Die Nervosität geht um. Werden wir bei den nächsten PISA-Tests noch dümmer dastehen als zuletzt?
Zeit für einen kleiner Rückblick:
"Nick! Ich hab' gehört, dass du heuer am PISA-Test teilnimmst?"
"Ja, das geht mir echt am Nerv!"
"Warum? Ist doch interessant."
"Wirklich nicht. Ich hab zwei volle Stunden Arbeit. Die anderen gehen turnen oder so."
Monate später zittert Österreich vor den Ergebnissen des PISA-Tests. Sie werden schlecht ausfallen, weil sie schlecht ausfallen müssen.
"Da musst du wenigstens nicht nachschreiben ..."
"Trotzdem nervt mich das."
"Musst ja nicht Vollgas geben. Es geht ja um nix... keine Noten, keine persönliche Auswertung."
"Das ärgert mich noch mehr. Mich können's mal."
"Hast eh Recht. Je besser wir abschneiden, desto schlechter für die Schule."
"Warum das?"
"Weil sie dann noch mehr sparen. Die Bildung total vergessen. Es braucht zuerst "bad news" in den Zeitungen."
"Versteh' ich das richtig? Wenn ich Scheiß bau', dann wird reformiert? Investiert?"
"Die Chancen steigen jedenfalls!"
"Super: Torpedieren wir PISA."
"Nein, ist ja ne schöne Stadt."
P.S.: In anderen Ländern werden die Schüler auf PISA hintrainiert: "teaching for the test" - der dümmste Grund zu lernen. Korea oder Finnland werden wieder siegen. Ich weiß, warum das so sein muss.
Zeit für einen kleiner Rückblick:
"Nick! Ich hab' gehört, dass du heuer am PISA-Test teilnimmst?"
"Ja, das geht mir echt am Nerv!"
"Warum? Ist doch interessant."
"Wirklich nicht. Ich hab zwei volle Stunden Arbeit. Die anderen gehen turnen oder so."
Monate später zittert Österreich vor den Ergebnissen des PISA-Tests. Sie werden schlecht ausfallen, weil sie schlecht ausfallen müssen.
"Da musst du wenigstens nicht nachschreiben ..."
"Trotzdem nervt mich das."
"Musst ja nicht Vollgas geben. Es geht ja um nix... keine Noten, keine persönliche Auswertung."
"Das ärgert mich noch mehr. Mich können's mal."
"Hast eh Recht. Je besser wir abschneiden, desto schlechter für die Schule."
"Warum das?"
"Weil sie dann noch mehr sparen. Die Bildung total vergessen. Es braucht zuerst "bad news" in den Zeitungen."
"Versteh' ich das richtig? Wenn ich Scheiß bau', dann wird reformiert? Investiert?"
"Die Chancen steigen jedenfalls!"
"Super: Torpedieren wir PISA."
"Nein, ist ja ne schöne Stadt."
P.S.: In anderen Ländern werden die Schüler auf PISA hintrainiert: "teaching for the test" - der dümmste Grund zu lernen. Korea oder Finnland werden wieder siegen. Ich weiß, warum das so sein muss.
teacher - am Freitag, 2. November 2007, 17:27
Liebe Frauen!
Spüren Sie den Drang, sich mit einem Auserwählten zu vermehren?
Fragen Sie nicht, tun Sie einfach.
Falls Sie aber beginnen, vernünftig abzuwägen, verzichten Sie darauf: Vernunft verhütet.
Vermeiden Sie jedenfalls die Betreuungsfalle. Ja schon, der Staat Österreich will das völlige Aussterben vermeiden und deswegen Sie, ja, auch Sie, meine Dame, zum Fortpflanzen überreden: "Wir verfügen über ausgezeichnete Betreuungseinrichtungen für Ihr Kind!"
Dass ich nicht lache.
Ich gab meine Kinder in die Obhut zweier städtischer Kindertagesheime und ich habe diese Einrichtungen sorgfältig ausgewählt. Sagen wir zusammenfassend, die Kinder hätten auch das überlebt. Eine Tante, die jung und auf der Suche nach männlicher Ergänzung ständig mit Enttäuschungen konfrontiert war, konnte kaum Mitgefühl für kleine Erdenbürger aufbringen. Sie dürstete selbst danach - aber ich musste leider arbeiten gehen: Andere Kinder erziehen!
Eine andere Tante war dem harten Twen-Alter entronnen, aber nicht mehr willens, sich auf die Ebene der Dreikäsehochs zu ducken, einmal Ischias, dann Hexenschuss - ich hätte Medizin studieren sollen, um alle ihre Krankheiten zu verstehen, hatte aber mit Kindern zu tun.
Wie gesagt - wir überlebten (anstandslos).
Jung habe ich beschlossen, selbst in der erzieherischen Nachmittagsbetreuung zu wirken. Aber Schulen verlangen als Bildungseinrichtungen auch nach vierzehn Uhr ein vernünftiges Maß an Ruhe:
"Bitte keine Spiele zwischen 14.00 und 15.30 Uhr" - Nachmittagsunterricht!
"Hofsperre!" Bei Schlechtwetter, in Prüfungszeiten, immer wieder.
"Turnsaalbenützung nur mit Turnlehrer gestattet." Kein Problem, wir bekamen niemals Schlüssel für die Säle.
Also: Sitzen in den Klassen.
Stecken Sie Ihre Kinder in die Nachmittagsbetreuung - sie werden das volle Mitleid der gesamten Lehrerschaft erregen, aber professionelle Betreuung scheitert dort täglich an tausend Dingen.
Wissen Sie, was meine Söhne als Kinder am häufigsten von mir wollten: "Raufen!"
Das Wohnzimmer mit dem flauschigen Teppich wurde leer geräumt und schon flogen die kleinen Räuber durch die Luft. Sie zerrten an meinen Gliedmaßen, sie sprangen auf meinen Rücken, sie zogen mich zu Boden. Im Sommer kämpfte die Horde bis zum letzten Grashalm im Garten. Die Kinder tobten sich aus, ich ergab mich.
Was mir als Vater Spaß bereitete, ist mir als Erzieher verboten: Körperkontakt. Viele meiner Zöglinge (!) konnten niemals ihre Kräfte spielerisch an einem behutsamen Erwachsenen messen - sie suchen andere Herausforderungen. Ahnen Sie, wo?
So, das sind die Geschichten, die ich erzähle, wenn von Kinderwunsch und professioneller Betreuung gesprochen wird.
Übrigens, ich kenne keine LehrerInnen, die ihre Kinder in Krippen, Horte und Tagesheime stecken. Warum bloß?
Vernunft verhütet. Die Geburtenstatistik beweist es.
Spüren Sie den Drang, sich mit einem Auserwählten zu vermehren?
Fragen Sie nicht, tun Sie einfach.
Falls Sie aber beginnen, vernünftig abzuwägen, verzichten Sie darauf: Vernunft verhütet.
Vermeiden Sie jedenfalls die Betreuungsfalle. Ja schon, der Staat Österreich will das völlige Aussterben vermeiden und deswegen Sie, ja, auch Sie, meine Dame, zum Fortpflanzen überreden: "Wir verfügen über ausgezeichnete Betreuungseinrichtungen für Ihr Kind!"
Dass ich nicht lache.
Ich gab meine Kinder in die Obhut zweier städtischer Kindertagesheime und ich habe diese Einrichtungen sorgfältig ausgewählt. Sagen wir zusammenfassend, die Kinder hätten auch das überlebt. Eine Tante, die jung und auf der Suche nach männlicher Ergänzung ständig mit Enttäuschungen konfrontiert war, konnte kaum Mitgefühl für kleine Erdenbürger aufbringen. Sie dürstete selbst danach - aber ich musste leider arbeiten gehen: Andere Kinder erziehen!
Eine andere Tante war dem harten Twen-Alter entronnen, aber nicht mehr willens, sich auf die Ebene der Dreikäsehochs zu ducken, einmal Ischias, dann Hexenschuss - ich hätte Medizin studieren sollen, um alle ihre Krankheiten zu verstehen, hatte aber mit Kindern zu tun.
Wie gesagt - wir überlebten (anstandslos).
Jung habe ich beschlossen, selbst in der erzieherischen Nachmittagsbetreuung zu wirken. Aber Schulen verlangen als Bildungseinrichtungen auch nach vierzehn Uhr ein vernünftiges Maß an Ruhe:
"Bitte keine Spiele zwischen 14.00 und 15.30 Uhr" - Nachmittagsunterricht!
"Hofsperre!" Bei Schlechtwetter, in Prüfungszeiten, immer wieder.
"Turnsaalbenützung nur mit Turnlehrer gestattet." Kein Problem, wir bekamen niemals Schlüssel für die Säle.
Also: Sitzen in den Klassen.
Stecken Sie Ihre Kinder in die Nachmittagsbetreuung - sie werden das volle Mitleid der gesamten Lehrerschaft erregen, aber professionelle Betreuung scheitert dort täglich an tausend Dingen.
Wissen Sie, was meine Söhne als Kinder am häufigsten von mir wollten: "Raufen!"
Das Wohnzimmer mit dem flauschigen Teppich wurde leer geräumt und schon flogen die kleinen Räuber durch die Luft. Sie zerrten an meinen Gliedmaßen, sie sprangen auf meinen Rücken, sie zogen mich zu Boden. Im Sommer kämpfte die Horde bis zum letzten Grashalm im Garten. Die Kinder tobten sich aus, ich ergab mich.
Was mir als Vater Spaß bereitete, ist mir als Erzieher verboten: Körperkontakt. Viele meiner Zöglinge (!) konnten niemals ihre Kräfte spielerisch an einem behutsamen Erwachsenen messen - sie suchen andere Herausforderungen. Ahnen Sie, wo?
So, das sind die Geschichten, die ich erzähle, wenn von Kinderwunsch und professioneller Betreuung gesprochen wird.
Übrigens, ich kenne keine LehrerInnen, die ihre Kinder in Krippen, Horte und Tagesheime stecken. Warum bloß?
Vernunft verhütet. Die Geburtenstatistik beweist es.
teacher - am Montag, 29. Oktober 2007, 21:28
Ich komme in die Klasse und alle hängen traubenförmig an einem Bildschirm.
"Wir schauen uns Manuels neues Auto an!"
"Er macht doch erst seinen Führerschein", werfe ich verwirrt ein und riskiere einen neugierigen Blick auf die Bilder des alten Jeep Cherokee.
"Mah, das ist mein Traumauto ... von früher ... aber der neuere gefällt mir noch besser."
"Wir haben ihn auf ebay ersteigert, mein Vater und ich", erklärt mir Manuel, windet sich aber um die Preisfrage herum.
Also reden wir vom Geld, vom Verdienen und vor allem vom Ausgeben.
Manuel erstickt aufkommenden Eifersüchteleien im Keim:
"Ich muss mir die Erhaltung selbst verdienen, in den Ferien arbeiten gehen!"
"Muss ich auch", ergänzt sein Nachbar, "ich werde wieder Maroni im Einkaufszentrum verkaufen."
"Worauf sparst Du?", frage ich naiv nach.
"Ich gebe das Geld meiner Mutter. Wir brauchen das alles fürs Essen, Kleidung, für die Wohnung."
Sie sitzen nebeneinander - in zwei völlig verschiedenen Welten. Sie treffen sich in der Klasse, sonst nie und nirgends. Integration?
Integration darf sich nicht auf die Schule beschränken, sonst funktioniert sie nicht. Integration ist eine ökonomische Aufgabe - aber das will niemand hören.
"Wir schauen uns Manuels neues Auto an!"
"Er macht doch erst seinen Führerschein", werfe ich verwirrt ein und riskiere einen neugierigen Blick auf die Bilder des alten Jeep Cherokee.
"Mah, das ist mein Traumauto ... von früher ... aber der neuere gefällt mir noch besser."
"Wir haben ihn auf ebay ersteigert, mein Vater und ich", erklärt mir Manuel, windet sich aber um die Preisfrage herum.
Also reden wir vom Geld, vom Verdienen und vor allem vom Ausgeben.
Manuel erstickt aufkommenden Eifersüchteleien im Keim:
"Ich muss mir die Erhaltung selbst verdienen, in den Ferien arbeiten gehen!"
"Muss ich auch", ergänzt sein Nachbar, "ich werde wieder Maroni im Einkaufszentrum verkaufen."
"Worauf sparst Du?", frage ich naiv nach.
"Ich gebe das Geld meiner Mutter. Wir brauchen das alles fürs Essen, Kleidung, für die Wohnung."
Sie sitzen nebeneinander - in zwei völlig verschiedenen Welten. Sie treffen sich in der Klasse, sonst nie und nirgends. Integration?
Integration darf sich nicht auf die Schule beschränken, sonst funktioniert sie nicht. Integration ist eine ökonomische Aufgabe - aber das will niemand hören.
teacher - am Freitag, 26. Oktober 2007, 11:18
Die Schüler und -innen haben wieder die Wahl, die Schulsprecherwahl zu bestreiten. Drei Gruppen haben sich aufstellen lassen, zwei darf ich bei ihrem Wahlkampf erleben, weil sie von Klasse zu Klasse ziehen um ihr Programm vorzustellen.
"Hallo, ich bin die Anja, ich gehe mit meinen Freunden in die 6 B, ihr kennt uns ja eh."
Kurze Pause, Lächeln, Vorstellung.
"Das ist der Peter ..."
"Hallo."
" ... der Maxi"
"Grüß Euch."
" ... und die Sabi."
"Hello."
"Also, wir treten als Team zur Wahl an ... und ihr könnt immer zu uns kommen."
Die Klasse schweigt. Der Lehrer auch.
"Was wir wollen, das ist das alte Raucherzimmer...
"Jaaaaaa!"
" ... und beim Buffet ein g'scheites Angebot. Und Automaten auf jedem Stock."
"Genau", pflichten Peter, Maxi und Sabi ihrer Chefin bei.
"Ein Schulfest wollen wir heuer auch wieder machen ... und wir verlangen mehr Klopapier auf den WCs."
"Yeahhh, yippie, juhu."
Da haben sie ins Volle getroffen. Klopapier im Wahlprogramm, darauf muss man kommen.
(Für Schulfremde mag das lustig klingen, aber immer, wenn das Klopapier beim Fenster hinausgeschossen wird, rollenweise in die Muscheln gestopft oder zur Lagerfeuerzwecken missbraucht wird, rationiert die Schulleitung die Auslieferung von dringenden Hygieneartikeln auf ein Minimum. Also herrscht ein permanenter Mangel, falls sich die Klassen nicht selbst versorgen.)
Auch die zweite Gruppe kennt das politische Ritual und stellt ihr Programm vor: Raucherzimmer, Buffet, Automaten, Schulfest ... und Kondome. Gegen HIV, ihr wisst eh!"
"Yeahhhh!"
Endlich kommt eine Rückfrage aus der Klasse:
"Sind die dann gratis?"
Die politischen Werber schauen einander unwissend an.
"Also, wir wollen nur Automaten aufhängen lassen ... in allen WCs."
"Sogar bei den Kleinen?", zweifelt eine Schülerin am Sinn der Sache.
Damit hat die Gruppe endgültg verloren, vermute ich. Kondome können sie überall kaufen ... und die Kleinen brauchen wirklich nicht alles haben.
Klopapier takes it all.
"Hallo, ich bin die Anja, ich gehe mit meinen Freunden in die 6 B, ihr kennt uns ja eh."
Kurze Pause, Lächeln, Vorstellung.
"Das ist der Peter ..."
"Hallo."
" ... der Maxi"
"Grüß Euch."
" ... und die Sabi."
"Hello."
"Also, wir treten als Team zur Wahl an ... und ihr könnt immer zu uns kommen."
Die Klasse schweigt. Der Lehrer auch.
"Was wir wollen, das ist das alte Raucherzimmer...
"Jaaaaaa!"
" ... und beim Buffet ein g'scheites Angebot. Und Automaten auf jedem Stock."
"Genau", pflichten Peter, Maxi und Sabi ihrer Chefin bei.
"Ein Schulfest wollen wir heuer auch wieder machen ... und wir verlangen mehr Klopapier auf den WCs."
"Yeahhh, yippie, juhu."
Da haben sie ins Volle getroffen. Klopapier im Wahlprogramm, darauf muss man kommen.
(Für Schulfremde mag das lustig klingen, aber immer, wenn das Klopapier beim Fenster hinausgeschossen wird, rollenweise in die Muscheln gestopft oder zur Lagerfeuerzwecken missbraucht wird, rationiert die Schulleitung die Auslieferung von dringenden Hygieneartikeln auf ein Minimum. Also herrscht ein permanenter Mangel, falls sich die Klassen nicht selbst versorgen.)
Auch die zweite Gruppe kennt das politische Ritual und stellt ihr Programm vor: Raucherzimmer, Buffet, Automaten, Schulfest ... und Kondome. Gegen HIV, ihr wisst eh!"
"Yeahhhh!"
Endlich kommt eine Rückfrage aus der Klasse:
"Sind die dann gratis?"
Die politischen Werber schauen einander unwissend an.
"Also, wir wollen nur Automaten aufhängen lassen ... in allen WCs."
"Sogar bei den Kleinen?", zweifelt eine Schülerin am Sinn der Sache.
Damit hat die Gruppe endgültg verloren, vermute ich. Kondome können sie überall kaufen ... und die Kleinen brauchen wirklich nicht alles haben.
Klopapier takes it all.
teacher - am Sonntag, 21. Oktober 2007, 14:58
"Die letzte Prüfung war beim ÖAMTC!", sagte ich locker einem nervös lernenden Jusstudenten. Der gar nicht lachen kann.
Jetzt verstehe ich ihn wieder, weil jetzt lerne ich selbst wieder für eine Prüfung. Ich sehne mich nach Beispielen, um abschätzen zu können, WIE die Prüfung aussehen wird. Ich sehne mich nach Pausen, nach Erlösung...
Gestern standen die Prüfungsergebnisse im Internet, für alle downloadbar, mittels Matrikelnummer anonymisiert. Natürlich vergleiche ich meine Leistungen mit der Punkteanzahl von Kolleginnen, natürlich bin ich mit einigen Korrekturen nicht zufrieden.
"Ich habe bei der Frage 8 alle Punkte bekommen, obwohl ich garantiert einen Fehler eingebaut habe", begrüßt mich ein Kommilitone.
"Rrrrrrrrr ... ich habe wirklich alles geschrieben, was gefordert war und habe Abzüge kassiert."
Meine Forderung: Prüft die Lehrer alle paar Jahre (irgendwas), damit sie nicht vergessen, welcher Stress sich rund um diese "Evaluierungen" abspielt.
Jetzt verstehe ich ihn wieder, weil jetzt lerne ich selbst wieder für eine Prüfung. Ich sehne mich nach Beispielen, um abschätzen zu können, WIE die Prüfung aussehen wird. Ich sehne mich nach Pausen, nach Erlösung...
Gestern standen die Prüfungsergebnisse im Internet, für alle downloadbar, mittels Matrikelnummer anonymisiert. Natürlich vergleiche ich meine Leistungen mit der Punkteanzahl von Kolleginnen, natürlich bin ich mit einigen Korrekturen nicht zufrieden.
"Ich habe bei der Frage 8 alle Punkte bekommen, obwohl ich garantiert einen Fehler eingebaut habe", begrüßt mich ein Kommilitone.
"Rrrrrrrrr ... ich habe wirklich alles geschrieben, was gefordert war und habe Abzüge kassiert."
Meine Forderung: Prüft die Lehrer alle paar Jahre (irgendwas), damit sie nicht vergessen, welcher Stress sich rund um diese "Evaluierungen" abspielt.
teacher - am Mittwoch, 17. Oktober 2007, 21:43
"Geh, hast du in der nächsten Pause zwei Minuten Zeit für mich?"
"Ja, worum geht's?"
"Unsere Schularbeitstermine liegen ziemlich eng zusammen. Schau! 6C. Dienstag - ich, Donnerstag - du."
"Das können wir gleich regeln. Ich geh halt eine Woche nach hinten."
"Geht nicht, da ist schon Latein eingetragen."
"Und nach vorne."
"Geht auch nicht - da macht die Klasse einen Lehrausgang."
"Und du kannst nur am Dienstag?
"Leider. Montag habe ich die 6.Stunde und Donnerstag die 5. - so spät sind keine Schularbeiten mehr erlaubt ... wie du weißt."
"Ja, aber noch weiter vor kann ich nicht. Bis zur letzten Oktoberwoche bringe ich nicht genug Stoff zusammen."
"Ich ja auch nicht."
"Und Anfang November."
"Da kommen uns schon die Herbstferien in die Quere."
Nachdenkpause.
"Warum machst du überhaupt zwei Schularbeiten. Streich doch einfach eine - das ist seit dem vorigen Jahr möglich."
"Möglich schon, aber nicht unbedingt sinnvoll. Ausserdem habe ich es meiner Klasse versprochen."
Es gongt.
"Können wir in der nächsten Pause weiterreden? Ich muss in den Unterricht."
"Hast du dann zwei Minuten Zeit?"
"Ja, worum geht's?"
"Unsere Schularbeitstermine liegen ziemlich eng zusammen. Schau! 6C. Dienstag - ich, Donnerstag - du."
"Das können wir gleich regeln. Ich geh halt eine Woche nach hinten."
"Geht nicht, da ist schon Latein eingetragen."
"Und nach vorne."
"Geht auch nicht - da macht die Klasse einen Lehrausgang."
"Und du kannst nur am Dienstag?
"Leider. Montag habe ich die 6.Stunde und Donnerstag die 5. - so spät sind keine Schularbeiten mehr erlaubt ... wie du weißt."
"Ja, aber noch weiter vor kann ich nicht. Bis zur letzten Oktoberwoche bringe ich nicht genug Stoff zusammen."
"Ich ja auch nicht."
"Und Anfang November."
"Da kommen uns schon die Herbstferien in die Quere."
Nachdenkpause.
"Warum machst du überhaupt zwei Schularbeiten. Streich doch einfach eine - das ist seit dem vorigen Jahr möglich."
"Möglich schon, aber nicht unbedingt sinnvoll. Ausserdem habe ich es meiner Klasse versprochen."
Es gongt.
"Können wir in der nächsten Pause weiterreden? Ich muss in den Unterricht."
"Hast du dann zwei Minuten Zeit?"
teacher - am Dienstag, 16. Oktober 2007, 17:53
Sie flattert in mein Postfach, die pädagogische Zeitung für die AHAes, verhungert und versteckt hinter einem bunten, dicken Verlagskatalog. Manchmal lese ich sie quer über das schwarz-weiße Layout des 19.Jahrhunderts. Diesmal nicht. Ich lese sie - mitdenkend, nickend - und schließe sie entlastet, befreit.
Manche Begriffe, Ideen, Ausführungen will ich mir merken:
"Engführung": Pädagogische Ansprüche engen sich zunehmend auf ökonomische Funktionen ein, Schulerfolg soll in Euro gemessen werden. Da jammern die altfaderischen Lehrer. Begründete Jammerei?
"Reformismus als Ohnmachtskompensation": Weil wir dem gesellschaftlichen Wandel nicht standhalten können, der Erosion des Autoritätsbegriffes nicht entgegenwirken können, den Entertainementwünschen der Jungen nicht entsprechen können, reformieren wir - planlos, ziellos, endlos. "Ohnmachtskompensation" klingt so wissenschaftlich klug, dass ich daran glauben will. Und erleben kann ich es sowieso.
"Langzeitprestigeverlierer": Die Massenmedien bringen zu 75% negative Berichte über Schule und Lehrer (überfordert, frustriert, hilflos, faul...), da nützt die überwiegend positive Stimmung in der Fachliteratur und die oft erstaunlich guten Umfragewerte in der Bevölkerung nichts.
Ich suche ein neues Wort und nenne es "Ummotivierung." Machen Sie, was sie wollen damit, es ändert auch nichts an den Tatsachen.
Manche Begriffe, Ideen, Ausführungen will ich mir merken:
"Engführung": Pädagogische Ansprüche engen sich zunehmend auf ökonomische Funktionen ein, Schulerfolg soll in Euro gemessen werden. Da jammern die altfaderischen Lehrer. Begründete Jammerei?
"Reformismus als Ohnmachtskompensation": Weil wir dem gesellschaftlichen Wandel nicht standhalten können, der Erosion des Autoritätsbegriffes nicht entgegenwirken können, den Entertainementwünschen der Jungen nicht entsprechen können, reformieren wir - planlos, ziellos, endlos. "Ohnmachtskompensation" klingt so wissenschaftlich klug, dass ich daran glauben will. Und erleben kann ich es sowieso.
"Langzeitprestigeverlierer": Die Massenmedien bringen zu 75% negative Berichte über Schule und Lehrer (überfordert, frustriert, hilflos, faul...), da nützt die überwiegend positive Stimmung in der Fachliteratur und die oft erstaunlich guten Umfragewerte in der Bevölkerung nichts.
Ich suche ein neues Wort und nenne es "Ummotivierung." Machen Sie, was sie wollen damit, es ändert auch nichts an den Tatsachen.
teacher - am Samstag, 13. Oktober 2007, 20:14
"Bist du schon mit dem KLAVO fertig?", fragt eine junge Klassenvorständin am Computer.
"Nein, ich muss viele Daten in der Klasse erst erfragen."
"Ich habe einfach den Ausdruck vom Vorjahr durch die Bänke gehen lassen. Die Schüler haben nur etwaige Änderungen eingetragen."
"Und? Hast du viel erneuern müssen?"
"Vor allem Handy-Nummern. Die machen mich verrückt!"
"Mich ärgern die vielen privaten Dinge, die mich nichts angehen."
"Was meinst du?"
"Scheidungsurteile, Religionsbekenntnis, Medikamente ..."
"Das musst du alles wissen, alles eintragen ... und das bleibt Jahre zentral gespeichert."
"Mich wundert, dass sich niemand weigert."
"Meinst du die Lehrer, die stundenlang am Computer sitzen und sich mit dem miesen Programm herumärgern?"
"Nein, die Eltern oder Schüler, die ihre Persönlichkeit schützen wollen."
"Da wehren sich manche ganz subtil, glaub ich. Ein kleiner Fehler da, ein kleines Missverständnis dort, das kann ja jedem passieren - verstehst?"
"Das ist aber nicht korrekt!"
"Aber effizient."
P.S.: KLAVO = Klassenvorstandsprogramm
"Nein, ich muss viele Daten in der Klasse erst erfragen."
"Ich habe einfach den Ausdruck vom Vorjahr durch die Bänke gehen lassen. Die Schüler haben nur etwaige Änderungen eingetragen."
"Und? Hast du viel erneuern müssen?"
"Vor allem Handy-Nummern. Die machen mich verrückt!"
"Mich ärgern die vielen privaten Dinge, die mich nichts angehen."
"Was meinst du?"
"Scheidungsurteile, Religionsbekenntnis, Medikamente ..."
"Das musst du alles wissen, alles eintragen ... und das bleibt Jahre zentral gespeichert."
"Mich wundert, dass sich niemand weigert."
"Meinst du die Lehrer, die stundenlang am Computer sitzen und sich mit dem miesen Programm herumärgern?"
"Nein, die Eltern oder Schüler, die ihre Persönlichkeit schützen wollen."
"Da wehren sich manche ganz subtil, glaub ich. Ein kleiner Fehler da, ein kleines Missverständnis dort, das kann ja jedem passieren - verstehst?"
"Das ist aber nicht korrekt!"
"Aber effizient."
P.S.: KLAVO = Klassenvorstandsprogramm
teacher - am Donnerstag, 11. Oktober 2007, 19:58
Der Samstag war irgendwie fad geworden. Immer die gleichen Leute, die in den gleichen Lokalen die gleichen Sprüche ...
Aber im Nachtbus geht es ordentlich ab.
Die leicht angeheiterte Mannschaft beginnt zu singen:
"KARTON WIRD AUS HOLZ GEWONNEN UND HOLZ WÄCHST WIEDER NACH..."
Der Buschauffeur - einiges gewohnt - dreht sich gelangweilt um.
"Wie heißen Sie, Herr Schofför?", wird er ins Spiel aufgenommen.
Sie singen ihm auch ein Lied, wenn er sich nicht vorstellen will.
Dann wird der Stadtbus zum Catwalk, die Jugendlichen stiefeln von Stange zu Stange, wackeln und posen, geben Punkte, applaudieren.
"Darf ich Ihnen einen Kaugummi anbieten?"
"Ja, warum nicht", werden unbeteiligte Fahrgäste ins spätabendliche Spektakel eingebunden.
Jetzt beginnt der Sport.
"Arno ist der Meister! Wer fordet ihn heraus?"
"Was gibt's zu gewinnen?"
"Einen Fahrschein! Damit Du nicht schwarz fahren musst!"
Die Jungs sind gut drauf, lachen, unterhalten den ganzen Bus bis zur nächsten Haltestelle. Die hintere Türe geht auf, drei Burschen stürzen hinaus, rennen im vollen Tempo nach vorne und wollen dort wieder herein. Es gilt den Arno zu schlagen, der das Manöver immer schafft. Aber der Schofför drückt nicht auf Knöpfchen, grinst nur durch die Glastüre.
"Scheiße! Aufmachen!"
"Nur, wenn ihr einen Fahrschein habt!"
"Sicher", steigen die Burschen wieder ein, "den haben wir ja gerade gewonnen!"
Solche Späße brauchen drei, vier Biere, deswegen wird nirgends so viel gesoffen wie überall. Das verstehe ich und steige traurig aus. Traurig, weil ich beim Heurigen angekommen bin und die Komödie im Bus ohne mich weiter geht. Aber beim Heurigen wird auch gebechert und gesungen ...
Aber im Nachtbus geht es ordentlich ab.
Die leicht angeheiterte Mannschaft beginnt zu singen:
"KARTON WIRD AUS HOLZ GEWONNEN UND HOLZ WÄCHST WIEDER NACH..."
Der Buschauffeur - einiges gewohnt - dreht sich gelangweilt um.
"Wie heißen Sie, Herr Schofför?", wird er ins Spiel aufgenommen.
Sie singen ihm auch ein Lied, wenn er sich nicht vorstellen will.
Dann wird der Stadtbus zum Catwalk, die Jugendlichen stiefeln von Stange zu Stange, wackeln und posen, geben Punkte, applaudieren.
"Darf ich Ihnen einen Kaugummi anbieten?"
"Ja, warum nicht", werden unbeteiligte Fahrgäste ins spätabendliche Spektakel eingebunden.
Jetzt beginnt der Sport.
"Arno ist der Meister! Wer fordet ihn heraus?"
"Was gibt's zu gewinnen?"
"Einen Fahrschein! Damit Du nicht schwarz fahren musst!"
Die Jungs sind gut drauf, lachen, unterhalten den ganzen Bus bis zur nächsten Haltestelle. Die hintere Türe geht auf, drei Burschen stürzen hinaus, rennen im vollen Tempo nach vorne und wollen dort wieder herein. Es gilt den Arno zu schlagen, der das Manöver immer schafft. Aber der Schofför drückt nicht auf Knöpfchen, grinst nur durch die Glastüre.
"Scheiße! Aufmachen!"
"Nur, wenn ihr einen Fahrschein habt!"
"Sicher", steigen die Burschen wieder ein, "den haben wir ja gerade gewonnen!"
Solche Späße brauchen drei, vier Biere, deswegen wird nirgends so viel gesoffen wie überall. Das verstehe ich und steige traurig aus. Traurig, weil ich beim Heurigen angekommen bin und die Komödie im Bus ohne mich weiter geht. Aber beim Heurigen wird auch gebechert und gesungen ...
teacher - am Dienstag, 9. Oktober 2007, 19:33
"Da Max hat sich an super Flat um 1500 Euronen 'kauft", sprüht ein bekannter 17-jähriger voller Neid.
"Woher hat der so viel Geld? Seine Mutter ist, so viel ich weiß, allein erziehende Volksschullehrerin."
"Den hat er sich selber finanziert!"
"War er in den Ferien arbeiten?"
"Na! Der macht so G'schäftln. Da is ordentlich was drinnen."
"Was für Geschäfte?", will ich wissen.
"Zum Beispiel holt er gefakte Marlboro aus Bratislava und verhökert sie bei uns."
"Und was verdient er dabei?"
"Rund 10 Euro die Stange. Ich könnte sie um 25 Euro weiter verscherbeln, dann sind für mich auch noch 5 Euro drinnen."
"Da muss er für den Flat-Fernseher hunderte Stangen verkauft haben, so viel raucht ihr auch wieder nicht."
"Er dealt auch mit Gras und so ..."
"Seid ihr wahnsinnig! Das ist euer Freund? Das ist illegal, saugefährlich ... und wenn das die Polizei Spitz kriegt!"
Ich bin entsetzt, ich muss nicht bloß so tun.
"Ah, das läuft doch nur unter Freunden. Das bekommt niemand mit. Der Max hat so eine kleine Waage in der Tasche ... und schlimmer als ein Cola-Rum ist das Zeug auch net!"
"Na du hast Freunde! Du treibst dich im Drogenmilieu herum!"
"Was glaubst, wer aller sein Gras heizt?"
"Wer?"
"Sogar bei den Schularbeiten sitzen's zugedröhnt."
"Geh! Das würden die Lehrer doch merken. Riechen. Sehen."
"Die merken nicht einmal, wenn er seine Packerl am Schulhof verschiebt."
"Glaubst du, das läuft in meiner Schule auch?"
"D'rauf kannst du Gift nehmen."
Will ich nicht. Aber die Augen offen halten!
"Woher hat der so viel Geld? Seine Mutter ist, so viel ich weiß, allein erziehende Volksschullehrerin."
"Den hat er sich selber finanziert!"
"War er in den Ferien arbeiten?"
"Na! Der macht so G'schäftln. Da is ordentlich was drinnen."
"Was für Geschäfte?", will ich wissen.
"Zum Beispiel holt er gefakte Marlboro aus Bratislava und verhökert sie bei uns."
"Und was verdient er dabei?"
"Rund 10 Euro die Stange. Ich könnte sie um 25 Euro weiter verscherbeln, dann sind für mich auch noch 5 Euro drinnen."
"Da muss er für den Flat-Fernseher hunderte Stangen verkauft haben, so viel raucht ihr auch wieder nicht."
"Er dealt auch mit Gras und so ..."
"Seid ihr wahnsinnig! Das ist euer Freund? Das ist illegal, saugefährlich ... und wenn das die Polizei Spitz kriegt!"
Ich bin entsetzt, ich muss nicht bloß so tun.
"Ah, das läuft doch nur unter Freunden. Das bekommt niemand mit. Der Max hat so eine kleine Waage in der Tasche ... und schlimmer als ein Cola-Rum ist das Zeug auch net!"
"Na du hast Freunde! Du treibst dich im Drogenmilieu herum!"
"Was glaubst, wer aller sein Gras heizt?"
"Wer?"
"Sogar bei den Schularbeiten sitzen's zugedröhnt."
"Geh! Das würden die Lehrer doch merken. Riechen. Sehen."
"Die merken nicht einmal, wenn er seine Packerl am Schulhof verschiebt."
"Glaubst du, das läuft in meiner Schule auch?"
"D'rauf kannst du Gift nehmen."
Will ich nicht. Aber die Augen offen halten!
teacher - am Montag, 8. Oktober 2007, 20:02