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cotopaxi

 
Alex ist ein guter und liebenswerter Schüler. Ein fescher Jüngling ausserdem. Vielleicht ein bisschen zu exzentrisch für seine 17 Jahre. Vielleicht ein bisschen zu arrogant, um bei den Mädchen anzukommen. Ich kenne ihn seit Jahren, jetzt ist er in der Abschlussklasse und redet sehr offen über sein Leben.

"Ach, wissen Sie. Die Schule nimmt sich wichtiger als sie ist, sie spielt doch nur eine Nebenrolle in unserem Leben. Wichtig sind die Freunde, die Freunde ... und die Freunde."
"Davon hast Du doch gar nicht so viele", entgegne ich ihm ganz direkt.
"Ja, leider. Ich mag da viele nicht ... Genau genommen hänge ich mehr vor dem Fernseher herum als bei Freunden."
"Und was schaust Du so?"
"Ich habe mal von der Konträrfaszination gelesen. Das passt gut zu mir. In der Schule habe ich so viel Seriöses zu tun, immer soll ich funktionieren, reflektieren ... daher schaue ich gerne den totalen Schund, so Nachmittag-Talks, so besoffene Geschichten ..."
"Und was gibt dir das?"
"Keine Ahnung. Ich geh auch in so abgefuckte Lokale, so richtig tiefe Pubs in der Stadt. Als braves Kind hat man immer das Gefühl, man könnte was versäumen."
"Was denn?"
"Was man in den Serien so sieht. Die größten Prolos reissen sich die Tussies auf, der Lugner fährt mit seinen Weibern in die Türkei, der andere sucht sich im Osten seine Abenteuer."
"Verstehe."

Offensichtlich vergleichen wir unser fades Alltagsleben mit den Abenteuern im Fernsehen. Anfang der Depression. Rein in den Alkohol. Nur nichts versäumen.

"Wir wollen lieber eine Woche nach Nizza!"
"Paris oder London wären interessanter", entgegne ich.
"Wir möchten aber am Strand chillen!"

Wenn meine SchülerInnen Glück suchen, dann denken sie zuerst an ... NICHTS: Nichts tun, abhängen, chillen. Nichts ist besser als nichts.

Ich sehe das anders und zwinge sie zu ihrem Glück. (Bei fortschrittlichen Pädagogen sträuben sich angesichts solcher Worte die Haare.) Ich glaube nämlich - wie der gottlose Epikur - dass Glück aktiv erwirtschaftet werden muss.

Regeln zum Glück, wie sie der Philosoph R.D. Precht in "Wer bin ich und wenn ja, wie viele" zusammenfasst - und der heutige Zeitgeist.

Regel 1: Aktivität!
Zeitgeistige Schülerhaltung: Abhängen ist lustiger.

Regel 2: Sozial leben!
Wo? Auf facebook?

Regel 3: Konzentration!
Wir sind multitasking. Bitte ablenken!

Regel 4: Realistische Erwartungen!
Wir werden reich - im Lotto gewinnen, reich heiraten, ein Star werden.

Regel 5: Gute Gedanken!
Das Hässliche ist schön. Das Böse macht Musik. Geiz ist geil. Bad boys are cool.

Regel 6: Gelassener mit dem Unglück umgehen!
Unglück? Wegschauen!

Regel 7: Freude durch Arbeit!
Da will mich wer verarschen, oder.

Zwingt der Zeitgeist zum Unglück? Zu Depressionen. Zum Burnout.

Der schlechteste Ort zu lernen ist ... ?

6.Stunde. 1. Klasse.
Der Regelunterricht fällt aus, die Englischlehrerin ist erkrankt, ich muss spontan einspringen.
"Ihr hättet jetzt Englisch?"
"Ja, aber wir haben genug zu tun."
Die Kinder befürchten zurecht, dass ich normalen Unterricht machen will.
"Was habt ihr zu tun?"
"Wir haben soooo viel Hausübungen bekommen ... können wir damit anfangen?"
"OK. Wenn ihr Fragen habt ... ich bin da!"

Nach fünf Minuten wird es laut. Ich stehe auf und gehe durch die Reihen. Vielleicht ein Viertel der Kinder arbeitet an den Hausübungen.

Und die anderen? Ich frage mich durch:

"Warum machst Du nichts?"
"Ich kann mich hier nicht konzentrieren!"
"Und du?"
"Ich mache das lieber alleine, zuhause, in meinem Zimmer?"
"Und du?"
"Ich möchte jetzt lieber mit meinen Freundinnen ..."
"Und du?"
"Ich auch, zuhause bin ich alleine."
"Und was ist mit dir?"
"Mir ist es da zu laut."

"Und du?"
"Ich bin schon müde. Darf ich essen?"
"Du solltest deine HÜ machen."
"Aber ich habe Hunger."
"Und ihr?"
"Dürfen wir spielen? Wir sind eh ganz leise."
"Und die HÜ?"
"Die machen wir in der Nachmittagsbetreuung!"

"Was macht ihr?"
"Wir unterhalten uns."
"Das sehe ich. Aber ihr stört die anderen."
"Die arbeiten doch auch nicht."
"Und warum nicht?"
"Weil man da nicht lernen kann."

Der schlechteste Ort zu lernen ... ist die Schule: Da hat man Freunde, da ist es laut, da kann man sich nicht konzentrieren, da ist man müde, lustlos und ständig abgelenkt.

Meinen die Kinder.

Herr Montag ist auf Skikurs, er ist eine Woche weg.
Seine Klasse ist auf facebook. Sie sind in seinen Stunden weg.
Jetzt sind alle auf der Palme.

Die ganze Geschichte geht so: Wenn ein Lehrer weg ist, dann muss er durch einen anderen ersetzt werden. Zum Beispiel kommt eine fremde Sportlehrerin in die Deutschstunde: Turnsaal ist keiner frei, Sportsachen sind keine mit, Deutschbücher natürlich auch nicht. Häufig passiert in solchen Supplierstunden "gar nichts" (Individualbeschäftigung, Hausübungen, Kommunikation, Computersaal, Videos ...), weil beide Seiten weder Interesse noch gemeinsame Ziele haben. Also wurde auf facebook eine Gruppe "Freiheit-Hurra" gegründet ... und die ganze Klasse war weg.

Gut organisiert.

"Das geht nicht! Ihr boykottiert die Schule!", kommt der Vorwurf aus der Direktion.
"Warum? In solchen Stunden versäumt man nichts!", kontern die Schüler.

Die Direktorin sieht sich gezwungen, klare Maßnahmen zu setzen: "Ab sofort muss in jeder Stunde Regelunterricht stattfinden. Ich werde das kontrollieren!"

Wie werden LehrerInnen und SchülerInnen reagieren? Deutsch im Sportunterricht oder Sport im Deutschunterricht. Ohne Deutschbuch und ohne Sportausrüstung? Mit massiver Abwehrhaltung auf beiden Seiten! Zwischen unbekannten Akteuren. Ein pädagogischer Super-GAU.

Zwingen Sie die Klassen zum Lernen, lautet der Auftrag. Mission impossible.

"Wer macht freiwillig die Wiederholung?"
Es bleibt ruhig in der Klasse.
"Niemand?"
"Ich würde es machen ...", meldet sich Philipp aus der vorletzten Reihe.
"Super, Philipp."
"... wenn Sie gegen den Mayer Armdrücken!"

Seit einigen Wochen fordern mich die 14-jährigen heraus. Mayer ist ein Trainierer. Einen Kopf größer als ich. Oberarme wie ein Grizzly.
Philipp ist ein lustiger Faulpelz. Er würde sich nie freiwillig zu Wiederholungen melden und schwebt immer am Abgrund zwischen positiv und negativ.

"Ok, das ist ein Deal."

Zehn Sekunden später liegt mein rechter Arm auf den Tisch genagelt. Ich hatte keine Chance, aber ich nutze sie.

"Also komm, Philipp: Was haben wir in den letzten Stunden besprochen?"
Philipp hat zu hoch gepokert. Er hat keinen Blick ins Heft geworfen, keinen Schimmer einer Ahnung.
"Philipp! Zweite Chance: Nächste Stunde zeigst Du mir, dass du auch lernen kannst. OK?"

P.S.: In der Pause stehen die Burschen rund um meinen Tisch und wollen nur eines: Armdrücken. Auch ein Mädchen möchte es wissen. Jetzt gehe ich trainieren :-))

P.P.S: Philipp hat heute seine Chance genützt. Er ist nicht dumm, bloß völlig motiviationsfrei.

"Können Kühe schwimmen?"
"Hmmm ..."
"Und was essen die Menschen dort?"
"Also, schauen wir mal ..."
"Haben Sie ein Bild mit?"
"Das könnt ihr leicht googlen!"

So schaut die allererste Unterrichtsstunde aus. Digital natives wollen Lehrer werden. Sie haben gelernt (irgendwo gehört), dass man heutzutage eigentlich nichts wissen muss. Weil man alles im Internet findet.

Jetzt stehen sie zum ersten Mal in der Klasse und reden über den tropischen Regenwald. Die Kinder sind interessiert und haben Fragen. Aber die Studierenden - ganz am Anfang ihrer Unterrichtskarriere - finden keine passenden Antworten. So kann man in einer einzigen Stunde den ganzen Vertrauensvorschuss und jegliche fachliche Autorität verlieren.

Lehren aus der ersten Unterrichtsstunde:

1. Lehrer sollten viel wissen. Wirklich.
Auch junge, moderne Lehrer mit Ipads in der Hand.

2. Zum Unterrichten muss man sehr gut vorbereitet sein: Zuerst die Inhalte beherrschen, dann die Methode planen, dann das Material herstellen.
Macht zehn Stunden Vorbereitung für eine Stunde Unterricht! Kein Scherz.

3. Unterrichtserfahrung kann man nicht im ersten Semester sammeln - das Maturawissen reicht fürs Lehramt nicht. Zuerst studieren - dann unterrichten.

4. Persönliche Autorität hängt am fachlichen Wissen, das wird die kommende digitale Lehrergeneration schmerzlich erfahren. Wahrscheinlich auch andere.

5. Fragen suchen Antworten, der Rest wird als Ausrede abgetan.

Ohne Wissen geht's nicht. Zurück an die Uni.

Ich gestehe, ich habe wissenschaftliche Arbeiten verfasst. Das wundert viele SchülerInnen, weil sie offensichtlich ständig in ihrer Meinung bestärkt werden, LehrerInnen wären intellektuelle Dünnbrettbohrer. Quasi-Deppen. Pädagogische Witzfiguren.

Dieses Image wäre dringendst aufzupolieren, sonst fehlt neben der Achtung auch die Akzeptanz. Kürzlich habe ich von meiner Diplomarbeit gesprochen und fortgeschrittene Schüler, die mehr darüber wissen wollten, aufgefordert, einfach meinen Namen zu googlen: "Ich bin gespannt, was ihr herausfindet."
Ein Schüler hat mein facebook-Konto entdeckt: "Sie hatten aber lange Haare!"
Das Thema war damit ausgereizt, die wissenschaftliche Neugier endete an der Schulschwelle, es wurden keine Nachfragen gestellt.

Sobald sie an die Universitäten wechseln, erinnern sie sich zurück und erzählen von ihren akademischen Qualen.

"Der jetzige Plagiats-Wahnsinn ist zum Prüllen. Ich zittere seit Wochen, ob meine Diplomarbeit angenommen wird. Meine Betreuerin hat mich mehrmals gewarnt, dass ich wirklich alles korrekt zitieren muss."

Ich blättere durch Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten und denke wehmütig an meine Studienzeit zurück:
"Ich möchte heute nicht mehr studieren", rutscht es mir heraus.
Die jüngsten Arbeiten bestehen aus Ansammlungen von direkten und indirekten Zitaten. Dicht aneinandergereiht machen hunderte Verweise die Texte unleserlich, eigenständige Gedankengänge unmöglich, unerkennbar und unverfolgbar.
"Das war der Wunsch meiner Betreuerin", höre ich. "Ich soll nicht selbst denken, ich soll nur die Gedanken der anderen sammeln und zur gestellten Forschungsfrage korrekt widergeben."

Das ist Wissenschaft?

"Ich habe mir damals ein interessantes Thema ausgesucht, bin bibliographieren und lesen gegangen ... und habe meine Erkenntnisse zusammengefasst. Ab und zu ein wörtliches Zitat, das war's. Mein Professor wollte Eigenständigkeit forcieren, Datenanalyse und kritische Schlüsse erkennen ... das war Wissenschaftlichkeit."
"Heute geht es vor allem darum, dass die Plagiatssofware keine kopierten Stellen aufspürt. Vier Worte hintereinander - und du kannst dir ein neues Thema suchen", erklärt der Student.
"Ach geh'", erwidere ich, "da habe ich so seichte Dinge gelesen ... mit zahlreichen Fehlern, die Leute sind trotzdem Akademiker geworden!"
"Nicht auf meinem Institut! Und sicher nicht nach der Guttenberg-Affäre!"

"Weißt Du eigentlich, dass unserer künftigen Schüler für die Matura VWAs schreiben müssen. Vorwissenschaftliche Arbeiten!"
"Alle? Mit Exposés, Hypothesen, Zitaten und so?"
"Ja, alle. Damit sie wissenschaftliches Arbeiten lernen."
"Auch die schwächsten, die kaum eine Zeitung verstehen und gerade so durchrutschen? Kein ordentliches Deutsch können? Wer wird ihnen das beibringen?"
"Wir Lehrer. Wir haben ja vor Jahren auch Diplomarbeiten geschrieben." (*zynisch*)
"Und ihr wisst, wie das heute geht?"
"Nein, ganz wenige." (*böse*)

Schenken Sie einem Kind eine Packung LEGO. Und warten Sie, wie es damit umgeht.

Möglichkeit 1:
Es packt die Steine aus und baut nach Anleitung die Figur.
Ein deutsches Kind.
Ordnung steckt in seinen kulturellen Genen. Die Eltern werden das technische Kunstwerk stolz ins Regal stellen und neues Lego kaufen. Lego hatte großen Erfolg in unserer Gegend.

Möglichkeit 2:
Es packt die Steine aus und baut irgendetwas.
Ein amerikanisches Kind.
Kreativität kennzeichnet die pubertäre Nation. Die Lego-Figur wird wieder zerlegt, um Neues zu bauen. Lego hatte wenig Verkaufserfolg in den USA.

(Vgl. C. Rapaille: Der Kultur-Code)

Wir haben eine LEGO-Gruppe in der Schule. Sie baut Figuren und programmiert sie. Dafür müssen die Kinder eine Menge lernen, genau arbeiten und die Anleitungen bis ins Detail befolgen. Auspacken und spielen geht - bei uns - nicht. Wir lieben Ordnung und Instruktion.

Wir können es so oder so angehen, ordentlich oder kreativ. Aber die Eltern erwarten beides: Die Kinder sollen kreativ perfekte Figuren bauen. Das geht nicht.

Was wollt ihr also?
Lego
Wie sollen unsere Schüler LEGO bauen?

kreativ - die Anleitung ist unwichtig, das Ding muss nicht funktionieren
ordentlich - nach Anleitung, das Ding soll funktionieren

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Nach einem Video-Impuls gehen zwei Fragen an die Klasse:

1. Wie demokratisch und marktwirtschaftlich ist China heute?
2. Wie gefährlich ist Chinas Wirtschaft für unsere Arbeitsplätze morgen?

Die SchülerInnen (13-14 Jahre) haben gesehen, dass in der VR China das Internet überwacht wird ("Internetpolizei"), sie wissen, dass sich Google aus dem Markt zurückgezogen hat und sie hinterfragen, warum bestimmte Seiten zentral blockiert werden.

Ein Bursche fragt dann locker: "Warum sind eigentlich Pornos illegal?"
Die Reaktionen der Mitschüler zeigen, dass Experten am Wort sind.

"Ahhh, meinst Du bei uns oder in China?"
"Bei uns?", fragt er verwundert weiter.
Bei uns scheinen sie ihm legal zu sein.
"Hast Du schon einmal versucht, in einen Sex-Shop zu gehen? Hast Du schon einmal im Internet die Zugangssperren gesehen? Eigentlich ist Pornographie unter 18 Jahren verboten."

Das ist für viele neu, sie können es gar nicht glauben.

"Und warum?"
Aus der Hüfte schieße ich keine tollen Antworten.
"Also ... was denkt ihr?"
Keine Antwort aus der Klasse, das Thema ist heikel - das Alter auch. Ich habe Zeit zum Überlegen gewonnen.
"Ich meine ... "

Österreichische LehrerInnen haben die lehrplanmäßige Verpflichtung, das Thema Sexualität in allen Fächern anzusprechen. Ein Unterrichtsprinzip. Ehrlich gesagt, wir überlassen es lieber den Biologen und Religionskollegen. Aber jetzt muss ich wohl aufs dünne Glatteis.

"... viele von euch werden ja schon einmal herumgesurft sein, oder?"
Einige wenige outen sich durch zustimmendes Lachen. Pokerface bei den anderen.
"Daher wisst ihr ja, wie so Pornos aufgebaut sind. Das hat mit der natürlichen Sexualität der Menschen nichts zu tun. Da geht es ja um Ausbeutung von Frauen, sehr oft um Gewalt, um Missbrauch. Pornos sind reine Lügen, wenn ihr wollt."
"Und warum dürfen das Erwachsene sehen? Aber wir nicht?"
"Gute Frage ... Erwachsene haben ja meist schon Bekanntschaft mit richtiger Sexualität gemacht, mit Liebe und so weiter. Wenn aber Kinder mit 12 Jahren diese Filme sehen, dann bekommen sie völlig falsche Vorstellungen davon ... und das prägt ihr Gehirn, ihren Charakter. Das kann die Entwicklung stören."

Ich muss höllisch aufpassen. Ich weiß, dass die meisten der Zuhörer diese Bilder konsumieren - ohne wirklich gestört zu sein. Oder? Was weiß ich eigentlich über die Wirkung von Pornographie auf Kinder? Was wissen wir wirklich? Was kann ich, was muss ich den Minderjährigen zumuten? Wie formuliere ich es? Spontan?!

Keiner spricht. Sie hören mir verdammt gut zu. Ich spüre, dass noch niemand mit ihnen darüber gesprochen hat. Und dass ihnen das Thema unter den Nägeln brennt.

"Ich habe gestern auf RTL gesehen, dass so Perverse auch Kinder anmachen", setzt ein anderer Junge fort.
"Hast Du dir auch den Fachbegriff gemerkt?"
"Nein."
"Meinst Du grooming?"
"Was ist das?"
Ich beginne meine medienpädagogischen Bildungserfahrungen auszubreiten - Thema Cyber-grooming - und hänge eine klare Warnung an: Keine privaten Kontaktdaten auf facebook und Co.! Vorsicht! Passt auf euch auf!

Ich überlege wieder: Nützt der gehobene Zeigefinger ... oder nicht?

Die Stunde war eigentlich dem (chinesischen) Kommunismus gewidmet gewesen. Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich nicht gerechnet.

Neugierige und gewagte Nachfrage des ersten Burschen: "Was ist eigentlich, wenn ein Kind Kinderpornos schaut?"

Erwachsene reagieren schockiert auf diese Vorstellung, Jugendliche entspannt. Ich bin erwachsen.

"Hmm", erklärt mir ein Student später, "irgendwie logisch. Die Kinder interessieren sich natürlich für andere Kinder, die sind neugierig. Ausserdem sind die Jugendgesetze de facto aufgehoben, nicht nur im Internet. Du kannst alles haben, Alkohol, Rauchen, Pornos ... sie können weggehen, wann und wo sie wollen. Alles."

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Hausaufgabe war, ein Kurzreferat zur Klassenlektüre vorzubereiten.

Schüler M. trägt gerne vor, seine Gruppe überlässt ihm freiwillig diese Rolle.

M. geht aufrecht zur Tafel, der Lärm der Klasse geht zurück und M. präsentiert selbstbewusst und stolz seine Interpretation, ganz ohne schriftliche Unterlagen. Sein Blick schweift professionell über die Köpfe, am Ende bedankt er sich für die Aufmerksamkeit und schenkt allen ein abschließendes Lächeln.

Ich bitte um konstruktive Kritik: " ... zuerst zum Auftritt, dann zum Inhalt."
Ein Mädchen aus der Klasse: "Der Vortrag war doch aufgesetzt. Das war auswendig gelernt."

Da wird M. wütend und laut: "Das stimmt überhaupt nicht. Ich hab's vor fünf Minuten zum ersten Mal gelesen."

Wie interpretiere ich diesen unbedeutenden Vorfall?

M. hat ein gutes Referat überzeugend gehalten. Er liebt den Vortrag, er war vorbereitet und er hat souverän gearbeitet. Genau das wird ihm zum Vorwurf gemacht, deshalb muss er sich sogar verteidigen. Lieber nimmt er vorm Lehrer den Vorwurf in Kauf, seine Hausarbeit nicht korrekt gemacht zu haben als bei den Schülern als "Streber" dazustehen.

Es ist verdammt hart, eine gute Leistung zu bringen.
Das macht das Gymnasium zum Fegefeuer für Begabte.
Bleibt die Frage, ob Gesamtschule Erlösung oder Hölle ist.

 

twoday.net AGB

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