Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
cotopaxi

 
Es ist 14.15 Uhr, ich habe fünf Stunden in den Klassen verbracht, ich bin heiser, habe Hunger und ... bleibe trotzdem gerne in der Schule. Unser Sozialraum hat in den letzten Wochen erstaunliche Attraktivität entwickelt. Es gibt keine neuen Möbel, kein Gratis-Buffet und auch kein buntes Unterhaltungsprogramm - es gibt bloß Lehrer(innen), die sich rund um den Kaffeeautomaten zum Gespräch versammeln:

"Da ist wirklich nichts herausgekommen. Zumindest nichts Gutes", sind sich alle Anwesenden einig. Von Reform keine Spur, die Einsparungen belasten die Falschen, die Schulpolitik steckt mitten im medial verbreiteten Dreck. Ministerin und Gewerkschaft führten Krieg und hinterließen nichts als Verlierer.

"Warum kann man die Schulen nicht einfach arbeiten lassen? Das hat doch die letzten Jahrzehnte gut funktioniert."
"Genau. Wir stolpern von einer Reform zur anderen - und alles ist nur schlimmer geworden."

Ein Wunsch durchzieht den Raum: Lasst uns in Ruhe unseren Job machen. Wir haben Unterrichten gelernt und wir können das.

"Leute! Das geht nicht mehr. Die Welt hat sich total geändert - wir müssen uns anpassen", mische ich mich ein.
"Warum? Wir waren doch erfolgreich!"
"Die Gesellschaft hat sich um 180 Grad gedreht. Die Kinder haben sich verändert. Wir haben digital natives in den Klassen sitzen. Jahrelang haben wir Wissen gesammelt, aufbereitet, vermittelt. Das war unsere Stärke, das können wir gut. Wissen war Macht, der Schlüssel zu Erfolg und Karriere. Aber jetzt liegt Wissen auf der Straße, gratis im Internet. Wissen ist nichts mehr wert ..."
"Das stimmt doch nicht! Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, sonst können wir am Weltmarkt nicht mithalten."
"Ja, aber unsere Kinder ertrinken in Informationen. Fernsehen, Internet, Gratiszeitungen, Handys ... unser Lehrbuch-Wissen von vorgestern ist uninteressant geworden. Belanglos. Wir geben den Ertrinkenden Wasser!"

Da ist es ruhig geworden im Sozialraum. Draußen geht der Lärm weiter.
creature meinte am 18. Mai, 21:40:
einem papagei kann man sicher viel beibringen, er kanns perfekt nachplappern, aber weiß er was? 
teacher antwortete am 20. Mai, 20:24:
Aber ein Papagei, der nicht plappert, hats auch nicht leicht :-) 
sowai (Gast) meinte am 18. Mai, 21:58:
Damit triffst du den Nagel mitten auf den Kopf. Genau das ist IMO das neue große Problem der Kinder / Jugendlichen.
Du hast völlig recht mit ".. wir müssen uns anpassen".
Den Kids wäre sicher mehr geholfen, wenn sie an Stelle von Informationen und Wissen den richtigen Umgang damit lernen würden. Gute Lehrer könnten ihnen das durchaus beibringen (und da zähle ich dich dazu). Die Frage dabei ist nur: ab wann DÜRFEN sie es endlich? 
teacher antwortete am 20. Mai, 20:20:
Wir dürfen bereits.
Aber wir prüfen nach wie vor Fakten ab und Lehrer und Schüler, die am meisten Fakten demonstrieren können, gelten als die besten. 
la-mamma meinte am 18. Mai, 22:02:
ich glaub das immer noch nicht mit den 180 grad
als "digital immigrant" mit solider humanistischer bildung, die schon lang gutes geld im it-bereich verdient, werfe ich das jetzt einfach so in den raum. 
teacher antwortete am 20. Mai, 20:16:
Solide Grundbildung werden wir weiterhin brauchen (z.B. von Sprachen, Mathematik etc.), aber wer definiert und begrenzt das? 
BIA (Gast) antwortete am 21. Mai, 21:00:
Das Problem ist, dass wir ja bei vielen Schülern nicht mal eine solide Grundbildung erkennen können.

Deine Analyse ist wie meist einfach gut getroffen!
Danke! 
Sun-ray meinte am 18. Mai, 22:19:
Ich für mein Teil begrüße diese Entwicklung,
denn sie offenbart, was sich bislang
in Spätfolge mechanistischen Zeitalters ignorieren ließ:
Wissens- ohne Sinnvermittlung ist eine Sackgasse.
Der Weg führt über Bewusstmachung von Eigenverantwortung
als unabdingbarer Voraussetzung
für eine in solchem Bewusstsein gestaltete Zukunft.
Doch bevor diese Einsicht greifen kann,
bedarf es des Versagens überholter Vorstellungen. 
teacher antwortete am 20. Mai, 20:14:
Für mich liegt das Versagen unserer Schule schon auf der Hand. 
Waldweg (Gast) meinte am 18. Mai, 22:48:
Schöner und treffender Artikel.
Sind die Tracksback ausgeschalten? Nun, dann manuell.
Habe ein paar Zeilen als direkten Kommentar dazu abgefasst, unter:
//monologediskussion.wordpress.com/2009/05/18/schule/ 
caretta caretta meinte am 18. Mai, 23:13:
nicht nur die kinder - wir alle ertrinken in informationen. gerade deshalb ist es so wichtig wissen zu erwerben, um diese informationen einordnen und verwerten zu können. diese art von wissen wird aber nicht durch auswendiglernen von lehrbüchern erworben.
wenn ich mir anschaue, wie klassen heute ausgestattet sind, nämlich praktisch gleich wie vor 50 jahren - von den hauptmedien tafel und lehrbuch wird kaum abgegangen - dann ist für mich auch klar, dass die unterrichtsergebnisse auf dem level von vor 50 jahren bleiben müssen. zudem werden die kinder noch schlechter als hühner in legebatterien auf engstem raum gehalten. mich wundert, dass da überhaupt was rauskommt. 
Waldweg (Gast) antwortete am 19. Mai, 00:14:
Vergiss nicht den guten alten Tageslichtprojektor, heute meist als Overheadprojekter anglifiziert. :D 
Marie (chief) (Gast) antwortete am 19. Mai, 14:18:
Tageslichtprojektor?! Die sterben aus. Wir sind eine Notebookschule und haben fast nur noch Beamer.^^

"Wir geben den Ertrinkenden Wasser!"
--> Sehr schön gesagt :-))
Und Recht haben Sie! 
Aurisa meinte am 18. Mai, 23:23:
Es gibt das schöne Schlagwort vom "Lernen lernen".
Ich habe mich nach meiner Schulzeit immer geärgert, daß man genau das in der Schule eben NICHT lernt!
Ich denke mal das ist einer der Punkte, die heute noch viel mehr als früher wichtig wären... 
Nachtblau antwortete am 18. Mai, 23:50:
Heutzutage lernt mans auch nicht, da wird man bespaßt. 
teacher antwortete am 20. Mai, 19:58:
Das ist wenigstens lustig.

"Lernen lernen" gibts bei uns als (freiwilliges) Schulfach - aber das nimmt niemand erst, weil der Schulalltag sich nicht daran orientiert: Wir sagen z.B. dass man in kleinen Dosen lernen soll und prüfen dann in großen Test (bis zu den Diplomprüfungen). 
amadea (Gast) meinte am 19. Mai, 00:34:
Du Revoluzzer, du. Immer Wirbel machen. 
teacher antwortete am 20. Mai, 19:55:
Die lieben KollegInnen haben sich längst an meine Provokationen gewöhnt. Ob mich noch jemand ernst nimmt? 
PeZwo meinte am 19. Mai, 05:56:
yep.
Früher hieß die Herausforderung: "wie komme ich zu dem Wissen, was ich brauche". Heute heißt sie "wie filtere ich aus den Unmengen an zur Verfügung stehenden Informationen jene heraus, die ich brauche". Das ist in der Tat ein ganz anderer Ansatz. 
teacher antwortete am 20. Mai, 19:54:
Wir haben die Wende aber noch nicht geschafft. Z.B. wird bei Prüfungen (s. Standards) Wissensanhäufung getestet! 
ottivgrau meinte am 19. Mai, 17:00:
nicht unbedingt 180...
hat das gute lehrer aber nicht immer schon ausgezeichnet: nicht bloße informationen in die hirne abzufüllen, sondern den umgang damit (=wissen)? kritikfähigkeit, selbständiges hinterfragen? analytisch und kreativ denken, eigene herangehensweisen entwickeln? und das ganze eben am beispiel des in der schule zu erlernenden, denn einen gewissen grundstock brauchts nun mal. was nützts mir, dass ich den 30jährigen krieg wunderbar und ausführlich im internet recherchieren kann, wenn ich nicht weiß, (a) dass es sowas überhaupt gegeben hat und (b) wenn ich nicht weiß, wie den mannigfaltigen unsinn vom tatsächlich relevanten trennen?

im grunde verhält sich der lehrer zur informationsgesellschaft wie die printmedien zum internet: die wirklich wichtigen informationen aufbereiten, filtern, reflektieren, das große ganze im auge behalten. reine informationsvermittlung reicht nicht mehr, nur die qualitativ wirklich guten, die genauso auf der metaebene daheim sind, bleiben weiterhin von belang.

daher: ganz 180 grad können es nicht sein, ganz ohne informationsvermittlung kommt die schule auch in zukunft nicht aus. bloße informationsvermittlung, andererseits, bedeutet nicht mehr grade noch ausreichendes oder sogar recht brauchbares vor-sich-hin-handwerken, sondern totalversagen. 
sowai (Gast) antwortete am 20. Mai, 11:13:
ottivgrau: "... den umgang damit (=wissen)? kritikfähigkeit, selbständiges hinterfragen? analytisch und kreativ denken, eigene herangehensweisen entwickeln?"
Meinen Schulerfahrungen gemäß wurde genau das oben angeführte sanktioniert. Erst durch Ermahnungen, später durch schlechte Noten. Erwünscht war (und ist?) unreflektiertes Übernehmen der Information und vorgegebenen Meinung und Nachplappern derselben - solange, bis man es irgendwann selber glaubt. So wurde einem eigenständiges Denken und "Lernen lernen" eher aberzogen. Genau das ist aber bitter nötig, und da hat teach völlig recht, es benötigt eine 180° Wende.
Menschen wie ich mußten Sanktionen in Form von mittelschlechten Zeugnissen in Kauf nehmen als Preis dafür, ihr eigenständiges Denken nicht ganz zu verlieren. Trotzdem darf man sich dieses nach der Schule wieder jahrelang selber antrainieren.

"im grunde verhält sich der lehrer zur informationsgesellschaft wie die printmedien zum internet:..."
Die Printmedien zeichnen sich in der heutigen Zeit vor Allem dadurch aus, daß sie Informationen gemäß der erwünschten Meinungsvorgabe seitens der Politik und im Sinne der "political correctness" selektieren und verfälschen. Sie schneiden genau den einen kleinen Teil der Information heraus den du sehen sollst / darfst und zeigen ihn dir. Den großen ausgeblendeten Rest dieser Information kannst du dann im Internet finden. Ohne ihn ergibt sich ein völlig verzerrtes Bild. Das ist die Aufgabe der Printmedien (es war nicht immer so, aber es ist leider so geworden). Genau das war meinen Erfahrungen gemäß früher auch Aufgabe der Lehrer. Früher, als Information noch nicht so breit zugänglich war. Da wurde selektiert, gefiltert und aufbereitet, und anschließend ein kleiner, aus dem Kontext gerissener Teil präsentiert, der mit der Gesamtinformation kaum mehr was zu tun hatte. Auch hier wäre eine Wende um 180° nötig. 
ottivgrau antwortete am 20. Mai, 13:09:
gut, ich hab mich sehr auf die informationsvermittlung versteift. das selbstverständnis sehr vieler lehrer - jedenfalls derer, die du beschreibst - bedarf tatsächlich einer 180° wende.

bei den printmedien muss ich widersprechen: gerade das macht ein qualitätsmedium aus, dass es informationen filtert, stellung bezieht und positionen abwägt. der große ausgeblendete rest der informationen hat zu recht keinen platz in der zeitung - du findest ihn ja ohnehin im internet bzw in anderen blättern. dass viele printmedien politische meinungsmache statt guten journalismus betreiben ist richtig, daraus kann man aber doch nicht schließen, dass das ihre aufgabe ist.

was den vergleich mit den lehrern betrifft: selektieren, filtern, aufbereiten ist ja nichts schlechtes, das sind absolut notwendige vorgänge, wenn man sich ein differenziertes bild machen will. schlecht ist das nur, wenn der schüler nur das ergebnis zur kenntnis zu nehmen hat, anstatt dass die fähigkeit zur eigenständigen selektion, filterung, aufbereitung anhand des vom lehrer bearbeiteten stoffs gelehrt wird. 
sowai (Gast) antwortete am 21. Mai, 22:32:
Dem habe ich eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, kann nur sagen: mein volles Einverständnis. Deinen ersten Kommentar zu diesem Thema verstehe ich jetzt erst richtig. Du beschreibst den Soll-Zustand. Den sehe ich genau so, sowohl bei Lehrern als auch bei der Presse. Leider weicht der Ist-Zustand recht häufig davon ab und falls das der Fall ist, dann und nur dann meine ich die 180°-Wende. 
Sophie (Gast) meinte am 20. Mai, 01:27:
Ich habe ihren Artikel einfach mal in meinem Blog zitiert: //soro.bplaced.net/archives/2114
Natürlich mit Rücklink. Hoffe, das ist ok so.
MfG, Sophie 
teacher antwortete am 20. Mai, 19:50:
Klaro. liegrü teach. 
deprifrei-leben antwortete am 22. Mai, 18:57:
Lehrer sollten vermitteln wie Wissen richtig eingeordnet und verarbeitet und genutzt wird.
Und wichtig wäre auch zu lernen wie ich Wichtiges von Unwichtigen unnützen Wissen unterscheide. 
teacher antwortete am 23. Mai, 10:46:
Zwei wichtige (und anspruchsvolle) Ziele! 
BIA (Gast) antwortete am 23. Mai, 14:40:
Alles klar, ich bin 100% bei ihnen.
Aber das wird alles nicht vie nützen, wenn Schüler nicht(s) lernen wollen. Ich glaube immer mehr, dass das das Hauptproblem ist, das Teacher ja auch anspricht. Unser Angebot scheint in der Fülle des Gebotenen unterzugehen und für viele Schüler und Eltern nichts mehr wert zu sein.
Wir können uns auf den Kopf stellen und im Bananenröckchen tanzen - solange das Publikum das nicht sehen will, werden wir's sehr schwer haben, unser Programm gewinnbringend an den Mann zu bringen. Egal, wie das Programm im Einzelnen aussieht. 
teacher antwortete am 24. Mai, 11:47:
In dieser Direktheit trauen sich die Lehrer das öffentlich nicht sagen: "... wenn Schüler nicht(s) lernen wollen. Ich glaube immer mehr, dass das das Hauptproblem ist."

Das Argument wird sofort umgedreht: "Ihr könnt halt nicht unterrichten."

Dann schweigen wir lieber - aber in den Schulen (besonders jetzt zur Prüfungszeit) sieht das jede(r): Lernen = Arbeit = macht keinen Spaß = wollen wir nicht. Diese Einstellung macht sich breit und breiter. Lernen muss Spaß machen, wird ihnen (von außen)versprochen - und die Schule kann dieses Versprechen nicht einlösen. Fernsehen, Computer etc. macht Spaß und bringt auch Informationen, also wozu Schule? 
sowai (Gast) antwortete am 24. Mai, 13:50:
"Wir können uns auf den Kopf stellen und im Bananenröckchen tanzen"

Schon mal probiert? Könnte den Unterricht vielleicht interessanter machen :-)
OK., Spaß beiseite. Ihr habt völlig recht mit dem "nicht lernen wollen", das trifft sicher in vielen Fällen zu. Schwieriger wird es mit der Analyse des Warum. Schüler sind zu faul; nicht an Wissen interessiert? Glaube ich nicht.
Lehrer können nicht unterrichten? Glaube ich auch nicht.
Meine Antwort auf das "Warum?" lautet: der Zwang.
Schüler wollen durchaus lernen, Lehrer auch unterrichten. Aber die Grenzen, in denen das vorgeschriebenermaßen stattfinden muß sind nicht natürlich. Diese Grenzen und der Zwang, sie einzuhalten sorgen im Laufe der Zeit dafür, daß sowohl Schüler als auch Lehrer die Lust am Lernen / Lehren verlieren. Und daß sie es langsam aber sicher verlernen. Beide Seiten.
Als kleines Beispiel: ein sehr interessierter Schüler, der gerne wissen möchte, wie z. B. ein Apfel aufgebaut ist, warum es so ist, etc. kann noch so interessiert sein. Wenn im Lehrplan dummerweise steht, daß jetzt die inneren Organe des Tintenfischs unterrichtet werden, dann ist das eben so. Und der am Apfel interessierte Schüler kann sich sein Interesse in die Haare schmieren. Wenn er nun aber an den Organen des Tintenfischs rein gar nicht interessiert ist (vielleicht wäre er es in 9 Wochen oder in 2 Jahren), ist es dann der Schüler, der nicht lernen will? Oder der Lehrer, der nicht unterrichten kann?
Der Schüler kann nun trotzdem via Lektüre oder Internet seine gewünschten Informationen finden. Die Abfrage über den Tintenfisch wird in die Hose gehen. Nach dem Apfel wird er nicht gefragt. Setzen, 6. Wieder nichts gelernt, faules Stück! ;-)
Ist jetzt sicher etwas überspitzt, aber in vielen Fällen liegt das Problem genau da.

P.S. @ teacher: "Sie haben Post" :-) 
BIA (Gast) antwortete am 24. Mai, 15:20:
Was mich stört: immer wird das Argument gebracht, dass (kleine) Kinder per se und von selbst ständig und ohne Aufforderung lernen. Der Vergleich hinkt aber - kleine Kinder eignen sich Wissen und Fähigkeiten über eine Welt an, mit der sie unmittelbar zu tun haben. Unsere Schüler sollen sich Wissen und Fähigkeiten aneignen, deren Sinn ihnen in vielen Fällen gar nicht einsichtig ist. Demenstprechend unlustig finden das viele Schüler. - Und Erwachsene sind nicht anders gestrickt: wenn jemand zu mir sagt: "Jetzt lernen's doch mal Thermodynamik, vielleicht brauchen's das in 10 Jahren." - mach ich das dann freudig? Nein. Egal, wieviel Motivation - bunte Kärtchen - Lernzirkel - usw. usw. meiner harren.
Also: irgendwann sind nicht mehr "die Lehrer" das Problem... 
teacher antwortete am 24. Mai, 20:10:
Es gibt immer wieder Themen, wo mir die Kinder an den Lippen hängen und mich mit Fragen zuschütten. Super. Aber wenn ich irgendwelche Feinheiten einer Sprache üben muss (über viele Jahre), da habe ich niemanden mehr, der mit Interesse dabei ist. Aber es ist notwendig, damit sie Kommunikation ordentlich beherrschen. Danke sagen sie erst nach der Sponsion/Promotion, vorher hassen sie mich dafür. 
BIA (Gast) antwortete am 24. Mai, 22:40:
@WolfgangGL
Für ein *bissi blöd halten Sie uns Lehrer schon, oder?
Nein, ich korrigiere mich. Für *richtig blöd.

Und nein, das Lerninteresse steigt auch nicht unbedingt an, wenn jeder Schüler jedes Wort in jedem Text weiß.

Ich weiß das deshalb, weil ich mit Schrecken immer wieder feststelle, dass es ziemlich bei der Lesekompetenz vieler Schüler hapert. Wir verbringen dann relativ viel Zeit damit, zu klären, a) was die schwierigen Wörter sind, die keiner versteht ("Solidarität", "Ideologie", "liberal" sind Dauerbrenner), b) worum's in dem Text geht, c) was die Intention des Autors sein könnte usw. usf. Schwieriges Thema, braucht viel Zeit, bis jeder überhaupt mal den Sachtext versteht.

Aber: Jemandem, dem die soziale Frage vorher egal war, ist sie auch dann egal, wenn er weiß, was das Wort "Ideologie" bedeutet.

Und jemand, der begriffen hat, warum die soziale Frage interessant sein könnte, fragt schlicht und ergreifend nach, wenn er das Wort "Ideologie" nicht versteht. 
sowai (Gast) antwortete am 25. Mai, 15:05:
@ BIA: "Also: irgendwann sind nicht mehr "die Lehrer" das Problem..."

... was ich auch nicht behauptet habe.
Habe mir eben meinen eigenen Kommentar nochmal durchgelesen, versucht, ihn mit anderen Augen zu sehen und festgestellt, daß man aus anderer Sicht diese Aussage durchaus herauslesen kann.
Nein, SO war das nicht gemeint. Ganz und gar nicht. Ein interssantes Phänomen: Je nach Perspektive und Betonung (die man in geschriebener Form ja nicht herauslesen kann) ergibt sich
ein anderer Sinn.
"... ist es dann der Schüler, der nicht lernen will? Oder der Lehrer, der nicht unterrichten kann?"
Kontext 1 (ich glaube, so hast du es gelesen BIA): Etwas Grünes hüpft über die Wiese. Ist es nun ein Spatz? Oder ein Frosch?
Kontext 2 (so habe ich es gemeint): Etwas Grünes hüpft über die Wiese. Ist das jetzt ein Spatz? Oder ist es eine Fledermaus?
Die Antwort (Nein, es ist ein Frosch!) habe ich nicht mehr dazu geschrieben, weil ich dachte, daß sie sich aus meinem vorherigen Text ergibt. Tut sie nicht unbedingt, das sehe ich jetzt.
Also, gemeint war: Schüler zu dumm? Nein.
Lehrer schuld? Nein.
Die vorgeschriebenen Lehrpläne und auch Stundenpläne sind es meiner Meinung nach. Vor Allem, wenn sie (leider viel zu oft) mittlerweile am richtigen Leben völlig vorbei gehen und in
vieler Hinsicht hoffnungslos veraltet sind.
Genau das "Jetzt lernen's doch mal Thermodynamik, vielleicht brauchen's das in 10 Jahren..." ist mein Ansatzpunkt. Wie viel muß man in der Schule lernen, was man niemals wieder braucht.
Und wie vieles, was man später dringend braucht, lernt man nicht, weil es eben nicht im Lehrplan steht. Nichts liegt mir ferner, als "den Lehrern" die Schuld dafür zuschieben zu wollen, denn sie unterliegen den selben Vorschriften und Lehrplänen und müssen sich daran halten. 
BIA (Gast) antwortete am 25. Mai, 15:42:
@sowai
Sorry - mein Posting ist schlicht und ergreifend am falschen Ort gelandet, war nie als Reaktion auf Dein posting geplant.
Ich hatte tatsächlich Dein Tintenfisch/Apfel-Mail gelesen und mir gedacht: Ja, genauso ist es! Recht hat er/sie! Ha! Warum kommen solche Leute nicht ins Ministerium! *g

Wir liegen also auf einer Wellenlänge - und vielleicht schaff ich irgendwann mal, so zu unterrichten, dass die Tintenfisch-Fans Tentakel zählen können und die Apfel-Fans kleine Apfelbonsais züchten...=> geheimer Traum. 
beatrice (Gast) meinte am 24. Mai, 15:45:
genau ...
... shift happens.
aber es hat sich noch nicht bei allen lehrern herumgesprochen.
danke für die wunderbare geschichte in deinem inspirierenden blog. 
teacher antwortete am 24. Mai, 20:12:
Danke. Du beherrscht die Kunst der schnellen Motivation, bravo :-) 
Ulrike (Gast) meinte am 17. Jun, 07:55:
erst einmal...
ein Kompliment für die tollen Beiträge. Aus der Sicht eines Lehrers sehe ich die Welt auch ab und zu, da meine Schwester Lehrerin wird...

zum Beitrag: das ist erst einmal richtig, allerdings habe ich in meiner eigenen Berufsausbildung gelernt, dass eben nicht alle jungen Leute ertrinken.
Ich habe meine Ausbildung spät angefangen, war also ca. 5 Jahre älter als meine "Kollegen" in der Berufsschule. Dort hatte ich eine Lehrerin, die einen hohen Anspruch an uns hatte, was Allgemeinwissen betrifft. Nach ca. 2 Jahren mit ihr war es mir schon fast peinlich, dass ich oft als einzige eine Antwort auf ihre Fragen wusste.
Einmal fragte eine meiner Mitschülerinnen, warum ich eigentlich so viel wisse... Meine Lehrerin meinte nur, dass ich einfach über eine gute Allgemeinbildung verfüge..

Was ich sagen wollte: viele junge Leute ertrinken eben nicht im Wissen, obwohl sie freien Zugang zu fast unbegrenzten Informationen haben, diese nicht unbedingt nutzen wollen/können/dürfen... 
Ulrike (Gast) antwortete am 17. Jun, 07:56:
ich vergaß ein Wort...
..., diese ABER nicht unbedingt nutzen.... 
 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma