Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
cotopaxi

 
der Seher (Gast) meinte am 30. Nov, 00:06:
Kopfschmerz
Alle heilige Zeiten haut es mich lesend über diesen Blog. Lese die Geschichten und G'schichteln des verehrten teachers. Aber Hand aufs Herz: kriegst nicht schon langsam Kopfweh? Burnout?

Ja, da liest sich der Haufen der mitzittert, mitstreitet, mitfühlt in den Kommentaren und ich komme immer wieder auf den gleichen Schluss: bitte wechselt für einige Zeit einfach mal Eure Jobs. Erzählt mir nicht, dass das nicht geht. Es geht!

Nehmt Euch ein Sabatical, kündigt mal für einige Zeit, nehmt unbezahlten Urlaub und einen anderen Job. Einfach so. Und tuts nicht dauernd so, als hätte DIESE Generation von Schülern, die Unmöglichkeit des Seins erfunden. Das habt ihr selber schon vor langer Zeit. 
Stefan (Gast) antwortete am 30. Nov, 10:45:
@Seher
Ein Hinweis sei gestattet: was uns Lehrer krank/müde/fertig macht, sind nur bei einem ganz geringen Teil die schwierigeren Schüler. Die sind ganz sicher nicht das Problem, sondern eher unsere Motivation überhaupt weiter zumachen.

Was uns zumindest hier in D allmählich zermürbt, sind die Rahmenbedingungen: unwürdiger Arbeitsplatz (ich habe ca. 20cm Tisch), kein bereitgestelltes Arbeitsmaterial (z.B. ein PC für 10 KollegInnen), marode Schulbauten, erbärmlich altes Inventar, fortwährende Reallohnkürzungen, immer mehr KONZEPTarbeit, statt Unterrichtsoptimierung, "Output"orientiertes-Qualitätsmanagment, statt Pädagogik am Kind, immer mehr Aufgaben, die eigentlich Gesellschaft tragen müsste (jedoch weniger Ansehen/Unterstützung, stattdessen mehr Anklagen/Neiddiskussionen/Anfeindungen), ... ... ...

Man kann natürlich sagen, dass wir Lehrer uns nur anstellen und es in der Wirtschaft ganz genauso zugeht (...)! Aber wem ist damit geholfen?! Um die Anforderungen und Aufgaben überhaupt meistern zu können, muss ich bestimmte Bereiche meiner Arbeit zurückfahren. Und welche Bereiche bestrifft das wohl? Na klar, den Unterricht, meine eigentliche Aufgabe: die Arbeit mit und für Kinder! 
marsundco (Gast) antwortete am 30. Nov, 16:46:
meine Worte
werden auch von der anderen Seite (Stefan) gestützt =) Wie einig man sich doch manchmal sein kann. Naja, hier in D gabs ja gerade den Schülerstreik, dann kam die Baden-Württemberg-weite Lichterketten Aktion der Eltern für bessere Schule:
Während der Veranstaltung hat mir jemand erzählt, dass ihre Mutter (es war ein Elternteil) schon in Klassen von 33 Kindern gesessen ist. Seitdem hat sich nichts getan. Und wenn wir jetzt nicht weitermachen, dann können wir (aktuelle Schüler) unseren Enkeln erzählen: "Wir saßen auch schon in Klassen mit 35 Schülern. Aber ihr müsst jetzt mal darum kämpfen dass es besser wird!"
Ich muss mich an die eigene Nase fassen: Von den Organisatoren erfahre ich dass keiner der Schülervertreter in unserem Landkreis auf die Information zur landesweiten Lichterkette reagiert hat.
//marcel.wuwer.de 
undiszipliniert (Gast) antwortete am 30. Nov, 21:13:
wie naiv zu glauben, dass sich durch so eine Aktion, etwas verändert... zunächst sollten wir Lehrkräfte uns einig sein, zuhören, wäre da nicht schlecht 
freilerner (Gast) antwortete am 30. Nov, 22:47:
Motivation der Lehrer
Ich unterrichte meine beiden Töchter (6+8) zu Hause. In der letzten Woche haben wir eine Pause eingelegt, weil wir alle keine Lust mehr hatten. Wir haben bei den Rechenspielen kollektiv gegähnt - das war ein Zeichen für mich. Und in dieser einen Woche haben wir unser "Schulsachen machen" keine Sekunde vermisst. Das wahre Leben ist viel spannender. Wenn meine Töchter keine Externistenprüfung machen müssten, würde ich auf der Stelle alles hinschmeißen und einfach "nur" mit ihnen leben. Das bringt allen viel mehr. Soviel zur Motivation der Lehrenden. 
atrazin (Gast) antwortete am 1. Dez, 12:35:
Danke für den Tipp,
werd' ich machen, denn bei der unglaublich tollen Gehaltserhöhung zu dem bereits jetzt fürstlichen Gehalt, ist es ja Gott sei Dank kein Problem für mich einfach mal ein Jahr auszusetzen und trotzdem meine Familie zu erhalten. 
marsundco (Gast) antwortete am 1. Dez, 15:58:
na sowas!
Natürlich bringt so eine Lichterkette nichts. Das muss man als Ganzes sehen. Anfang November bundesweiter Schülerstreik, Ende November landesweit Lichterketten, dann kommen erstmal die Weihnachtsferein und im Mär kommt dann der nächste bundesweite Schülerstreik.

@undiszipliniert: Natürlich ändert sich mehr, wenn man nur rumsitzt und nichts macht. 
teacher antwortete am 1. Dez, 17:14:
@freilerner:
Würde es für die heutige Berufs- und Lebenswelt reichen, nur "einfach zu leben"? Ohne Mathematik-, Technik-, Musik- etc. Wissen? Es braucht doch auch Druck von außen, damit man sich bewegt. 
BIA (Gast) antwortete am 1. Dez, 20:00:
Einfach nur Leben ist besser als das endoplasmatische Retikulum
Ich bin mir relativ sicher, dass es Dinge gibt, ohne die man relativ gut in der Welt draußen überleben kann. Eines davon ist ein Teil des Biologiestoffes der 8. Schulstufe...ich zitiere das Buch, das meinem Sohn die faszinierende Welt der Biologie näherbringen soll:

"Wieder zurück im Zellplasma fällt ein weit verzweigtes Labyrinth aus Membranen auf, das aus Röhren und abgefalchten HOhlräumen besteht und auch den Zellkern umhüllt. Es handelt sich um das Endoplasmatische Retikulum."

WTF CARES???

Besonders mit 14?

Ich bin total bei Dir, teacher, was den Druck von Außen betrifft, den's manchmal braucht - aber kann man den Druck nicht zu etwas Vernünftigerem verwenden, als jemanden das Endoplasmatische Retikulum einzubläuen? 
teacher antwortete am 1. Dez, 20:32:
Ja ... und mindestens 50 % des gesamten Stoffes, den wir öd herunterbeten oder fantasievoll anbieten hat genau so viel Relevanz wie dieses Retikulum-Dingsda. Nur darf ich das nicht allzu laut im Lehrerzimmer sagen, sonst hab ich keine Freunde mehr. 
teacher antwortete am 1. Dez, 20:36:
@Stefan. Stimmt, unser Arbeitsplatz ist mehr ein Leidensplatz. Aber ich sehe auch riesige Probleme bei den SchülerInnen: Da sind so viele davon zu echten "Medienjunkies" verkommen, deren Gehirne vollkommen von TV, Handy, Computer etc. zugemüllt sind, dass sie keine Kapazitäten mehr für schulisches Lernen erübrigen können/wollen. 
marsundco (Gast) antwortete am 1. Dez, 20:59:
endoplasmatischer Geschichtsunterricht
Also ich erinnere mich an die Achte Klasse eig nur wegen dem endoplasmatischen Retikulum.
Das Spiel ging so:
Jeder hat sich ein Wort ausgedacht dass ähnlich dem Biologiewortschatz aufgebaut ist. "expositionelle Pulverisation". Dieses Wort wurde dann auf einen Zettel geschrieben und dem Partner gegen sein Blatt gegeben. Jetzt musste man das Wort "sinnvoll" in den Geschichtsunterricht eingebaut werden. Wenn man merkt dass ein anderer Schüler ein Phantasiewort benutzt musste man "endoplasmatische Retikulum" rufen.
Das war die 8. Klasse... 
BIA (Gast) antwortete am 1. Dez, 21:13:
zu dem Thema
@teacher
zu dem Thema sollte man in Tom Blechs "Lexikon des schulischen Elends" (der Name ist Programm!) unbedingt den Eintrag zum Thema "Lehrplan" lesen. Ich würd's ja zitieren, hab aber das Buch grad verliehen.
(Ich glaub auch nicht, dass meine Geschichteschüler nur dann ihr Leben meistern, wenn sie wissen, wann der Augsburger Religionsfrieden war. seufz)

@ marsundco
So wie Bullshit bingo. *g 
teacher antwortete am 1. Dez, 21:25:
Irgendwann schau ich noch nach, was das für ein Retikulumzeug ist :-) 
freilerner (Gast) antwortete am 1. Dez, 22:41:
Druck von Außen?
Lieber Teacher,
mehr als den Druck von außen brauchts den Druck von innen: "Ich will jetzt endlich mal wissen wie das geht, damit ich dann ..."
Ein Beispiel unserer 8-Jährigen: "Ich will jetzt endlich mal die Uhr können, damit ich ohne Euch einen Stadtbummel machen kann." (und wir uns dann ganz ohne Handy wieder zu einer best. Zeit treffen)

Leider geht dieses intrinische Lernen in der Schule unter. Ein Baby braucht auch keinen Druck von außen, damit es laufen lernt. Wenn es die ersten Laufschulen geben wird, haben wir auch die ersten Problembabies, die nicht laufen lernen wollen.

Angelehnt an ein asiatisches Sprichwort: Was ist schöner? Eine Rose, der jedes Blütenblatt mühsam herausgezupft wird oder eine Rose, die selbstbestimmt blühen darf?

Ich kenne Erwachsene, die nie in die Schule gegangen sind. Manche von ihnen haben studiert, manche einen Schulabschluss, manche keinen Abschluss. Die überleben auch und gar nicht schlecht. Sie haben mir immer wieder erzählt, dass sie etwas erlernen, wenn sie es brauchen. 
BIA (Gast) antwortete am 1. Dez, 22:45:
Nur: wen interessiert nach dem Lesen obigen Lehrbuchtextes das Thema soweit, dass er intensiven inneren Druck verspürt, mehr darüber erfahren zu wollen?

Es läuft soviel falsch im Schulsystem. 
teacher antwortete am 3. Dez, 19:06:
Das allermeiste, was ich zu unterrichten habe, würde die Kinder frühestens mit 25 Jahren interessieren. Dann werden sie es womöglich sogar brauchen und bereuen, nicht mitgedacht zu haben. 

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma