Als ich frühmorgens in die dritte Klasse komme, räumen zwei Burschen verdächtige, weiß-gelbe Tüten weg.
"Guten Morgen, setzen bitte."
Mario schluckt einen letzten Bissen hinunter und fragt sofort:
"Warum verschenken die das?"
Alle kennen sich aus. Nur ich nicht. Sie klären mich auf:
"Der Mäcki (= McDonalds) verschenkt heute ein Frühstück!"
Aha.
"... man muss nur den Namen des Radiosenders als Code sagen."
Gut.
Ich lasse meine Stundenvorbereitung sausen. Aktuell auf Schülerfragen eingehen - eine didaktische Grundregel!
"Also", gebe ich die Frage an die Klasse weiter, "warum tun die das?"
"Werbung", kommt aus dem Klassenraum zurück.
"Genau. Und wie funktioniert das?"
Keine Reaktion. Funktioniert halt.
Aus den halblauten Zwischenbemerkungen entnehme ich schnell, dass die Kinder völlig falsche Vorstellungen von den Kosten haben. Ich beginne zu erklären:
"Ein Frühstück zu verschenken, das kostet ihnen nur ein paar Cent. Die Werbung darin ist viel mehr wert."
"Nein! Mein Frühstück hätte 3 Euro gekostet! Wenn das tausende Leute hören ... das kostet ordentlich."
"Ja, du hättest 3 Euro bezahlt, das ist der Preis für die Kunden. Die Kosten für die Firma sind viel geringer, ein paar Cent."
Sie zweifeln.
"Und das Radio? Warum macht das Radio das?", setze ich nach.
Das haben sie noch nie überlegt. Is ne blöde Frage: Warum macht Radio Radio?
"Normalerweise müsste McDonalds für die Werbung im Radio zahlen. Aber solche Aktionen kommen billiger. Und die Leute freuen sich, dass sie den richtigen Sender hören. Sie erzählen das weiter - wie ihr hier - das ist super fürs Image, das bringt zufriedene Hörer."
Viele leere Augen starren mich an: "Was labert der Alte da? Mäcki schenkt uns ein Frühstück und Ö3 ist super." *freu*
Offensichtlich habe ich meine spontane Botschaft nicht rübergebracht. Sie wollen (gerade ?) keine Konsumkritik hören, keine moralische Botschaft aufnehmen, keine Werbetricks hinterfragen.
Sie wollen in Ruhe ihr Radio und ihre Muffins genießen: "Die sind gut." Punkt. "Die lassen wir uns nicht schlecht reden."
Ich greife zur Stundenplanung in meiner Tasche.
"Guten Morgen, setzen bitte."
Mario schluckt einen letzten Bissen hinunter und fragt sofort:
"Warum verschenken die das?"
Alle kennen sich aus. Nur ich nicht. Sie klären mich auf:
"Der Mäcki (= McDonalds) verschenkt heute ein Frühstück!"
Aha.
"... man muss nur den Namen des Radiosenders als Code sagen."
Gut.
Ich lasse meine Stundenvorbereitung sausen. Aktuell auf Schülerfragen eingehen - eine didaktische Grundregel!
"Also", gebe ich die Frage an die Klasse weiter, "warum tun die das?"
"Werbung", kommt aus dem Klassenraum zurück.
"Genau. Und wie funktioniert das?"
Keine Reaktion. Funktioniert halt.
Aus den halblauten Zwischenbemerkungen entnehme ich schnell, dass die Kinder völlig falsche Vorstellungen von den Kosten haben. Ich beginne zu erklären:
"Ein Frühstück zu verschenken, das kostet ihnen nur ein paar Cent. Die Werbung darin ist viel mehr wert."
"Nein! Mein Frühstück hätte 3 Euro gekostet! Wenn das tausende Leute hören ... das kostet ordentlich."
"Ja, du hättest 3 Euro bezahlt, das ist der Preis für die Kunden. Die Kosten für die Firma sind viel geringer, ein paar Cent."
Sie zweifeln.
"Und das Radio? Warum macht das Radio das?", setze ich nach.
Das haben sie noch nie überlegt. Is ne blöde Frage: Warum macht Radio Radio?
"Normalerweise müsste McDonalds für die Werbung im Radio zahlen. Aber solche Aktionen kommen billiger. Und die Leute freuen sich, dass sie den richtigen Sender hören. Sie erzählen das weiter - wie ihr hier - das ist super fürs Image, das bringt zufriedene Hörer."
Viele leere Augen starren mich an: "Was labert der Alte da? Mäcki schenkt uns ein Frühstück und Ö3 ist super." *freu*
Offensichtlich habe ich meine spontane Botschaft nicht rübergebracht. Sie wollen (gerade ?) keine Konsumkritik hören, keine moralische Botschaft aufnehmen, keine Werbetricks hinterfragen.
Sie wollen in Ruhe ihr Radio und ihre Muffins genießen: "Die sind gut." Punkt. "Die lassen wir uns nicht schlecht reden."
Ich greife zur Stundenplanung in meiner Tasche.
teacher - am Donnerstag, 27. Mai 2010, 21:21
"Du machst jetzt länger keine Exkursion mehr, oder?"
"War anstrengend, gebe ich zu."
1. Max will als erster in den Zug steigen, er läuft ihm entgegen, hält sich beim Einstieg fest und will noch im Fahren aufspringen. Das habe ich drei Sekunden zu spät gesehen.
2. Wir stehen vor dem Rathaus. Etliche Touristen hören mir gespannt zu, wie es gegründet wurde und wann das Geld ausgegangen ist. Ein Drittel meiner Kinder weiß am Ende der Exkursion nicht, ob wir beim Theater oder vor der Stephanskirche waren ... oder sonst wo.
3. 25 Kinder warten vor dem WC. Kommt eine Dame aus dem gegenüberliegenden Saal: "Könnt ihr nicht leiser sein, wir verstehen nichts mehr." Der Lärmpegel ist mir nach drei Stunden nicht mehr aufgefallen.
4. Wir warten bei einer roten Ampel, da fällt Markus auf den harten Gehsteig. Der stoßende Mitschüler: "War nicht Absicht."
5. Zurück im Zug schaut mich eine ältere Passagierin empört an, steht auf und verlässt den Waggon. Da sehe ich hinter mir drei Jungs auf den Halteschlaufen turnen.
6. Nach dem Umsteigen kommt Niko keuchend angelaufen: "Bernd ist nicht mehr da! Wo ist der Bernd?"
Ich zähle die Gruppe zum siebenten Mal ab, Bernd ist da - er hat nur seine coole Mütze heruntergenommen. So haben wir ihn noch nie gesehen.
Der Zug ist abgefahren.
7. "Leute, ihr schadet euch selber. Wenn ihr herumschreit, herumrauft, herumstoßt, wenn ich mich nicht auf euch verlassen kann, dann wird kein Lehrer mit euch Ausflüge planen."
Sie schauen mich betroffen an. Zwei Minuten später schreien, laufen und stoßen sie weiter. Auf der Straße, auf dem Gehsteig, im Bahnhof ...
8. Ein Mädchen schreit quer durch den Bus. Ich sage zu ihr: "Leise sein!" Ab diesem Zeitpunkt schreit sie "Leise sein". Ein Mal, zwei Mal, drei Mal. Ich lächle. Vier Mal, fünf Mal ... ich ermahne ... zehn Mal, elf Mal ... ich erkläre ... zwanzig, einundzwanzig Mal ... ich ignoriere ... dreißig, vierzig Mal ... ich gehe weg. Sie läuft mir nach und schreit weiter: "Leise sein". Ein Mitschüler beruhigt mich: "Das war schon in der Volksschule ihre Spezialität."
Ein junger Kollege nickt: "Ich gehe mit keinen Klassen mehr weg. Zu gefährlich."
Ein erfahrener Kollege schränkt ein: "Mit ersten Klassen kannst du das Haus nicht mehr verlassen."
So weit sind wir gekommen. Last exit.
P.S.: Drei Monate später kommt eine Kollegin auf mich zu: "Ich gehe auch mit keiner fünften Klasse mehr weg. Unmöglich."
"War anstrengend, gebe ich zu."
1. Max will als erster in den Zug steigen, er läuft ihm entgegen, hält sich beim Einstieg fest und will noch im Fahren aufspringen. Das habe ich drei Sekunden zu spät gesehen.
2. Wir stehen vor dem Rathaus. Etliche Touristen hören mir gespannt zu, wie es gegründet wurde und wann das Geld ausgegangen ist. Ein Drittel meiner Kinder weiß am Ende der Exkursion nicht, ob wir beim Theater oder vor der Stephanskirche waren ... oder sonst wo.
3. 25 Kinder warten vor dem WC. Kommt eine Dame aus dem gegenüberliegenden Saal: "Könnt ihr nicht leiser sein, wir verstehen nichts mehr." Der Lärmpegel ist mir nach drei Stunden nicht mehr aufgefallen.
4. Wir warten bei einer roten Ampel, da fällt Markus auf den harten Gehsteig. Der stoßende Mitschüler: "War nicht Absicht."
5. Zurück im Zug schaut mich eine ältere Passagierin empört an, steht auf und verlässt den Waggon. Da sehe ich hinter mir drei Jungs auf den Halteschlaufen turnen.
6. Nach dem Umsteigen kommt Niko keuchend angelaufen: "Bernd ist nicht mehr da! Wo ist der Bernd?"
Ich zähle die Gruppe zum siebenten Mal ab, Bernd ist da - er hat nur seine coole Mütze heruntergenommen. So haben wir ihn noch nie gesehen.
Der Zug ist abgefahren.
7. "Leute, ihr schadet euch selber. Wenn ihr herumschreit, herumrauft, herumstoßt, wenn ich mich nicht auf euch verlassen kann, dann wird kein Lehrer mit euch Ausflüge planen."
Sie schauen mich betroffen an. Zwei Minuten später schreien, laufen und stoßen sie weiter. Auf der Straße, auf dem Gehsteig, im Bahnhof ...
8. Ein Mädchen schreit quer durch den Bus. Ich sage zu ihr: "Leise sein!" Ab diesem Zeitpunkt schreit sie "Leise sein". Ein Mal, zwei Mal, drei Mal. Ich lächle. Vier Mal, fünf Mal ... ich ermahne ... zehn Mal, elf Mal ... ich erkläre ... zwanzig, einundzwanzig Mal ... ich ignoriere ... dreißig, vierzig Mal ... ich gehe weg. Sie läuft mir nach und schreit weiter: "Leise sein". Ein Mitschüler beruhigt mich: "Das war schon in der Volksschule ihre Spezialität."
Ein junger Kollege nickt: "Ich gehe mit keinen Klassen mehr weg. Zu gefährlich."
Ein erfahrener Kollege schränkt ein: "Mit ersten Klassen kannst du das Haus nicht mehr verlassen."
So weit sind wir gekommen. Last exit.
P.S.: Drei Monate später kommt eine Kollegin auf mich zu: "Ich gehe auch mit keiner fünften Klasse mehr weg. Unmöglich."
teacher - am Samstag, 22. Mai 2010, 20:20
heute.at:
"49 Prozent der österreichischen Lehrer kommen zu spät zum Unterricht, 58 Prozent schwänzen Stunden gar komplett. 14 Prozent sind nicht genügend auf den Unterricht vorbereitet – das ist immerhin jeder Siebte!"
oe24.at:
Lehrer schlimmer als Schüler
Das erschütternde Ergebnis laut Eder: „Disziplinlosigkeiten kommen bei Lehrern mindestens so häufig vor wie bei Schülern.“ 21 Prozent der Lehrer schwänzen offenbar regelmäßig – jeder fünfte Schuldirektor beschwert sich darüber, dass die Abwesenheit von Lehrern das Lernen sehr oder in einem gewissen Ausmaß behindert."
DIE VORSITZENDEN DER
LEHRERGEWERKSCHAFTEN IN DER
GEWERKSCHAFT ÖFFENTLICHER DIENST
Wien, 20. Mai 2010
Sehr geehrte Frau Bundesministerin!
Sie haben in unserem letzten Gespräch zugesagt, dass Sie sich für eine Verbesserung des Images der Lehrerinnen und Lehrer einsetzen werden.
Seit vorgestern kursieren in zahlreichen Medien Meldungen über Dienstpflichtverletzungen von Lehrerinnen und Lehrern als angebliches Massenphänomen. Ausgangspunkt dieser diffamierenden Berichte sind unkorrekte Aussagen des BIFIE zur TALIS-Studie.
Angesichts des tatsächlichen Inhalts der TALIS-Studie, die wir gleich nach ihrem Erscheinen 2009 intensiv analysiert haben, wird diese Kampagne zur weiteren Schädigung des Ansehens der Lehrerinnen und Lehrer auf das Schärfste zurückgewiesen.
Wir fordern Sie, sehr geehrte Frau Bundesministerin, dringend auf, Ihrem Versprechen nachzukommen und die Öffentlichkeit umgehend über die tatsächlich in der TALIS-Studie erforschten Fakten zu informieren.
Die tatsächlichen TALIS-Fakten finden sich nicht nur in Publikationen der Gewerkschaft, sondern durchaus auch im vom BIFIE im Juni 2009 publizierten nationalen TALIS-Bericht, der in der BIFIE-Veranstaltung am Montag-Abend tendenziös uminterpretiert wurde.
Was TALIS wirklich sagt:
Professionelles Engagement
Österreichs LehrerInnen investieren um ein Drittel mehr Zeit in die Vorbereitung des Unterrichts, als dies in den anderen Staaten der Fall ist.
Die weit über das internationale Maß hinausgehende Gewissenhaftigkeit wird Österreichs LehrerInnen durch ihre SchulleiterInnen explizit bestätigt. Das hat auch das BIFIE in seinem TALIS-Bericht vom Juni 2009 korrekt erkannt und hervorgehoben:
„Mangelnde Vorbereitung auf den Unterricht und Zuspätkommen von Lehrkräften werden von Österreichs Schulleiterinnen und -leitern als wesentlich weniger problematisch eingeschätzt als im OECD-/EU-Schnitt.“
Beschämende Rahmenbedingungen
Österreichs LehrerInnen werden mit ihren Aufgaben alleingelassen wie die LehrerInnen keines anderen Landes. Österreich belegt nämlich in der Kategorie „Unterstützungspersonal an den Schulen“ unter allen TALIS-Teilnehmern mit großem Abstand den allerletzten Platz:
Beim pädagogischen Unterstützungspersonal kommen auf eine Person 24 LehrerInnen (im internationalen Mittel sind es nur 13 LehrerInnen).
Beim administrativen Unterstützungspersonal kommen auf eine Person 23 LehrerInnen (im internationalen Mittel sind es nur 8 LehrerInnen).
Dementsprechend hat das BIFIE noch im Juni 2009 völlig richtig festgestellt:
„Österreich liegt mit diesen Zahlen weit abgeschlagen hinter den anderen
teilnehmenden OECD-/EU-Ländern.“
Bezüglich des „allgemein unterstützenden Personals“, also z. B. der SchulpsychologInnen und SozialarbeiterInnen, interpretierte das BIFIE die TALIS-Ergebnisse im Juni 2009 ebenfalls vollkommen korrekt:
„Beinahe 80% der österreichischen Lehrkräfte unterrichten in Schulen, in denen der Unterricht aus Sicht der Schulleiter/innen durch einen solchen Mangel (Anm: an allgemein unterstützendem Personal) beeinträchtigt wird.“
Fortbildung
Ein BIFIE-Zitat vom Juni 2009 sei an die Spitze gestellt: „Österreichs Lehrer/innen sind grundsätzlich fortbildungsfreudig. Trotzdem gibt fast die Hälfte der Lehrpersonen an, noch mehr Fortbildung besuchen zu wollen.“
Österreich gehört zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an LehrerInnen, die Fortbildung besuchen. Österreichs LehrerInnen weisen auffallend viele freiwillige Fortbildungstage auf. Sie bilden sich gerne fort und würden gerne noch mehr Fortbildung besuchen.
Das BIFIE kam den Fakten entsprechend im Juni 2009 zu folgendem Schluss: „Zusammenfassend ist festzustellen, dass die österreichischen Lehrer/innen großen Fortbildungswillen haben, dass aber das Angebot nicht mit der Nachfrage übereinstimmt.“ (nationaler TALIS-Bericht, Seite 38)
Wir erhoffen uns jedenfalls eine unverzügliche Reaktion, um den in der Öffentlichkeit bereits angerichteten Imageschaden so rasch und so weit wie möglich zu reparieren.
Die Vorsitzenden der Gewerkschaft
"49 Prozent der österreichischen Lehrer kommen zu spät zum Unterricht, 58 Prozent schwänzen Stunden gar komplett. 14 Prozent sind nicht genügend auf den Unterricht vorbereitet – das ist immerhin jeder Siebte!"
oe24.at:
Lehrer schlimmer als Schüler
Das erschütternde Ergebnis laut Eder: „Disziplinlosigkeiten kommen bei Lehrern mindestens so häufig vor wie bei Schülern.“ 21 Prozent der Lehrer schwänzen offenbar regelmäßig – jeder fünfte Schuldirektor beschwert sich darüber, dass die Abwesenheit von Lehrern das Lernen sehr oder in einem gewissen Ausmaß behindert."
DIE VORSITZENDEN DER
LEHRERGEWERKSCHAFTEN IN DER
GEWERKSCHAFT ÖFFENTLICHER DIENST
Wien, 20. Mai 2010
Sehr geehrte Frau Bundesministerin!
Sie haben in unserem letzten Gespräch zugesagt, dass Sie sich für eine Verbesserung des Images der Lehrerinnen und Lehrer einsetzen werden.
Seit vorgestern kursieren in zahlreichen Medien Meldungen über Dienstpflichtverletzungen von Lehrerinnen und Lehrern als angebliches Massenphänomen. Ausgangspunkt dieser diffamierenden Berichte sind unkorrekte Aussagen des BIFIE zur TALIS-Studie.
Angesichts des tatsächlichen Inhalts der TALIS-Studie, die wir gleich nach ihrem Erscheinen 2009 intensiv analysiert haben, wird diese Kampagne zur weiteren Schädigung des Ansehens der Lehrerinnen und Lehrer auf das Schärfste zurückgewiesen.
Wir fordern Sie, sehr geehrte Frau Bundesministerin, dringend auf, Ihrem Versprechen nachzukommen und die Öffentlichkeit umgehend über die tatsächlich in der TALIS-Studie erforschten Fakten zu informieren.
Die tatsächlichen TALIS-Fakten finden sich nicht nur in Publikationen der Gewerkschaft, sondern durchaus auch im vom BIFIE im Juni 2009 publizierten nationalen TALIS-Bericht, der in der BIFIE-Veranstaltung am Montag-Abend tendenziös uminterpretiert wurde.
Was TALIS wirklich sagt:
Professionelles Engagement
Österreichs LehrerInnen investieren um ein Drittel mehr Zeit in die Vorbereitung des Unterrichts, als dies in den anderen Staaten der Fall ist.
Die weit über das internationale Maß hinausgehende Gewissenhaftigkeit wird Österreichs LehrerInnen durch ihre SchulleiterInnen explizit bestätigt. Das hat auch das BIFIE in seinem TALIS-Bericht vom Juni 2009 korrekt erkannt und hervorgehoben:
„Mangelnde Vorbereitung auf den Unterricht und Zuspätkommen von Lehrkräften werden von Österreichs Schulleiterinnen und -leitern als wesentlich weniger problematisch eingeschätzt als im OECD-/EU-Schnitt.“
Beschämende Rahmenbedingungen
Österreichs LehrerInnen werden mit ihren Aufgaben alleingelassen wie die LehrerInnen keines anderen Landes. Österreich belegt nämlich in der Kategorie „Unterstützungspersonal an den Schulen“ unter allen TALIS-Teilnehmern mit großem Abstand den allerletzten Platz:
Beim pädagogischen Unterstützungspersonal kommen auf eine Person 24 LehrerInnen (im internationalen Mittel sind es nur 13 LehrerInnen).
Beim administrativen Unterstützungspersonal kommen auf eine Person 23 LehrerInnen (im internationalen Mittel sind es nur 8 LehrerInnen).
Dementsprechend hat das BIFIE noch im Juni 2009 völlig richtig festgestellt:
„Österreich liegt mit diesen Zahlen weit abgeschlagen hinter den anderen
teilnehmenden OECD-/EU-Ländern.“
Bezüglich des „allgemein unterstützenden Personals“, also z. B. der SchulpsychologInnen und SozialarbeiterInnen, interpretierte das BIFIE die TALIS-Ergebnisse im Juni 2009 ebenfalls vollkommen korrekt:
„Beinahe 80% der österreichischen Lehrkräfte unterrichten in Schulen, in denen der Unterricht aus Sicht der Schulleiter/innen durch einen solchen Mangel (Anm: an allgemein unterstützendem Personal) beeinträchtigt wird.“
Fortbildung
Ein BIFIE-Zitat vom Juni 2009 sei an die Spitze gestellt: „Österreichs Lehrer/innen sind grundsätzlich fortbildungsfreudig. Trotzdem gibt fast die Hälfte der Lehrpersonen an, noch mehr Fortbildung besuchen zu wollen.“
Österreich gehört zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an LehrerInnen, die Fortbildung besuchen. Österreichs LehrerInnen weisen auffallend viele freiwillige Fortbildungstage auf. Sie bilden sich gerne fort und würden gerne noch mehr Fortbildung besuchen.
Das BIFIE kam den Fakten entsprechend im Juni 2009 zu folgendem Schluss: „Zusammenfassend ist festzustellen, dass die österreichischen Lehrer/innen großen Fortbildungswillen haben, dass aber das Angebot nicht mit der Nachfrage übereinstimmt.“ (nationaler TALIS-Bericht, Seite 38)
Wir erhoffen uns jedenfalls eine unverzügliche Reaktion, um den in der Öffentlichkeit bereits angerichteten Imageschaden so rasch und so weit wie möglich zu reparieren.
Die Vorsitzenden der Gewerkschaft
teacher - am Freitag, 21. Mai 2010, 20:27
Vier Studierende übernehmen für drei Wochen den Biologieunterricht der Praxisschule. Sie bereiten sich wochenlang darauf vor, sammeln Materialien, kaufen Unterlagen, verfassen Konzepte. Sie sprechen alle Sinne der Kinder an (riechen, schmecken, hören, fühlen, sehen), sie wechseln die Methoden und Sozialformen, sie gehen auf individuelle Wünsche und Fortschritte ein und probieren alternative Bewertungssysteme.
Zum Abschluss setzen sich alle Beteiligten zu einer Feedback-Runde zusammen und ich kann mit großer Freude von einer gelungenen Praxiszeit berichten. Der leitende Univ.-Prof. wendet sich vertrauensvoll an die betroffenen Kinder:
"Welche Erinnerungen habt ihr denn an den Unterricht?"
1. "Die haben einen das/s-Fehler an die Tafel geschrieben!"
2. "Wir haben zu wenig ferngeschaut."
3. "Wir haben viel schreiben müssen."
4. "Unser Lehrer hat was Falsches von der Tafel löschen müssen."
Die Studierenden verfallen, ich sehe an ihren roten Köpfen, wie sie sich blamiert fühlen.
_________________________________________________________
In der Lehrerausbildung werden Videosequenzen von Schulunterricht gezeigt: Junge KollegInnen beim Prüfen, bei der Gruppenarbeit, bei Simulationen. Die Frage an die Studierenden lautet offen: "Was ist Ihnen dabei aufgefallen?"
Alles wird kritisiert, von der Kleidung bis zur Wortwahl, von der Bewegung im Raum bis zur Schülerbeteiligung. Ich bin richtig froh, wenn unter dreißig Wortmeldungen drei sind, die halbwegs positiv ausfallen. Alle machen alles immer falsch, bis ich erkläre, dass hier lange vorbereitete Modellstunden gezeigt wurden.
_________________________________________________________
Schauen Sie in die Medien, fragen Sie die Eltern oder lesen Sie einfach Beiträge bei diversen Lehrerblogs: Kritik, Kritik, nur negative Kritik.
Ich bin zufrieden mit den Leistungen unserer JunglehrerInnen, weil sie viel Engagement, freundliche Zuneigung zu den SchülerInnen und kurzweilige Abwechslung in die Klasse bringen. Aus dem Feedback lernen sie auch schnell für die Wirklichkeit:
"Sie können machen was sie wollen, sie sind Lehrer, d.h. schlecht!"
Negative Kritik - unser täglich Brot. Sie demotiviert. Sie frustriert. Sie ruiniert. Nicht nur SchülerInnen.
Zum Abschluss setzen sich alle Beteiligten zu einer Feedback-Runde zusammen und ich kann mit großer Freude von einer gelungenen Praxiszeit berichten. Der leitende Univ.-Prof. wendet sich vertrauensvoll an die betroffenen Kinder:
"Welche Erinnerungen habt ihr denn an den Unterricht?"
1. "Die haben einen das/s-Fehler an die Tafel geschrieben!"
2. "Wir haben zu wenig ferngeschaut."
3. "Wir haben viel schreiben müssen."
4. "Unser Lehrer hat was Falsches von der Tafel löschen müssen."
Die Studierenden verfallen, ich sehe an ihren roten Köpfen, wie sie sich blamiert fühlen.
_________________________________________________________
In der Lehrerausbildung werden Videosequenzen von Schulunterricht gezeigt: Junge KollegInnen beim Prüfen, bei der Gruppenarbeit, bei Simulationen. Die Frage an die Studierenden lautet offen: "Was ist Ihnen dabei aufgefallen?"
Alles wird kritisiert, von der Kleidung bis zur Wortwahl, von der Bewegung im Raum bis zur Schülerbeteiligung. Ich bin richtig froh, wenn unter dreißig Wortmeldungen drei sind, die halbwegs positiv ausfallen. Alle machen alles immer falsch, bis ich erkläre, dass hier lange vorbereitete Modellstunden gezeigt wurden.
_________________________________________________________
Schauen Sie in die Medien, fragen Sie die Eltern oder lesen Sie einfach Beiträge bei diversen Lehrerblogs: Kritik, Kritik, nur negative Kritik.
Ich bin zufrieden mit den Leistungen unserer JunglehrerInnen, weil sie viel Engagement, freundliche Zuneigung zu den SchülerInnen und kurzweilige Abwechslung in die Klasse bringen. Aus dem Feedback lernen sie auch schnell für die Wirklichkeit:
"Sie können machen was sie wollen, sie sind Lehrer, d.h. schlecht!"
Negative Kritik - unser täglich Brot. Sie demotiviert. Sie frustriert. Sie ruiniert. Nicht nur SchülerInnen.
teacher - am Mittwoch, 19. Mai 2010, 19:52
"If you can make it there, you' ll make it anywhere", fällt mir als erster ein.
In der Überschrift des "Presse"-Artikels steht: "Manager lernen im SOS Kinderdorf Mitarbeiterführung."
Die Kurzfassung am Ende der Reportage macht mich stutzig: "Im SOS Kinderdorf Altmünster werden Führungskräfte trainiert: Die Kinder melden sich freiwillig, die Manager bzw. ihre Unternehmen zahlen 2690 Euro pro Kopf, das Kinderdorf erhält pro Seminar 2000 Euro."
Könnte ich als Pädagoge die Verantwortung dafür übernehmen, meine Kinder an ein viertägiges Trainingsprogramm zu verleihen?
Die Journalistin beschreibt den ziemlich erfolglosen Versuch des Jungmanagers Oliver H., fünf Mädchen einer Hauptschule zur Mitarbeit zu motivieren: Nicht Mathe, nicht Englisch oder Chemie - sie sollen ein Schiff aus Stoff und Holz bauen. Klingt aufregend.
Um es kurz zu machen: Oliver H. lernt, einiges auszuhalten. Kinder, die ihm nicht antworten. Kinder, die seine Sprache belachen. Kinder, die lieber auf ihren Armen malen statt ihre Meinung zum Thema "Wertschätzung" aufzuschreiben. Kinder eben.
"Das ist mir alles zu blöd", sagt er schließlich und macht sich selbst an den Schiffsbau. Das Projekt muss fertig werden. Zwei Mädchen bekommen Mitleid mit ihm, eines dreht die Musik im Hintergrund lauter, ein anderes sagt offen: "Letztes Jahr war das viel lustiger."
Fünf Kinder vier Tage lang zum Schiffbauen motivieren - das ist doch keine Herausforderung. Dreißig Kinder über zehn Monate zum Mitschreiben, zum Mitlernen, zum Arbeiten zu bringen - das ist unser Lehrerjob: If you can make it there, you' ll make it anywhere.
Letztlich finde ich das Projekt erschreckend gut: Kinder und Erwachsene lernen schätzen, was die faulen Lehrersäcke täglich leisten. Also: Ich hätte sieben Klassen mit durchschnittlich 25 Kindern zu vermieten. Rent my kids!
In der Überschrift des "Presse"-Artikels steht: "Manager lernen im SOS Kinderdorf Mitarbeiterführung."
Die Kurzfassung am Ende der Reportage macht mich stutzig: "Im SOS Kinderdorf Altmünster werden Führungskräfte trainiert: Die Kinder melden sich freiwillig, die Manager bzw. ihre Unternehmen zahlen 2690 Euro pro Kopf, das Kinderdorf erhält pro Seminar 2000 Euro."
Könnte ich als Pädagoge die Verantwortung dafür übernehmen, meine Kinder an ein viertägiges Trainingsprogramm zu verleihen?
Die Journalistin beschreibt den ziemlich erfolglosen Versuch des Jungmanagers Oliver H., fünf Mädchen einer Hauptschule zur Mitarbeit zu motivieren: Nicht Mathe, nicht Englisch oder Chemie - sie sollen ein Schiff aus Stoff und Holz bauen. Klingt aufregend.
Um es kurz zu machen: Oliver H. lernt, einiges auszuhalten. Kinder, die ihm nicht antworten. Kinder, die seine Sprache belachen. Kinder, die lieber auf ihren Armen malen statt ihre Meinung zum Thema "Wertschätzung" aufzuschreiben. Kinder eben.
"Das ist mir alles zu blöd", sagt er schließlich und macht sich selbst an den Schiffsbau. Das Projekt muss fertig werden. Zwei Mädchen bekommen Mitleid mit ihm, eines dreht die Musik im Hintergrund lauter, ein anderes sagt offen: "Letztes Jahr war das viel lustiger."
Fünf Kinder vier Tage lang zum Schiffbauen motivieren - das ist doch keine Herausforderung. Dreißig Kinder über zehn Monate zum Mitschreiben, zum Mitlernen, zum Arbeiten zu bringen - das ist unser Lehrerjob: If you can make it there, you' ll make it anywhere.
Letztlich finde ich das Projekt erschreckend gut: Kinder und Erwachsene lernen schätzen, was die faulen Lehrersäcke täglich leisten. Also: Ich hätte sieben Klassen mit durchschnittlich 25 Kindern zu vermieten. Rent my kids!
teacher - am Sonntag, 16. Mai 2010, 11:09
"Sie sitzen an den Maschinen und geben Gas."
Ich darf eine Werkstunde übernehmen.
In Werken sind die Klassen geteilt, die einen arbeiten "technisch", die anderen "textil". Früher gingen die Burschen "basteln" und die Mädchen "handarbeiten", heute sind beide Gruppen gemischt.
Der Lehrer des technischen Werkens ist kurzfristig erkrankt und ich stehe vor einer Kleingruppe von ca. 15 Kindern, die mit Laubsägen hantieren. Ich helfe beim Einspannen der Sägeblätter, befestige die Bohrer im Standgerät und zeige vor, was ich aus meiner Jugend an Schleifpapiererfahrungen herübergerettet habe.
Bei Problemen ("Wo finde ich den Lack?") wende ich mich an die Kollegin aus der Nachbarklasse, wo gerade Stoffe eingefärbt und maschinell zu lustigen Taschen vernäht werden.
Ich schaue mich neugierig um.Tatsächlich sitzen dort Burschen an den Nähmaschinen und geben Gas.
"Ja, die machen das sogar besser als die Mädchen."
"Komisch, bei mir sitzen die Mädchen und sägen fein säuberlich an den Bilderrahmen, während die Burschen wie die Wilden herumsäbeln."
"Das wundert mich nicht", erklärt die Werkerzieherin, "ich kann dir praktisch bei jedem Werkstück sagen, ob es von einem Mädchen oder einem Buben gefertigt wurde."
Das nenne ich die Ironie der Gleichbrechtigung. Früher wurden die Mädchen auf die feine, textile Handarbeit eingeschult, die Burschen auf die raue Holzarbeit. Heute machen beide Geschlechter beides, die Mädchen fein, die Burschen rau.
Ich darf eine Werkstunde übernehmen.
In Werken sind die Klassen geteilt, die einen arbeiten "technisch", die anderen "textil". Früher gingen die Burschen "basteln" und die Mädchen "handarbeiten", heute sind beide Gruppen gemischt.
Der Lehrer des technischen Werkens ist kurzfristig erkrankt und ich stehe vor einer Kleingruppe von ca. 15 Kindern, die mit Laubsägen hantieren. Ich helfe beim Einspannen der Sägeblätter, befestige die Bohrer im Standgerät und zeige vor, was ich aus meiner Jugend an Schleifpapiererfahrungen herübergerettet habe.
Bei Problemen ("Wo finde ich den Lack?") wende ich mich an die Kollegin aus der Nachbarklasse, wo gerade Stoffe eingefärbt und maschinell zu lustigen Taschen vernäht werden.
Ich schaue mich neugierig um.Tatsächlich sitzen dort Burschen an den Nähmaschinen und geben Gas.
"Ja, die machen das sogar besser als die Mädchen."
"Komisch, bei mir sitzen die Mädchen und sägen fein säuberlich an den Bilderrahmen, während die Burschen wie die Wilden herumsäbeln."
"Das wundert mich nicht", erklärt die Werkerzieherin, "ich kann dir praktisch bei jedem Werkstück sagen, ob es von einem Mädchen oder einem Buben gefertigt wurde."
Das nenne ich die Ironie der Gleichbrechtigung. Früher wurden die Mädchen auf die feine, textile Handarbeit eingeschult, die Burschen auf die raue Holzarbeit. Heute machen beide Geschlechter beides, die Mädchen fein, die Burschen rau.
teacher - am Samstag, 15. Mai 2010, 11:46
In den dritten und vierten Klassen (12-14 Jahre) bereiten wir unsere SchülerInnen auf die wichtige Frage der Berufswahl vor: BO = Berufsorientierung soll als Unterrichtsprinzip in allen Fächern aufgegriffen werden.
Über Themen wie Löhne, Urlaubsansprüche und Arbeitsbedingungen kommen wir zu Gründen, warum Arbeitnehmer gekündigt werden können:
A: "Wegen der Krise."
"Ja."
B: "Wenn jemand immer zu spät kommt."
"Genau!" (Kristian ist wieder 15 Minuten zu spät gekommen)
C: "Wenn jemand was klaut."
"Also Vorsicht!"
D: "Wenn jemand mit der Chefin schläft ..."
"Ah ...", mische ich mich wieder ein, "ich weiß jetzt nicht, ob das ein Kündigungsgrund ist."
E: "Vielleicht ist der Chef ja froh drüber."
F: " ... oder sie ist eh schiach (= hässlich)."
Über Themen wie Löhne, Urlaubsansprüche und Arbeitsbedingungen kommen wir zu Gründen, warum Arbeitnehmer gekündigt werden können:
A: "Wegen der Krise."
"Ja."
B: "Wenn jemand immer zu spät kommt."
"Genau!" (Kristian ist wieder 15 Minuten zu spät gekommen)
C: "Wenn jemand was klaut."
"Also Vorsicht!"
D: "Wenn jemand mit der Chefin schläft ..."
"Ah ...", mische ich mich wieder ein, "ich weiß jetzt nicht, ob das ein Kündigungsgrund ist."
E: "Vielleicht ist der Chef ja froh drüber."
F: " ... oder sie ist eh schiach (= hässlich)."
teacher - am Mittwoch, 12. Mai 2010, 08:54
"Im idealen Kinderzimmer steht ein Fahrrad mit Dynamo. Wenn ein Kind Fernsehen will, dann muss es auf dem Rad den notwendigen Strom erzeugen. Für den Computer heißt es auch treten, fürs Handy ebenso, für den mp3-Player und so weiter."
Im Scherz legt mir ein guter Freund seine pädagogische Verknüpfung von Medienkonsum und körperlicher Bewegung dar: Wer mehr fernsehen, chatten oder simsen will, der muss zum Ausgleich radeln.
"Was sind die schlimmsten 'kognitiven Killer'"?, fragt "Die Presse" die Neurobiologin Hannah Monyer in einem Kurzinterview zum Thema Gehirnforschung.
Monyer: "Permanente Ablenkung, Müdigkeit, Alkohol- und Drogenmissbrauch, dauernde Unter- oder Überforderung."
"Was mag es denn besonders?" (Anm.: das lernende Gehirn)
Monyer: "Meditation. Schlaf, Muße und Bewegung sind gut, aber Meditation ist sicher das Beste."
So ein Elektro-Hometrainer würde für Bewegung sorgen und permanente Ablenkung vermeiden. Gute Voraussetzungen fürs Lernen - bis zur Müdigkeit.
Vieles kann Schule - auch der beste Unterricht - nicht bieten, z.B. Zeit für Meditation, Schlaf und Muße. Für die richtige Dosis Herausforderung sorgen wir dann schon.
Im Scherz legt mir ein guter Freund seine pädagogische Verknüpfung von Medienkonsum und körperlicher Bewegung dar: Wer mehr fernsehen, chatten oder simsen will, der muss zum Ausgleich radeln.
"Was sind die schlimmsten 'kognitiven Killer'"?, fragt "Die Presse" die Neurobiologin Hannah Monyer in einem Kurzinterview zum Thema Gehirnforschung.
Monyer: "Permanente Ablenkung, Müdigkeit, Alkohol- und Drogenmissbrauch, dauernde Unter- oder Überforderung."
"Was mag es denn besonders?" (Anm.: das lernende Gehirn)
Monyer: "Meditation. Schlaf, Muße und Bewegung sind gut, aber Meditation ist sicher das Beste."
So ein Elektro-Hometrainer würde für Bewegung sorgen und permanente Ablenkung vermeiden. Gute Voraussetzungen fürs Lernen - bis zur Müdigkeit.
Vieles kann Schule - auch der beste Unterricht - nicht bieten, z.B. Zeit für Meditation, Schlaf und Muße. Für die richtige Dosis Herausforderung sorgen wir dann schon.
teacher - am Montag, 10. Mai 2010, 09:45
Ich sitze vor der Uni in der Sonne und trinke zu meinem Lieblingscroissant eine Tasse heiße Schokolade. Kurzurlaub.
An mir hastet und schlendert die künftige geistige Elite der Republik vorbei:
Converse, Diesel, H&M.
Iphone, Oakley, Hängetasche.
Aus dem Markendickicht sticht ein blaues T-Shirt heraus. Vorne steht in großen Lettern: "Bildung ist ..."
Der Rückenteil gibt Auskunft darüber:
"Name: Nadine"
"Fehlstunden: 256"
Liebe Nadine,
Was willst du deiner Umwelt mitteilen? Dass du stolz bist auf die vielen Unterrichtsstunden, die du - Teufel, bist du mutig - in der letzten Klasse versäumt hast? Dass es cool ist, auf das kostenlose Angebot auf Bildung zu verzichten? Oder dass du - schlau und tatkräftig - ein T-Shirt gefunden hast, das dem Zeitgeist der Unbildung huldigt?
Mann, Alter - ich bewundere dich!
Und gebe dir meine Deutung mit: Bildung .... macht frei.
lg teach
P.S.: Sollte das Hellblau deines T-Shirts auf Wendell Borton aus Bart Simpsons Klasse anspielen - der ist wirklich ständig krank.
An mir hastet und schlendert die künftige geistige Elite der Republik vorbei:
Converse, Diesel, H&M.
Iphone, Oakley, Hängetasche.
Aus dem Markendickicht sticht ein blaues T-Shirt heraus. Vorne steht in großen Lettern: "Bildung ist ..."
Der Rückenteil gibt Auskunft darüber:
"Name: Nadine"
"Fehlstunden: 256"
Liebe Nadine,
Was willst du deiner Umwelt mitteilen? Dass du stolz bist auf die vielen Unterrichtsstunden, die du - Teufel, bist du mutig - in der letzten Klasse versäumt hast? Dass es cool ist, auf das kostenlose Angebot auf Bildung zu verzichten? Oder dass du - schlau und tatkräftig - ein T-Shirt gefunden hast, das dem Zeitgeist der Unbildung huldigt?
Mann, Alter - ich bewundere dich!
Und gebe dir meine Deutung mit: Bildung .... macht frei.
lg teach
P.S.: Sollte das Hellblau deines T-Shirts auf Wendell Borton aus Bart Simpsons Klasse anspielen - der ist wirklich ständig krank.
teacher - am Samstag, 8. Mai 2010, 12:11
Ein Skikurs oder eine Sportwoche fordert den sozialen Umgang heraus. Die Kinder/Jugendlichen müssen Tag und Nacht miteinander - und mit den LeiterInnen - auskommen.
2.Tag, Anruf Vater:
"Wie können Sie die Sophie nur ins gleiche Zimmer wie die Adrienne legen? Die streiten ja die ganze Zeit miteinander. Die Sophie hält das nicht aus."
"Die Kinder machen sich selbst aus, wer in welchem Zimmer schläft."
"Das geht so nicht. Da müssen sie umplanen."
Rücksprache mit Sophie, Adrienne und den beteiligten Mädchen. Sophie wird schließlich ins Nachbarzimmer verlegt, die (unschuldige) Monika muss tauschen.
3. Tag, Anruf Mutter:
"Wieso haben Sie Sophie strafweise verlegt?"
"Wie bitte? Sie wollte doch nicht mehr mit Adrienne in einem Zimmer bleiben!"
"Wer hat Ihnen das gesagt?"
"Zunächst der Vater. Dann das Mädchen."
"Der braucht sich gar nicht einmischen! Wir sind geschieden."
Früher haben wir diese Geschichten mit den Kindern geklärt. Direkt. Vor Ort. Sie sind zu uns gekommen, wir haben miteinander geredet und gemeinsame Entscheidungen getroffen.
Dann wurde das Handy erfunden. Seitdem geht Kommunikation über vier Ecken. Die Kinder rufen zuhause an, bevor sie mit uns oder ihren Mitschülern verhandeln. Die - nein, manchefreche - Eltern fragen nicht nach Ursachen und Folgen, sondern verlangen eine schnelle, individuelle, sagen wir ruhig "egoistische" Lösung für ihre Nachkommenschaft. Oder drohen gleich mit einer Beschwerde beim Minister - ein Mail ist schnell geschrieben.
Die Abende verbringen wir nun am Handy. Statt miteinander.
2.Tag, Anruf Vater:
"Wie können Sie die Sophie nur ins gleiche Zimmer wie die Adrienne legen? Die streiten ja die ganze Zeit miteinander. Die Sophie hält das nicht aus."
"Die Kinder machen sich selbst aus, wer in welchem Zimmer schläft."
"Das geht so nicht. Da müssen sie umplanen."
Rücksprache mit Sophie, Adrienne und den beteiligten Mädchen. Sophie wird schließlich ins Nachbarzimmer verlegt, die (unschuldige) Monika muss tauschen.
3. Tag, Anruf Mutter:
"Wieso haben Sie Sophie strafweise verlegt?"
"Wie bitte? Sie wollte doch nicht mehr mit Adrienne in einem Zimmer bleiben!"
"Wer hat Ihnen das gesagt?"
"Zunächst der Vater. Dann das Mädchen."
"Der braucht sich gar nicht einmischen! Wir sind geschieden."
Früher haben wir diese Geschichten mit den Kindern geklärt. Direkt. Vor Ort. Sie sind zu uns gekommen, wir haben miteinander geredet und gemeinsame Entscheidungen getroffen.
Dann wurde das Handy erfunden. Seitdem geht Kommunikation über vier Ecken. Die Kinder rufen zuhause an, bevor sie mit uns oder ihren Mitschülern verhandeln. Die - nein, manche
Die Abende verbringen wir nun am Handy. Statt miteinander.
teacher - am Donnerstag, 6. Mai 2010, 12:26