Tausende stürmen die Unis: Medizin, Wirtschaft, Recht.
Das Seminar "Didaktik der Neuen Medien" wurde wegen zu geringer Anmeldeziffern abgesagt. Keiner will wissen, wie Unterricht mit neuen Medien gemacht wird.
Das ist kein Zufall. In den Lehramtsfächern sitzen ganz wenige Studierende und "genießen" die persönliche Betreuung.
Die Jugendlichen haben schnell dazu gelernt: Der Lehrberuf hat an Ansehen verloren, ist schwieriger geworden und bringt zu wenig Kohle ins Haus. Die Freizeit, die Ferien, der sichere Job ... das klingt nicht mehr so reizvoll wie vor zwanzig Jahren. Die Studierenden von heute kennen die Probleme der Lehrer aus erster Hand - sie haben sie erlebt, zum Teil selbst gemacht. Sie wollen sich nicht mit unerzogenen Kindern herumschlagen, gegen den Lärm in überfüllten Klassen schreien, von der Gesellschaft missachtet werden. Sie wissen, dass die Schule für alles verantwortlich gemacht wird, sie verlassen die kaputten Klos und die dreckigen Gänge. Sie suchen den Glanz der Supermärkte und das Prestige der Bürotürme.
Wirtschaft bringt Geld.
Jus bringt Macht.
Medizin bringt Ansehen.
Der Master schafft an.
Die Diplomingenieurin diktiert.
Der Herr Doktor fährt Mercedes.
Der Lehrer ... ? Lächerlich.
Wir spüren es bereits in der Schule: Wir bekommen keine Ersatzlehrer für erkrankte Kollegen. Wir machen Überstunden, wir steigern den Stress. Bald werden wieder alle unterrichten, die mehr als zwei Semester studiert haben.
Keiner will mehr Lehrer werden. "niemehrschule" goes reality.
Das Seminar "Didaktik der Neuen Medien" wurde wegen zu geringer Anmeldeziffern abgesagt. Keiner will wissen, wie Unterricht mit neuen Medien gemacht wird.
Das ist kein Zufall. In den Lehramtsfächern sitzen ganz wenige Studierende und "genießen" die persönliche Betreuung.
Die Jugendlichen haben schnell dazu gelernt: Der Lehrberuf hat an Ansehen verloren, ist schwieriger geworden und bringt zu wenig Kohle ins Haus. Die Freizeit, die Ferien, der sichere Job ... das klingt nicht mehr so reizvoll wie vor zwanzig Jahren. Die Studierenden von heute kennen die Probleme der Lehrer aus erster Hand - sie haben sie erlebt, zum Teil selbst gemacht. Sie wollen sich nicht mit unerzogenen Kindern herumschlagen, gegen den Lärm in überfüllten Klassen schreien, von der Gesellschaft missachtet werden. Sie wissen, dass die Schule für alles verantwortlich gemacht wird, sie verlassen die kaputten Klos und die dreckigen Gänge. Sie suchen den Glanz der Supermärkte und das Prestige der Bürotürme.
Wirtschaft bringt Geld.
Jus bringt Macht.
Medizin bringt Ansehen.
Der Master schafft an.
Die Diplomingenieurin diktiert.
Der Herr Doktor fährt Mercedes.
Der Lehrer ... ? Lächerlich.
Wir spüren es bereits in der Schule: Wir bekommen keine Ersatzlehrer für erkrankte Kollegen. Wir machen Überstunden, wir steigern den Stress. Bald werden wieder alle unterrichten, die mehr als zwei Semester studiert haben.
Keiner will mehr Lehrer werden. "niemehrschule" goes reality.
teacher - am Montag, 13. Oktober 2008, 12:11
Über die jungmädchenhafte Brust wölben sich vier große Buchstaben:
L U S T
Weiß auf grünem T-Shirt.
Die Elfjährige kommt mir am Gang entgegen und ich kann allmählich die - viel kleineren - Worte darüber und darunter lesen:
keine L U S T zu lernen
Da muss ein großer Designer am Werk gewesen sein: Einem kleinen Mädchen das Wort "LUST" auf die Brust zu schreiben, naja. Grenzwertig.
"Keine Lust an Schule", das hätte ich noch verstanden: Schule steht als Metapher für vieles, was Kinder hassen. Aber warum wird Lernen abgelehnt?
Frage an die Eltern: Was denkt ihr dabei? Schickt ihr eure Töchter so in die Schule?
Frage an die NLP-Fachleute: Wie wirkt so ein T-Shirt? Ende von "positiv thinking"?
Frage an alle: Einfach ignorieren? Oder als jugendlichen Aufschrei behandeln?
Sie ist vorbeigegangen. Alles geht vorbei.
P.S.: Das T-Shirt des Tages: "LEHRER haben nur Stoff im Hirn"
Meine Rückfrage: "Hast du Lehrer in deiner Familie?"
L U S T
Weiß auf grünem T-Shirt.
Die Elfjährige kommt mir am Gang entgegen und ich kann allmählich die - viel kleineren - Worte darüber und darunter lesen:
keine L U S T zu lernen
Da muss ein großer Designer am Werk gewesen sein: Einem kleinen Mädchen das Wort "LUST" auf die Brust zu schreiben, naja. Grenzwertig.
"Keine Lust an Schule", das hätte ich noch verstanden: Schule steht als Metapher für vieles, was Kinder hassen. Aber warum wird Lernen abgelehnt?
Frage an die Eltern: Was denkt ihr dabei? Schickt ihr eure Töchter so in die Schule?
Frage an die NLP-Fachleute: Wie wirkt so ein T-Shirt? Ende von "positiv thinking"?
Frage an alle: Einfach ignorieren? Oder als jugendlichen Aufschrei behandeln?
Sie ist vorbeigegangen. Alles geht vorbei.
P.S.: Das T-Shirt des Tages: "LEHRER haben nur Stoff im Hirn"
Meine Rückfrage: "Hast du Lehrer in deiner Familie?"
teacher - am Mittwoch, 8. Oktober 2008, 20:24
Der alte Schüssel hat es schon vor zwei Jahren gewusst: Das Volk hat falsch gewählt. Das muss er korrigieren.
Jetzt vermuten es die anderen auch: Die Jungen haben falsch gewählt. Rechts nämlich. Das müssen wir korrigieren.
Nicht nur die Schwarzen, sondern auch die Roten und Grünen haben eine seltsame Form von Demokratieverständnis entwickelt: "Wenn uns die nicht wählen, dann haben sie uns nicht verstanden."
Sie fordern: Mehr Politischen Unterricht für die Jugend. Umerziehung, praktisch.
Was wäre, wenn alles anders ist?
Meine SchülerInnen wissen, was Deregulierung, Liberalismus und Integration bedeuten. Sie können Europäischen Rat von Kommission unterscheiden. Sie kennen Clubzwang, bezahlten Lobbyismus und Wählermanipulation.
Ich wette, dass sich niemand so gut mit Politik auskennt, wie unsere Gymnasiasten. Nicht die Pensionisten, nicht die Hackler und nicht die Hausfrauen.
OK, dann gibt es Junge, die sich gar nicht auskennen und gar nicht interessieren. Diese Leute hat Strache&Co. dort abgeholt, wo sie sind: Mit Rap und Bier in der Disco.
Aber weil die Jugend jetzt blöderweise mehr blau und orange wählt als rot, schwarz oder grün, muss sie umgeschult werden.
Überlegt euch was anderes, liebe Politiker! Was Gscheites. Einmal.
Jetzt vermuten es die anderen auch: Die Jungen haben falsch gewählt. Rechts nämlich. Das müssen wir korrigieren.
Nicht nur die Schwarzen, sondern auch die Roten und Grünen haben eine seltsame Form von Demokratieverständnis entwickelt: "Wenn uns die nicht wählen, dann haben sie uns nicht verstanden."
Sie fordern: Mehr Politischen Unterricht für die Jugend. Umerziehung, praktisch.
Was wäre, wenn alles anders ist?
Meine SchülerInnen wissen, was Deregulierung, Liberalismus und Integration bedeuten. Sie können Europäischen Rat von Kommission unterscheiden. Sie kennen Clubzwang, bezahlten Lobbyismus und Wählermanipulation.
Ich wette, dass sich niemand so gut mit Politik auskennt, wie unsere Gymnasiasten. Nicht die Pensionisten, nicht die Hackler und nicht die Hausfrauen.
OK, dann gibt es Junge, die sich gar nicht auskennen und gar nicht interessieren. Diese Leute hat Strache&Co. dort abgeholt, wo sie sind: Mit Rap und Bier in der Disco.
Aber weil die Jugend jetzt blöderweise mehr blau und orange wählt als rot, schwarz oder grün, muss sie umgeschult werden.
Überlegt euch was anderes, liebe Politiker! Was Gscheites. Einmal.
teacher - am Montag, 6. Oktober 2008, 08:04
Auf dem Gang stellt sich eine Kollegin resolut in den Weg:
"So geht das nicht."
Das schlechte Gewissen packt mich: "Was hab ich schon wieder angestellt."
"Die 5B hat dich verraten."
"5B?"
Wahrscheinlich hab ich etwas Provokantes gesagt, den Macho raushängen lassen, einen blöden Spruch verfasst...
"Du hast gleich zwei gegessen."
"Neeeee ...."
Ein Schüler hat mir zwei Stück Kuchen angeboten, ich habe bloß das größere genommen ... und mit vollem Mund zu einer essenden Schülerin gemeint: "Essen im Unterricht? Das geht nicht!"
Ja, so war das: Ein Bursche (!) hat - mit rosa Lebensmittelfarbe (!) - Kuchen gebacken und in der Klasse verteilt. Hat die Lehrer eingekocht, bis zu 6.Stunde - da war für die erboste Kollegin nichts mehr übrig geblieben.
"Wer will schon eine sechste Stunde?"
Am Abend zappe ich zu ARTE. Eine Diskussion über die Feminisierung der Gesellschaft. Die Frauen haben die Softies satt, vernehme ich, sie wollen richtige Männer haben, suchen das Andere, nicht das Gleiche. Aber unsere 68er Mütter haben Kuchenbäcker erzogen. Jeder vierte Mann braucht psychologische Betreuung, hat sexuelle Probleme, höre ich.
Nur die frechen Mädchen kommen überall hin.
Ich wählte keine feministische Partei, liebe Grüne! Wir brauchen das Gegenteil. In der Schule müssen wir damit beginnen.
"So geht das nicht."
Das schlechte Gewissen packt mich: "Was hab ich schon wieder angestellt."
"Die 5B hat dich verraten."
"5B?"
Wahrscheinlich hab ich etwas Provokantes gesagt, den Macho raushängen lassen, einen blöden Spruch verfasst...
"Du hast gleich zwei gegessen."
"Neeeee ...."
Ein Schüler hat mir zwei Stück Kuchen angeboten, ich habe bloß das größere genommen ... und mit vollem Mund zu einer essenden Schülerin gemeint: "Essen im Unterricht? Das geht nicht!"
Ja, so war das: Ein Bursche (!) hat - mit rosa Lebensmittelfarbe (!) - Kuchen gebacken und in der Klasse verteilt. Hat die Lehrer eingekocht, bis zu 6.Stunde - da war für die erboste Kollegin nichts mehr übrig geblieben.
"Wer will schon eine sechste Stunde?"
Am Abend zappe ich zu ARTE. Eine Diskussion über die Feminisierung der Gesellschaft. Die Frauen haben die Softies satt, vernehme ich, sie wollen richtige Männer haben, suchen das Andere, nicht das Gleiche. Aber unsere 68er Mütter haben Kuchenbäcker erzogen. Jeder vierte Mann braucht psychologische Betreuung, hat sexuelle Probleme, höre ich.
Nur die frechen Mädchen kommen überall hin.
Ich wählte keine feministische Partei, liebe Grüne! Wir brauchen das Gegenteil. In der Schule müssen wir damit beginnen.
teacher - am Mittwoch, 1. Oktober 2008, 10:12
Mir gefällt Apples Iphone.
Sophie hat eins.
Das macht den Unterschied zwischen Lehrer und Schülerin.
"Mein Papa fliegt viel herum und hat mir eines mitgenommen."
"Was macht dein Papa eigentlich?"
"Er macht den Strom ..."
Ich mache eine lange Pause, eine große Geste ... und stimmlich ganz auf Weihnachtsmann:
"Ahhhh ... ER IST DAS? Seit ich vier Jahre alt bin, wollte ich das schon immer wissen: Woher kommt bloß der Strom? ... ALSO DEIN PAPA MACHT IHN."
"Verarschen Sie mich nicht, Herr Professor!"
"Aber woher denn :-)"
"Mein Papa macht den Strom ... für so Veranstaltungen. Wenn wo ein Konzert ist. Und so."
"Wie nennt man diesen Beruf?"
"Event-Elektriker. Mein Onkel macht das auch!"
"Aja ... DESWEGEN hat die Steckdose ZWEI Löcher!"
Sophie hat eins.
Das macht den Unterschied zwischen Lehrer und Schülerin.
"Mein Papa fliegt viel herum und hat mir eines mitgenommen."
"Was macht dein Papa eigentlich?"
"Er macht den Strom ..."
Ich mache eine lange Pause, eine große Geste ... und stimmlich ganz auf Weihnachtsmann:
"Ahhhh ... ER IST DAS? Seit ich vier Jahre alt bin, wollte ich das schon immer wissen: Woher kommt bloß der Strom? ... ALSO DEIN PAPA MACHT IHN."
"Verarschen Sie mich nicht, Herr Professor!"
"Aber woher denn :-)"
"Mein Papa macht den Strom ... für so Veranstaltungen. Wenn wo ein Konzert ist. Und so."
"Wie nennt man diesen Beruf?"
"Event-Elektriker. Mein Onkel macht das auch!"
"Aja ... DESWEGEN hat die Steckdose ZWEI Löcher!"
teacher - am Montag, 29. September 2008, 19:49
In der letzten Reihe sitzt ein Zehnjähriger, freundlich und ruhig. Der Geographielehrer zeichnet eine Uhr auf die Tafel: Kleiner Zeiger auf acht, großer auf 12. Der kleine Zehnjährige zuckt mit den Achseln.
Er ist wieder zu spät gekommen, er kommt immer zu spät. Dieses Phänomen kannten wir bisher nur von den aufmüpfigen "Cool-ist-Pflicht"-Postpubertären. Sein Vater wird vorgeladen: "Nix verstehen."
Die Deutschlehrerin will sich darum kümmern.
Sie wird in der Volksschule nachfragen, wie dieser Junge ein "Gut" im Unterrichtsfach Deutsch - und damit die Berechtigung, aufs Gymnasium zu gehen - bekommen hat. Sogar seine türkischen KlassenkameradInnen lachen über ihn. Sie schreiben auf ihr Selbstporträt : "Ich froh - ich Leila haben."
Der Tschetschene zeichnet nicht mal. Er kann gar nicht zeichnen, weil er seine Schultasche nur zum Überleben packt: Essen, Trinken. Kein Buch - vom Staat geschenkt, kein Heft - vom Geographielehrer gesponsert, kein Schreibzeug. Wieder nur freundliches Achselzucken.
Wann wird er unfreundlich werden?
Wir würden gerne mit ihm reden, wir würden gerne erklären, was im Gymnasium von ihm erwartet wird. Es fehlt die gemeinsame Kommunikationsbasis, die Sprache.
Demnächst wird es erste Noten hageln. Negative Noten. Geht gar nicht anders, als "ordentlichen Schüler" (ohne Sonderstatus) müssen wir ihn wie seine Mitschüler behandeln.
Ich glaube, wir nennen das "Integration" und "Chancengleichheit". Aber das kann er nicht verstehen, der kleine Tschetschene.
Er ist wieder zu spät gekommen, er kommt immer zu spät. Dieses Phänomen kannten wir bisher nur von den aufmüpfigen "Cool-ist-Pflicht"-Postpubertären. Sein Vater wird vorgeladen: "Nix verstehen."
Die Deutschlehrerin will sich darum kümmern.
Sie wird in der Volksschule nachfragen, wie dieser Junge ein "Gut" im Unterrichtsfach Deutsch - und damit die Berechtigung, aufs Gymnasium zu gehen - bekommen hat. Sogar seine türkischen KlassenkameradInnen lachen über ihn. Sie schreiben auf ihr Selbstporträt : "Ich froh - ich Leila haben."
Der Tschetschene zeichnet nicht mal. Er kann gar nicht zeichnen, weil er seine Schultasche nur zum Überleben packt: Essen, Trinken. Kein Buch - vom Staat geschenkt, kein Heft - vom Geographielehrer gesponsert, kein Schreibzeug. Wieder nur freundliches Achselzucken.
Wann wird er unfreundlich werden?
Wir würden gerne mit ihm reden, wir würden gerne erklären, was im Gymnasium von ihm erwartet wird. Es fehlt die gemeinsame Kommunikationsbasis, die Sprache.
Demnächst wird es erste Noten hageln. Negative Noten. Geht gar nicht anders, als "ordentlichen Schüler" (ohne Sonderstatus) müssen wir ihn wie seine Mitschüler behandeln.
Ich glaube, wir nennen das "Integration" und "Chancengleichheit". Aber das kann er nicht verstehen, der kleine Tschetschene.
teacher - am Dienstag, 23. September 2008, 08:42
Im Ausweichraum hängt ein Beamer wie ein Stück Honigkuchen über mir, lechz.
Beim Thema Lebensqualität kommen wir auf "Vancouver" zu sprechen und ich falle um. Während die SchülerInnen an ihren Texten arbeiten starte ich das Notebook, hänge den Beamer dran und möchte ein paar Urlaubserinnerungen an die lebenswerteste Stadt in Westkanada an die Wand strahlen.
Ich finde die Fotos nicht auf dem USB-Stick, also gehe ich ins Internet. Dort liegen die schönsten Bilder auf meinem Studi-VZ-Account. Es könnte auch Facebook oder Myspace sein.
Am Abend sichte ich die Emails und finde eine neue Freundschafts-Einladung: "Patrizia möchte Dich als Freund hinzufügen".
Ich schreibe ihr zurück: "He, du bist mutig. Ich hätte meinem Lehrer keine Freundschaftseinladung geschickt. Liegrü ..."
Heute die Antwort: "Kein Problem. So bin ich." Ich sehe ihre Fotos vom Urlaub am Strand, ihre Fotos vom Allerliebsten im Arm, ihre Fotos von den letzten Parties. So sind sie eben: Viel bunter als ich sie hinter ihren Holzbänken erlebe.
Mutig oder übermutig. Sie oder ich?
Beim Thema Lebensqualität kommen wir auf "Vancouver" zu sprechen und ich falle um. Während die SchülerInnen an ihren Texten arbeiten starte ich das Notebook, hänge den Beamer dran und möchte ein paar Urlaubserinnerungen an die lebenswerteste Stadt in Westkanada an die Wand strahlen.
Ich finde die Fotos nicht auf dem USB-Stick, also gehe ich ins Internet. Dort liegen die schönsten Bilder auf meinem Studi-VZ-Account. Es könnte auch Facebook oder Myspace sein.
Am Abend sichte ich die Emails und finde eine neue Freundschafts-Einladung: "Patrizia möchte Dich als Freund hinzufügen".
Ich schreibe ihr zurück: "He, du bist mutig. Ich hätte meinem Lehrer keine Freundschaftseinladung geschickt. Liegrü ..."
Heute die Antwort: "Kein Problem. So bin ich." Ich sehe ihre Fotos vom Urlaub am Strand, ihre Fotos vom Allerliebsten im Arm, ihre Fotos von den letzten Parties. So sind sie eben: Viel bunter als ich sie hinter ihren Holzbänken erlebe.
Mutig oder übermutig. Sie oder ich?
teacher - am Donnerstag, 18. September 2008, 20:54
Stöckchen, Auszeichnungen, Kettenbriefe - sie haben irgendwas gemeinsam, lasst mich nicht nachdenken, was. Ich kann damit nicht stressfrei umgehen. Holt einen Psychiater, er soll euch das erklären. (Eine Psychiaterin über 40 wär mir noch lieber, da hätte ich mehr Vertrauen, liebe hexamore :-)

Ehrlich, ich freue mich über diese - persönlich überbrachte - Bestätigung. Trotzdem suche ich keine 7 BloggerInnen, um die Pyramide wachsen zu lassen, ich klinke mich hier aus. Spielverderber? Eigenbrötler? Asozialer.
Erklärt es mir, bitte.
liegrü teacher

Ehrlich, ich freue mich über diese - persönlich überbrachte - Bestätigung. Trotzdem suche ich keine 7 BloggerInnen, um die Pyramide wachsen zu lassen, ich klinke mich hier aus. Spielverderber? Eigenbrötler? Asozialer.
Erklärt es mir, bitte.
liegrü teacher
teacher - am Mittwoch, 17. September 2008, 21:56
Weil man für 1000 Kinder Verantwortung trägt, gehört die "angekündigte Räumung" am Schulanfang zum notwendigen Ritual.
Pünktlich um 10.20 Uhr heult die Sirene und die Kinder wissen, was zu tun ist. Fenster zu. Ruhe bewahren. Stiegenhaus. Ausgang. Treffpunkt. Der Lehrer kümmert sich ... ums Klassenbuch.
Unterwegs drängt sich eine Dreizehnjährige in mein Gesichtfeld und grinst mich freundlich an. Ich grinse genauso zurück, schließlich scheint die Sonne und "Räumung macht frei."
Das nette Lächeln war nicht angebracht.
Als meine Frau zuletzt vom Friseur nach Hause kam, ist mir das gleiche passiert.
Das Lachen war schnell eingefroren, die Schülerin enttäuscht.
"Gestern habe ich eineinhalb Stunden beim Zahnarzt geschwitzt."
"Warum?"
"Ich hab die Zahnspange heraus bekommen. SEHEN SIE DAS NICHT?"
Das ist der Unterschied. Ich betreue rund 150 Schülerinnen. Circa zwei Stunden pro Woche. Nicht weniger und nicht mehr.
Ich sage nicht: "ICH WUSSTE GAR NICHT, dass du eine Zahnspange hattest!" Es wäre aber eine ehrliche Antwort gewesen.
Bei meiner Frau hätte ich auf Anhieb erkennen müssen, dass die Haarspitzen jetzt viel toller fallen. Schließlich habe ich nur eine Ehefrau, da gibt es keine Ausrede.
Pünktlich um 10.20 Uhr heult die Sirene und die Kinder wissen, was zu tun ist. Fenster zu. Ruhe bewahren. Stiegenhaus. Ausgang. Treffpunkt. Der Lehrer kümmert sich ... ums Klassenbuch.
Unterwegs drängt sich eine Dreizehnjährige in mein Gesichtfeld und grinst mich freundlich an. Ich grinse genauso zurück, schließlich scheint die Sonne und "Räumung macht frei."
Das nette Lächeln war nicht angebracht.
Als meine Frau zuletzt vom Friseur nach Hause kam, ist mir das gleiche passiert.
Das Lachen war schnell eingefroren, die Schülerin enttäuscht.
"Gestern habe ich eineinhalb Stunden beim Zahnarzt geschwitzt."
"Warum?"
"Ich hab die Zahnspange heraus bekommen. SEHEN SIE DAS NICHT?"
Das ist der Unterschied. Ich betreue rund 150 Schülerinnen. Circa zwei Stunden pro Woche. Nicht weniger und nicht mehr.
Ich sage nicht: "ICH WUSSTE GAR NICHT, dass du eine Zahnspange hattest!" Es wäre aber eine ehrliche Antwort gewesen.
Bei meiner Frau hätte ich auf Anhieb erkennen müssen, dass die Haarspitzen jetzt viel toller fallen. Schließlich habe ich nur eine Ehefrau, da gibt es keine Ausrede.
teacher - am Montag, 15. September 2008, 08:47
Überraschungen aus der Kommunikationspsychologie:
1.
Die zunehmende Medienfragmentierung entwertet unser Gedächtnis:
Immer mehr Informationen, immer neuere Medien, immer mehr Pubklikationen werben immer platter um unser begrenztes Aufmerksamkeitsbudget, unser Gehirn reagiert mit schnellerer Wahrnehmung und schnellerer Auswahl (durch stärkere Stereotypisierung) - diese Aufgaben gehen auf Kosten der Speicherfunktion, die angesichts der sinkenden Halbwertszeit des Wissens zusätzlich an Bedeutung verliert.
Wir merken uns weniger, weil das notwendig ist. Aber wir reagieren schneller und urteilen oberflächlicher. Muss so sein.
2.
Jede Art von Kommunikation schafft neuronale Veränderungen. Je stärker die externen Reize und je häufiger die Wiederholungen, desto umfangreicher die Eingriffe in die Neuromorphologie und Epigenetik.
Werbung, Fernsehen, Computerspiele wirken phänomenal und verändern unser Gehirn bis tief in den genetischen Bereich. Damit unsere Nachfahren auch davon profitieren.
3.
Nonverbale Kommunikation, von der Körperhaltung bis zur bildhaften Darstellung, wirkt direkter, emotioneller und authentischer, ist weniger fehleranfällig und leichter verständlich, auch besser zu manipulieren.
"Reden wir darüber" - ist sinnlos. Ist aufwendig, braucht Zeit und verlangt Vorwissen und Aufmerksamkeit. Woher das alles?
... und am PISA-Debakel sind die Lehrer schuld.
1.
Die zunehmende Medienfragmentierung entwertet unser Gedächtnis:
Immer mehr Informationen, immer neuere Medien, immer mehr Pubklikationen werben immer platter um unser begrenztes Aufmerksamkeitsbudget, unser Gehirn reagiert mit schnellerer Wahrnehmung und schnellerer Auswahl (durch stärkere Stereotypisierung) - diese Aufgaben gehen auf Kosten der Speicherfunktion, die angesichts der sinkenden Halbwertszeit des Wissens zusätzlich an Bedeutung verliert.
Wir merken uns weniger, weil das notwendig ist. Aber wir reagieren schneller und urteilen oberflächlicher. Muss so sein.
2.
Jede Art von Kommunikation schafft neuronale Veränderungen. Je stärker die externen Reize und je häufiger die Wiederholungen, desto umfangreicher die Eingriffe in die Neuromorphologie und Epigenetik.
Werbung, Fernsehen, Computerspiele wirken phänomenal und verändern unser Gehirn bis tief in den genetischen Bereich. Damit unsere Nachfahren auch davon profitieren.
3.
Nonverbale Kommunikation, von der Körperhaltung bis zur bildhaften Darstellung, wirkt direkter, emotioneller und authentischer, ist weniger fehleranfällig und leichter verständlich, auch besser zu manipulieren.
"Reden wir darüber" - ist sinnlos. Ist aufwendig, braucht Zeit und verlangt Vorwissen und Aufmerksamkeit. Woher das alles?
... und am PISA-Debakel sind die Lehrer schuld.
teacher - am Montag, 8. September 2008, 07:40