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cotopaxi

 
Schau nach bei Hilbert Meyer.

LehramtskandidatInnen, PraktikantInnen, sogar fertige LehrerInnen tun es. H. Meyer ist gut lesbar und fast sowas wie praktisch - also eine Ausnahme in der weiten Landschaft der Universitätsdidaktik.

So kommt mir seine Übersicht zum Thema "Guter Unterricht" in die Hände und ich staune über zwei - zentrale - Ansprüche, die ich in der Realität kaum erkennen kann:

1. LehrerInnen sollen Selbstvertrauen ausstrahlen
2. LehrerInnen brauchen Unternehmergeist

@1)
Ich muss vorausschicken:
Wenn ich in Paris bin, gehe ich zur Sorbonne, in Zürich auf die ETH und in Boston zum MIT. Ich bin ein Uni-Tourist, habe viele hehre Ausbildungsstätten besucht und mag deren jugendlich-intellektuelle Atmosphäre. Manchmal lasse ich Museen oder Kirchen links liegen und gehe an die Uni. Herrlich.
Ich kenne auch einige Universitäten in Österreich: Graz, Salzburg und Wien. Und ich erlebe seltsame Welten: Die Studierenden am Juridicum und an der Wirtschaftsuni sind mit den Kommilitonen an der Hauptuni nicht zu vergleichen. Erstere strahlen schon in jungen Jahren aus, was sie beruflich anstreben: Souveränität. Kritiker nennen es Überheblichkeit. Bei Lehramsstudierenden fehlt mir das. Entweder fühlen sie sich von Geburt an (bzw. ihrer Herkunft) als kleinbürgerliche Staatsdiener oder sie werden von der gesellschaftlichen Umwelt so sozialisiert. Jedenfalls fehlt ihnen oft jenes Selbstbewusstsein, das H.Meyer einfordert und konsequente Erziehung benötigt.

Was tun?

@2)
Lehrer als Unternehmer? Das passt doch gar nicht zusammen. Wäre aber dringend nötig und sollte massiv gefördert werden.

Buch auf. Lesen. Unterstreichen. Das ist öde Schulroutine.
Ein Projekt planen und durchziehen, eine Exkursion organisieren oder einen Filmclub gründen, das sind Unternehmungen, die Spaß machen und zum praktischen Lernen verführen. Dafür braucht es Unternehmergeist, Managementerfahrungen und Motivation.
Das fehlt so sehr wie das Selbstbewusstsein.

Was tun?
Da fe_lt was.
Ellen (Gast) meinte am 24. Nov, 16:33:
Schräg^^
Das ist wirklich schräg, gerade aus der Sprechstunde mit Hilbert zu kommen und diesen Text in meinem Reader zu finden. *lol* 
teacher antwortete am 25. Nov, 08:18:
Wie ist es mit einem "Guru" zu arbeiten? 
Ellen (Gast) antwortete am 3. Dez, 13:01:
Ganz ok. Gurus sind ja auch nur Menschen. ;-)
Hilbert ist einer der Dozenten, die dir das Gefühl geben, dass sie an dich glauben, dass sie dich mögen. Er war in der Hinsicht wirklich einer der ersten, die ich an der Uni getroffen habe.
So ein bisschen kommt das auch daher, dass er ein 68er ist, denk ich. Er lässt sich von allen duzen, wer sein anstrengendstes Seminar absolviert, kriegt von seiner Frau Pizza gebacken und ich hatte auch schon seinen Enkel auf dem Schoß.
Abgesehen davon lässt er mich meinen Weg mit meiner Masterarbeit geben und gibt mir lieber etwas weniger Tipps als zu viele. Für die mehr Tipps gehe ich dann zu meinem Zweitprüfer, weil ich lieber ne gute Note will als viel Freiheit im Schreiben. 
teacher antwortete am 6. Dez, 22:28:
Ja, solche 68er gibt es bei uns auch - ich könnte da mit Pizza und Enkel nicht mithalten, ich suche eher ein korrrekt-distanziertes Arbeitsverhältnis. Mit eher mehr Tipps als weniger ;)

Jedenfalls ist H.Meyer einer, der was zu sagen hat! Und das gut kann. 
Ellen (Gast) antwortete am 6. Dez, 23:02:
Naja, das ist auch einfach ne persönliche Sache, wie man mit seinen Schülern umgeht. Wieviel Distanz, wieviel Pizza und so.
Solange man mit den Schülern vernünftig umgeht...

Da habe ich mittlerweile drei Lehrer erlebt, bei denen das unter aller Sau war. Einer beschmiss seine Schüler ohne Warnung, um den Begriff des Impulses zu erklären. Und zwei waren Sportlehrer, die für die Unsportlicheren "Sonderbehandlungen" hatten.

Aber abgesehen davon ist es wirklich Typfrage.

Mal gespannt, welche Sorte Lehrer ich werde. Bald sehe ichs. 
teacher antwortete am 7. Dez, 20:00:
Wer darüber nachdenkt und bewusst handelt, hat schon die halbe Aufgabe erledigt.

Viel Spaß im Beruf, hihi. :-)) 
selbstbewusstsein (Gast) antwortete am 13. Jan, 17:32:
selbstbewusstsein
hallo ihr 
teacher antwortete am 27. Aug, 11:03:
Lieber selbstbewusster Moritz,
Ich lasse den link gerne hier - obwohl ich bei Eigenwerbung kritisch bleibe. 
SirToby (Gast) meinte am 24. Nov, 17:20:
Zu 1.: Meiner Meinung nach ist es mit dem "ausstrahlen" nicht getan, Selbst-Vertrauen sollte vorhanden sein, einfach so. Dann strahlt es nun überzeugend und wirklich.

Zu 2.: Unternehmer-Geist, das ist es, jedoch nur der Geist etwas zu unternehmen. Deshalb ist ja jeder, der etwas unternimmt, ein Unternehmer und nicht vorzüglich ein Unternehmer der ein Ausbeuter ist. Somit sollte der genannte Geist vorzüglich benannt sein. Mit der "Führung" einer Klasse ist man bereits ein Unternehmer im Geiste. Lehrer als Unternehmer hingegen ist wenig, bis gar nicht zielführend. 
teacher antwortete am 25. Nov, 08:22:
Wie lernt oder trainiert man "Ausstrahlung", wenn sie nicht in die Wiege gelegt wurden?

P.S.: Ich beobachte, dass sich selten jemand aus dem (Groß)Bürgertum in den Lehrerberuf verirrt.

Ja, Unternehmertum ohne Ausbeutung wäre gefragt. Aber wer gerne etwas unternimmt, der geht lieber ins Unternehnmertum mit Ausbeutung. :-) 
SirToby (Gast) antwortete am 25. Nov, 10:03:
Ausstrahlung
Dieses zu Lernen und oder zu trainieren führt, meiner Erfahrung nach, zu keinem diesbezüglichen Erfolg. Meine Erfahrung vielmehr bringt mich zu der Erkenntnis, daß Ausstrahlung schon wirklich; und ich möchte sagen fast ausschließlich; etwas mit "in die Wiege gelegt" zu tun hat. Sozialisation, körperliches Aussehen, Erziehung, Umfeld, Sicherheit, Vertrauen und so weiter und dergleichen vorzügliche Dinge die Mensch erfahren durfte, um sein Leben zu bewältigen. Ausstrahlung zu lernen, zu erlernen, zu trainieren, führt insoweit zu er- oder gelernter und oder zu trainierter Ausstrahlung. Keine wirkliche Ausstrahlung. Das wird nix mehr. Versprochen. Alles aufgesetzt! Es gibt halt Menschen, die, ja, die quasi grundsätzlich den "Raum ausfüllen", wenn sie erscheinen, wenn sie anwesend sind. Man hört denen zu, wenn sie reden, schaut sie an, es wird still. 
o. klein (Gast) antwortete am 25. Nov, 14:00:
Ich denke schon, dass man "Ausstrahlung" trainieren kann. Nur reicht ein Wochenend-Seminar dafür halt nicht aus, man muss viel auftreten, um vor Publikum sprechen zu lernen.

Genauso kann man auch Techniken des "Aufmerksamkeits-Managements" lernen:
- Wie rede ich so, dass man mir zuhört?
- Wie gestalte ich die Stunde, dass ich die Zuhörer nicht überfordere?
- Wie soll die Balance Zuhören-selber tun sein?

All das kann man lernen... 
Herr Rau (Gast) meinte am 24. Nov, 17:21:
Souveränität, unbedingt. Souverän sein. Der Souverän sein in der Klasse? Mir eben Wikipedia-Wissen angelernt: "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet." Und das gilt für den Lehrer.

Der Vorwurf der Überheblichkeit trifft bei einigen Kollegen aber schon. Aber das ist nicht meine Art Überheblichkeit, derer ich mich gelegentlich schon auch verdächtige, heimlich so. 
teacher antwortete am 25. Nov, 08:24:
Überheblichkeit ist im Lehrerbereich fast ausgestorben. "Gott Kuper" ist tot, sage ich ohne Trauer. Aber Souvernänität ist auch eine rare Perle geworden. 
BIA (Gast) meinte am 24. Nov, 18:53:
Es fe_len Zeit & Mut. 
teacher antwortete am 25. Nov, 08:25:
... und beide gibt es nicht im Supermarkt. 
o. klein (Gast) meinte am 25. Nov, 14:01:
Übrigens: in Paris gibt es ausser der Sorbonne noch ca. 20 andere Hochschulen...

(Die haben alle so schöne Nummern Université de Paris I - XX) 
teacher antwortete am 26. Nov, 21:44:
... aber sie sind nicht so schön wie die gute alte Sorbonne. 
o. klein (Gast) antwortete am 27. Nov, 23:46:
aber dafür umso sehenswerter... 
teacher antwortete am 6. Dez, 22:29:
Jetzt ehrlich? Welche würdest du mir für die nächste Reise empfehlen? 
 

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