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Gestern bin ich zornig aus der Klasse gegangen. Meine Planung ging nicht auf, sondern in die Hose und im Gelächter unter. (Blödes Wortspiel)

Die SchülerInnen sollten aus einem CD-Dialog wichtige Alltagsinformationen heraushören und in ein Arbeitsblatt eintragen. Leider kommt im Dialog eine weiblich-schrille Stimme vor, die zum Lachen anregt. Zumindest meine Pubertierenden unterhielten sich köstlich - mir ist der Witz verschlossen geblieben.

Ich spiele den Dialog noch einmal, damit die Informationen nicht verloren gehen. Geht gut bis zur krächzenden Stimme: Brüll ...

"Bitte! Konzentrieren wir uns. Noch einmal ..."
Brüll. Imitation. Brüll ...
Gong.
Ärger.
Abgang.

Morgengrau(en):
Ich wache eine Stunde zu früh auf. Gedanken kommen.

Wie gehe ich heute in die Klasse?
Wie schließe ich an die Niederlage an?
Und was werde ich anziehen?

Selbstzweifel.

Was hätte ich anders machen können? Sollen?
Wie hätte ich die Stunde vorbereiten müssen?
Könnte ich die Hausübungen anders stellen?

Vielleicht sollte ich nicht eine Stunde am Computer sitzen und "niemehrschule" schreiben, sondern neue Stundenbilder googeln. Oder bin ich wirklich so ausgelaugt, dass ich bei unbedeutenden Anlässen versage.
Grüble ich zu viel?
Bin ich selber schuld, wenn meine SchülerInnen nicht arbeiten?
Haben meine Kritiker (hier) recht?
Muss ich mich mehr anstrengen?
Ich hätte sicher noch andere Unterlagen kopieren können, ich hätte sicher mehr Aufwand treiben können, ich hätte sicher ... aber ich habe nicht.

Ich stehe auf. Getrieben, aber nicht motiviert.
Skin meinte am 19. Okt, 13:10:
Solche
Situationen kennen wir doch auch aus unserem eigenen Unterricht damals. Also ich zumindest. Allerdings habe ich solche Dinge nicht als Niederlage für den Lehrer gesehen. Wir waren einfach albern. Und sind es heute noch manchmal.

Ich saß vor einiger Zeit in einem Meeting, bei dem so etwas passiert ist. Man beherrscht sich nur eben mittlerweile besser.

Nimm einfach lachenden Herzens den Text für die nächste Stunde in Printform mit, auch wenn es für dich aufwendiger ist. Aber somit wahrst du dein Gesicht und bleibst mit einer humorvollen Anspielung auf die letzte Stunde konsequent.

Manchmal geht einem im Stress sie Leichtigkeit verloren. 
teacher antwortete am 20. Okt, 16:31:
In der Zwischenzeit hat sich der Groll wieder gelegt.

Aber mich wundert, dass ich nach so vielen Jahren Unterricht und so viel Erfahrung solche Zwischenfälle immer noch als persönliche Niederlagen erlebe. Da stehe ich und kann nicht anders. 
Skin antwortete am 20. Okt, 22:36:
Menschlich.
Wärst du nicht so, würde ich dich für eine künstliche Intelligenz halten. ;-) 
Ali (Gast) meinte am 19. Okt, 13:15:
Überraschungsteeeeeest!!!! Mal gucken, ob da noch einer glucksen mag. xD 
teacher antwortete am 20. Okt, 16:32:
S einer bin ich nicht xD 
Christoph (Gast) meinte am 19. Okt, 13:46:
Ich denke, Skin hat es auf den Punkt getroffen. Schüler neigen zu Albernheit, wo es nur geht und diese Stimme hat dann die Steilvorlage geliefert ;) Lass dich von sowas nicht negativ beeinflussen! 
teacher antwortete am 20. Okt, 16:34:
Einmal oder zweimal hätte ich verstanden ... aber beim dritten Mal noch immer lachen und dann noch imitieren: Das sah ich dann als persönliche Unfähigkeit, die Kinder zurückzuholen.

Aus dieser Mischung entstand Zorn. 
BIA (Gast) meinte am 19. Okt, 16:31:
Natürlich schwierig, je nach Klassen - aber meistens bin ich gut gefahren mit den Grundsätzen 1. Nimms nie persönlich und 2. Ehrlich währt am Längsten. Oh, und 3. Manchmal einfach mitlachen. Aber das ist alles leicht gesagt. Ich würde in der nächsten Stunde wahrscheinlich reingehen und sagen, dass ich mich geärgert hab, weil das nicht geklappt hat, aber nicht voraussehen konnte, dass sie die Stimme soooooo lustig finden, dass nix mehr geht. Ob sie eine gute Idee haben, wie man das trotzdem jetzt noch mal effizient nachholen kann - denn dieses Wissen brauchen wir, damit ... usw. Falls keine Ideen kommen, hab ich meine eigene Alternative, bei der die CD vermieden wird. (z. B. darf eine Schülerin mit garantiert unverdächtig unlustiger Stimme diesen Part lesen, den Rest macht die CD.).
Aber gell, manchmal gibt's so Fälle von rien ne va plus. :-) 
teacher antwortete am 20. Okt, 16:35:
Genau: Rien n'allait plus.
Ich habs nicht einmal erwähnt. Neue Stunde, neue Runde. 
Peter (Gast) meinte am 19. Okt, 17:03:
Deinen Schülern gehts manchmal auch so
Hallo Teacher,
ich glaube deinen Schülern gehts manchmal auch so - wenn sie Hausaufgaben nicht haben (und es auch wissen, das sie garantiert erwischt werden), zum Beispiel, oder wenn sie einen Test versemmelt haben und sie ihn am besagten "merkwürdigen" Tag zurückkriegen.

Ich krieg heute noch Bauchschmerzen, wenn ich mein altes Schulgebäude betrete. Manchmal vergesse ich, dass es mir so meine ganze Jugend lang ging.

P.S.: Fühlt sich gut, dein Blog. Hab ihn gerade wiederentdeckt, nachdem ich lange lange Zeit nicht mehr hier gewesen bin seitdem ich twoday verlassen habe. Schön das es deinen Blog noch gibt. 
teacher antwortete am 20. Okt, 16:55:
Danke für die positive Rückmeldung - ich frage mich (und mehrere Kommentare gaben dazu Anlass), ob ich nicht zu negativ berichte. Und ob ich nicht andere kritisiere, um von eigenen Mängeln abzulenken.

Ich gehe immer mehr davon aus, dass sich viele Lehrer sehr bemühen und dass sie trotzdem Missachtung und Prügel ernten. Ich sollte nicht mit gleichen Mitteln zurückschlagen (ich kritisiere sie ja) - habe aber Tendenzen dazu. 
fedor (Gast) meinte am 19. Okt, 17:12:
Nimms nicht so tragisch.Wem ist noch keine Stunde danebengegangen,wegen alberner Schüler,wegen eigener Fehler...egal.Am nächsten Tag mit einem-vielleicht geqältem-Grinsen vor die Meute,das wirkt! 
teacher antwortete am 20. Okt, 16:57:
Das will ich auch dokumentieren: Stunden können unplanbar kippen. Ist ärgerlich. 
romeomikezulu meinte am 19. Okt, 17:34:
Weg mit den trüben Gedanken!
Ach was, nur weil mal eine Stunde nicht so lief wie geplant heisst das doch noch nicht, dass man da von einer "Niederlage" sprechen muss.
Das passiert, wird auch immer wieder mal passieren.
Die Kids haben das längst vergessen in der nächsten oder übernächsten Stunde.

Und Sie könnten ja nochmal ein Wort über diese besagte Stunde fallen lassen und die Stimmung "drehen", in dem Sie den ERSTEN Satz hier dort als Resumee der letzten Stunde noch mal zum Besten geben.
Und demjenigen ein "Sternchen" für die mündliche Note versprechen, der bis zum nächsten Mal herausfindet, welches sprachliche Stilmittel sich hinter Ihrem Eingangssatz...

"Meine Planung ging nicht auf, sondern in die Hose
und im Gelächter unter.


...verbirgt.

Headz up! :-) Viele Grüße, _rain.

(PS: Richtige Antwort: Zeugma) 
teacher antwortete am 20. Okt, 16:58:
Zeugma? Das habe ich zuletzt vor 25 Jahren in einem Seminar gehört.

Und tatsächlich: Die Kinder hatten die Stunde vergessen (wie vieles andere). 
Herr Rau (Gast) meinte am 19. Okt, 18:47:
Selbst wenn eine Stunde weniger bloggen hülfe...
...und dafür eine Stunde mehr Arbeitsblätter googeln - ohne das Bloggen wirst du doch verrückt im alltäglichen Wahnsinn. Ein bisschen Ausgleich darf schon sein. 
teacher antwortete am 20. Okt, 17:00:
"Hülfe" zergeht auf meiner Zunge.
Mir hilft das Bloggen wirklich, ich blogge Frust ab. Ob ein weiteres Arbeitsblatt "hülfe"? 
Lehramtsstudent im Praktikum (Gast) meinte am 19. Okt, 19:33:
Auch mit viel Elan und Motivation gehen Stunden daneben :)
Kopf hoch.

Sehen Sie es doch mal so: Immerhin machen Sie sich noch Gedanken, was Sie verbessern können, statt total zu resignieren.

Einen Hänger hat jeder mal.

Schüler lachen über fast alles, was irgendwie seltsam ist, gerade in der Pubertät. 
teacher antwortete am 20. Okt, 17:02:
Ich kann gar nicht anders als mir Gedanken zu machen. Ich schreibe sie halt nieder, damit andere mitdenken/mitfühlen können - wenn sie wollen. Und darüber freue ich mich! 
ixsi (Gast) meinte am 19. Okt, 20:13:
Schrill oder nicht schrill
Ich bin froh über jede Abwechslung, die ein vorgelesener Lehrbuchtext bietet. Mein Französischkurs erinnerte sich in der letzten Stunde vor den Ferien an die alte Frau mit ihrer kreischenden Stimme (und den Sätzen!), also an einen Text, den sie ein Jahr vorher gehört hatten. Da haben sie also aufmerksam zugehört! Dafür durften sie es auch richtig imitieren. 
o. klein (Gast) antwortete am 19. Okt, 22:34:
Imitieren & Ironisieren sind die besten Mittel im Sprachunterricht
Ja, Lachen stärkt das Gedächtnis.

Beim Erlernen von Fremdsprachen, insbesondere Französisch, sollte man sowieso nicht zu ernst sein.

Warum?

Wir alle haben Ausprache und Sprachemelodie unserer Muttersprache als "richtiges" Sprachmuster im Kopf. Folgerichtig sprechen wir auch die Fremdsprache nach diesem Muster, das für uns "richtig" klingt, sich in der Fremdsprache dann aber als ausgeprägter deutscher/österreichischer Akzent bemerkbar macht.

Um aus diesem Muster auszubrechen und die Fremdsprache richtig zu sprechen, müssen wir uns lächerlich machen, übertreiben, etwas tun was wir eigentlich nie tun würden. Man schwimmt sozusagen gegen den Strom der vorgegebenen Muster, und das geht mit Humor viel besser als "seriös"

Ich möchte dazu ein Beispiel geben.

Eine Inderin, die in einem sozialen Beruf tätig ist, lebt schon länger in einem Deutschsprachigen Land und spricht schon ganz gut deutsch. Sie kann sich aber nicht durchsetzen, niemand hört hier zu. Nun soll sie befördert werden, aber sie muss lernen sich durchzusetzen, also macht sie einen Rhetorik-Kurs.

Die Rhetorik-Lehrerin bringt sie mit viel Mühe dazu, so richtig "teutsch" zu sprechen.

Reaktion der Schülerin "So kann ich nicht reden, da fühle ich mich, als wäre ich ein Nazi-Offizier".

Rhetorik-Lehrerin ist beleidigt.

Mein Ansatz wäre gewesen: "Genau so ist es richtig. Wenn sie richtig Deutsch sprechen wollen, stellen Sie sich vor, Sie seien ein Nazi-Offizier". 
teacher antwortete am 20. Okt, 17:04:
Danke!
Super Ansatz, den ich so noch nie gehört habe.
Ich werde die Stelle noch einmal hören ... und sie werden alle übertreiben. 
June_blogt meinte am 19. Okt, 20:54:
Vor ein paar Wochen, Firmenenglischkurs, Teilnehmer 7 erwachsene Frauen im Alter von 28 - 58. Hörbeispiel, Frau spricht mit extrem blöder Stimme und extrem russischem Akzent. Alle lachen, inklusive Teacher. Text nochmal vorgespielt, wieder lachen alle, weil wirklich blöd. CD ausgemacht, den Text reihum vom Blatt abgelesen, und jede bemühte sich den richtigen russischen Akzent zu imitieren, großes Gelächter und Hausaufgaben bis zum nächsten Kurs. So what? Lieber einmal mehr blöde und albern rumgelacht als zu vergessen, dass das Leben nicht nur aus Ernst und Elend besteht. Und ich hoffe ihre Jugendlichen bewahren sich ihre Albernheiten so lange es geht, ich wünschte, ich würde mehr solcher Gelegenheiten erleben. Lachen Sie doch einfach mal mit, auch das verbindet. 
teacher antwortete am 20. Okt, 17:05:
Meistens lache ich mit. Nur nicht drei Mal ... und ich habe den Witz einfach nicht gespürt! 
o. klein (Gast) meinte am 19. Okt, 22:17:
Mitlachen ?
...mit ihnen lachen, sie fragen was so lustig ist und darauf aufbauen?

Oder weiss ihre Klasse genau, dass sie sich ums Schreiben drücken kann, wenn sie nur lange genug lacht? 
teacher antwortete am 20. Okt, 16:21:
Diese Mal war es nicht der Fall, aber oft erlebe ich das schon: Wie schaffen wir es, den teacher von seriöser Arbeit wegzubekommen. Und sie schaffen es immer wieder ... 
Anja-Pia meinte am 20. Okt, 10:12:
Zur Aufmunterung und Motivation ...
... ein Lehrerwitz:
Mitten im Unterricht der ersten Volksschulklasse kommen zwei Vertreter der Schulbehörde und setzen sich in die letzte Reihe.
Die Lehrerin schreibt einen Satz an die Tafel und fragt die Schüler:
"Wer kann mir sagen, was ich an die Tafel geschrieben habe?"
Niemand meldet sich.
Die Lehrerin fragt noch einmal, schon leicht hektisch:
"Was habe ich an die Tafel geschrieben?"
Da meldet sich der kleine Max und liest:
"Die Lehrerin hat einen schönen Hintern."
Die Lehrerin ist entsetzt und ruft empört: "Das habe ich nicht geschrieben!"
Darauf dreht sich der kleine Max um und sagt wütend:
"He Alter, warum sagst Du ein, wenn Du auch nicht lesen kannst?" 
teacher antwortete am 20. Okt, 17:06:
Da kann ich lachen, den verstehe ich :-)) 
tyndra (Gast) meinte am 20. Okt, 12:15:
ganz ehrlich:
jugendliche haben alberne tage, und da können sie über jeden scheiss lachen. wär eventuell auch mit einer anderen stimme lustig gewesen, welcher erwachsene soll das schon vorher wissen? you never know. ich würds unter "jugendlicher übermut" abhaken und fertig. soll schlimmeres geben als schüler mit lachanfällen ^^ 
teacher antwortete am 20. Okt, 16:24:
Ich zerbrech ja eh nicht dran ... oft ist halt schade um die Zeit. Ist wie Mittagessen kochen und niemand isst. Wer kann da lachen? 
o. klein (Gast) meinte am 20. Okt, 12:25:
Selbstzweifel
Ganz allgemein habe ich den Eindruck, dass Schüler es mögen, beim Lehrer Schwächen zu entdecken, die er auch selber zugibt.

Ich nehme an, wenn der Lehrer zu perfekt ist oder sich zu perfekt gibt, fordert er die Schüler implizit heraus, eine Laus im Pelz zu finden.

Ich habe bei Kindern im Volksschulalter aber auch bei Erwachsenen festgestellt, dass nichts sie mehr zum Lernen motiviert, als wenn sie dem Lehrer etwas beibringen können - oder ihm etwas verzeihen dürfen.

Mehrere Semester lang unterrichtete ich übersetzen, und jedes Mal, wenn ich etwas nicht wusste, gab ich es zu. Manchmal war es mir peinlich, wenn ich nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob ein gewisser Ausdruck auf Französisch zulässig ist oder nicht. Und trotzdem haben die Studenten am Ende des Semesters mir bei "Fachkompetenz" sehr gute Note gegeben.

Das heisst: was uns im Einzelfall stört kann für das langfristige Lernverhältnis sogar positiv sein. 
Jolande (Gast) antwortete am 20. Okt, 14:21:
Wir - Mitte 20 - waren während eines Volleyballspieles (Punkterunde) so albern drauf, dass unser Trainer eine Auszeit nehmen mußte, weil wir vor lauter Lachen nicht mehr weiterspielen konnten. Wir haben trotzdem gewonnen und sind sogar aufgestiegen. Unser Trainer konnte darüber nur den Kopf schütteln, hatte aber auch viel Spaß mit uns! 
teacher antwortete am 20. Okt, 16:28:
@o.klein: Fehler kann derjenige zugeben, der wenige macht. Deshalb wissen die Studis genau, wer trotzdem kompetent ist oder nicht.

@Jolande: Was glaubst du, wie oft ich eine Auszeit nehmen müsste. :-)) 
mia (Gast) meinte am 20. Okt, 19:31:
bei sowas..
kann ich nur empfehlen, bei Kollegen zu lesen. //frlkrise.wordpress.com/ zb, eine Lehrerin in einem sozialen brennpunkt einer deutschen Großstadt. Danach weiss man wieder, anderen gehts manchmal schlechter, und ganz so schlimm ist mein Arbeitsalltag nun doch nicht.

Liebe Grüße und Kopf hoch, es gibt auch bessere Tage :)

mia 
teacher antwortete am 21. Okt, 08:22:
Danke für den link, Frl. Krise ist eine richtige Entdeckung. Superfein.

Ich weiß, dass ich eigentlich in einer guten Position bin (Gymnasium etc.), aber genau deshalb muss gezeigt werden, dass selbst bei uns das Lernen/Wissen einfach keinen Stellenwert mehr hat. 
mia (Gast) antwortete am 21. Okt, 11:33:
gern geschehen. Es kommt allerdings auch sehr auf das Umfeld an. in meinem Freundes- und Bekanntenkreis zählt Bildung sehr viel, dementsprechend fördern wir unsere Kinder auch.
Ich hoffe, dass dies auch weiter gelingen wird - meine zb sind gerade 2 und 5 Jahre alt, werden vom ersten Lebensjahr an nach Montessori gefördert und sind äusserst wissbegierig. Ich bin gespannt, wie es dann ab nächstem Jahr im Schulalltag wird, von meiner Seite aus jedenfalls werde ich mein Möglichstes tun, dass beide diese natürliche Neugier auch beibehalten. 
teacher antwortete am 21. Okt, 19:17:
Sorry, ich habe wieder einmal zu sehr generalisiert. Es gibt genug Kinder, die gefördert werden und auch Spaß am Entdecken und Lernen haben - aber es ist nicht "cool". Doof ist das neue cool. 
testsiegerin meinte am 20. Okt, 19:44:
Ich mag dazu auch was sagen. Weil ich ja eine von denen bin, die hier öfter "meckern" und kritisieren.
Also erst mal find ich Zweifel wichtig und gut (Zweifle nicht an dem der dir sagt er hat Angst aber hab Angst vor dem der dir sagt er kennt keinen Zweifel. Aus: Erich Fried, Gegengift).

Ich kann in der Situation aber kein Versagen erkennen. Nun gut, die Stunde ist nicht so gelaufen, wie Sie es sich vorgenommen haben, aber das Leben (und eine Schulstunde) sind oft unplanbar. SchülerInnen reagieren nicht immer so, wie man es erwartet, aber das heißt noch lange nicht, dass man unbedingt selbst etwas falsch gemacht hat.

Ich kenne solche Situationen auch von Seminaren, die ich leite. Vorige Woche zum Beispiel: Ein Teil der TeilnehmerInnen waren von den Methoden (in denen sie selbst sehr gefordert waren) angetan und haben sich wohlgefühlt, ein anderer Teil hat sich überfordert gefühlt, die wollten einfach kommen und sich berieseln lassen und nicht mit neumodischen Methoden konfrontiert werden und selbst reflektieren.
Auch ich hatte danach Selbstzweifel und hab überlegt, was ich anders machen hätte können. Bin aber letztens zum Schluss gekommen, dass es für mich gepasst hat. Weil es für mich authentisch war und ich nicht die Absicht hatte, die Leute nur zu unterhalten, sondern eben auch zu fordern.

Nach dem Motto "Störungen haben Vorrang" würde ich in der nächsten Stunde das Geschehene aber ansprechen. Nicht in Form von Bewertung oder Vorwürfen, sondern einfach, indem ich mitteile, was ich wahrgenommen habe und die SchülerInnen fragen, wie das für sie gelaufen ist. 
teacher antwortete am 21. Okt, 08:25:
Im Prinzip reflektiere und verbalisiere ich Störungen. In diesem Fall habe ich mich entschlossen, es zu übergehen - die Störung ging nicht von den SchülerInnen aus, sie ist einfach passiert. 
Sonnenfeind (Gast) meinte am 20. Okt, 19:50:
SchülerInnen
Auf die Schule gehen also nur Mäd... ach nein, ein großes I... finde ich ehrlich gesagt sehr verwirrend, fällt mir nie auf den ersten Blick auf, bei "Schüler" hingegen setze ich erst einmal kein Geschlecht voraus. 
testsiegerin antwortete am 20. Okt, 19:54:
ich schon.
ich freue mich, dass sie mich trotzdem verstanden haben. 
teacher antwortete am 21. Okt, 08:27:
Das Binnen-I ist keine elegante Lösung, aber ich kenne keine elegantere, um halbwegs geschlechtneutral zu schreiben. 
Kat (Gast) meinte am 20. Okt, 20:19:
: )
Grundloses Gekicher gehört zur Pubertät dazu ... ich spreche aus Erfahrung. Da braucht es nicht viel. Und wenn man mal drin ist gibt es kein Entrinnen mehr .... hat vielleicht mit den Hormonen zu tun? Ich musste mal die Klasse verlassen, weil ich es einfach nicht mehr unterdrücken konnte und aufhören schon gar nicht ... das war nicht bös gemeint. Auch nicht gegen den Lehrer. Jegliche Bemühung es zu verkneifen war zwecklos ... mir schossen dadurch nur Tränen in die Augen: )
Heute bin ich 32 und wundere mich : )

Ich finde, jetzt mal so aus deinem Blog geschlossen, du machst deine Sache super ... denn immerhin machst du dir Gedanken und hast noch Selbstzweifel ... das zeigt mir, dass du ein guter Lehrer bist.

Und ich kann dir versichern, nicht nur Lehrer plagen Selbstzweifel ... ich bin Mutter eines 4jährigen, wissbegieren, fernsehlosen Kerlchens und zermartere mir das Hirn, was aus ihm werden soll ... nicht beruflich, Gott bewahre, sondern in der Schule. Am Tag der offenen Tür einer Schule in der Nähe sagte mir die Lehrerin: "Genießen sie die Zeit, ab dem Schuleintritt geht es bergab!"

Das macht Hoffnung.
Wir haben uns nun die verschiedensten Schulsysteme angesehen. Steiner, Montessori, Freie Schulen, Mehrstufenklassen ... ich habe mich sogar schon in das Thema Homeschooling eingelesen : )
Wir fördern unseren Sohn sehr. Das heißt nicht, das wir ihn von Kurs zu Kurs schleifen, sondern das machen, was er gerne macht. Er hat von Klein an ein enormes Interesse was Naturwissenschaften betrifft und hat mit seinem Wissen schon viele Erwachsene verblüfft (keine Ahnung von wem er das hat.)
Wir haben Jahreskarten vom TM, HDM, NHM (ja, da gibtes tatsächlich auch eine, wenn man lange genug fragt und jammert), seit diesem Sommer die NÖ- Card. Wenn er Lust hat, dann besuchen wir einfach eines dieser Museen und bleiben da oft den ganzen Tag hängen. Oft stellt er Fragen die ich nicht beantworten kann, die schreiben wir auf und suchen dann zuhause nach der Antwort. Entweder in Büchern oder im Internet.
Wir verbringen jede freie Minute (das ist der ganze Nachmittag ab 12:00), wenn es das Wetter zulässt im Freien. Praterauen, Lainzer Tiergarten, ...) und forschen und erleben Abenteuer. Alleine oder mit Freunden.
Das funktioniert so gut und ich habe jetzt schon Angst wie es in der Schule wird.
Ich war auch ein Kind mit engagierten Eltern. Das war ein Fluch, da ich mich in der VS 4 Jahre gelangweilt habe. Und auch die ersten 3 Jahre Gymnasium. Nachfragen war dort unerwünscht. Das war das erste was ich gelernt habe. Und da ich ohne Fernsehen aufgewachsen bin konnte ich auch da nicht mitreden und war eher eine Außenseiterin bis ich so ca. 16 war.

Meine Mutter hat vor kurzem gemeint: Du machst den selben Fehler wie ich damals.

Schadet man seinem Kind, wenn man sich kümmert, wenn man versucht seinen Interessen nach zu gehen, ihm neue Quellen eröffnet, Möglichkeiten aufzeigt?

Selbstzweifel also nicht nur auf der Lehrerseite.

Im Übrigen gebe ich den Lehrern viel weniger Schuld an der Schul- Miesere als den Eltern ; )

Morgen ist Tag der offenen Tür in der Evangelischen VS : ) Ich bin gespannt und hoffe ENDLICH auf ein AHA Erlebnis ... 
teacher antwortete am 21. Okt, 08:36:
Ich kann dich leider nicht beruhigen: Wissbegierige Kinder haben es in der Schule schwer. (Allein dieser Satz macht mich zornig und traurig)

Aus meiner Erfahrung an den öffentlichen Schulen ist es ein ziemlicher Zufall, in welche Klasse so ein Kind kommt und welche Lehrer es bekommt. Es hängt weniger von der Schule als von der Klasse ab. Ich habe Hochbegabte in (netten) Klassen, die stehen souverän über den Dingen und werden akzeptiert ... und ich habe Hochbegabte in anderen Klassen, die werden von ihren Mitschülern drangsaliert und runtergemacht. Auch in Privatschulen läuft es nicht viel besser. Am besten geht es den Kindern, wenn sie sich sozial gut integrieren, mit den anderen ausgehen und Spaß haben. Dann dürfen sie auch intelligent und schlau sein. 
Kat (Gast) antwortete am 24. Okt, 13:14:
...
... und mich erst ...

Für mich als Laie, ist die Vs wichtigste Voraussetzung für die Lernmotivation im weiteren Leben und das will ich nicht dem Zufall überlassen. Aber wie es aussieht muss ich das.

Wir haben Moritz nun für eine Mehrstufenklasse angemeldet. Die Idee klingt ganz sympatisch, bei der Umsetzung habe ich noch ein wenig Zweifel ...

Zu allem Übel ist Moritz auch noch ein Herbstkind...

Danke für deine Antwort und auch dafür, dass du dir die Zeit nimmst und deine Sicht der Dinge schilderst ... ich denke mal, dass du damit etwas bewirken kannst.

lg 
teacher antwortete am 25. Okt, 10:13:
Ich bin DAMALS selbst in so einer Mehrstufenklasse gesessen. War nicht schlecht, weil ich mit den Größeren mitdenken durfte. Funktioniert dann gut, wenn positive Vorbilder dominieren - aber wehe es kommt ein negativer Drive hinein. 
o. klein (Gast) meinte am 20. Okt, 20:30:
Zeichnen?
Was ich auch ganz interessant fände: den Schülern 5 Minuten Zeit geben, um zu beschreiben oder zu zeichnen, wie sie sich eine
Dame vorstellen, die so spricht...

(am supersten wäre natürlich, wenn man dann noch herausfinden könnte, wie die Dame wirklich aussieht...) 
BIA (Gast) antwortete am 20. Okt, 21:13:
Oder (wenn sie Audacity und Headsets haben) ihre Version des Textes üben und aufnehmen, so, wie sie ihn gerne hören würden - und dann die beste Version küren. 
teacher antwortete am 21. Okt, 08:08:
Aus dem Problem eine Chance machen - Ihr könnt das gut! 
BIA (Gast) antwortete am 21. Okt, 09:38:
Naja, aus der Distanz geht das ja auch leicht. :-) 
o. klein (Gast) antwortete am 21. Okt, 10:25:
Sketches
Weitere Ideen:

Schueler schreiben in 1er 2er oder 3er Gruppen kleine Sketches ueber die Tussi und ihre Freundinnen: im Cafe, beim Einkaufen, im Hotel (Portier wird angepfeffert, weil kein Hotelboy da ist, um Koffer raufzutragen), natuerlich in der zu erlernenden Sprache,

Sketches werden getauscht und von einer jeweils anderen Gruppe aufgefuehrt. (Nachteil: nach 3-4 Auffuehrungen wird es vielleicht fad oder zu lang, vielleicht koennen nicht alle drankommen).

Eine Kopie geht an Lehrer, der alle Werke verbessert.

Naechste Runde Sketches: die Ehemaenner der Tussis treffen sich und reden ueber ihre Frauen...

oder: Sie bringen ein paar Illustrierte (in der zu erlernenden Sprache) und bitten die Schueler, ein Bild von der Tussi zu finden (ich hoffe, sie nehmen Bernadette Chirac)

So blaettern die Schueler in Illustrierten, vielleicht stossen sie auf einen Artikel, der sie interessiert und versuchen, ihn zu lesen...

naechste Runde: Ehemann der Tussi finden, in Comics wie Gaston Lagaffe 
Svenja-and-the-City (Gast) meinte am 26. Okt, 06:58:
Lehrer und junge Mütter sind für mich die letzten Helden. Das klingt vielleicht etwas pathetisch, ist aber ganz ernst gemeint. Ich bewundere die Kraft, sich jeden Morgen aufs Neue selbst zu motivieren und denen etwas Gutes zu tun, die es nicht erkennen können.
Nein, Teacher, solange du dir solche Fragen stellst, dich selbst reflektierst und auch einmal Zweifel hast, solange machst du sicher alles richtig. Möge dich nie die Gleichgültigkeit überkommen.
Herzliche Grüße aus Kiel
von Svenja, die vor 30 Jahren einige ganz tolle Lehrer hatte, die sie sehr verehrt hat. 
teacher antwortete am 26. Okt, 10:55:
Ich glaube, das ist Sozialarbeit in unserer Gesellschaft: Wenig anerkannt, hoch fordernd und schlecht bezahlt.
Deshalb wollen bei uns alle Jus, BWL oder Medizin studieren.

P.S.: Danke für die Unterstützung. Ich denke auch noch gerne an meine LehrerInnen zurück ... es war eine schöne Zeit ... und es sind (viele) gute Menschen. 
 

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