"Du hast nur eine Betragensnote in deiner Klasse?" frage ich den Klassenvorstand.
"Ist keine andere beantragt worden. Für den Moritz hab' ich einen Zweier gewollt. Und die Kollegin U. hat sich angeschlossen."
Das reicht. Zwei von zwölf Lehrer stimmen gegen ein "Sehr zufriedenstellend" beim Betragen.
"Warum gerade beim Moritz? Der ist doch super", stichle ich weiter.
"Genau das ist sein Problem. Der ist eindeutig unterfordert ... und tratscht wie ein altes Waschweib! D.a.u.e.r.n.d."
"Das stört mich wenig. Hauptsache er kann alles, weiß alles, macht alles."
"Stimmt nicht ganz. Seine beiden Nachbarn müssen sich das überhebliche, penetrante Besserwissen ständig anhören. Der stört nicht mich oder dich, er stört die Klasse!"
"Das schon."
"Deswegen hat er lauter Einser ... bis auf Betragen, da hat er einen Zweier."
"Glaubst du, das nützt was?"
"Sicher nicht. Er erwartet das sogar, er fordert es richtig heraus. Und seinen Eltern ist das sowieso völlig Wurscht! Allen eigentlich."
"Was ist so eine Betragensnote wert?"
"Das war eine rhetorische Frage, hoffe ich."
"Ist keine andere beantragt worden. Für den Moritz hab' ich einen Zweier gewollt. Und die Kollegin U. hat sich angeschlossen."
Das reicht. Zwei von zwölf Lehrer stimmen gegen ein "Sehr zufriedenstellend" beim Betragen.
"Warum gerade beim Moritz? Der ist doch super", stichle ich weiter.
"Genau das ist sein Problem. Der ist eindeutig unterfordert ... und tratscht wie ein altes Waschweib! D.a.u.e.r.n.d."
"Das stört mich wenig. Hauptsache er kann alles, weiß alles, macht alles."
"Stimmt nicht ganz. Seine beiden Nachbarn müssen sich das überhebliche, penetrante Besserwissen ständig anhören. Der stört nicht mich oder dich, er stört die Klasse!"
"Das schon."
"Deswegen hat er lauter Einser ... bis auf Betragen, da hat er einen Zweier."
"Glaubst du, das nützt was?"
"Sicher nicht. Er erwartet das sogar, er fordert es richtig heraus. Und seinen Eltern ist das sowieso völlig Wurscht! Allen eigentlich."
"Was ist so eine Betragensnote wert?"
"Das war eine rhetorische Frage, hoffe ich."
teacher - am Mittwoch, 6. Februar 2008, 20:18
"Hast Du die Anmeldungen zur Reifeprüfung kontrolliert?"
"Nur angeschaut ... und den Kopf geschüttelt."
"Warum?"
"Da maturieren Leute bei mir, die völlig ungeeignet und total desinteressiert sind!"
"Die müssen halt. Wenn sie für Latein zu schwach und für Englisch zu faul sind, dann maturieren sie in Spanisch!"
"Wenn Du für das 5-Meter-Brett zu feig bist, dann steigst du aufs 10-Meter-Brett?"
"Schau dir die Lehrer an. Bei der F. müssen sie eine Leseliste von 25 englischen Büchern abgeben. Das wirkt!"
"Und in Latein?"
"Kennst Du den R.? Der glaubt immer noch, dass es kein wichtigeres Fach gibt als Latein. Der kennt keinen Pardon, verzeiht keinen Fehler."
"Verstehe. Ich verlange nur 5 Spanisch-Bücher und freue mich über jeden Fehler, den sie machen."
"Was?"
"Nur wer redet, macht Fehler. Nur wer Fehler macht, macht Fortschritte. Also: Wer Fehler macht, macht Fortschritte."
"Aber diese Einstellung ist dein Fehler. So wirst Du einen Haufen Reifeprüfungen korrigieren, wenn die anderen in der Juli-Sonne liegen."
"Nächstes Jahr lese ich am Anfang der Maturklasse Cervantes im Original! Da werden sie mit den Ohren wackeln!"
"... und in Religion maturieren."
"Nur angeschaut ... und den Kopf geschüttelt."
"Warum?"
"Da maturieren Leute bei mir, die völlig ungeeignet und total desinteressiert sind!"
"Die müssen halt. Wenn sie für Latein zu schwach und für Englisch zu faul sind, dann maturieren sie in Spanisch!"
"Wenn Du für das 5-Meter-Brett zu feig bist, dann steigst du aufs 10-Meter-Brett?"
"Schau dir die Lehrer an. Bei der F. müssen sie eine Leseliste von 25 englischen Büchern abgeben. Das wirkt!"
"Und in Latein?"
"Kennst Du den R.? Der glaubt immer noch, dass es kein wichtigeres Fach gibt als Latein. Der kennt keinen Pardon, verzeiht keinen Fehler."
"Verstehe. Ich verlange nur 5 Spanisch-Bücher und freue mich über jeden Fehler, den sie machen."
"Was?"
"Nur wer redet, macht Fehler. Nur wer Fehler macht, macht Fortschritte. Also: Wer Fehler macht, macht Fortschritte."
"Aber diese Einstellung ist dein Fehler. So wirst Du einen Haufen Reifeprüfungen korrigieren, wenn die anderen in der Juli-Sonne liegen."
"Nächstes Jahr lese ich am Anfang der Maturklasse Cervantes im Original! Da werden sie mit den Ohren wackeln!"
"... und in Religion maturieren."
teacher - am Samstag, 2. Februar 2008, 21:38
"Leider, Kathi, das geht sich für dieses Semester nicht aus. Die Prüfung ist eindeutig negativ, damit steht auch im Halbjahreszeugnis ein Nicht genügend."
"Wieso?"
"Schau' mal: Beide Schularbeiten negativ, Mitarbeit negativ ... und jetzt diese Prüfung!"
"Und meine Hausübungen?"
"Haben ja viele gefehlt."
"Hab' ich nachgebracht!"
"Stimmt, aber das ist ja keine Kunst. Da kann man bei anderen Schülern leicht abschreiben."
"Trotzdem! Ausserdem hab' ich schon vor Weihnachten eine Prüfung gemacht. Die war doch positiv."
"Ja. Aber die Summe der negativen Noten überwiegt. Im nächsten Semester musst du mehr mitarbeiten, du brauchst das Training, die permanente Rückmeldung."
"Ich lern' gar nix mehr! Nützt ja eh nix, wie man sieht."
"Bitte, schau auf die Tafel, da stehen noch deine Fehler. Da musst du doch sehen, dass du zu wenig getan hast."
"Ich hab' eh keine Chance."
Prüfungen sind so deprimierend. So wenig motivierend. Ich hasse sie.
"Wieso?"
"Schau' mal: Beide Schularbeiten negativ, Mitarbeit negativ ... und jetzt diese Prüfung!"
"Und meine Hausübungen?"
"Haben ja viele gefehlt."
"Hab' ich nachgebracht!"
"Stimmt, aber das ist ja keine Kunst. Da kann man bei anderen Schülern leicht abschreiben."
"Trotzdem! Ausserdem hab' ich schon vor Weihnachten eine Prüfung gemacht. Die war doch positiv."
"Ja. Aber die Summe der negativen Noten überwiegt. Im nächsten Semester musst du mehr mitarbeiten, du brauchst das Training, die permanente Rückmeldung."
"Ich lern' gar nix mehr! Nützt ja eh nix, wie man sieht."
"Bitte, schau auf die Tafel, da stehen noch deine Fehler. Da musst du doch sehen, dass du zu wenig getan hast."
"Ich hab' eh keine Chance."
Prüfungen sind so deprimierend. So wenig motivierend. Ich hasse sie.
teacher - am Montag, 28. Januar 2008, 21:06
"Frau Professor L., zum Telefon!"
"Bundesgymnasium XY, M.L, Grüß Gott."
nicht hörbar
"Ja, sie musste ihre Schultasche vor mir ausleeren, das war notwendig."
nicht hörbar
"Ob ich das darf? Ist das die richtige Frage? Ihre Tochter hat jemanden eine CD ...."
nicht hörbar
"Das kann doch kein Zufall sein, dass die CD ausgerechnet in der Schultasche ihrer Tochter gelandet ist. Da muss ich doch ..."
nicht hörbar
"Glauben Sie, ich bin bei der Polizei und brauche einen Durchsuchungsbefehl. Hier geht es um Erziehung, nicht um Privatsphäre oder Kriminalisierung."
nicht hörbar
"Ich verstehe schon, da sind private Dinge in einer Schultasche. Soll ich das nächstes Mal die Polizei holen? Eine Anzeige machen?"
nicht hörbar
"Also ich bin mir sicher, dass ich das darf. Ich muss das sogar machen, das ist meine pädagogische Aufgabe ... und ich muss die Schwächeren in der Klasse schützen!"
nicht hörbar
"Natürlich können Sie einen Anwalt einschalten. Aber wem tun Sie etwas Gutes? Wem nützt das?"
nicht hörbar
"Schön, dass Sie ihre Tochter auch in schwierigen Situationen unterstützen. Aber sie muss auch lernen, was ihr gehört und was nicht. Wie man mit dem Eigentum der anderen umgeht!"
nicht hörbar
"Ich glaube Ihnen schon, dass Sie das zu Hause auch besprechen, aber für die Schule bin ich halt verantwortlich!"
nicht hörbar
"Auch wenn Sie das anders sehen. Ich bleibe dabei. Auf Wiederhören."
"Bundesgymnasium XY, M.L, Grüß Gott."
nicht hörbar
"Ja, sie musste ihre Schultasche vor mir ausleeren, das war notwendig."
nicht hörbar
"Ob ich das darf? Ist das die richtige Frage? Ihre Tochter hat jemanden eine CD ...."
nicht hörbar
"Das kann doch kein Zufall sein, dass die CD ausgerechnet in der Schultasche ihrer Tochter gelandet ist. Da muss ich doch ..."
nicht hörbar
"Glauben Sie, ich bin bei der Polizei und brauche einen Durchsuchungsbefehl. Hier geht es um Erziehung, nicht um Privatsphäre oder Kriminalisierung."
nicht hörbar
"Ich verstehe schon, da sind private Dinge in einer Schultasche. Soll ich das nächstes Mal die Polizei holen? Eine Anzeige machen?"
nicht hörbar
"Also ich bin mir sicher, dass ich das darf. Ich muss das sogar machen, das ist meine pädagogische Aufgabe ... und ich muss die Schwächeren in der Klasse schützen!"
nicht hörbar
"Natürlich können Sie einen Anwalt einschalten. Aber wem tun Sie etwas Gutes? Wem nützt das?"
nicht hörbar
"Schön, dass Sie ihre Tochter auch in schwierigen Situationen unterstützen. Aber sie muss auch lernen, was ihr gehört und was nicht. Wie man mit dem Eigentum der anderen umgeht!"
nicht hörbar
"Ich glaube Ihnen schon, dass Sie das zu Hause auch besprechen, aber für die Schule bin ich halt verantwortlich!"
nicht hörbar
"Auch wenn Sie das anders sehen. Ich bleibe dabei. Auf Wiederhören."
teacher - am Donnerstag, 24. Januar 2008, 21:49
"Moment mal, schau auf die Pinnwand. Was steht da?"
"Ja schon ..."
"Lies bitte vor, zur Erinnerung."
"Warum? ..."
"Da habt ihr alle unterschrieben, dass ihr euch nicht gegenseitig fertigmacht. Da schau: ... nicht hänseln, nicht beschimpfen ... Und was machst du?"
"Na ja ..."
"Nicole, erzähl', warum du weinst!"
"Er sagt dauernd .. sniff ... dass meine Haare orange sind ... sniff ..."
"Sind sie ja!"
Super Klassenvertrag!
"Ja schon ..."
"Lies bitte vor, zur Erinnerung."
"Warum? ..."
"Da habt ihr alle unterschrieben, dass ihr euch nicht gegenseitig fertigmacht. Da schau: ... nicht hänseln, nicht beschimpfen ... Und was machst du?"
"Na ja ..."
"Nicole, erzähl', warum du weinst!"
"Er sagt dauernd .. sniff ... dass meine Haare orange sind ... sniff ..."
"Sind sie ja!"
Super Klassenvertrag!
teacher - am Mittwoch, 23. Januar 2008, 09:40
"Falls die Frauen so dumm sind wie die Frauenzeitschriften, dann möchte ich von Gleichberechtigung nichts mehr wissen."
"Welche Frauenzeitungen meinen Sie da?"
"Seit ein paar Tagen liegt ein WOMAN bei uns herum."
"Da gibt es noch schlimmere!"
"Meinst Du 'Neue Post' und so?"
"Ja, und die modernen im superkleinen Format."
"Die mit den echten 22 cm?"
"Sie kennen sich ja aus! Haben Sie das WOMAN-Heft auch gelesen?"
"Was heißt gelesen? Da war nix zum Lesen! Das ist wie ein Bilderbuch für Maturantinnen. Schöne Hochglanzbilder von schönen Frauen in schönen Kleidern. Shoppen, Schminken, Kochen ... ein Witz, die Zeitung!"
"Soll sich ziemlich gut verkaufen ..."
"Umso schlimmer. Ein Haufen sinnloser Werbung und ein Haufen sinnloser Artikel. Information: Null."
"Warum? Neue Lippenstifte, die Schuhe aus Sex and the City, ein paar Rezepte aus Ibiza, das Horoskop, der Mondkalender ..."
"Und diese Frauen wollen Karriere an der Uni oder in der Wirtschaft machen? Wer soll die ernst nehmen?"
"Die Frauen! Aber glauben Sie wirklich, dass die Männerzeitschriften besser sind?"
"Welche Frauenzeitungen meinen Sie da?"
"Seit ein paar Tagen liegt ein WOMAN bei uns herum."
"Da gibt es noch schlimmere!"
"Meinst Du 'Neue Post' und so?"
"Ja, und die modernen im superkleinen Format."
"Die mit den echten 22 cm?"
"Sie kennen sich ja aus! Haben Sie das WOMAN-Heft auch gelesen?"
"Was heißt gelesen? Da war nix zum Lesen! Das ist wie ein Bilderbuch für Maturantinnen. Schöne Hochglanzbilder von schönen Frauen in schönen Kleidern. Shoppen, Schminken, Kochen ... ein Witz, die Zeitung!"
"Soll sich ziemlich gut verkaufen ..."
"Umso schlimmer. Ein Haufen sinnloser Werbung und ein Haufen sinnloser Artikel. Information: Null."
"Warum? Neue Lippenstifte, die Schuhe aus Sex and the City, ein paar Rezepte aus Ibiza, das Horoskop, der Mondkalender ..."
"Und diese Frauen wollen Karriere an der Uni oder in der Wirtschaft machen? Wer soll die ernst nehmen?"
"Die Frauen! Aber glauben Sie wirklich, dass die Männerzeitschriften besser sind?"
teacher - am Sonntag, 20. Januar 2008, 18:51
"So bitte, alle, die bei mir maturieren wollen, tragen sich jetzt mit ihrem Thema in das Übersichtsheft ein. Und unterschreiben! Muss so sein."
"Wie soll ich mein Thema jetzt nennen?"
"Das ist DEIN Thema, da solltest DU am ehesten den richtigen Titel finden!"
"Die Rolle der Frau in Frankreich, geht das?"
"Aha."
"Nicht?"
"Ich habe mir deine Unterlagen über Weihnachten angesehen. Da hast du von einigen feministischen Seiten aus dem Internet schöne Sprüche zusammenkopiert."
"Was meinen Sie jetzt?"
"Ein Spezialgebiet zum Thema "Frau in Frankreich" stelle ich mir anders vor."
"Wie?"
"Da gibt es ja auch Meinungen, die den feministischen Aussagen eher widersprechen. Hast Du schon von der katholischen Kirche gehört? Oder von der Front National?"
"Schon, aber ..."
"Die haben einen gewichtiges Wort mitzureden, auch unter Sarkozy ... und Carla Bruni."
"Also mit Politik möchte ich nicht ... muss ich das?"
"Was ich sagen will, ist, dass du sehr einseitige Quellen benutzt, dass du dich ausgewogener informieren sollst. Musst!"
"Das war alles, was ich im Internet gefunden habe."
"Glaubst Du z.B. dass es keine Abtreibungsdebatte mehr gibt? Dass alle froh sind, endlich Frauen in Spitzenjobs zu bekommen. Gibt es da keine Gegner?"
"Das wollte ich aber nicht ..."
"Und vergiss nicht ... in der Prüfungskommission sitzen neben mir ein Direktor, ein Klassenvorstand und ein Landesschulinspektor, macht vier Männer."
"Aha."
"Wie soll ich mein Thema jetzt nennen?"
"Das ist DEIN Thema, da solltest DU am ehesten den richtigen Titel finden!"
"Die Rolle der Frau in Frankreich, geht das?"
"Aha."
"Nicht?"
"Ich habe mir deine Unterlagen über Weihnachten angesehen. Da hast du von einigen feministischen Seiten aus dem Internet schöne Sprüche zusammenkopiert."
"Was meinen Sie jetzt?"
"Ein Spezialgebiet zum Thema "Frau in Frankreich" stelle ich mir anders vor."
"Wie?"
"Da gibt es ja auch Meinungen, die den feministischen Aussagen eher widersprechen. Hast Du schon von der katholischen Kirche gehört? Oder von der Front National?"
"Schon, aber ..."
"Die haben einen gewichtiges Wort mitzureden, auch unter Sarkozy ... und Carla Bruni."
"Also mit Politik möchte ich nicht ... muss ich das?"
"Was ich sagen will, ist, dass du sehr einseitige Quellen benutzt, dass du dich ausgewogener informieren sollst. Musst!"
"Das war alles, was ich im Internet gefunden habe."
"Glaubst Du z.B. dass es keine Abtreibungsdebatte mehr gibt? Dass alle froh sind, endlich Frauen in Spitzenjobs zu bekommen. Gibt es da keine Gegner?"
"Das wollte ich aber nicht ..."
"Und vergiss nicht ... in der Prüfungskommission sitzen neben mir ein Direktor, ein Klassenvorstand und ein Landesschulinspektor, macht vier Männer."
"Aha."
teacher - am Sonntag, 13. Januar 2008, 03:52
"Ihr habt jetzt ... sagen wir ... 5 Minuten, um den Text durchzulesen. Dann bleiben cirka weitere 5 Minuten, um die Fragen dazu zu bearbeiten. Alles klar?"
"OK."
"Vorsicht, jede Gruppe hat andere Fragen. Also schreibt euch die Antworten so auf, dass ihr sie vor der Klasse präsentieren könnt."
"Ich hab' noch eine Frage."
"Ja?"
"Was heißt Kolliiier?"
"Kolliiiier??? Kommt das im Text vor? Zeig' her ...... Ah, Collier, das spricht man französisch aus. .... Also bitte, jetzt nach Weihnachten, das ist doch ein Wort, dass man mit 16, 17 Jahren schon kennen sollte."
"????"
"Niemand? Bijou, Bijouterie sagt euch auch nichts?"
"Neee!"
"Also das ist ein feiner Ausdruck für ein Halsband, ein teures!"
"Nie gehört."
"Sonst noch Fragen?"
"Was meinen die mit 'Collier versilbern'? Aus Gold Silber machen? Ist das sinnvoll?"
"Na,na, na - das muss man im übertragenen Sinn verstehen. Wenn ich meine Uhr versilbern will, was heißt das?"
"????"
"Leute! Das ist unsere Muttersprache, das ist Volksschulwissen."
(Diesen untergriffigen Vorwurf wuerde ich gerne zuruecknehmen, ist aber draussen.)
"Na und? Kennen sie den Unterschied zwischen USB und Firewire?"
"USB1 oder 2?"
(Die sollten doch meine Technikliebe kennen!)
"OK."
"Vorsicht, jede Gruppe hat andere Fragen. Also schreibt euch die Antworten so auf, dass ihr sie vor der Klasse präsentieren könnt."
"Ich hab' noch eine Frage."
"Ja?"
"Was heißt Kolliiier?"
"Kolliiiier??? Kommt das im Text vor? Zeig' her ...... Ah, Collier, das spricht man französisch aus. .... Also bitte, jetzt nach Weihnachten, das ist doch ein Wort, dass man mit 16, 17 Jahren schon kennen sollte."
"????"
"Niemand? Bijou, Bijouterie sagt euch auch nichts?"
"Neee!"
"Also das ist ein feiner Ausdruck für ein Halsband, ein teures!"
"Nie gehört."
"Sonst noch Fragen?"
"Was meinen die mit 'Collier versilbern'? Aus Gold Silber machen? Ist das sinnvoll?"
"Na,na, na - das muss man im übertragenen Sinn verstehen. Wenn ich meine Uhr versilbern will, was heißt das?"
"????"
"Leute! Das ist unsere Muttersprache, das ist Volksschulwissen."
(Diesen untergriffigen Vorwurf wuerde ich gerne zuruecknehmen, ist aber draussen.)
"Na und? Kennen sie den Unterschied zwischen USB und Firewire?"
"USB1 oder 2?"
(Die sollten doch meine Technikliebe kennen!)
teacher - am Donnerstag, 10. Januar 2008, 03:34
In der Reihe vor mir hat sich eine junge Familie breit gemacht. Links der Vater, er hoert Ipod, rechts die sehr junge Mutter, sie beschaeftigt sich mit sich und ihrem Aussehen. Ihre aufgespritzten Lippen sind ein bisserl uebertrieben ausgefallen, wie vieles hier um mich herum. Dazwischen ein blondes Maedchen, das ich auf vier Jahre schaetze.
Die Flugbegleiterinnen von Aeroflot strahlen weiter den Charme des Ostblocks aus, zwanzig Jahre Marktwirtschaft sind wie im Flug vergangen, es gibt kein Laecheln, nur Dienstleistung. Eine davon besteht darin, die jungen Gaeste mit einem kleinen Willkommensgeschenk zu versorgen - jede ordentliche Fluglinie stellt den Kindern seine Spielchen zur Verfuegung. Die Stewardess greift gelangweilt in ihre Schachtel und angelt eine bunte Tasche heraus, reicht sie dem neugierigen Kind. Das Maedchen greift zu ... aber - ich staune nicht schlecht - macht das Saeckchen gar nicht auf. Ich koennte ihr verrraten, was sich hinter dem farbigen Stoff versteckt: Buntstifte, Malvorlagen, Kinderspielzeug.
Interessiert sie nicht.
Mama hat schon in ihre Gucci-Tasche gelangt und ein Stueck silberne Technik herausgefischt. ARCHOS - eine Multimediaplayer der letzten Generation, ich erblasse vor Neid. Das Kind greift in die Tasten, ein Video startet, die Malstifte verschwinden unter dem Sitz des Flugzeugs.
Solche Kinder werde ich demnaechst in der Klasse motivieren, zu lesen, zu schreiben, zu rechnen, zu zeichnen, zu basteln ...
Ich liebe die Technik.
Die Flugbegleiterinnen von Aeroflot strahlen weiter den Charme des Ostblocks aus, zwanzig Jahre Marktwirtschaft sind wie im Flug vergangen, es gibt kein Laecheln, nur Dienstleistung. Eine davon besteht darin, die jungen Gaeste mit einem kleinen Willkommensgeschenk zu versorgen - jede ordentliche Fluglinie stellt den Kindern seine Spielchen zur Verfuegung. Die Stewardess greift gelangweilt in ihre Schachtel und angelt eine bunte Tasche heraus, reicht sie dem neugierigen Kind. Das Maedchen greift zu ... aber - ich staune nicht schlecht - macht das Saeckchen gar nicht auf. Ich koennte ihr verrraten, was sich hinter dem farbigen Stoff versteckt: Buntstifte, Malvorlagen, Kinderspielzeug.
Interessiert sie nicht.
Mama hat schon in ihre Gucci-Tasche gelangt und ein Stueck silberne Technik herausgefischt. ARCHOS - eine Multimediaplayer der letzten Generation, ich erblasse vor Neid. Das Kind greift in die Tasten, ein Video startet, die Malstifte verschwinden unter dem Sitz des Flugzeugs.
Solche Kinder werde ich demnaechst in der Klasse motivieren, zu lesen, zu schreiben, zu rechnen, zu zeichnen, zu basteln ...
Ich liebe die Technik.
teacher - am Montag, 7. Januar 2008, 02:30
Ich sitze in einer Maschine von Moskau nach Hong Kong, wo ich die Ferien verbringen will. Der Zufall (und die spaete Buchung) setzt nicht meine Reisebegleitung neben mich, sondern zwei Russinnen im heiratsfaehigen Alter. Sie haben sich noch gar nicht niedergelassen, gehen schon die Plastikbecher herum. Meine zwei Nachbarinnen gehoeren zu einer Gruppe junger Russen, die in den warmen Osten fliegen und sich dafuer mit reichlich Alkohol eingedeckt haben.
"Where are you from?", will die rassige Schwarzhaarige neben mir wissen.
"I'm from Austria", koennte ich singen.
"What are you doing in Hong Kong?", setzt sie ihren Smalltalk fort.
"We are going to Taiwan."
"You are married?", greift eine andere Russin lachend ins Gespraech ein und setzt nach ein paar Sekunden locker fort: "Don't worry, we are joking."
Ich mach' mir keine Sorgen, so rasend attraktiv sind sie wieder auch nicht ... dass mein Gehirn aussetzen wuerde. Ich checke mal die Umgebung und stelle fest: Deren Ipods sind groesser als meiner, deren Polos sind teurer als meines (D&G!) und deren Durst auch. Groesser und teurer sind deren Cognacflaschen! Neiiiin, wir trinken keinen Wodka, schenken sie mir eine paar Schluck in ihre teure Welt.
"We always spend our holidays in Venezuela, but this year we have choosen the Philippines!"
"What will you do over there?"
"Surfing! Skite, you know?"
Ich hab schon davon gehoert, liebe Russen, aber in Moskau habe ich diesen Sport nicht vermutet.
Die Aeroflot serviert ihre Kalorien, Russen und Russinnen greifen halbherzig zu, sie ernaehren sich lieber von Cognac. Dann geht das Licht in der Kabine aus, die Rollos der Boeingluken werden geschlossen ... und bald legt meine Nachbarin mehr besoffen als ausgelassen ihren Kopf auf meinen Schoss. Aber ich mach mir keine Sorgen ...
"Where are you from?", will die rassige Schwarzhaarige neben mir wissen.
"I'm from Austria", koennte ich singen.
"What are you doing in Hong Kong?", setzt sie ihren Smalltalk fort.
"We are going to Taiwan."
"You are married?", greift eine andere Russin lachend ins Gespraech ein und setzt nach ein paar Sekunden locker fort: "Don't worry, we are joking."
Ich mach' mir keine Sorgen, so rasend attraktiv sind sie wieder auch nicht ... dass mein Gehirn aussetzen wuerde. Ich checke mal die Umgebung und stelle fest: Deren Ipods sind groesser als meiner, deren Polos sind teurer als meines (D&G!) und deren Durst auch. Groesser und teurer sind deren Cognacflaschen! Neiiiin, wir trinken keinen Wodka, schenken sie mir eine paar Schluck in ihre teure Welt.
"We always spend our holidays in Venezuela, but this year we have choosen the Philippines!"
"What will you do over there?"
"Surfing! Skite, you know?"
Ich hab schon davon gehoert, liebe Russen, aber in Moskau habe ich diesen Sport nicht vermutet.
Die Aeroflot serviert ihre Kalorien, Russen und Russinnen greifen halbherzig zu, sie ernaehren sich lieber von Cognac. Dann geht das Licht in der Kabine aus, die Rollos der Boeingluken werden geschlossen ... und bald legt meine Nachbarin mehr besoffen als ausgelassen ihren Kopf auf meinen Schoss. Aber ich mach mir keine Sorgen ...
teacher - am Freitag, 4. Januar 2008, 03:18