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cotopaxi

 
Die Kritik wird spürbar schärfer.

"Ich kenne einen Trick", erklärt eine erfahrene Kollegin in ihrer ersten Klasse und hält das große Dreieck an die Tafel. "Ihr gleitet mit eurem Stift über das Lineal ... und schaut euch dann den Strich an."
Die 10-jährigen Kinder ziehen eine gerade Linie unter die Überschrift. Sie lernen unterstreichen. Die meisten lächeln erhaben, aber einige Kinder staunen Bauklötze, was mit einem Lineal möglich ist: gerade Striche.

"Und jetzt schaut einmal auf euer Lineal", fährt die Kollegin fort. "Was seht ihr darauf?"
Manche finden viele kleine Striche und sind überrascht, dass ihre Mitschüler "Millimeter" dazu sagen.
Die Mathe-Lehrerin bestätigt, was in Deutsch zum Standardvorwurf geworden ist: "Wir bekommen immer mehr Analphabeten aus der Volksschule."

Vier Jahre Grundschule und manche Kinder können kaum lesen und schreiben und verfügen kaum über die einfachsten Grundbedingungen erfolgreichen Lernens.

Ein Mädchen fragt während der ersten schriftlichen Prüfung:
"Frau Lehrer? Wann kommen Sie?"
"Was brauchst Du?"
"Können Sie mir die Fehler verbessern?"
"Ja, schon ... aber das mache ich zuhause."
"Aber meine Volksschullehrerin hat das immer gleich gemacht ..."
Kein Wunder, dass sie alles richtig hatte. Und immer beste Noten. Jetzt, im bösen Gymnasium wird ihr der Spaß am Lernen verdorben.
Eine glückliche Analphabetin wird aus dem Paradies vertrieben.

"Nächste Stunde machen wir eine Wiederholung ... mit Noten", kündigt ein Kollege an.
"Was heißt das?", fragt ein Kind.
"Ihr sollt euch vorbereiten ... zu Hause das Heft anschauen und alles, was wir aufgeschrieben haben noch einmal durchlesen. So lange, bis ihr es selbst erklären könnt."
"Alles auswendig lernen?"
"Naja. Das sind ja nur fünf Seiten ... und ihr müsst es ja nicht wörtlich aufsagen können. Ihr sollt die wichtigen Sachen widergeben können, wenn ich euch frage."

Es gibt Kinder, die sind vier Jahre in eine Grundschule gegangen und haben niemals lernen müssen. Sie wissen gar nicht, was darunter zu verstehen ist bzw. wie das gehen könnte.

Da liegen unglaubliche Lernkapazitäten brach, da werden Talente verschenkt und Chancen vertan. Von GrundschulehrerInnen, die bloß lieb sein wollen.

Deswegen wird die Kritik an der Volksschule immer heftiger. Bei uns im Gymnasium. Sonst ist sie sehr beliebt.
steppenhund meinte am 20. Nov, 17:25:
Also ich weiß, dass ich mich da nicht zum Maß aller Volksschüler machen soll: aber ist es wirklich notwendig in der Volksschule zu lernen. Soweit ich mich erinnern kann, wurde das meiste erzählt, das war interessant und als Kind konnte man sich das einigermaßen merken.
Bei meinen Schulkollegen kann ich mich auch nicht erinnern, dass die besonders gestrebert haben. Nur die Eva Zeiss, das war eine Musterschülerin, die hat vielleicht wirklich zuhause gelernt.
Sprich: was not tut, sind Übungen und Beispiele. Aber da gab es ausreichend während des Unterrichts davon.
-
Aber das Ganze, wie es beschrieben ist, geht ja weiter. Kommt dann irgendeiner dieser Analphabeten in politische Ämter, ist leicht zu ersehen, dass hier weder Lernvermögen noch Denkvermögen gegeben ist. Die Spin-Doktoren beten vor. Authentizität ist nicht nur unverstandenes Fremdwort sondern von vornherein eine "Un"-Eigenschaft. 
teacher antwortete am 21. Nov, 11:25:
Stimmt. Ich habe für "Sachkunde" auch zuhause nichts lernen müssen. Ich kann mich an keine Prüfung darüber erinnern.

Aber aus meiner Klasse sind nur 3 zur Aufnahmeprüfung in die AHS zugelassen worden, 2 haben sie geschafft. Heute wollen in den Städten 50-70 % in die AHS - und das Niveau soll erhalten bleiben.

Wie soll das gehen? 
steppenhund antwortete am 22. Nov, 18:34:
Apropos Sachkunde
Ich erinnere mich, dass wir über die Ringstraße gelernt haben. Das war faszinierend. Ich habe mir zwar die Breite legasthenisch verwechselnd mit 75m gemerkt, was nicht stimmen kann. Doch die echten 57m sind weit genug und ich erinnere noch genau, wie wir ein Querschnitssprofil gezeichnet habe - mit den Gehsteigen, den Nebenfahrbahnen, den Fahrbahngleisen und den Bäumen. Das Bild werde ich nicht vergessen. Gestrebert habe ich das nie. Es war einfach faszinierend. Offensichtlich hat die Lehrerin da auch einen sehr guten Job gemacht, wie sie das Interesse geweckt hat.
Und die Jahreszahlen der Türkenbelagerung habe ich glaube ich aus der Volksschulzeit behalten, lange bevor ich mir die Sterbejahre von Beethoven und Schubert gemerkt habe. Aber heute darf man ja gar nicht mehr Türkenbelagerung sagen, es heißt Osmanenbelagerung.
Und das hätte ich mir wahrscheinlich nicht gemerkt:) 
teacher antwortete am 25. Nov, 08:52:
Es war leichter, die Kinder damals zu begeistern. Ohne TV, ohne Handy, ohne Internet.

P.S.: Wir wissen nicht, wie wir korrekt zur Türkenbelagerung sagen sollen - wenn Kinder mit türkischem Hintergrund in den Klassen sitzen. 
SirToby (Gast) meinte am 20. Nov, 19:29:
Beliebt, da steckt das Wort Liebe drin...
"... einige Kinder staunen Bauklötze, was mit einem Lineal möglich ist: gerade Striche." Brüll, lach - wenns nicht so traurig wär, kannt i mi meine Schenkel klatschen vor lachen ... Es gibt Länder in Europa, in denen an den sogenannten Grundschulen die am besten ausgebildeten Pädagogen arbeiten, die zudem wohl auch noch am besten bezahlt werden. Da stimme ich Ihnen leidenschaftlich zu Herr teacher: "Da liegen unglaubliche Lernkapazitäten brach, da werden Talente verschenkt und Chancen vertan." Deshalb mein Vorschlag, denn danach wird ja stets von "kritischen" Geistern gefragt, also: Abschaffung der Volksschulen, der Hauptschulen, der Realschulen und alles integriert, von Anfang an, in das Gymnasium. Die Lehrerschaft wird top ausgebildet (die zukünftige wirkliche Elite in Deutschland wie in Austria) und sehr, sehr gut bezahlt, vergleichbar den Bankenmanagern. Ja, ja, ich weiß, unterschiedliche Begabungen, blah,blah, blah... 
teacher antwortete am 21. Nov, 11:22:
Das braucht es: Beste LehrerInnen in den Grundschulen ... und diese sollen nicht bloß Spielplätze sein. 
steppenhund meinte am 20. Nov, 23:04:
[off topic und on topic]
Gestern ist in der Presse im Spectrum eine Gegendarstellung zu Eva Novotnys Behauptung erfolgt. (Sie meint, dass "jeder" alles lernen kann.) Aljoscha C. Neubauer kontert mit großer Höflichkeit aber auch Hinweisen auf falsch interpretierte Studien (Lewis Terman Studie und andere) und meint, dass Begabung doch auch als Erbgut enthalten sein muss, "obwohl es noch nicht gelungen ist, Begabungsgene zu identifizieren".
Ohne jetzt weiters darauf einzugehen (seine Argumentation fundiert mehr auf noch unbewiesene (Arbeits-)Hypothesen als die von E.N.) möchte ich einen Satz zerpflücken, den er dazu verwendet, dass Lernen nicht unbedingt Spass machen muss:
Es geht um die Expertiseforschung von Anders Ericson, der seit den 1990er-Jahren emiprisch zeigen konnte, dass herausragende "eminente" menschliche Leistungen nicht möglich sind ohne vieljähriges Lernen und Üben. (Jetzt, wo ich den Satz abschreibe, stelle ich den Fehler in der Satzstellung fest, aber sei's drum.) Der Befund ist als Zehnjahresregel oder 10.000-Stunden-Regel bekannt. ...
[Das wertet er] ... Aufbau nur durch mühevolles Lernen oder Üben (was diametral steht zu dem in der sogenannten Neuropädagogik oft propagierten Leitsatz, demzufolge Lernen Spaß machen soll) ...
--- [diametral bedeutet soviel wie absoluter Widerspruch]
Ich sehe da deswegen keinen Gegensatz, weil ich aus eigener Erfahrung lernen konnte, dass "das mühevolle Üben" sehr wohl lustbetont erlebt werden kann. Solange ich während des Übens eine Leistungs- oder Qualitätssteigerung erfahren kann, macht mir das Üben Spaß. Ich habe gerade eine Liszt-Transkription im letzten Monat "erarbeitet", die ich vor zehn Jahren aufgegeben hatte. (Für einen Amateur zu schwer) Gestern habe ich sie vor einem teilweise kritischen Publikum vorgeführt.
Es hieß, täglich - in der Nacht - zwei Stunden konzentriert üben und an den Wochenenden habe ich neun bis zehn Stunden pro Wochenende hineingesteckt. Manchmal wollte ich nur das Stück, welches 4 Minuten dauert, einmal durchspielen, damit sich Spielqualität nicht verschlechtert. Aus den einmaligen 4 Minuten ist immer mindestens eine Stunde daraus geworden, weil es die Vorstellung gab, dass es noch ein bisschen besser gehen könnte. Die Musik ist wunderbar und man wird ihrer nicht überdrüssig. Jetzt waren das zwar nicht 10.000 Stunden sondern nur 100, aber viel mehr arbeitet ein Berufspianist wohl auch nicht daran.
-
Die Frage ist allerdings: woher kommt das Durchhaltevermögen? Das ist aber eine gänzlich andere Frage. Und wenn ich die vielen Leute ansehen, die monatelang für die Teilnahme an einem Marathonlauf trainieren, dann kann ich nur den Schluss ziehen, dass körperliche Fitness interessanter ist als geistige.
Denn man kann dem andern viel besser in die Goschen hauen, wenn man körperlich fit ist:) 
teacher antwortete am 21. Nov, 11:16:
Wir lesen die gleichen Artikel in der gleiche Zeitung.
Ich finde auch diese Gegendarstellung höchst interessant, glaube auch, dass beide Darstellungen in der Praxis zu verbinden sind: Es braucht Talent und Übung.

Zu Deiner Vorstellung von Lust am Üben.
Ja, die gibt es, wenn man freiwillig besser werden will (das ist in der Schule selten da und wird von den Mitschülern schnell abgestraft: "du Streber"), ich glaube, das läuft sogar an den Unis und in der Wirtschaft nicht viel anders ... 
steppenhund antwortete am 22. Nov, 19:54:
Also eines kann ich mit Sicherheit behaupten. Mich hat man nie als "Streber" bezeichnet. Dazu waren auch meine Betragensnoten nicht angetan:) Heute würde ich vermutlich als ADHS diagnostiziert werden, aber davon hat man damals noch nichts gewusst:) 
PKA'in (Gast) meinte am 21. Nov, 07:12:
Jawoll, und bei uns jammern die Fachhochschulen und Universitäten rum, dass die Abiturienten nichts können! ;)
Bei mir nicht, da das, was man von uns verlangt natürlich nicht in der Schule gelehrt wird, aber so bei mathelastigen Studiengängen zum Beispiel... 
teacher antwortete am 21. Nov, 11:20:
Stimmt oft auch.
Wir müssen im Gymnasium "die Kinder abholen, wo sie sind". Früher konnte jedes Kind (bei uns) gut Deutsch (lesen, schreiben) und hatte bereits viel Erfahrung mit Unterricht (z.B. wie man ein Heft führt, wie man lernt, wie man Schulsachen benützt).

Jetzt gilt beides nicht mehr und wir müssen viel aufholen, was vorher versäumt wurde ("wir sollen niemanden zurück lassen"), daher kommen wir auch weniger weit und die Vorbereitung auf ein Studium ist weniger gut als früher. Die Studien sind aber eher anspruchsvoller geworden aber die Massen, die studieren wollen, sicher nicht intelligenter und motivierter. 
PKA'in (Gast) antwortete am 21. Nov, 19:52:
Dass man niemanden zurücklassen will, ist ja auch gut so, aber es ist schwierig, wenn die Betroffenen sich nicht bemühen.

Meine Kolleginnen und Kollegen sind Gott sei Dank alle soweit motiviert und mit Fleiß dürfte das Studium auch machbar sein. Allerdings kommt man in dieses Studium ja nur rein, indem man diverse Auswahltests besteht.
Wie das in normalen Unis und FHn ist, kann ich nicht beurteilen, aber was man so hört...
Bei uns ist ja Anwesenheitspflicht, wir haben oft im Studiengruppenverband (20-25 Leute) Unterricht und wer nicht aufpasst, bekommt früher oder später sicherlich Probleme. Für mich persönlich kann ich mir nichts besseres vorstellen. 
fedor (Gast) meinte am 21. Nov, 08:32:
.)Leistungen dürfen nicht erzwungen werden
.)Es ist so gut wie unmöglich,negative Noten zu geben
.)Unterricht darf nur spaßorientiert sein
.)Eltern in die Pflicht nehmen-unmöglich!Dafür sind ja SIE da!
.)Warum hat man vor ...zig Jahren die alte Fleißnote abgeschafft;die hat viel ausgesagt!
Und jetzt wundert ihr euch,ruft nach Lesescreening und Evaluierung.Hättet ihr uns doch arbeiten lassen! 
teacher antwortete am 21. Nov, 11:21:
Wir LehrerInnen wundern uns nicht, wir "jammern" schon einige Jahre darüber - aber wir werden nicht ernst genommen, bloß als "Jammerer" disqualifiziert. 
bonanzaMARGOT meinte am 21. Nov, 12:25:
hm, ich bin für eine einzige schule. die schulen behindern sich sonst ewig gegenseitig mit ihren vielleicht verschiedenen pädagogischen ansätzen.
wären alle kinder unter einem dach, hätten sie alle gleiche voraussetzungen, wenn sie dann in gymnasialklassen kommen.
man hätte eine direktion und ein konzept, um die kinder zu fördern.
"hauptschule - realschule - gymnasium" als sozusagen getrennte schulen ist ein veraltetes konzept aus zeiten, als der haupt- und realschlussabschluss für viele berufsziele noch etwas galt, bzw. diese berufe noch in der breite angesehen waren.
heute müssen die schulen sich dem veränderten arbeitsmarkt zum einen und zum anderen der veränderten wertigkeit vieler berufziele anpassen, ansonsten produzieren wir immer mehr junge menschen, die nach ihrem schulabschluss relativ orientierungslos ihrer zukunft in der arbeitswelt gegenüberstehen. 
Der_Eisenschmyd antwortete am 21. Nov, 13:43:
"....hauptschule - realschule - gymnasium" als sozusagen getrennte schulen ist ein veraltetes konzept aus zeiten, als der haupt- und realschlussabschluss für viele berufsziele noch etwas galt, bzw. diese berufe noch in der breite angesehen waren.
heute müssen die schulen sich dem veränderten arbeitsmarkt zum einen und zum anderen der veränderten wertigkeit vieler berufziele anpassen..."

Beim Wort 'Anpassen' zuck ich gleich zusammen.
Es ist immer das gleiche System.
Kinder und Jugendliche sollen an das Wirtschaftssystem angepasst werden, sollen sich den Vorstellungen der Wirtschaftsbosse gefälligst fügen.

Das Problem ist aber nur dieses, egal wie die Kinder/Jugendlichen dem System angepasst werden, den Wirtschaftsbossen werden sie nie gut genug sein.... 
bonanzaMARGOT antwortete am 21. Nov, 14:46:
ja, da ist was dran, eisenschmyd. wir müssen aber das beste draus machen. wenn sich die arbeitswelt verändert, müssen sich die schulen ebenso verändern, wenn sie die jungen menschen auf die arbeitswelt vorbereiten und schulen wollen. eine andere alternative sehe ich nicht.
leider ist die staatliche bürokratie mitsamt schulsystem offensichtlich viel zu träge, um dieser aufgabe gerecht zu werden.
schuld daran ist ... niemand. alle machen nur ihre jobs. am wenigsten können unsere kinder etwas für dieses desaster. im gegenteil: sie müssen es ausbaden!
und die lehrer stecken in der zwickmühle ... 
teacher antwortete am 21. Nov, 18:01:
Ich bin ja mehr für Bildung als für Ausbildung zuständig, ich sehe Menschen nicht primär als Arbeitskräfte.

Aber das Problem der Gesamtschule ist ein unendlich weites mit vielen Pros und Contras, der Unterricht wird dadurch nicht besser. 
BIA (Gast) antwortete am 21. Nov, 18:45:
@teacher
Aber selbst, wenn wir sie nicht als Arbeitskräfte sehen - sie müssen lesen können, rechnen können, sich verständlich machen können, also gutes Deutsch sprechen und schreiben können...ob wir das damit tun, damit sie am Arbeitsplatz reüssieren oder sich ihre Kreditzinsen ausrechnen können und das Kleingedruckte im Vertrag verstehen, ist doch egal, oder? 
teacher antwortete am 21. Nov, 20:08:
Ja, das ist alles Bildung. 
PrincipalSkinner (Gast) meinte am 21. Nov, 15:54:
Oh je!
Lieber Kollege, wie in jeder Sage ist auch hier ein Körnchen Wahrheit drin. Dieser beschriebene Archetypus von GrundschulkollegIn existiert bisweilen noch. Genauso wie der in unseren Kreisen bekannte Typ des leicht arroganten und und auf die Grundschule verächtlich herabblickende Typ des Gymnasiallehrers, bei uns Gott sei Dank nicht mehr "Professor" genannt. Glücklicherweise kenne ich aber eine Menge Philologen, die verstanden haben, dass man Kinder da abholt, wo sie sind, notfalls auch mal ohne Gemecker und dann den Kontakt zu den Grundschulen sucht. Nur am Rande bemerkt definieren sich die meisten GS-KollegInnen auch nicht mehr als Vorbereiter fürs Gymnasium. Wir haben da nämlich nicht nur die Lieschen Müllers, die brav und sauber ihre Arbeit erledigen, sondern auch Problemfälle. Zu guter Letzt noch folgende Anekdote: Seit einiger Zeit gibt es in Bayern das funktionslose Beförderungsamt des "Studienrates an Grundschulen". Ne Eins für den, der mir sagt, wer dagegen am lautesten protestiert hat. 
BIA (Gast) antwortete am 21. Nov, 17:09:
Die Gymnasiallehrer? 
teacher antwortete am 21. Nov, 18:07:
@PrincipalSkinner
... "funktionslose Beförderungsamt des "Studienrates an Grundschulen" ... dieses Deutsch verstehe ich als Ösi einfach nicht, nämlich gar nicht. Bitte um Aufklärung.

Dem Prinzip des "Abholens, wo sich die Kinder befinden" folgen wir - weil es anders gar nicht geht, aber wir sind machmal fassungslos, welche simpelsten Kulturtechniken (Lineal verwenden, z.B.) heute im Gymnasium geübt werden sollen. Das ist für uns völlig neu. 
SirToby (Gast) antwortete am 23. Nov, 10:49:
Buchhalter Wanninger...
Brüll, lach, kicher - ich vermutete tatsächlich einen fake...dem ist jedoch nicht so, leider: 2230.1.1.1.3.2-UK
Richtlinien für die Beförderung
von Lehrkräften und Förderlehrkräften
an Volksschulen, Förderschulen
und Schulen für Kranke

Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums
für Unterricht und Kultus
vom 18. März 2011  Az.: IV.5-5 P 7010.1-4.23 489

Genau das ist es, woran unser gesamtes Schulwesen, hier wie auch in Austria, mehr als krankt, diese unsägliche Schulbürokratie. Viele Lehrer haben die "Auseinandersetzung" mit diesen Bürokraten aufgegeben, die immer mal wieder, irgendwelche unsinnigen Vorschriften, Erlasse, Verordnungen oder gar Gesetze zelebrieren, zuvorderst zur Sicherung ihres eigenen Daseins ... von den diversen Verbänden, die Lobbygesteuert sind und auch noch ihren Einfluss geltend machen, einmal abgesehen! 
teacher antwortete am 25. Nov, 08:54:
Die Bürokratie kostet sooooo viel Geld, und sie hilft nicht, sie belastet nur. Aber sie schafft Arbeitsplätze für politische Günstlinge - damit ist sie fest einbetoniert und nicht wegzukriegen. 
Marion (Gast) meinte am 21. Nov, 18:35:
"Ahddern?"
Also, nach spätestens zwei Lehrplanreformen an Volksschulen sollte man als Lehrer den Job wechseln können. (das war schon zwischen 1954 und 1970 so):
Heute, 1. Klasse AHS, wir besprechen den Blutkreislauf,
ich diktiere: "Adern:"
aus den Schülerreihen kommt:
"schreibt man das mit Doppel-D?"
"schreibt man das mit H?"
"ist Adern ein deutsches Wort?"

?????????????? 
bonanzaMARGOT antwortete am 21. Nov, 18:48:
Wie wäre es, wenn man mal an die Kinder denken würde? 
marion (Gast) antwortete am 21. Nov, 19:32:
keine Angst, wir haben das geklärt. Aber um ca 3 Jahre zu spät. 
teacher antwortete am 21. Nov, 20:07:
Solche "Ahddern"-Geschichten höre ich fast jeden Tag, von fast allen Seiten. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich sowas vor 10 Jahren auch schon gehört habe - es muss sich die Qualität der Vorbildung wirklich verschlechtert haben. Daher mein Titel: Glückliche Analphabeten. 
Ketzerkatze (Gast) antwortete am 22. Nov, 00:10:
Ja, schpiehln sollen sie, und glücklich sein. Dauerfröhlich, rundumbespaßt und reines Glücks-GEFÜHL.

Lernen, anstrengen, üben - böse böse Worte. Hart, menschenverachtend, wenn nich sogar die -würde verletzend.

Eine glückliche Herde glücklichen Konsumvieh wird`s, wenn sich nicht bald etwas tut.

Ich tu was. (Beliebt kommt von beliebig) 
bonanzaMARGOT antwortete am 22. Nov, 07:11:
glückliche analphabeten sind besser als unglückliche. mehr fällt mir jetzt auch nicht mehr ein. 
BIA (Gast) antwortete am 22. Nov, 19:44:
Ich glaube, der Druck an Gymnasien (zumindest hier) hat damit zu tun, dass sich niemand recht vorstellen kann, dass Analphabeten glücklich sein können in einer Gesellschaft, in der Teilhabe AUCH vom Lesen- und Schreibenkönnen abhängt. 
BIA (Gast) antwortete am 22. Nov, 19:45:
Die 10.000 Stunden, die es braucht, bis man irgendetwas meisterlich beherrscht, müssen halt irgendwie aufgebracht und durchgestanden werden. Macht nicht immer Spaß, schon klar. 
steppenhund antwortete am 22. Nov, 19:56:
Das ist leicht zu erklären. Die Rechtschreibung lernt man durchs Lesen, nicht beim Fernsehen. 
teacher antwortete am 23. Nov, 14:46:
Lesen bildet, Fernsehen verblödet. 
BIA (Gast) antwortete am 23. Nov, 20:09:
...und wie hab ich mir heute bei meinen Oberstufenklassen den Mund fusslig gepredigt, dass Pauschalierungen bei komplexen, multikausalen Sachverhalten zu unterlassen sind. :-)
Fall'ns mir doch nicht so in den Rücken, Herr Kollege! 
teacher antwortete am 24. Nov, 15:23:
Die lesen ja eh nicht mit :-))
Und wenn doch, dann müssten sie mit komplexen Gegenargumenten meine provokante Zuspitzung entkräften. Können das deine SchülerInnen? 
BIA (Gast) antwortete am 24. Nov, 18:47:
Wenige.
Sehr wenige.
Die meisten schreiben so Sachen wie "Rentner haben zu viel Zeit und wissen nicht, was sie damit anfangen sollen. Darum sollte man einen verpflichtenden Sozialdienst für Rentner einführen, um die Altenpfleger zu entlasten."
W.T.F. 
lori (Gast) meinte am 22. Nov, 18:27:
Schuldzuweisungen?!
Dein Beitrag hat mich zunächst mal ziemlich aufgewühlt. Nachdem ich selbst Volksschullehrerin bin, habe ich die Sache mit dem Lineal gleich mal ausprobiert (das konnte/kann ich einfach nicht glauben, muss es aber wohl)- ich kann ja nicht für alle Lehrer/innen sprechen, aber das Volksschulkinder z.B. keine Hefte führen können, den richtigen Umgang mit Schulutensilien nicht kennen, halte ich schlichtweg für falsch- meine Kinder (3. Kl) beispielsweise verstehen, was unterstreichen bedeutet- sie wissen sogar, was die kleinen Striche am Lineal bedeuten..... ;) Auch wir haben einen Lehrplan zu erfüllen- das Kinder Lerninhalte trotzdem nicht beherrschen, liegt auch in der Verantwortung der Eltern. Bei Überprüfungen, würde man meinen, einige Kinder wären bei der Erarbeitung des Lernstoffes nicht anwesend gewesen, da sie enorme Fehler haben- das durchgehend bis in die 4. Klasse (Ja und es gibt Lehrer, die auch solche Kinder auf Drängen der Eltern ins Gymnasium schicken). Auch das Lernen lernen ist ein Thema in der Volksschule- wieder aber sehr abhängig von der Lehrperson. Wie in allen Schulen, gibt es gute und schlechte Lehrer, solche die es sich leicht machen und solche, die versuchen jedes Kind individuell zu fördern. Das fehlende Personal an den Schulen, berufstätige Eltern, die kaum noch Zeit für ihre Kinder haben (sprich wenig Unterstützung bei schulischen Belangen) und deren Vorstellung, dass gerade IHR Kind unbedingt ins Gymnasium gehen muss, machen es da nicht gerade unbedingt leichter.....auch nicht für Volksschullehrer/innen, die lieb sein wollen! 
teacher antwortete am 23. Nov, 14:43:
Schuldzuweisungen?
Ja, definitiv. Manchmal berechtigt, manchmal nicht.

Wir wundern uns total, wenn (einige, wenige!!!) Kinder nach 4 Jahren Schule quer über die Doppelseite eines Heftes schreiben oder fragen, was sie tun sollen, wenn eine Seite vollgeschrieben ist, etc.

Diese Kinder haben früher keine Berechtigung fürs Gymnasium bekommen, heute haben sie (vor allem in den Städten) beste Noten im Zeugnis stehen. Warum gibt es dann Noten wie 3 und 4, wenn sie in fast keinem VS-Zeugnis mehr zu finden sind?

P.S.: Die große Mehrheit unserer Schüler ist davon nicht betroffen, die meisten sind gut vorbereitet. 
Der Ex-VS Lehrer (Gast) meinte am 22. Nov, 22:51:
Nahtstellenproblematik
Okay, in seltsam gauer Vorzeit war auch ich mal als LehrER in der Volksschule tätig. Habe PädAk und Praxis hinter mich gebracht, war danach 5 Jahre in der Privatwirtschaft als Programmierer und hab dann neben meinem Studium zur Gaude (weil das Geld was wirklich nicht - unterrichtet). Schön wars. Nachdem ich mich quasi jetzt als jemand von "außen" der im "drinnen" gearbeitet hat bezeichnen würde, sehe ich die Sache wirtschaftlich.

Mittlerweile habe ich - nicht dass ich es wollte - sowohl mit dem BMUKK (Verrückte) als auch den LSRs und den Kindergartenleitungen (Götter im Land) zu tun.
Und immer frage ich mich, warum da keiner mit keinem redet.

Rein gedacht: Wenn ich ein Bildungshaus bauen würde, würde wohl derjenige, der den Keller baut, mit dem reden, der den Grundstock aufsetzt. Der Dachdecker dann wohl mit den beiden. Raus kommen viele Reihenhäuser. Einige Hochhäuser und dann eben auch ein paar Kleingartensiedlungen.

Frage an Teacher: wie viele LehrerInnen (auch DU) haben schon mal den direkten Kontakt zu den umliegenden Volksschulen gesucht (bitte nicht jetzt vom Tag der offenen Türe reden-das Blendwerk). Weiß Teacher was im Lehrplan der VS steht? Weiß er wie der Grundstock geplant ist. Großes Wohnzimmer, kleines. Wohnküche???

Frage an die VS Lehrer: Wie viele haben schon mal mit diesen schäbigen KindergartenpädagogInnen geredet (die haben ja "nur" maturiert"). Wäre es nicht mal interessant zu wissen, wie groß der Keller ist?

Macht aber keiner und ich verstehs nicht. Die VS Pädagogen sind "enttäuscht" wenn die Kids schon schreiben und rechnen können (egal - sicher nicht "richtig" und schön). Die Sekundarlehrer schimpfen über die VS, dass die kein Lineal halten können.

Das Dumme an der Sache ist nur: keiner weiß, wer das Haus eigentlich bezahlen soll. Es sollen nur alle beschäftigt werden. Vom Schüler bis zum Lehrer. Letzter am besten seine 22h. 
teacher antwortete am 23. Nov, 14:36:
Wir kennen diese Problematik und haben zwei Kolleginnen zu "Botschafterinnen" erklärt, die in die VS gehen, um den Kontakt zu halten ... und wir laden auch immer ein, zu uns zu kommen. Wir wissen trotzdem nicht viel voneinander.

Natürlich schieben wir einander auch den Schwarzen Peter zu, weil jeder gerne die Schuld bei anderen sucht.

Was ich bei meinen eigenen Kindern gelernt habe: Die VS-LehrerInnen haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von "guter Arbeit", manchen ist es wichtig, dass ihre Kinder gut im Gymnasium einsteigen können, andere sehen darin überhaupt kein Ziel, weil das Gymnasium - als Konkurrenz zu Neuen Mittelschule - eher als Feindbild dasteht. 
Auch ein Teacher (Gast) antwortete am 5. Dez, 13:21:
Klügliche Annerl verbeten?
Wie immer treffend dazu: Harald Martenstein in der "Zeit".

http://www.zeit.de/2011/48/Martenstein 
teacher antwortete am 27. Aug, 12:05:
Köstliche Vergleiche! 
Franz Josef Neffe (Gast) meinte am 27. Sep, 14:16:
Wenn es etwas gibt, was ZIEHT, wird Lernen zum Bedürfnis.
Ist der homo sapiens magister dafür mit GEIST begabt, dass er Kindern sagen muss, dass sie "zu Hause das Heft anschauen und alles, was wir aufgeschrieben haben noch einmal durchlesen (sollen). So lange, bis ihr es selbst erklären könnt."???
Er hat es ihnen offenbar schon "aufs Auge gedrückt" und nun sollen sie es auch noch selbst solange immer wieder in sich hineinfüllen, bis sie es davon verstanden haben? Von In-sich-hineinfüllen soll man etwas verstehen lernen???
Ich denke, da haben die Gymnasiallehrer den kritisierten Grundschullehrerinnen nichts an Lebensverständnis voraus. In der Ich-kann-Schule kommt Lernen & Lehren von germ. "Laisti = die Fährte". Man lernt, indem man Fährten des Lebens verfolgt und eigene Erfahrungen sammelt. Und wenn einen das so fasziniert, dass andere einem von sich aus folgen wollen, ist man Lehrer. Was ich oben über Gymnasiallehrer und Grundschullehrerinnen ableiten kann, zeigt mir nur zwei Varianten von Unterrichtsvollzugsbeamten.
Lehren heißt ein mitreißendes Vorbild für Lernen sein. Lehrer haben SOG-Wirkung. Wenn es etwas gibt, was ZIEHT, wird Lernen zum Bedürfnis. Wir sind mit GEIST begabt, uns was einfallen zu lassen, was ZIEHT. Guten Erfolg also!
Franz Josef Neffe 
 

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