche 40 gegen 20.
"Weißt Du, die ist mit dem Internet aufgewachsen."
Er erklärt mir die erotische Seite des digital divide, er hat sich schlau gemacht.
"Die jungen Mädchen kennen die Pornos nicht, sie leben sie."
Schluck.
Ich dachte an das übliche Schema: Die jüngere ist hübscher und knackiger, die ältere kämpft gegen Falten, Dellen und Verfärbungen. Und mir fällt beim Blick in den Spiegel ein, dass ich da notgedrungen mitmache: "Altern ist die einzige Möglichkeit zu leben."
Das war nicht das Problem.
Er sagt es nicht offen, aber ich verstehe seine Anspielungen: Die Neue ist glatt von oben bis unten, sie trägt reizende Wäsche von früh bis spät. Von Montag bis Samstag oral zur Vorspeise, anal zur Nachspeise, die Toys liegen unter dem Bett.
Schluck.
"Ich musste nicht wochenlang um sie werben, sie wollte mich gleich am ersten Abend flachlegen. SIE!"
Er ist geschieden, von einer hübschen, selbstbewussten Frau. Seine Kinder besucht er am Wochenende, wenn der Terminplan es zulässt.
"Wir kommen unter Druck", kommt mir in den Sinn und ich beginne diesen Gedanken zu interpretieren. Spüre ich da ein bisschen Neid?
teacher - am Mittwoch, 9. September 2009, 08:34
Ich greife gerne in den Postkasten und freue mich über Briefe und Pakete. Meist muss ich sie unter einem Wust an reisserischen Prospekten und verlogener Werbung herausfischen. So trage ich täglich ganze Haufen bunt bedruckten Mülls in den Keller, viel seltener einen parfümierten Umschlag ins Wohnzimmer.
Dann gehe ich in die Schule. Dort muss ich mir jede einzelne Kopie überlegen, muss jedes Blatt Papier begründen und notieren. Schwarz auf weiß, in jeder Hinsicht. Die Schule (= der Staat) gewährt mir 3 Kopien pro Schüler: DREI, für ein ganzes Schuljahr. Nach wenigen Tagen ist dieses Limit erschöpft, dann muss ich die Eltern zur Kasse bitten: In der 1 G brauche ich Euro 1, 50, in der 3. Klasse 2 Euro, im Wahlpflichtfach habe ich kein Buch und kopiere mehr: 3 Euro pro Schüler. In 7 Klassen betteln, kassieren, aufbuchen lassen, in eine Liste eintragen ...
Ich weiß, in vielen Schulen wird von den Eltern einfach ein pauschaler Kopierbeitrag (10-15 Euro) einkassiert. Aber wir hatten eine Beschwerde ("Mein Sohn hat letztes Jahr sicher keine 100 Kopien bekommen!") und die vorgesetzte Dienstbehörde hat beschieden: Pauschalbeträge sind illegal, weil der Schulbesuch muss gratis bleiben. Ich weiß nicht, was die zum Frühstück trinken und wo sie sonst so anrennen ...
25 Seiten Möbelabverkauf für jeden Haushalt, kein Problem. Hochglanz. Farbe. Sogar die Fingernägel-Boutique ums Eck macht bunte Werbung.
Arbeitsblätter für die Schüler, gar zwei, drei Seiten aus einem Wochenmagazin in Klassenstärke kopieren? Geht nicht ... bitte nur das nötigste, bitte sparsam, bitte verkleinern. Chlorfrei, schwarz-weiß. Armselig.
Was ist Bildung in unserer Marktwirtschaft wert? Was wird alles unternommen, um meine Kinder zum Konsumieren anzuregen ... und was zum Denken? Wieviel verführt meine Schüler zum Shoppen, wieviel zum Lernen? Hat das Auswirkungen? Oder etwa nicht?
Ich darf 3 Kopien machen. Pro Schüler, pro Jahr. Dafür schäme ich mich - für meine Schule und meinen Staat.
Dann gehe ich in die Schule. Dort muss ich mir jede einzelne Kopie überlegen, muss jedes Blatt Papier begründen und notieren. Schwarz auf weiß, in jeder Hinsicht. Die Schule (= der Staat) gewährt mir 3 Kopien pro Schüler: DREI, für ein ganzes Schuljahr. Nach wenigen Tagen ist dieses Limit erschöpft, dann muss ich die Eltern zur Kasse bitten: In der 1 G brauche ich Euro 1, 50, in der 3. Klasse 2 Euro, im Wahlpflichtfach habe ich kein Buch und kopiere mehr: 3 Euro pro Schüler. In 7 Klassen betteln, kassieren, aufbuchen lassen, in eine Liste eintragen ...
Ich weiß, in vielen Schulen wird von den Eltern einfach ein pauschaler Kopierbeitrag (10-15 Euro) einkassiert. Aber wir hatten eine Beschwerde ("Mein Sohn hat letztes Jahr sicher keine 100 Kopien bekommen!") und die vorgesetzte Dienstbehörde hat beschieden: Pauschalbeträge sind illegal, weil der Schulbesuch muss gratis bleiben. Ich weiß nicht, was die zum Frühstück trinken und wo sie sonst so anrennen ...
25 Seiten Möbelabverkauf für jeden Haushalt, kein Problem. Hochglanz. Farbe. Sogar die Fingernägel-Boutique ums Eck macht bunte Werbung.
Arbeitsblätter für die Schüler, gar zwei, drei Seiten aus einem Wochenmagazin in Klassenstärke kopieren? Geht nicht ... bitte nur das nötigste, bitte sparsam, bitte verkleinern. Chlorfrei, schwarz-weiß. Armselig.
Was ist Bildung in unserer Marktwirtschaft wert? Was wird alles unternommen, um meine Kinder zum Konsumieren anzuregen ... und was zum Denken? Wieviel verführt meine Schüler zum Shoppen, wieviel zum Lernen? Hat das Auswirkungen? Oder etwa nicht?
Ich darf 3 Kopien machen. Pro Schüler, pro Jahr. Dafür schäme ich mich - für meine Schule und meinen Staat.
teacher - am Freitag, 4. September 2009, 19:44
Seine Ferien in Thailand zu verbringen birgt kaum Risiken. Seine Ferien in Thailand während der Regenzeit zu verbringen aber schon.
Also sitze ich in der luftigen Lobby meines Hotels, lausche dem heftigen Prasseln der Wassertropfen auf die üppige Vegetation, rieche ein feines Bouquet aus Räucherstäbchen und Bananenblättern und greife zur lokalen Presse: Bangkok Post.
Schon auf der Seite zwei holt mich mein Beruf zurück ins wirkliche Leben: Thailändische Studenten haben - hinter ihren chinesischen Kommilitonen - zahlreiche Gold- und Silbermedaillen bei einem internationalen Mathematikwettbewerb in Südafrika gewonnen.
Interessant klingt das angehängte Interview der Sieger:
Wie erzielt man solche Spitzenleistungen, will der Journalist erfahren.
Training am Computer?
Individuelle Förderung in der Schule?
Teamwork in Elite-Settings?
"Ich passe im Unterricht auf und arbeite mit. Man muss zuhause üben ... und immer wiederholen, wiederholen."
OMG. So sehen Tipps von Siegern aus?
Ja.
Wenn ich das meinen SchülerInnen sage - und das mache ich regelmäßig - lachen sie mich (und die willigen Mitschüler) aus. Wenn ich das den Eltern empfehle, nicken sie schuldbewusst oder tippen sich virtuell auf die Stirn. Wenn ich das meinen Lehramtstudenten sage, schütteln sie kritisch den Kopf. Wer sowas in die Medien bringt, ist doch im Vorgestern stecken geblieben!
Wenn ich das meinen KollegInnen sage, sagen sie: "Wem sagst du das?!"
Das Geheimnis des Erfolgs ist kein Geheimnis: Mitarbeiten, üben, wiederholen.
Das kostet nichts außer Anstrengung, das muss man einmal sagen. Zu Schulbeginn.
Viel Spaß.
Also sitze ich in der luftigen Lobby meines Hotels, lausche dem heftigen Prasseln der Wassertropfen auf die üppige Vegetation, rieche ein feines Bouquet aus Räucherstäbchen und Bananenblättern und greife zur lokalen Presse: Bangkok Post.
Schon auf der Seite zwei holt mich mein Beruf zurück ins wirkliche Leben: Thailändische Studenten haben - hinter ihren chinesischen Kommilitonen - zahlreiche Gold- und Silbermedaillen bei einem internationalen Mathematikwettbewerb in Südafrika gewonnen.
Interessant klingt das angehängte Interview der Sieger:
Wie erzielt man solche Spitzenleistungen, will der Journalist erfahren.
Training am Computer?
Individuelle Förderung in der Schule?
Teamwork in Elite-Settings?
"Ich passe im Unterricht auf und arbeite mit. Man muss zuhause üben ... und immer wiederholen, wiederholen."
OMG. So sehen Tipps von Siegern aus?
Ja.
Wenn ich das meinen SchülerInnen sage - und das mache ich regelmäßig - lachen sie mich (und die willigen Mitschüler) aus. Wenn ich das den Eltern empfehle, nicken sie schuldbewusst oder tippen sich virtuell auf die Stirn. Wenn ich das meinen Lehramtstudenten sage, schütteln sie kritisch den Kopf. Wer sowas in die Medien bringt, ist doch im Vorgestern stecken geblieben!
Wenn ich das meinen KollegInnen sage, sagen sie: "Wem sagst du das?!"
Das Geheimnis des Erfolgs ist kein Geheimnis: Mitarbeiten, üben, wiederholen.
Das kostet nichts außer Anstrengung, das muss man einmal sagen. Zu Schulbeginn.
Viel Spaß.
teacher - am Dienstag, 1. September 2009, 11:38
Der Flug ist gebucht.
Die Ferien beginnen.
Ihr trefft mich in Hanoi, Phnom Penh oder Bangkok.
Und ihr habt - mit mir - ein paar Wochen Ruhe.
Schöne Ferien, Auf Wiederlesen im Herbst
teacher
Die Ferien beginnen.
Ihr trefft mich in Hanoi, Phnom Penh oder Bangkok.
Und ihr habt - mit mir - ein paar Wochen Ruhe.
Schöne Ferien, Auf Wiederlesen im Herbst
teacher
teacher - am Sonntag, 5. Juli 2009, 22:34
Zurück von der Alpenexkursion begrüßt mich der Direktor mit einer unliebsamen Einladung: "Um 10 Uhr ist Besprechung wegen eines Einspruchs."
Eine Mutter hat Berufung gegen eine Note eingelegt.
Ich suche hektisch alle Aufzeichnungen des vergangenen Jahres zusammen, um schlüssig begründen zu können, warum Schüler X ein "Genügend", kein Nicht genügend und auch kein Befriedigend, bekommen hat. Und ich muss zudem in die Benotung "Genügend" hineininterpretieren, ob dieses gut abgesichert ist oder eher die Prognose nahe legt, dass Schüler X in der Zukunft Lernprobleme haben könnte. Ein gewagter, ein unmöglicher Drahtseilakt:
Ist der Vierer ein guter Vierer, dann darf der Schüler - trotz einer negativen Beurteilung in einem zweiten Gegenstand - in die nächste Schulstufe aufsteigen. Wir sagen: "Er kriegt die Klausel." Ist der Vierer ein schwacher Vierer, dann muss er eine Wiederholungsprüfung machen und darf vorerst nicht aufsteigen: "Keine Klausel." Die Entscheidung fiel zwar in der Klassenkonferenz, aber meine Beurteilung gab den Ausschlag.
Diese psychische Belastung holt mich aus dem Schlaf: "Das kostet ihm ein Jahr, ein Lebensjahr. Vielleicht verlässt er sogar die Schule - wegen mir. Er wird aus dem Klassenverband herausgerissen, verliert seine Freunde und ich bin Schuld. Natürlich gibt es Reibereien in der Familie, ich könnte sie mit einem Federstrich beseitigen. Warum bin ich so blöd? Ich brauche doch nur ein Wort sagen: abgesichert."
Am nächsten Tag erkläre ich dem Klassenvorstand: "Von mir aus kann der Schüler die Klausel haben." Ich bin zum Nachgeben bereit, weil ich die Relativität von Noten kenne und weil ich weiß, wie viel Arbeit die schriftliche Dokumentation des ganzen Schuljahres machen wird.
Aber fünf Minuten später, in der Direktion, höre ich mich ganz andere Worte sagen: "Mein Urteil ist gut überlegt. Ich darf dem Schüler und seinen Eltern nicht den Eindruck vermitteln, dass ein Aufstieg problemlos verlaufen wird, das wäre unverantwortlich."
Ich fühle, dass ich zu meiner Entscheidung stehen und den Konferenzbeschluss verteidigen muss. Später wird mir klar, dass Berufungen zu spät einsetzen, erst nach einem psychologischen point of no return, dass Mediation bereits vor Konferenzbeschlüssen stattfinden müsste.
Reden statt berufen.
Eine Mutter hat Berufung gegen eine Note eingelegt.
Ich suche hektisch alle Aufzeichnungen des vergangenen Jahres zusammen, um schlüssig begründen zu können, warum Schüler X ein "Genügend", kein Nicht genügend und auch kein Befriedigend, bekommen hat. Und ich muss zudem in die Benotung "Genügend" hineininterpretieren, ob dieses gut abgesichert ist oder eher die Prognose nahe legt, dass Schüler X in der Zukunft Lernprobleme haben könnte. Ein gewagter, ein unmöglicher Drahtseilakt:
Ist der Vierer ein guter Vierer, dann darf der Schüler - trotz einer negativen Beurteilung in einem zweiten Gegenstand - in die nächste Schulstufe aufsteigen. Wir sagen: "Er kriegt die Klausel." Ist der Vierer ein schwacher Vierer, dann muss er eine Wiederholungsprüfung machen und darf vorerst nicht aufsteigen: "Keine Klausel." Die Entscheidung fiel zwar in der Klassenkonferenz, aber meine Beurteilung gab den Ausschlag.
Diese psychische Belastung holt mich aus dem Schlaf: "Das kostet ihm ein Jahr, ein Lebensjahr. Vielleicht verlässt er sogar die Schule - wegen mir. Er wird aus dem Klassenverband herausgerissen, verliert seine Freunde und ich bin Schuld. Natürlich gibt es Reibereien in der Familie, ich könnte sie mit einem Federstrich beseitigen. Warum bin ich so blöd? Ich brauche doch nur ein Wort sagen: abgesichert."
Am nächsten Tag erkläre ich dem Klassenvorstand: "Von mir aus kann der Schüler die Klausel haben." Ich bin zum Nachgeben bereit, weil ich die Relativität von Noten kenne und weil ich weiß, wie viel Arbeit die schriftliche Dokumentation des ganzen Schuljahres machen wird.
Aber fünf Minuten später, in der Direktion, höre ich mich ganz andere Worte sagen: "Mein Urteil ist gut überlegt. Ich darf dem Schüler und seinen Eltern nicht den Eindruck vermitteln, dass ein Aufstieg problemlos verlaufen wird, das wäre unverantwortlich."
Ich fühle, dass ich zu meiner Entscheidung stehen und den Konferenzbeschluss verteidigen muss. Später wird mir klar, dass Berufungen zu spät einsetzen, erst nach einem psychologischen point of no return, dass Mediation bereits vor Konferenzbeschlüssen stattfinden müsste.
Reden statt berufen.
teacher - am Freitag, 3. Juli 2009, 08:14
Die Hauptfrage dieser Tage in allen Klassen: "Was spielen wir?"
Die Noten stehen fest, an richtige Arbeit ist nicht mehr zu denken bzw. nur gegen massiven Widerstand der SchülerInnen. Völlig sinnlos.
Die gefürchtete Antwort in vielen Klassen: "Können wir fernsehen?"
Und schon drücken sie mir ganze Sammlungen an DVDs in die Hand.
Dann wiederhole ich die Frage und lenke die Aufmerksamkeit auf mein Lieblingsspiel: ACTIVITY. Wenn ich die Klasse davon überzeugen kann, ist der Erfolg gesichert. Manche werden süchtig, wie ich. Zwei, drei Mannschaften und ein paar lustige Begriffe, die sie entweder mimisch darstellen, an die Tafel zeichnen oder umschreiben müssen.
Ein sinnvolles Spiel, weil wichtige Fähigkeiten trainiert werden. Besonders interessant wird es im Fremdsprachenunterricht. Im zweiten Durchgang dürfen die Kinder eigene Begriffe (für die gegnerische Mannschaft) auswählen - das versuche ich zunächst zu umgehen.
Warum?
Weil regelmäßig Begriffe und Namen vorkommen, die ich nicht kenne.
"Schauen Sie eigentlich gar nicht fern?", lautet die Frage, wenn ich den siebenten Zwerg von links aus einer amerikanischen Soap-Opera nicht an seinem Grunzen erkenne.
"Eigentlich schon, nur ganz was anderes."
Fernsehen, Fernsehen, Fernsehen ...
Die Noten stehen fest, an richtige Arbeit ist nicht mehr zu denken bzw. nur gegen massiven Widerstand der SchülerInnen. Völlig sinnlos.
Die gefürchtete Antwort in vielen Klassen: "Können wir fernsehen?"
Und schon drücken sie mir ganze Sammlungen an DVDs in die Hand.
Dann wiederhole ich die Frage und lenke die Aufmerksamkeit auf mein Lieblingsspiel: ACTIVITY. Wenn ich die Klasse davon überzeugen kann, ist der Erfolg gesichert. Manche werden süchtig, wie ich. Zwei, drei Mannschaften und ein paar lustige Begriffe, die sie entweder mimisch darstellen, an die Tafel zeichnen oder umschreiben müssen.
Ein sinnvolles Spiel, weil wichtige Fähigkeiten trainiert werden. Besonders interessant wird es im Fremdsprachenunterricht. Im zweiten Durchgang dürfen die Kinder eigene Begriffe (für die gegnerische Mannschaft) auswählen - das versuche ich zunächst zu umgehen.
Warum?
Weil regelmäßig Begriffe und Namen vorkommen, die ich nicht kenne.
"Schauen Sie eigentlich gar nicht fern?", lautet die Frage, wenn ich den siebenten Zwerg von links aus einer amerikanischen Soap-Opera nicht an seinem Grunzen erkenne.
"Eigentlich schon, nur ganz was anderes."
Fernsehen, Fernsehen, Fernsehen ...
teacher - am Sonntag, 28. Juni 2009, 17:40
Die Frau Minister arbeitet an einer Neuen Matura, einer Maturareform, einer Zentralmatura. Die Zeitungen gehen davon aus, dass die Lehrer dagegen sind. Weil sie immer gegen alles sind, vor allem gegen Fortschritt. Weil sie angeblich Angst vor Vergleichen haben. Oder weil die Gewerkschaft glaubt, die Schwachen schützen zu müssen.
Irrtum, die Planung geht mir viel zu wenig weit.
1. Eine Zentralmatura soll nicht nur die selben Fragen für alle Absolventen vorsehen, sie gehört auch zentral und anonym korrigiert. Das wäre konsequenter, fairer und objektiver.
2. Wenn eine vorwissenschaftliche Arbeit zu verfassen ist, dann müssen die SchülerInnen darauf professionell vorbereitet werden: Wissenschaftliches Arbeiten als Unterrichtsfach.
Und Plagiate müssen von vornherein vermieden werden. Es ist schwierig, jedes Jahr tausende neue Themen zu erfinden, ohne dass voneinander abgekupfert wird.
Übrigens: Muss wirklich jeder Maturant wissenschaftlich arbeiten lernen? Oder können wir das den kompetenteren Hochschulen überlassen?
3. Und die mündlichen Prüfungsfragen sollten nicht in der Schulautonomie verbleiben!
Weil ...
In unserer Schule unterrichten zwölf LehrerInnen Geographie und Wirtschaftskunde. Sieben sind über fünfzig Jahre alt, fünf etwas jünger. Sie werden sich zusammensetzen und ihre bisherigen Aufgabenstellungen vergleichen. Sie wählen davon jene aus, die eine Mehrheit finden - den kleinsten gemeinsamen Nenner. Letztlich bleiben jene Fragen, die vor 20 - 40 Jahren an den Universitäten diskutiert wurden, "altes Minimalwissen". Erneuerungen sind praktisch ausgeschlossen. Die jungen Kollegen und die jungen Themen werden sich nicht durchsetzen können, letztere werden nicht nur bei der Abschlussprüfung, sondern auch im Unterricht verloren gehen: Old teaching for the old test.
"Wie oft werden wir uns zusammensetzen, um neue Themen zur Reifprüfung zu bringen?"
"Wozu, bitte?"
Daher meine Forderung: Auch die mündlichen Reifeprüfungsfragen müssen von zentraler Stelle erarbeitet werden. Und ständig erneuert und modernisiert.
Aber darüber traut sich niemand, ich schwör's.
Irrtum, die Planung geht mir viel zu wenig weit.
1. Eine Zentralmatura soll nicht nur die selben Fragen für alle Absolventen vorsehen, sie gehört auch zentral und anonym korrigiert. Das wäre konsequenter, fairer und objektiver.
2. Wenn eine vorwissenschaftliche Arbeit zu verfassen ist, dann müssen die SchülerInnen darauf professionell vorbereitet werden: Wissenschaftliches Arbeiten als Unterrichtsfach.
Und Plagiate müssen von vornherein vermieden werden. Es ist schwierig, jedes Jahr tausende neue Themen zu erfinden, ohne dass voneinander abgekupfert wird.
Übrigens: Muss wirklich jeder Maturant wissenschaftlich arbeiten lernen? Oder können wir das den kompetenteren Hochschulen überlassen?
3. Und die mündlichen Prüfungsfragen sollten nicht in der Schulautonomie verbleiben!
Weil ...
In unserer Schule unterrichten zwölf LehrerInnen Geographie und Wirtschaftskunde. Sieben sind über fünfzig Jahre alt, fünf etwas jünger. Sie werden sich zusammensetzen und ihre bisherigen Aufgabenstellungen vergleichen. Sie wählen davon jene aus, die eine Mehrheit finden - den kleinsten gemeinsamen Nenner. Letztlich bleiben jene Fragen, die vor 20 - 40 Jahren an den Universitäten diskutiert wurden, "altes Minimalwissen". Erneuerungen sind praktisch ausgeschlossen. Die jungen Kollegen und die jungen Themen werden sich nicht durchsetzen können, letztere werden nicht nur bei der Abschlussprüfung, sondern auch im Unterricht verloren gehen: Old teaching for the old test.
"Wie oft werden wir uns zusammensetzen, um neue Themen zur Reifprüfung zu bringen?"
"Wozu, bitte?"
Daher meine Forderung: Auch die mündlichen Reifeprüfungsfragen müssen von zentraler Stelle erarbeitet werden. Und ständig erneuert und modernisiert.
Aber darüber traut sich niemand, ich schwör's.
teacher - am Dienstag, 23. Juni 2009, 11:41
VORSICHT. DIESER ARTIKEL ERGÄNZT UND ERSETZT DEN VORIGEN - AUCH FÜR GUTMENSCHEN GEEIGNET.
Andy legt mir einen Zettel hin: "Können Sie mir diese Website aufschreiben? Sie wissen schon, von dieser US-Forschungsplattform ..."
Gerne.
Andy nutzt die letzte Chance. Ich gehe durch das Gedränge feiernder Eltern und Maturanten und verabschiede mich von meinen Schülerinnen und Schülern. Manche kenne ich seit acht Jahren, manche habe ich erst im letzten Jahr kennengelernt, alle haben ein großes Stück von meinen Werten mitgenommen.
Jiro setzt sich ans Klavier und improvisiert eine Mozart-Serenade, bis der ganze Festsaal in Freudengeschrei ausbricht.
Anna geht auf die Bühne, greift selbstbewusst zum Mikro und singt wie ein Profi vom Blatt.
Leo und Michi führen routiniert und witzig durchs Programm.
Maturantenverabschiedungsfeier.
Die Klassenvorstände überreichen die letzten Zeugnisse an ihre Schützlinge und heben deren besondere Leistungen hervor:
"Melinda gehört zu den besten Schwimmern in Österreich, ein Riesentalent."
"Mara spricht vier Sprachen, wir sind stolz auf sie."
"Joe wird uns nicht verlassen, er betreut auch weiter unser Linux-Netz. Danke."
"Und das ist Nicky - sie hat den heutigen Abend organisiert. Lass dich umarmen."
"Philipp. Er hat mit ausgezeichnetem Erfolg maturiert. Alle Fächer sehr gut."
"Liebe Sarah. Du hast über Jahre hunderte Stunden Nachhilfe in Mathe gegeben. Gratis - für alle in der Klasse, die es gebraucht haben. Bitte um einen Sonderapplaus."
"Sue hat mir Jahre lang bei allen Aufgaben geholfen. Austeilen, einteilen, einsammeln ... ohne dich wäre ich aufgeschmissen gewesen."
"Lena, Danke für die Ruhe, die du in die Klasse gebracht hast. Alles Gute für dein Medizinstudium."
Zeugnisse. Lachen. Tränen - Freudentränen.
Mit einem Glas Sekt gehe ich weiter.
Thomas: "Ich habe mir das mit den Glühbirnen noch einmal angesehen, Herr Professor. Sie haben wirklich Recht."
Ines: "Bitte. Kommen Sie morgen ins Brauhaus - wir hätten Sie gerne dabei."
Florian: "Ich ärgere mich noch immer über die Fehler bei der Matura. Verzeihung ..."
Benedikt: "Sie sind ein guter Lehrer, wirklich."
Ich verabschiede mich von zukünftigen Rechtsanwälten, Ärzten, Ingenieuren. Ich durfte sie bis zur Reifeprüfung begleiten, ich habe enormes Potenzial erlebt, besonders dort, wo sie ihre individuellen Interessen umsetzen konnten. Ich mache mir keine Sorgen um unsere Zukunft.
Vergesst die Maturatussi - Natürlich gibt es sie. Aber die Mehrheit der Jugendlichen ist wirklich klasse. Maturaklasse.
Und: Die Matura hat immer noch ihren Wert, als Abschluss eines langen, oft steinigen, oft spannenden Weges und als Eintrittskarte in eine neue Welt. Ein europäisches Initiationsritual mit Tradition und Zukunft.
"Alles Gute, Leute."
Andy legt mir einen Zettel hin: "Können Sie mir diese Website aufschreiben? Sie wissen schon, von dieser US-Forschungsplattform ..."
Gerne.
Andy nutzt die letzte Chance. Ich gehe durch das Gedränge feiernder Eltern und Maturanten und verabschiede mich von meinen Schülerinnen und Schülern. Manche kenne ich seit acht Jahren, manche habe ich erst im letzten Jahr kennengelernt, alle haben ein großes Stück von meinen Werten mitgenommen.
Jiro setzt sich ans Klavier und improvisiert eine Mozart-Serenade, bis der ganze Festsaal in Freudengeschrei ausbricht.
Anna geht auf die Bühne, greift selbstbewusst zum Mikro und singt wie ein Profi vom Blatt.
Leo und Michi führen routiniert und witzig durchs Programm.
Maturantenverabschiedungsfeier.
Die Klassenvorstände überreichen die letzten Zeugnisse an ihre Schützlinge und heben deren besondere Leistungen hervor:
"Melinda gehört zu den besten Schwimmern in Österreich, ein Riesentalent."
"Mara spricht vier Sprachen, wir sind stolz auf sie."
"Joe wird uns nicht verlassen, er betreut auch weiter unser Linux-Netz. Danke."
"Und das ist Nicky - sie hat den heutigen Abend organisiert. Lass dich umarmen."
"Philipp. Er hat mit ausgezeichnetem Erfolg maturiert. Alle Fächer sehr gut."
"Liebe Sarah. Du hast über Jahre hunderte Stunden Nachhilfe in Mathe gegeben. Gratis - für alle in der Klasse, die es gebraucht haben. Bitte um einen Sonderapplaus."
"Sue hat mir Jahre lang bei allen Aufgaben geholfen. Austeilen, einteilen, einsammeln ... ohne dich wäre ich aufgeschmissen gewesen."
"Lena, Danke für die Ruhe, die du in die Klasse gebracht hast. Alles Gute für dein Medizinstudium."
Zeugnisse. Lachen. Tränen - Freudentränen.
Mit einem Glas Sekt gehe ich weiter.
Thomas: "Ich habe mir das mit den Glühbirnen noch einmal angesehen, Herr Professor. Sie haben wirklich Recht."
Ines: "Bitte. Kommen Sie morgen ins Brauhaus - wir hätten Sie gerne dabei."
Florian: "Ich ärgere mich noch immer über die Fehler bei der Matura. Verzeihung ..."
Benedikt: "Sie sind ein guter Lehrer, wirklich."
Ich verabschiede mich von zukünftigen Rechtsanwälten, Ärzten, Ingenieuren. Ich durfte sie bis zur Reifeprüfung begleiten, ich habe enormes Potenzial erlebt, besonders dort, wo sie ihre individuellen Interessen umsetzen konnten. Ich mache mir keine Sorgen um unsere Zukunft.
Vergesst die Maturatussi - Natürlich gibt es sie. Aber die Mehrheit der Jugendlichen ist wirklich klasse. Maturaklasse.
Und: Die Matura hat immer noch ihren Wert, als Abschluss eines langen, oft steinigen, oft spannenden Weges und als Eintrittskarte in eine neue Welt. Ein europäisches Initiationsritual mit Tradition und Zukunft.
"Alles Gute, Leute."
teacher - am Samstag, 20. Juni 2009, 11:11
VORSICHT. DAS IST EIN BÖSER ARTIKEL - UNGEEIGNET FÜR PÄDAGOGISCHE GUTMENSCHEN.
"Lisa ist der Prototyp einer Tussi", meinen ihre durchwegs jüngeren Klassenkameraden, "vom blondierten Scheitel bis zu den rosaroten Zehen."
"Eine Friseuse", schiebt jemand vorlaut nach.
Das Nasenpiercing, das Arschgeweih, ihre Push-ups und Minis, ihre Highheels und Tops, ihre Ohrringe und ihr Make-up, ihre Dauerbräunung, der schwarze GTI vom Papa, ihr ganzes Äußeres passt zu ihrem Lebenswandel und ihrer Schulkarriere: Feiern, schwänzen, wiederholen, feiern.
Richtig beliebt ist sie bei den Burschen trotzdem nicht, aber "ein bissi was geht immer".
Jetzt schickt sie stolz 10.000 SMS um den Erdball: "Matura geschafft! Ich bin reif ... für die Insel :-)" Ab in die Türkei, und nur mehr feiern.
"Heutzutage kriegt wirklich schon jeder die Matura!" denken selbst die gutmütigen Nachbarn.
"Bedanken Sie sich bei Ihren Lehrerinnen und Lehrern, die Sie zu diesem Erfolg geführt und mit großem Wohlwollen geprüft haben", schlägt der Prüfungsvorsitzende den frischen Absolventen vor. Er spricht damit unbekümmert an, was alle miterlebt haben: Die Reifeprüfungen sind zu einer Show verkommen.
Unsere Lehrer suchen individuell die "passenden Fragen" aus, bereiten ihre Kandidaten "optimal" vor, drücken alle Augen zu und tragen hilfreich auch die Schwächsten durch. Lieb sind wir: Keine kniffligen Beispiele, keine kritischen Nachfragen, keine echten Herausforderungen.
Wie erklären die Kollegen diesen bedenklichen Schonwaschgang?
"Wer es bis zur achten Klasse schafft, den lasse ich doch nicht mehr durchfallen!"
"Sonst stehe ich doch selbst als Versager da."
"Das wollen alle so, das fordern alle so. Also kriegen sie es."
"Wenn ich jemanden durchfallen lasse, dann sitzen wir im Herbst wieder da. Glaubst du wirklich, dass die Kandidaten dann gescheiter sind?"
"Wer bei uns nicht durchkommt, der findet irgendeine andere Schule, wo es billiger geht."
"Ich bin doch froh, wenn diese Schwachmathiker draußen sind. Machen doch nur Probleme!"
"Warum soll ich die Böse spielen? Bringt doch nichts."
Die Spatzen pfeifen es vom Dach: Die Matura ist nichts mehr wert. Bloß unsere Maturatussi hat nicht einnmal das begriffen.
P.S.: Sie will Lehrerin werden. Da macht es nichts, dass sie Mathe nie verstanden hat, Englisch spricht "comme une vache" (like a cow) und noch niemals freiwillig ein Buch gelesen hat.
Macht es wirklich nichts? In drei Jahren wird sie unsere/eure Kinder unterrichten, erziehen, prägen.
"Lisa ist der Prototyp einer Tussi", meinen ihre durchwegs jüngeren Klassenkameraden, "vom blondierten Scheitel bis zu den rosaroten Zehen."
"Eine Friseuse", schiebt jemand vorlaut nach.
Das Nasenpiercing, das Arschgeweih, ihre Push-ups und Minis, ihre Highheels und Tops, ihre Ohrringe und ihr Make-up, ihre Dauerbräunung, der schwarze GTI vom Papa, ihr ganzes Äußeres passt zu ihrem Lebenswandel und ihrer Schulkarriere: Feiern, schwänzen, wiederholen, feiern.
Richtig beliebt ist sie bei den Burschen trotzdem nicht, aber "ein bissi was geht immer".
Jetzt schickt sie stolz 10.000 SMS um den Erdball: "Matura geschafft! Ich bin reif ... für die Insel :-)" Ab in die Türkei, und nur mehr feiern.
"Heutzutage kriegt wirklich schon jeder die Matura!" denken selbst die gutmütigen Nachbarn.
"Bedanken Sie sich bei Ihren Lehrerinnen und Lehrern, die Sie zu diesem Erfolg geführt und mit großem Wohlwollen geprüft haben", schlägt der Prüfungsvorsitzende den frischen Absolventen vor. Er spricht damit unbekümmert an, was alle miterlebt haben: Die Reifeprüfungen sind zu einer Show verkommen.
Unsere Lehrer suchen individuell die "passenden Fragen" aus, bereiten ihre Kandidaten "optimal" vor, drücken alle Augen zu und tragen hilfreich auch die Schwächsten durch. Lieb sind wir: Keine kniffligen Beispiele, keine kritischen Nachfragen, keine echten Herausforderungen.
Wie erklären die Kollegen diesen bedenklichen Schonwaschgang?
"Wer es bis zur achten Klasse schafft, den lasse ich doch nicht mehr durchfallen!"
"Sonst stehe ich doch selbst als Versager da."
"Das wollen alle so, das fordern alle so. Also kriegen sie es."
"Wenn ich jemanden durchfallen lasse, dann sitzen wir im Herbst wieder da. Glaubst du wirklich, dass die Kandidaten dann gescheiter sind?"
"Wer bei uns nicht durchkommt, der findet irgendeine andere Schule, wo es billiger geht."
"Ich bin doch froh, wenn diese Schwachmathiker draußen sind. Machen doch nur Probleme!"
"Warum soll ich die Böse spielen? Bringt doch nichts."
Die Spatzen pfeifen es vom Dach: Die Matura ist nichts mehr wert. Bloß unsere Maturatussi hat nicht einnmal das begriffen.
P.S.: Sie will Lehrerin werden. Da macht es nichts, dass sie Mathe nie verstanden hat, Englisch spricht "comme une vache" (like a cow) und noch niemals freiwillig ein Buch gelesen hat.
Macht es wirklich nichts? In drei Jahren wird sie unsere/eure Kinder unterrichten, erziehen, prägen.
teacher - am Donnerstag, 18. Juni 2009, 08:43