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cotopaxi

 
Man in Metropolis (Gast) meinte am 3. Apr, 12:08:
Da ich schon lange aus der Schule raus bin, würde mich schon einmal interessieren, was tun Lehrkräfte um Schüler zu motivieren?

Versteht sich denn der Lehrer als Anbieter von Wissencontent oder sagt er sich, scheiß drauf, ich ziehe hier meinen Frontalunterricht durch, egal ob jemand zuhört oder nicht.

Und welche Motivation hat ein Lehrer überhaupt seine Schüler zu motivieren? 
Eagel (Gast) antwortete am 3. Apr, 13:02:
Hey Metropolitaner,
Sie sind gut in Denglish ;).

Aber auf die Frage, welche Motivation ein Lehrer hat, seine Schüler zu motivieren, muss ich eingehen - wenn auch nur aus ganz persönlicher Sicht. Da ist die Antwort nämlich sehr einfach - Hast Du motivierte Schülerinnen und Schüler, wirkt sich das umgehend auf die eigene Motivation aus und gestaltet sich bestenfalls zu einem mobile perpetuum.

So, nun kommt da aber leider immer wieder sehr regelmäßig und zuverlässig ein riesen Hammer, der immer wieder zwischen dieses mobile perpetuum schlägt.

Zuverlässige Bestandteile des Hammers: Zu große Klassen, zu wenig Zeit, sich eingehend mit dem zu beschäftigen, was beschäftigenswert wäre. Manchmal kommen noch andere Komponenten hinzu: besonders schwierig und eigentlich nicht im Schulalltag zu händeln sind eben Probleme, die Schülerinnen und Schüler von zu Hause mitbringen und mit denen sie selber nicht umgehen können. Schlecht funktionierende Familienhintergründe werden eben 1:1 in die Schule hinein getragen.

Zu Ihrer allerersten Frage:
Jedes neue Thema braucht einen motivierenden Einstieg, der die intrensische Motivation auslöst, dem Thema auf der Spur zu bleiben. Schüler sollen wissen, warum sie was tun - das motiviert. Selbstbestimmtes Lernen und Arbeiten kann motivierend sein. Ein häufiger Wechsel der Sozialform - Partnerarbeit, Gruppenarneit, Einzelarbeit, Plenum - motiviert, da neue Situationen stets anregend sind. Ein klarer und gut strukturierter Aufbau motiviert, weil der Schüler / die Schülerin dann stets weiß, in welchem Rahmen sie/ er sich orientieren und Erfolge erzielen kann. Gut aufgebaute Stunden motivieren, weil sie als abgeschlossene Einheit einen Lerneffekt verbuchen. Nicht zuletzt: Eine freundliche und offene Atmosphäre motiviert - nur wo man sich ganz als Mensch angenommen und angekommen sieht, ist man motiviert und offen genug, "mitzumachen".

Und nein, ich seh mich nicht als Anbieter von "Wissenscontent" =) Ich bin doch kein Computer ...

Ich sehe mich eher als jemanden, dem Unterrichten Spaß macht. 
juhudo (Gast) antwortete am 3. Apr, 20:06:
perfekt beschrieben
so perfekt zusammengefasst habe ich das thema motivation noch nie vorgefunden! 
Eagel (Gast) antwortete am 3. Apr, 20:58:
Hach, mein Halb- und Dreiviertelswissen.
Ich habe erfahren, dass die Menschheit sich darauf geeinigt hat, vom Perpetuum Mobile zu sprechen. Schließe mich hiermit an.

Danke. 
teacher antwortete am 5. Apr, 12:23:
Du nennst viele gute Möglichkeiten zu motivieren.
Schlimm ist, dass die Lehrer, die motivieren sollen, so demotiviert werden - das kann nicht funktionieren. 
Eagel (Gast) antwortete am 7. Apr, 09:19:
Das klingt resigniert.
Und es IST schlimm.
Schlimm ist eben, dass Demotivierendes von so vielen Seiten kommt. Hätte man nur ab und zu ein stänkerndes Elternteil, wäre das zwar auch nicht schön, aber zu bewältigen.

Meine Strategie übrigens bei solchen Eltern: Freundlich bleiben und Rückfragen stellen. Dann wird schnell ersichtlich, wo der Schuh eigentlich drückt.

Bei Dir klingt es, als würde dich die gesamtgesellschaftliche Haltung den Lehrern gegenüber belasten. Empfindest du es als eine Art Ächtung? 
Cash (Gast) antwortete am 7. Apr, 12:58:
Ich denke das Gehalt und die Ferien sind Motivation genug.

Ansonst sollten die Lehrer mal einen Monat bei Billa/Lidl usw. arbeiten, dann hätten sie wieder Motivation in einer Klasse zu stehen. 
Eagel (Gast) antwortete am 7. Apr, 16:52:
Das ich richtig: Über Gehalt und Sicherheit des Arbeitsplatzes braucht sich ein verbeamteter Lehrer nicht zu beklagen. (Tut ja auch keiner... Es gibt übrigens auch eine Reihe von Lehrern, die "nur" als Angestellte arbeiten, damit weniger verdienen und die grundsätzliche Sicherheit nicht haben.)

Trotzdem fände ich wichtig, Klagen ernst zu nehmen, die sich auf andere Aspekte beziehen.

Der Ferienneid kann nur auf Unkenntnis beruhen. Um ein Beispiel zu nennen: Wir haben gute eineinhalb Wochen Osterferien, einige Tage davon sind Feiertage. Für diese Zeit habe ich fünf Klassenarbeitsstapel zu korrigieren. Geschichte und Ethik geht etwas flotter, da brauche ich pro Arbeit etwa 15 Minuten. Geschichte in der Oberstufe dauert schon länger. Die Deutschaufsätze der Oberstufe, an denen die Schüler vier Unterrichtsstunden plus Pausen geschrieben haben, dauern noch länger: Bis Note und Kommentar stehen, vergeht etwa eine Stunde. So komme ich insgesamt auf knapp 50 Stunden Korrigieren an sechs regulären Arbeitstagen in den Ferien, das sind über acht Stunden pro Tag. Und dann ist noch nichts darüber hinaus gemacht, wie Planen, Vorbereiten, Verwaltungstätigkeiten etc.

Es wäre wirklich sehr schön, einfach Ferien zu machen! 
teacher antwortete am 9. Apr, 10:41:
"Ächtung" statt "Achtung" - das ist zwar pointiert, bringt aber die Entwicklung der letzten 20 Jahre auf den Punkt. Die Gesellschaft schiebt alle unangenehmen Erziehungsarbeiten (von Drogen bis Gewalt) in die Schule und schlägt gleichzeitig auf die damit überforderten LehrerInnen ein. Schaut doch genau hin, was beispielsweise die Zeitungen über die LehrerInnen schreiben - das ist gehässig und abwertend. Selten aufbauend oder bestätigend.

So kann man keine motivierten Pädagogen erwarten. Und wie sollen Demotivierte unsere Kinder motivieren? Hirnrissig! 
stefanolix (Gast) antwortete am 11. Apr, 06:45:
Perpetuum mobile
Ich finde den Kommentar auch gut. Aber ein »perpetuum mobile« gibt es nicht. Lehrer und Schüler werden wohl trotzdem Energie aufwenden müssen ;-) 

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